Die Stadt Herten auf dem Weg zu einem erfolgreichen Strukturwandel?


Seminararbeit, 2008

28 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Tabelle 1 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Herten 1961-1992 nach Wirtschaftsbereichen

Tabelle 2 sozialversicherungspflichtig Beschäftigt in Herten 2005

Tabelle 3 Arbeitslose in Herten und NRW von 1983 bis 2007

Tabelle 4 Bevölkerung nach Altersgruppen in NRW

Tabelle 5 Bevölkerungsentwicklung und Zusammensetzung in Herten

Einleitung

Der Titel meiner Hausarbeit lautet: „Die Stadt Herten – auf dem Weg zu einem erfolgreichen Strukturwandel?“ So will ich in dieser Arbeit klären in welcher Situation sich die Stadt zurzeit befindet, welche Probleme es gibt, und welche Ansätze man gewählt hat um die Probleme zu lösen. Dazu werde ich die Arbeit in 2 Teile aufgliedern, der erste Teil soll sich mit der Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung, dem Handel und dem Problemstadtteil Süd befassen. Im zweiten Teil werde ich herausstellen wie man versucht die in Teil 1 dargestellten Probleme zu beheben, zur Objektivierung der Sicht lasse ich zu den einzelnen Problemlösungskonzepten die jeweiligen Experten der Hertener Parteien zu Wort kommen. Der Schwerpunkt der Arbeit soll wirtschaftlicher Natur sein.

Zur Durchführung werde ich im ersten Teil zunächst auf die wirtschaftliche Entwicklung eingehen, welche die Stadt in den letzten 40 Jahren durchlaufen hat, und anschließend die heutige wirtschaftliche Lage der Stadt darstellen. Ebenso werde ich die Bevölkerungsentwicklung der letzten 40 Jahre analysieren und den heutigen Zustand darstellen.

Im Folgenden möchte ich auf die Situation des Einzelhandels in der Stadt Herten eingehen. Geschäfte geben einer Innenstadt ihr Gesicht, prägen das Stadtbild und schaffen Arbeitsplätze, deshalb halte ich eine Aufnahme dieses Aspektes in meine Arbeit für nötig.

Der Stadtteil Herten-Süd hat den Strukturwandel in Herten am schlechtesten verkraftet, deshalb möchte ich anschließend kurz auf die Situation in Süd eingehen.

Im zweiten Teil möchte ich das Konzept darstellen, mit welchem versucht wird die wirtschaftliche Lage zu verbessern und die einzelnen Maßnahmen von den wirtschaftspolitischen Verantwortlichen der Parteien SPD, CDU und SPD als Experten bewerten lassen. Ebenso werde ich verfahren mit dem „Projekt Ewald“, womit der Umbau eines ehemaligen Zechengeländes zu einem Hochtechnologie- und Logistikzentrum gemeint ist, und dem Projekt Süd erblüht, was den Problemstadtteil Süd daran hindern soll abzudriften.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Herten

Die wirtschaftliche Situation der Stadt Herten hat sich seit 1961 grundlegend gewandelt. Bei den Arbeitsstättenzählungen 1961, 1970 und 1987 kristallisierte sich der Bergbau als wichtigster Arbeitgeber der Stadt heraus. Prozentual gesehen stellten Energiewirtschaft, Wasserversorgung und Bergbau 1961 43,7%, 1970 35,8 % , 1987 35,4% und 1992 29,2% der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze auf hertener Stadtgebiet, womit eine hohe Abhängigkeit vom Bergbau gegeben war. 2000 wurde die letzte hertener Zeche geschlossen und die Arbeitsplätze in diesem Bereich fielen weg. Die Tertiärisierung ging in Herten langsamer von statten als in Nordrhein-Westfalen. 1961 und 1970 sind die Zahlen dem Durchschnitt von NRW angenähert, in den Jahren 1987 und 1992 lassen sich deutliche Abweichungen erkennen. Die Wirtschaft der Stadt war in den achtziger und neunziger Jahren, entgegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, schwerpunktmäßig weiterhin auf Bergbau und verarbeitendes Gewerbe ausgelegt. Diese Ausrichtung änderte sich erst nach den Zechenschließungen, 2005 stimmten die Zahlen nahezu mit dem Durchschnitt von NRW überein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: Arbeitsstättenzählungen 1961, 1970, Bundesagentur für Arbeit, www.herten.de, Landeszentrale für Politische Bildung NRW, LDS NRW

