Als Kernziele des Faches Wirtschaft und Politik (WiPo) wird im Lehrplan des Landes
Schleswig-Holstein die Befähigung der Schüler1 zum rationalen Urteilen über
politische Sachverhalte und die Förderung von verantwortlichem Handeln definiert
(vgl. MFBW-SH Lehrplan WiPo). Der pädagogische Anspruch der sich daraus
ableitet bedarf schüleraktivierender und schülerorientierter Unterrichtsmethoden. Der
daraus resultierende Paradigmenwechsel von der Lehrerzentrierung zu einem Lehrer
in beratender und unterstützender Funktion, bedingt die Ausgestaltung des
Unterrichts zunehmend mehr in die Hände der Schüler zu geben. Das pädagogische
Konzept des handlungsorientierten Unterrichts fordert diese Elemente ein. In der
Literatur lassen sich dazu eine Vielzahl unterschiedlichster hilfreicher Methoden und
Ansätze finden. Eine Methode, die sich im didaktischen Kanon des
handlungsorientierten Unterrichts befindet, ist das Rollenspiel.
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Untersuchung der Methode Rollenspiel, das im
Fach WiPo, am Beispiel eines fiktiven umweltpolitischen Szenarios: „Müll- und
Altölverbrennung im Kraftwerk der Stadtwerke Flensburg?“, durchgeführt wurde. Der
fachliche Bezug und dessen didaktische und unterrichtliche Umsetzung ist dabei
nicht außer Acht zu lassen, soll aber nicht im Fokus dieser Untersuchung stehen.
Demnach ist die Wahl des fachlichen Rahmenthemas (in diesem Fall Ökologie) das
Ergebnis der Einforderungen des Lehrplans und nicht von untersuchungsrelevanten
Überlegungen. Einleitend wird im ersten Kapitel der Bezug zum Modul, den
Ausbildungsstandards und dem Lehrplan aufgezeigt. Ziele und Leitfragen werden
formuliert und der Untersuchungsschwerpunkt der Hausarbeit dargestellt. Im zweiten
Kapitel wird die Umsetzung des durchgeführten Rollenspiels im Unterricht
beschrieben, die dafür erforderlichen didaktisch-methodischen Überlegungen erörtert
und die Lernziele definiert. Im folgenden dritten Kapitel werden die Instrumente
dieser Hausarbeit beschrieben, mit denen die formulierten Leitfragen beantwortet
wurden. Schwerpunkt ist dabei die Analyse, Beobachtung und Einschätzung der
Lehrkraft. Diese wird durch statistische Instrumente (z.B. Fragebögen) in Einzelfällen unterstützt. Im abschließenden Resümee werden die gewonnenen Ergebnisse
dargestellt und die Hausarbeit kritisch betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Das Rollenspiel im Unterricht
1.3 Bezug zum Lehrplan
1.4 Bezug zum Modul
1.5 Ziele und Leitfragen
1.6 Bezug zu den Ausbildungsstandards
2 Umsetzung des Rollenspiels im Unterricht
2.1 Lernsituation in der Klasse
2.1.1 Einordnung in die Stoffverteilung des Halbjahres (Makroplanung)
2.2 Entscheidungsfelder (Mikroplanung)
2.2.1 Sachanalyse
2.2.2 Didaktisch-methodische Überlegungen
2.3 Inhaltliche Konzeption des Rollenspielszenarios
2.3.1 Rollen
2.3.2 Szenario
2.3.3 Zeitliche Planung
2.4 Lernziele
2.4.1 Methodenkompetenz
2.4.2 Sozialkompetenz/ Selbstkompetenz
2.4.3 Fachkompetenz
3 Auswertung der Unterrichtsreihe
3.1 Evaluationsinstrumente
3.1.1 Fragebögen
3.1.2 Stimmungsbarometer
3.1.3 Abschlussfragebogen
3.2 Kritisches Zwischenfazit
3.3 Auswertung und Reflexion der Ergebnisse
3.3.1 Allgemeine Beobachtungen der Lehrkraft
3.3.2 Bewertung der gespielten Rollen
3.3.3 Befragung der Schüler
3.4 Überprüfung der Ergebnisse im Hinblick auf die Lernziele/ Kompetenzen
3.5 Überprüfung der Ergebnisse im Hinblick auf die Leitfragen
4 Resümee
4.1 Schlussfolgerungen für den zukünftigen Einsatz der Methode Rollenspiel
4.2 Kritische Betrachtung der Unterrichtsreihe und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit der Methode "Rollenspiel" im WiPo-Unterricht anhand eines fiktiven umweltpolitischen Szenarios über Müll- und Altölverbrennung, um Potenziale für schülerorientiertes Lernen und politische Partizipation aufzuzeigen.
- Einsatz und didaktische Umsetzung des Rollenspiels in der beruflichen Bildung.
- Förderung von Methoden-, Sozial- und Fachkompetenz durch spielerisches Probehandeln.
- Evaluation der Lernprozesse durch Beobachtung, Fragebögen und Reflexion.
- Analyse von Perspektivwechseln und Toleranzentwicklung bei Schülern.
- Bedeutung der lebensweltlichen Anknüpfung im Vergleich zum regionalen Bezug.
