Einstellungen zur Arbeit - Ein kultureller Vergleich


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriff der Arbeit
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Definition von Arbeit in verschiedenen Kulturen

3 Einflüsse auf die Zentralität der Arbeit
3.1 Kulturdimensionen nach Hofstede
3.2 Soziale Institutionen

4 Kulturübergreifende Betrachtung von Arbeit
4.1 Arbeit in einer afrikanischen Gesellschaft
4.1.1 Lebenszyklus der Arbeit
4.1.2 Wissen als Teil der Arbeit
4.1.3 Arbeitszufriedenheit
4.1.4 Gesellschaftliche Einbettung der Arbeit
4.2 Arbeitshaltung der Malaien
4.2.1 Historischer Abriss
4.2.2 Arbeitssauffassung der modernen Malaien

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Über die Bedeutung der Arbeit für Individuum und Gesellschaft und die Entwicklung der spe- ziellen Form der Erwerbsarbeit wird sowohl in Politik und Wirtschaft, als auch in verschiede- nen Wissenschaftsdisziplinen immer wieder diskutiert. Der rasant fortschreitenden techni- schen Entwicklung und verschiedenen strukturellen Problemen werden ein Großteil der Ra- tionalisierungen und daraus folgenden Arbeitsmarktkrisen zugeschrieben (Wagner, 2000). Bereits in den 50er Jahren wurde prognostiziert, dass ein Mangel an Erbwerbsarbeit entstehen wird, was sich inzwischen in unserer Gesellschaft bewahrheitet hat. Umstritten sind jedoch nach wie vor die Gründe, die tatsächliche Entwicklung und die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit. Einige Sozialwissenschaftler sehen das Ende der Erwerbsarbeit als unaufhaltbar (Beck, 1998; in: Wagner, 2000), andere widerrum halten deren Zukunft für durchaus positiv beeinflussbar. Die historische Entwicklung des Arbeitsbegriffes im europäischen Kulturkreis und die letztendliche „Erweiterung“ des Arbeitsbegriffes um den Aspekt der Selbstverwirklichung entfachte die Debatte neu.

Die Folgen, die ein Mangel an Erwerbsarbeit für das Individuum und letztendlich die Gesellschaft mit sich bringt, hängen von der Definition von Arbeit und deren Bedeutung ab. Arbeit hat in unterschiedlichen Kulturen einen jeweils anderen Stellenwert und eine andere Bedeutung. Arbeit wird unterschiedlich aufgefasst. Allein unter dem Aspekt der Globalisierung ist eine kulturübergreifende Betrachtung verschiedener „Arbeitsmentalitäten“ von Bedeutung. Unternehmen agieren zunehmend auf internationaler, wenn nicht globaler Ebene. Die Diversität unter den Mitarbeitern von Unternehmen nimmt immer weiter zu. Aber auch die Suche nach Lösungsansätzen für den hiesigen Mangel an Erwerbsarbeit erfordert eine Erweiterung unseres Blickwinkels auf den Begriff der Arbeit. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die Kulturdimensionen Hofstedes gegeben und eine Studie vorgestellt, die weitere, über die Kultur hinausgehende Einflussfaktoren auf den Stellenwert von Arbeit untersucht. Des Weiteren werden Arbeitsauffassungen zwei verschiedener Kulturen, um Kontraste mit der europäischen Sicht aufzuzeigen. Es handelt sich um die Kultur der Ayizo, einem westafrikanischem Kulutrukreis und die südostasiatische Kultur der Malaien.