Die oben genannten Fakten führen zu der Frage nach der Beschaffenheit des Arbeitsmarktes der Stadt Herten. Tabelle 1 zeigt die Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von 1961-1992, Tabelle 2 die Beschäftigten heute, zu berücksichtigen ist, dass die Zahlen von 1961 und 1970 aus der Zeit vor der Gebietsreform stammen, durch welche die Stadt 1975 ca. 18.000 Einwohner dazu gewann. So ist zu erkennen, dass die Anzahl der Arbeitsplätze trotz des Bevölkerungszuwachses zwischen 1970 und 1987 einigermaßen konstant blieb, was auf einen realen Verlust von Arbeitsplätzen hindeutet. Von 1992 bis 2005 reduzierte sich die Anzahl um 6000 Stellen, was größtenteils mit der Schließung der letzten Zeche im Jahr 2000 zusammenhängt. Dieser Verlust von Arbeitsplätzen lässt einen Blick auf den Arbeitsmarkt der Stadt Herten als angebracht erscheinen. Tabelle 3 zeigt die Arbeitslosenzahlen der Stadt Herten von 1983 bis 2006 im Vergleich zum nordrhein-westfälischen Durchschnitt, frühere Zahlen sind leider nicht verfügbar. Die Arbeitslosigkeit in Herten liegt seit den achtziger Jahren über dem Landesdurchschnitt, und das relativ konstant. Im Vergleich zum Ruhrgebiet, weist die Stadt Herten eine seit 1988 minimal überdurchschnittliche Arbeitslosenquote auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: Tabelle 3, Regionalverband Ruhrgebiet

Höchststände erreichte die Arbeitslosenquote in Herten 1997 (15,9%) und 2006 (15,6%), aktuell liegt die Quote bei 12,8% (Mai 2008). (vgl. Tabelle 1,2,3,) Interessant ist auch, dass Herten einen negativen Pendlersaldo von 7000 aufweist, was darauf hindeutet das die Bevölkerung die durch den Strukturwandel verloren gegangene Arbeitsmöglichkeit durch Pendeln in andere Städte kompensiert. (vgl. Einzelhandelsgutachten Herten,2006)

Die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Herten

Die Tabellen 4 und 5 zeigen die Bevölkerungsentwicklung in Herten und NRW. Die Bevölkerungsentwicklung verlief in Herten bis in die neunziger Jahre hinein nahezu konstant, die Einwohnerzahl schwankte um 70.000. Seit 1995 ist jedoch ein Schrumpfungsprozess eingetreten, in 10 Jahren sank die Einwohnerzahl von 69245 auf 64807. Die Demographie hingegen ist seit den siebziger Jahren von einem konstanten Wandel geprägt, die Zahl der unter 15 Jährigen reduzierte sich und im Gegenzug stieg die Zahl der über 64 Jährigen. Ungewöhnlich starke Verluste bei den Jungen sind von 1975-1985 zu verzeichnen. Die Anzahl der 15-39 Jährigen blieb lange Zeit konstant und reduzierte sich erst von 1995 bis 2005 um knapp 25%. Die Gruppe der 40-64 Jährigen weist über den gesamten Untersuchungszeitraum keine nennenswerten Veränderungen auf. Der Anteil ausländischer Bevölkerung stieg bis 1995 konstant an und sank anschließend leicht. Im Vergleich zu NRW fällt der Bevölkerungsrückgang in Herten dramatisch aus, NRW hat seit 1970 sogar ein leichtes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. Die Gruppe der unter 15 Jährigen war in Herten bis in die achtziger Jahre leicht überdurchschnittlich vertreten, anschließend fiel der Anteil dieser Gruppe leicht unter den Durchschnitt. Im Gegenzug vergrößerte sich der Anteil der über 65 Jährigen, welcher bis 1990 unterdurchschnittlich gewesen war und 2005 2,5% über dem Durchschnitt lag. Die Gruppe der 15-39 Jährigen ist in Herten im Vergleich zu NRW seit den siebziger Jahren unterdurchschnittlich vertreten, 2005 lag der Anteil 2,1 Prozentpunkte unter dem Durchschnittswert. Leicht überdurchschnittlich entwickelte sich die Gruppe der 40-64 Jährigen. Letztendlich kristallisierte sich in Herten in den letzten Jahrzehnten der Trend heraus, dass die beiden jüngeren Gruppen immer mehr negativ vom Durchschnitt des Landes abweichen, wohingegen die beiden älteren Gruppen immer positivere Abweichungen erkennen lassen. Der Ausländeranteil von 11,2% lag 2005 leicht über dem nordrhein-westfälischen Durchschnitt von 10%. (vgl. Tabelle 4,5)