Auszug aus dem Buch
1.2 Das Rollenspiel im Unterricht
Das Rollenspiel und das Planspiel kann der methodischen Großform der Entscheidungsspiele zugeordnet werden (vgl. GEHLERT; POHLMANN 2001, S. 59). Kennzeichen von allen Entscheidungsspielen ist, Schülern Entscheidungs- und Handlungsfreiheiten innerhalb eines realen oder fiktiven Szenarios zuzusprechen (vgl. BLÖTZ 2001, S. 14). Die Grenzen zwischen Planspiel und Rollenspiel verlaufen dabei jedoch fließend. Meyer sieht zwischen Plan- und Rollenspiel den prägnanten Unterschied, dass beim Rollenspiel das Rollenverhalten dem Rollenträger weitestgehend vorgegeben wird und damit innerhalb vorgegebener Freiheitsgrade gelenkt wird (vgl. MEYER 2008, S. 357). Im Planspiel ist das nicht der Fall.
Freiheitsgrade der Akteure sind deutlich größer und von Ihnen gefällte Entscheidungen haben einen direkten Einfluss auf den Verlauf und das Ergebnis des Spiels. Das Rollenverhalten der Rollenträger ist unschärfer festgelegt und obliegt in weiten Bereichen der Selbstorganisation der Teilnehmer. „Rollenspiele verbinden Lebenswirklichkeit mit spielerischem Agieren. Im Rollenspiel werden reale Situationen, Probleme oder Konflikte nachempfunden oder vorausschauend bearbeitet.“ (Gugel 2003, S. 87). Die Rollen sind dabei klar definiert und verteilt. (vgl. HUGENSCHMIDT; TECHNAU 2002, S. 143). Es handelt sich somit um eine weitestgehend geschlossene Handlungssituation, dessen Ergebnis sich innerhalb eines vom Lehrer bestimmten Erwartungshorizonts befindet. Kennzeichnend für das Rollenspiel ist der Rollenkonflikt, der aus dem Handlungs- und Interaktionsspielraum der Rollenspieler untereinander entsteht (vgl. Speichert 1975, S. 321). Gugel betont im Gegensatz dazu mehr die sozialen Elemente des Rollenspiels und betont den förderlichen Charakter des sozialen Lernens. Einstellungen und Verhaltensweisen der Schüler werden sichtbar und Ansatzpunkte für Veränderungen zeigen sich durch die Simulation spielerischer Realität. Es findet somit ein „Probehandeln“ ohne reale Konsequenzen statt (vgl. KLIPPERT 2008, S. 58) und eröffnet den Teilnehmern die Möglichkeit zur einer spielerischen Auseinandersetzung mit Themen und Situationen (vgl. GUGEL 2003, S. 87).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, Einordnung in den Lehrplan und Definition der zentralen Ziele und Leitfragen der Untersuchung.
2 Umsetzung des Rollenspiels im Unterricht: Beschreibung der methodischen Konzeption, der Lernsituation in der Klasse und der spezifischen Planung des Müllverbrennungsszenarios.
3 Auswertung der Unterrichtsreihe: Analyse der Evaluationsergebnisse sowie Reflexion der Lehrkraft bezüglich der Lernziele und des Rollenverhaltens der Schüler.
4 Resümee: Kritische Schlussfolgerungen zum Einsatz der Methode sowie Ausblick auf zukünftige Optimierungsmöglichkeiten für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Rollenspiel, WiPo-Unterricht, Müllverbrennung, Handlungsorientierung, Kompetenzerwerb, Perspektivwechsel, politische Partizipation, Evaluation, Lehrerbildung, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz, Fachkompetenz, Unterrichtsplanung, Schülermotivation, Simulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz der Methode "Rollenspiel" im Fach Wirtschaft und Politik (WiPo) anhand eines fiktiven Falls über die Müll- und Altölverbrennung in einem Kraftwerk.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die handlungsorientierte Unterrichtsgestaltung, die Förderung von Kompetenzen wie Moderation und Diskussionsfähigkeit sowie die Evaluation von Unterrichtsreihen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu analysieren, wie Rollenspiele helfen können, politische Sachverhalte verständlich zu machen, politische Partizipation zu fördern und soziale Kompetenzen durch Perspektivwechsel zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, der durch Beobachtungen der Lehrkraft, Videoanalysen, Fragebögen und Stimmungsbarometer die Durchführung und Wirkung des Rollenspiels auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt die detaillierte Planung, die Durchführung des Szenarios in verschiedenen Durchläufen sowie die umfassende Auswertung und Reflexion der Schülerergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rollenspiel, Handlungsorientierung, politische Partizipation, Kompetenzzuwachs, Perspektivwechsel und Unterrichtsevaluation.
Warum war der regionale Bezug in diesem Szenario wichtig?
Er sollte den Brückenschlag zur Lebenswelt der Schüler erleichtern und das oft abstrakt erscheinende Thema der politischen Entscheidungsprozesse greifbarer machen.
Welche Rolle spielte die Videokamera bei der Auswertung?
Die Videoaufnahmen dienten der direkten Reflexion, indem die Schüler ihre eigene Leistung sowie die ihrer Mitschüler unverfälscht betrachten und kritisch beurteilen konnten.
- Quote paper
- Christian Lang (Author), 2008, Das Rollenspiel als Methode im WiPo-Unterricht am Beispiel eines fiktiven umweltpolitischen Szenarios, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117852