Symbolik und psychoanalytische Elemente im Märchen


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Märchen?

3. Warum sind Märchen wichtig?

4. Das Strukturmodell der menschlichen Psyche nach Sigmund Freud

5. Psychoanalytische Elemente im Märchen

6. Analyse des Märchens „Die drei Federn“

7. Fazit

8. Anhang:

Die drei Federn (1857)

Literaturangaben:

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit „Symbolik und psychoanalytische Elemente im Märchen“ wird im Folgenden ein Bogen gespannt von der Klärung des Begriffs „Märchen“, über die Bedeutung von Märchen und deren Symbolik bis hin zur psychoanalytischen Theorie unter Berücksichtigung des Strukturmodells der menschlichen Psyche von Sigmund Freud. Die Ausarbeitung soll damit vertiefend darlegen, welche Bedeutung der Symbolik in der Märchenwelt zugeschrieben werden kann und inwieweit diese auf Kinder einwirkt bzw. sich auf Kinder auswirkt.

2. Was sind Märchen?

Der Großteil der Märchen stammt aus vorindustriellen Epochen, in denen es weder Bücher noch Massenmedien gab, wie wir sie heute kennen. Trotzdem scheint es, als hätten unsere Vorfahren ihr Bedürfnis nach Belehrung und Unterhaltung problemlos befriedigen können, denn in Märchen sind beide Komponenten enthalten.[1]

In den Märchen werden die Phantasien, Wünsche, Ängste und Hoffnungen der Menschen der damaligen Zeit widergespiegelt; dadurch erhalten Märchen eine gewisse Überzeitlichkeit. Grundlegende Emotionen wie Trauer, Liebe oder Hass sind heute womöglich auf andere Dinge oder Umstände gerichtet, die ihnen innewohnende psychische Dynamik wird dennoch auf identische Weise gelebt. Da Märchen größtenteils unsere Gefühle ansprechen, bleiben sie auch heute noch aktuell.[2]

Märchen geben dem Menschen Hilfe beim sich Zurechtfinden in seiner Umwelt. Sie sind auf ihre ganz eigene konsequente Formgebung und Strukturgesetzlichkeit konzentriert, wie zum Beispiel der Anfang eines Märchens: „Es war einmal…“, „Vor langer Zeit…“, etc.[3] Das bedeutet: Die Regeln der Märchenwelt sind transparent und klar erkennbar; eine kleine Welt, in der die Rollen festgelegt und geregelt sind. So geht zum Beispiel das Ende für die guten und lieben Charaktere immer positiv aus („..und so lebten sie glücklich und zufrieden“), wohingegen die bösartigen und unheimlichen Gestalten besiegt und oft sogar getötet werden.

Jedes Märchen hat einen Grundbestand an Symbolen: Bildfiguren, Zahlenverhältnisse und Verhaltensweisen.

Die Psychologieforschung des 19. und 20. Jahrhunderts hat heraus gefunden, dass es zumindest einen Grundbestand an Symbolen gibt, die in den personalen Reifungskrisen eines jeden Menschen in Träumen und Sympathien sowie Antisympathien genauso zum Klärungspunkt werden wie seit Urzeiten in Mythen und Märchen.[4]

Der Gebrauch eines typischen Märchens in Europa gestaltet den Innenraum des leidenden und handelnden Menschen heraus zu einer eigenen dramatischen Szenerie, auf der der Mensch sich einüben kann zur zuverlässigen Festigung seiner Eigenperson.

Ein häufig gebrauchtes Symbol im Märchen ist der Wald. Im geheimnisvollen Dunkel des Waldes befindet sich eine magische Welt, in der Hexen existieren, hilfreiche Vögel leben und unermessliche Schätze verborgen sind. Ein tiefer, undurchdringbarer Wald symbolisiert die dunklen und versteckten Tiefen der menschlichen Seele.[5]

Heute wissen Psychologen, dass Kinder immer wieder durch die frühen vorschulischen Jahre des so genannten eidetischen Wahrnehmens gehen, also des bildhaften Aufnehmens der Umweltzusammenhänge. Die uralten, weit entfernten und zugleich höchst vertrauten Orte, von denen das Märchen spricht, lassen auf eine Reise in die Tiefe unseres Gemüts, in das Unbewusste, schließen.[6]

3. Warum sind Märchen wichtig?

Wenn Eltern ihren Kindern Märchen erzählen, geben sie ihnen einen wichtigen Beweis dafür, dass sie die inneren Erfahrungen des Kindes, wie sie im Märchen verkörpert sind, für lohnend, legitim und in gewisser Weise sogar für „real“ halten. Daraus zieht das Kind die stillschweigende Folgerung, selbst real und bedeutsam zu sein.[7]

Märchen zeigen außerdem, dass das Leben nicht nur ein bloßes Vergnügen ist, sondern eine Art ausgefallenes Privileg für jeden Einzelnen. Märchen schützen somit im Zusammenprall mit den Härten und Anforderungen des Lebens vor Mutlosigkeit.