Die Situation des Handels

Um den Handel in einer Stadt analysieren zu können, ist es dazu zunächst nötig, sich mit der Kaufkraft der Einwohner zu beschäftigen. In Herten lag die Kaufkraftkennziffer 2006 bei 96,4, der bundesdeutsche Durchschnitt beträgt 100. Somit liegt die Kaufkraft in Herten unter dem bundesdeutschen Durchschnitt, und auch unter der Kaufkraft einiger Nachbarstädte wie Essen (104,5), Oberhausen (98,3), Marl (96,8), Dortmund (99,1)oder Recklinghausen(99,5). Aber immer noch höher als in Gelsenkirchen( 94,7) oder Gladbeck (93,5). Dabei gibt es Differenzen innerhalb des Stadtgebietes, der Nordwesten der Stadt weist mit 98,5 eine höhere Kaufkraftkennziffer als der restliche Teil der Stadt.

Das Marktgebiet des Hertener Handels ist geprägt von der Lage der Stadt im Ruhrgebiet. So erstreckt es sich zum einen über das Gebiet der Stadt Herten, aber auch über das Hertener Umland. Hier sind Bereiche der Städte Recklinghausen, Gelsenkirchen und Marl zu nennen, welche an Herten grenzen, insgesamt werden 17.000 Einwohner aus dem Umland als Potential für das Hertener Marktgebiet angesehen. Beeinflusst wird das Marktgebiet durch mehrere Faktoren. Da wären zu nennen, die Struktur und Verteilung des Einzelhandels auf das Hertener Stadtgebiet, der Branchenmix und die Angebotsqualität in der Innenstadt, die Sogwirkung des großflächigen Einzelhandels, die Attraktivität der Haupteinkaufsbereiche in den Nachbarstädten, die Verteilung der Bevölkerung im Stadtgebiet, die Verkehrsinfrastruktur und die grundsätzliche Mobilität der Bevölkerung, hier sind insbesondere Pendlerverflechtungen zu nennen.

Aufgrund der Lage der Stadt Herten zwischen mehreren Städten ist der Handel in Herten außerstädtischer Konkurrenz ausgesetzt. 5 Km östlich der Stadtmitte liegt der Haupteinkaufsbereich der Stadt Recklinghausen. Im Gegensatz zur Hertener Innenstadt sind hier große Kaufkraftmagneten wie Karstadt Sport oder Media Markt ansässig, zusätzlich sind Warenpräsentation und Qualitätsorientierung der Geschäfte überdurchschnittlich. Der Haupteinkaufsbereichs des Gelsenkirchener Stadtteils Buer liegt 7 Km westlich und realisiert Kaufkraftzuflüsse aus Herten, Marl und Gladbeck. Auch hier befinden sich Magneten, jedoch hat der Bereich mit Leerständen zu kämpfen. Ebenfalls ein Konkurrent ist die Gelsenkirchener Innenstadt welche besonders im Segment Bekleidung gut aufgestellt ist und Discount- mit Traditionsunternehmen verbindet, profitiert wurde hier von den Infrastrukturmaßnahmen im Zuge der WM 2006. In Marl hat nur das Shopping Center „Marler Stern“ Relevanz für den Standortwettbewerb.

