Personengesellschaften sind in Deutschland sehr verbreitet und nehmen im internationalen Wirtschaftsverkehr bedingt durch die zunehmende Internationalisierung vor allem im Mittelstand eine immer größere Bedeutung ein. Im Ausland sind sie hingegen nicht so häufig im grenzüberschreitenden Bereich anzutreffen. Personengesellschaften nehmen eine gewisse Sonderstellung ein, da sie in verschiedenen Staaten eine unterschiedliche steuerliche Behandlung erfahren können. Teilweise werden sie als Steuerrechtssubjekt betrachtet, d.h. sie werden wie Kapitalgesellschaften besteuert (Trennungsprinzip). Teilweise werden sie transparent behandelt, d.h. die Gesellschafter werden unmittelbar der Besteuerung unterworfen, nicht die Gesellschaft (Transparenzprinzip). In einigen Staaten besteht für Personengesellschaften diesbezüglich ein Wahlrecht. Aus diesen Gründen können Konflikte entstehen, die zu Doppelbesteuerungen oder Keinmalbesteuerungen führen. Zudem können Regelungen, die dies verhindern sollen, nicht problemlos auf Personengesellschaften angewendet werden.
Einführend sollen noch zwei zentrale Begriffe erläutert werden. Der Begriff „internationales Steuerrecht“ wird uneinheitlich verwendet. Gemeinhin werden darunter alle Normen nationalen Ursprungs verstanden, die die Besteuerung grenzüberschreitender Sachverhalte betreffen.1 Davon abzugrenzen sind solche Normen, die internationalen Ursprungs sind. Hierzu gehören vor allem die Doppelbesteuerungsabkommen. Daher wird dieser Bereich als „Abkommensrecht“ bezeichnet. Das ausländische nationale Steuerrecht wird von keinem der beiden Begriffe umfasst.2
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung und Problembereiche
II. Besteuerung bei Fehlen eines DBA
1. Grundsätze
2. Qualifikationskonflikte
3. Steuersubjektqualifikation
4. Steuerobjektqualifikation
5. Inländische Personengesellschaft
6. Ausländische Personengesellschaft
III. Besteuerung bei Bestehen eines DBA
1. Grundsätzliches
2. Abkommensberechtigung
3. Qualifikationskonflikte
4. Vorschläge der OECD zur Lösung von Qualifikationskonflikten
5. Einkünftequalifikation
a) Unternehmensgewinne
b) Betriebsstättenvorbehalt
6. Einkünfteermittlung und –zuordnung
7. Vermeidung der Doppelbesteuerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die steuerliche Behandlung von Personengesellschaften im internationalen Steuerrecht sowie im Abkommensrecht. Dabei wird analysiert, wie durch unterschiedliche nationale Qualifikationen sowie deren abkommensrechtliche Würdigung Konflikte wie Doppelbesteuerungen oder Keinmalbesteuerungen entstehen können und welche Lösungsansätze hierfür bestehen.
- Grundlagen der Besteuerung von Personengesellschaften bei Fehlen eines Doppelbesteuerungsabkommens (DBA)
- Analyse von Qualifikationskonflikten bei grenzüberschreitenden Sachverhalten
- Besteuerung bei Bestehen eines DBA unter Berücksichtigung der OECD-Empfehlungen
- Einkünftequalifikation und Betriebsstättenprinzip
- Vermeidung der Doppelbesteuerung bei international tätigen Personengesellschaften
Auszug aus dem Buch
Qualifikationskonflikte
Auf Grund von Unterschieden im nationalen Recht sowie unterschiedlichen Sachverhaltsauffassungen kann es bei grenzüberschreitenden Steuerfällen Abweichungen bei deren Lösung geben. Diese sog. Qualifikationskonflikte können zu Doppel-, Keinmal oder Minderbesteuerung führen. Bei Personengesellschaften kann es zu zweierlei Qualifikationskonflikten kommen. Diese liegen einerseits in der unterschiedlichen Behandlung von Personengesellschaften durch die betroffenen Staaten entweder nach dem Trennungsprinzip oder dem Transparenzprinzip begründet (Steuersubjektqualifikation). Andererseits verursacht die unterschiedliche Einordnung der von einem Gesellschafter aus einer Personengesellschaft erzielten Einkünfte Konflikte (Steuerobjektqualifikation). Im Folgenden wird näher erläutert, wie die Qualifikation nach deutschem Recht erfolgt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung und Problembereiche: Einführung in die wachsende Bedeutung von Personengesellschaften im internationalen Wirtschaftsverkehr und Darstellung der steuerlichen Grundkonflikte zwischen Trennungs- und Transparenzprinzip.
II. Besteuerung bei Fehlen eines DBA: Untersuchung der deutschen Besteuerungspraxis bei fehlenden Abkommen unter besonderer Berücksichtigung der Mitunternehmerschaft und der Steuersubjektfähigkeit.
III. Besteuerung bei Bestehen eines DBA: Analyse der abkommensrechtlichen Situation, insbesondere der Abkommensberechtigung und der Lösungsvorschläge der OECD zur Behebung von Qualifikationskonflikten im internationalen Kontext.
Schlüsselwörter
Personengesellschaft, Internationales Steuerrecht, Doppelbesteuerungsabkommen, DBA, Qualifikationskonflikt, Transparenzprinzip, Trennungsprinzip, Mitunternehmerschaft, Steuersubjektqualifikation, Steuerobjektqualifikation, Betriebsstätte, OECD-Musterabkommen, Doppelbesteuerung, Unternehmensgewinne, Quellensteuer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexen steuerlichen Herausforderungen, denen Personengesellschaften im grenzüberschreitenden Kontext begegnen, insbesondere die Konflikte zwischen verschiedenen nationalen Steuersystemen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Trennungs- und Transparenzprinzip, der Qualifikation von Einkünften sowie der Anwendung von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die steuerliche Behandlung von Personengesellschaften zu durchleuchten und aufzuzeigen, wie internationale Konflikte, die aus unterschiedlichen Rechtsauffassungen der Staaten resultieren, entstehen und gelöst werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine rechts- und steuerwissenschaftliche Analyse, die auf nationalen Gesetzen, internationalem Abkommensrecht, der OECD-Musterabkommens-Kommentierung sowie einschlägiger Rechtsprechung des BFH basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Besteuerung bei Fehlen eines DBA und die differenzierte Betrachtung der Besteuerung unter einem DBA, inklusive der Einkünfteermittlung und der Vermeidung von Doppelbesteuerungen.
Welche Keywords prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Personengesellschaften, Qualifikationskonflikte, DBA, Betriebsstättenprinzip und das OECD-Partnership-Report.
Was versteht man unter Steuersubjekt- und Steuerobjektqualifikation?
Die Steuersubjektqualifikation fragt, ob die Gesellschaft oder der Gesellschafter das Steuersubjekt ist (Transparenz vs. Trennungsprinzip), während die Steuerobjektqualifikation die Einordnung der erzielten Einkünfte zur Besteuerung betrifft.
Welche Rolle spielt der OECD-Partnership-Report?
Er dient als wichtiges Instrument zur einheitlichen Auslegung und Lösung von Qualifikationskonflikten bei Personengesellschaften in internationalen Steuerabkommen.
- Quote paper
- Adrian Lohmann (Author), 2002, Die steuerliche Behandlung von Personengesellschaften im internationalen Steuerrecht und Abkommensrecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11784