2 Begriff der Arbeit

2.1 Historische Entwicklung

Führt man den Begriff „Arbeit“ auf seinen frühen Ursprung zurück, so erkennt man die Ver- bindung mit körperlicher Anstrengung und Mühe. Die lateinische Wurzel des Begriffes ist „avra“ und bedeutet „gepflügter Acker“; das französische Wort „travail“ stammt vom lateini- sche Begriff für „quälen“ oder „pfählen“ ab (Alheit, 1990). Doch bereits im Mittelhochdeut- schen ist eine Erweiterung des Begriffes um die Bedeutung der „Handarbeit“, also einer kör- perlich weniger anstrengenden, eher schaffenden Arbeit festzustellen. Dies ist eine Verdich- tung des Wortes, die in den meisten europäischen Kulturstaaten durch mehrere Wörter aus- gedrückt werden. Es existieren Arbeitsbegriffe, die „Qual“ und „Mühsal“ ausdrücken, als auch Arbeitsbegriffe für „Werk“ und „Tugend“. Eine deutliche Unterscheidung trifft bereits Aristoteles, der festhält, dass ein Großteil der Bevölkerung dem „tätigen Leben“ nachgeht, während der privilegierte Teil sich der „Anschauung und Wahrheitssuche“ widmet (Alheit, 1986, S. 13, in: Alheit 1990).

In der Moderne verändert sich diese strikte Trennung und die Idee entsteht, dass der Zweck der Arbeit auch im Sinne des Individuums ist, also dessen eigenem Interesse dient. Die Arbeit in der modernen kapitalistischen Gesellschaft ist eine Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Tätigkeit, „seiner Welt“ (Alheit, 1990, S.18). Hier zeichnet sich bereits die Erwei- terung des Arbeitsbegriffes um einen subjektiven Aspekt ab. Es lassen sich zwei Konzepte unterscheiden: die Lohn- und Erwerbsarbeit, die hauptsächlich ökonomisch bestimmt wird und die informelle Arbeit. Diese Form bezieht sich auf Arbeit im Haushalt, Kindererziehung aber auch psychische und physische Versorgung von Familienmitgliedern, Körperpflege, etc. (Gorz, 1989). In den 70er Jahren verfestigt sich diese „vertikale“ Erweiterung des Arbeitsbe- griffes und dieser gewinnt an Komplexität. Arbeit wird aus einer subjektiven Perspektive be- trachtet und dient zur Selbstbestätigung und Selbstbewertung (Alheit, 1990). Diese „Subjekti- vität“ im Begriff der Arbeit spielt eine immer wichtigere Rolle, während sich auch die Arbeit selbst ändert. Die individuelle Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeit nimmt immer wei- ter zu, die Arbeit wird entstandardisiert.

Auch wenn es heute noch zahlreiche Definitionen von Arbeit gibt, so herrscht doch Einigkeit darüber, dass Arbeit zumindest im europäischen Kulturkreis vier zentrale Funktionen hat: Sie dient dem Ziel, dem Individuum materielle Sicherheit zu verschaffen. Darüber hinaus ist Ar- beit eine sinnvolle Daseinsgestaltung. Sie verleiht dem Tagesablauf eine Struktur und eine gewisse Routine. Bei einer inzwischen üblichen 40-Stunden-Woche dominiert die (Erwerbs-) Arbeit das Tagesgeschehen und alle übrigen Aktivitäten werden danach ausgerichtet. Ein wichtiger Aspekt ist das Prestige, das das Individuum durch seine Arbeit erwirbt. Jede Arbeit ist mit einem bestimmten Maß an gesellschaftlicher Anerkennung verknüpft. Dem Arbeiten- den wird somit sein Platz in der Gesellschaft „zugewiesen“, was eine wichtige Rolle für die Identifikation spielt. Natürlich spielt die Arbeit auch für das Gemeinwesen eine wichtige Rol- le, da Erwerbsarbeit ein wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sys- tems ist.