Das Nachfragevolumen des Hertener Einzelhandels beläuft sich auf 413,2 Millionen Euro, hiermit ist das Kaufpotential aus dem gesamten Marktgebiet gemeint, welches theoretisch in Herten ausgegeben werden könnte. Der Anteil des Nachfragevolumens welches ausschließlich auf Bürgern der Stadt Herten basiert beträgt 316 Millionen Euro. Um zu erfassen, wie viel von diesem Nachfragevolumen innerhalb des Stadtgebietes umgesetzt wird, bedient man sich des Maßes der Handelszentralität. Ein Wert von 100% wäre für eine isolierte Stadt gegeben, ein Wert von 0% für eine Stadt ohne Geschäfte. Der Umsatz des Einzelhandels betrug in Herten 2006 278,3 Millionen Euro, so fließen bei einem innerstädtischen Nachfragevolumen von 316 Millionen Euro 37,7 Millionen Euro in andere Städte ab. Die Handelszentralität in Herten beträgt damit 88 , was eine Steigerung darstellt, so lag der Wert im Jahre 1999 noch bei 77. Bei den einzelnen Teilsortimenten weisen die Handelszentralitäten bedeutende Unterschiede auf, so realisiert das Teilsortiment Spielwaren und Bastelbedarf einen Wert von 172. Leicht überdurchschnittliche Werte erzielten Lebensmittel, Möbel, Baumarktwaren, Gesundheit, Körperpflege und Einrichtungsgegenstände. Unterdurchschnittliche Werte hingegen erzielten Bekleidung, Unterhaltungselektronik, Sportartikel, Hobbybedarf, Schuhe, Hausrat, Bücher, Uhren und Schmuck. Die unterdurchschnittlichen Handelszentralitäten schwanken hier zwischen 28 und 75.

Die Marktabschöpfung des Hertener Gebietes beträgt 67. Gemeint ist hier das Verhältnis zwischen Einzelhandelsumsatz und Nachfragevolumen im Stadtgebiet. Berücksichtigt man die Lage der Stadt ist der erreichte Wert als positiv zu betrachten. Nichtsdestotrotz weist die Innenstadt bezüglich Imageintensiver Güter eine Versorgungslücke auf, welche zwar von der Bevölkerung durch Einkauf in den Nachbarstädten kompensiert werden kann, jedoch dazu führt, dass Güter die der Innenstadt ihr Image geben, wie Bekleidung, Unterhaltungselektronik oder Sportartikel in Herten nicht in ausreichender Weise vorhanden sind. (vgl. Einzelhandelsgutachten Herten,2006)

Herten Süd

Im Zuge des demographischen und Strukturwandels im Ruhrgebiet entstehen Problemstadtteile die wegzubrechen drohen. In Herten ist am ehesten der Stadtteil Süd von dieser Problematik betroffen. Von 1982 bis 2004 sank die Einwohnerzahl im Stadtteil um 12,4%. Verursacht wurde dies vor allem durch den Abbau von Arbeitsplätzen, nachdem Herten ab dem Jahre 2000 keine fördernde Zeche mehr hatte. Dieser Wandel ging einher mit einem Wandel der Sozial-, Alters-, und Bevölkerungsstruktur der Stadtteilbewohner. So sind die Anteile älterer und sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen überdurchschnittlich. Dazu kommt der verhältnismäßig hohe Anteil an Personen mit Migrationshintergrund, 40% der 3-6 jährigen Kinder des Stadtteils können diesen vorweisen, der städtische Durchschnitt beträgt 25%. Diese Verhältnisse wirken sich auch sichtbar auf den Stadtteil aus, so hat man mit Leerständen von Immobilien, offensichtlichen Sanierungsbedarf und unerwünschter Nutzung zu kämpfen. (vgl. http://www.lwl.org/westfalen-regional-download/PDF/S294_Herten.pdf> )

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Stadt Herten auf dem Weg zu einem erfolgreichen Strukturwandel?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaft)
Veranstaltung
Vertiefungsseminar: Strukturwandel im Ruhrgebiet - Die zweite Chance
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V117902
ISBN (eBook)
9783640210909
ISBN (Buch)
9783640211012
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Herten, Strukturwandel, Vertiefungsseminar, Strukturwandel, Ruhrgebiet, Chance
Arbeit zitieren
Florian Hoffmann (Autor:in), 2008, Die Stadt Herten auf dem Weg zu einem erfolgreichen Strukturwandel?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117902

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