2.2 Definition von Arbeit in verschiedenen Kulturen

In keiner Kultur ist eine rein objektive und endgültige Definition von Arbeit möglich, da diese von den jeweiligen sozialen Gegebenheiten abhängt, in denen sie stattfindet (Othman, 2000). Diese Gegebenheiten können sich im Zeitablauf ändern und sind auch innerhalb einer Kultur nicht konstant homogen. Arbeit hat in jeder Gesellschaft mehrere Bedeutungen, was unter anderem auch der unter Abschnitt 2.1 beschriebenen Erweiterung des Begriffes zugrunde liegt. Nach europäischem Verständnis ist Arbeit im Sinne einer Erwerbstätigkeit ein „bewuss- tes, zielgerichtetes Handeln des Menschen zum Zweck der Existenzsicherung wie der Befrie- digung von Einzelbedürfnissen; zugleich wesentlicher Moment der Daseinserfüllung“ (Brockhaus, 1997, S. 234). Dieser Definition ist bereits ein sehr hoher Stellenwert von indivi- duellen Bedürfnissen zu entnehmen, das Arbeiten hat also einen bestimmten materiellen Zweck. Auch das Ziel der Identitätsfindung ist der „Daseinserfüllung“ zu entnehmen. Die Arbeit hat die Aufgabe, das Individuum „zu erfüllen“, zum einen direkt mit der Rechtferti- gung des Daseins und indirekt, mit der Möglichkeit durch die Arbeit eigene materielle Be- dürfnisse zu befriedigen. Othman (2000, S.148) definiert Arbeit als ein „menschliches Be- dürfnis, die Natur zu kontrollieren und zu kultivieren, um dieser den Lebensunterhalt abzu- gewinnen“.

Vergleicht man diese Definitionen mit der Arbeitsauffassung der Ayizo, einer westafrikani- schen Bevölkerungsgruppe, sind deutliche Differenzen zu erkennen. Nach dem Verständnis der Ayizo ist Arbeit „alles Handeln für sich selbst oder andere, das auch für andere geleistet werden kann und das aus gesellschaftsimmanenter Sicht als unverzichtbar erscheint“ (Elwert, 2000, S. 177). Demnach ist der Begriff erheblich weiter gefasst. Unter Arbeit fallen Tätigkei- ten wie das Kochen für die Familie, das Schlichten von Streit unter Familie oder Nachbarn und auch geleistete Freundschaftsdienste. Unterschieden von Arbeit wird lediglich „das Spiel“, worunter auch das Schreiben und Erzählen von Literatur fällt. Das Paradigma für Ar- beit ist körperliche Anstrengung, wie beim „Schwenden“, also fruchtbarmachen der Felder, oder das Tragen der Kinder. Intelektuelle Anstrengung gehört aber ebenfalls zum Arbeitsbe- griff (Elwert, S. 177 ff.).

Betrachtet man den Arbeitsbegriff im modernen Malaysia, so existieren zwei Begriffe für Arbeit. „Kerja“ wird mit „Tätigkeit“ übersetzt, wohingegen „kerjaya“, ein jüngeres Wort, „Karriere“ bedeutet. „Kerjaya“ stammt ab von „berjaya“, also „erfolgreich sein“. Karriere bedeutet im malaiischen demnach, erfolgreich zu sein, während Arbeit bedeutet, etwas zu tun, also einer Tätigkeit nachzugehen (Othman, 2000, S. 159).

Es ist erkennbar, dass die Unterscheidung von Arbeit und Freizeitbeschäftigung von Kultur zu Kultur differiert und sich auch im Laufe der Geschichte geändert hat. Unter Kapitel 4.2.1 wird auf diese Entwicklung eingegangen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Einstellungen zur Arbeit - Ein kultureller Vergleich
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Einstellungen zur Arbeit; Seminar der Wirtschafts-/ Organisationspsychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V117879
ISBN (eBook)
9783640210152
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einstellungen, Arbeit, Vergleich, Einstellungen, Arbeit, Seminar, Wirtschafts-/, Organisationspsychologie
Arbeit zitieren
Julia Mattausch (Autor), 2008, Einstellungen zur Arbeit - Ein kultureller Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117879

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