Hinzu kommt das Problem, dass die wirklichen Leistungen eines Kindes im Vergleich zu seinen Misserfolgen in die Bedeutungslosigkeit absinken, wenn auch nur, weil es nicht erfassen kann, was tatsächlich möglich ist.

Wenn die Phantasie ihm nun nicht zur Hilfe kommt, dann kann diese Ernüchterung zu einer so schweren Enttäuschung führen, dass es von jeder weiteren Bemühung ablässt, sich von der Welt abwendet und sich in sich selbst zurück zieht.[8]

Wenn man also die Fähigkeit des Kindes, seine Phantasie über den eigenen gegenwärtigen Zustand hinauswachsen zu lassen, näher betrachtet, so stellt man fest, dass ein Kind auf diese Art und Weise die in der Realität erlebten Frustrationen besser bzw. leichter erträgt. Wie oft Kinder im Allgemeinen nicht mit schwierigen Situationen zurecht kommen, erkennt man an ihren häufigen - scheinbar plötzlichen -

Wutausbrüchen. In ihren Wutausbrüchen spiegelt sich die Niederlage ihrer Gefühlswelt wider, so zum Beispiel bei Zurücksetzung, Enttäuschung oder Verzweiflung. Ausgelöst werden diese Situationen von Eltern, Geschwister oder Spielkameraden und sind der sichtbare Ausdruck seiner Überzeugung, es könne nichts unternehmen, um seine unerträglichen Lebensverhältnisse zu verbessern.[9]

Sobald ein Kind nun aber in der Lage ist, einen Ausweg aus seinem derzeitigen Dilemma zu finden, verschwinden die Zornanfälle. Das Kind hat die Hoffnung auf eine andere Zukunft, auf einen Ausweg, der die gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht mehr unerträglich macht. An die Stelle ungezügelten körperlichen Austobens mit Boxen und Schreien tritt entweder Nachdenken oder eine andere Tätigkeit, die darauf gerichtet ist, sein gewünschtes Ziel zu erreichen - dabei ist es dem Kind gleich, ob dieser Zustand jetzt oder irgendwann erst eintritt. Das Kind findet einen Weg wie es mit Problemen, die es augenblicklich nicht lösen kann, lebt, weil die Enttäuschungen in der Gegenwart von einer besseren Zukunft überdeckt werden. Um die Darstellung der charakterlichen Polaritäten dem Kind zu erleichtern, bedient sich das Märchen dementsprechend oft mit Symbolen und Metaphern. Es wäre für das Kind weitaus schwieriger sich mit so unterschiedlichen und komplexen Figuren wirklicher Menschen zu identifizieren und auseinander zu setzen.[10]

4. Das Strukturmodell der menschlichen Psyche nach Sigmund Freud

1923 entwickelte Sigmund Freud ein Strukturmodell der Psychoanalyse in Form der Konzepte des Es, Ich und Über-Ich., die sich auf verschiedene Aspekte der menschlichen Psyche beziehen. Diese Einordnung der Seele in die drei Instanzen sollte dazu dienen, Ordnung in das Chaos von Widersprüchen in unserem Geist und unserem inneren Leben zu bekommen.[11]

Aus dem Es, das bei der Geburt zunächst vorhanden ist, differenzieren sich im Laufe der Zeit das Ich und das Über-Ich heraus. Das Es sucht Lust, Vergnügen und Befriedigung und versucht Schmerz und Unbehagen zu vermeiden. Es "sucht nach unumschränkter Befriedigung all seiner Wünsche."[12] Das, was es will, will es sofort. "Das Es hat weder Verstand, Logik, Wertbegriffe noch Ethik oder Moral. Das Es ist folglich fordernd, impulsiv, unbesonnen, irrational, asozial, egoistisch und auf der Suche nach Lust."[13] Es funktioniert gemäß dem Lustprinzip. Es gerät damit jedoch mit der Außenwelt, der Gesellschaft in Konflikt.

[...]


[1] Vgl. Spring, Walter: Die Symbolik des Handelns im Märchen. Tun und Nicht-Tun im deutschen Märchen, Bern 2001, S. 57.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Stumpfe, Ortrud: Die Symbolsprache der Märchen, Münster 1992, S. 14.

[4] Vgl. Stumpfe, Ortrud, Die Symbolsprache der Märchen, S. 14f.

[5] Vgl. Spring, Walter, Die Symbolik des Handelns im Märchen, S. 21.

[6] Vgl. Stumpfe, Ortrud, Die Symbolsprache der Märchen, S. 18ff.

[7] Vgl. Bettelheim, Bruno: Kinder brauchen Märchen, München 1977, S. 76.

[8] Vgl. ebd., S. 145.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. ebd., S. 145f.

[11] Vgl. Pervin, Lawrence A.: Persönlichkeitstheorien, 3. neu bearbeitete Auflage, München 1993, S. 104.

[12] ebd.

[13] ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Symbolik und psychoanalytische Elemente im Märchen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Deutsche Sprache und Literatur I)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V117920
ISBN (eBook)
9783640201402
ISBN (Buch)
9783640671038
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Symbolik, Elemente, Märchen, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Verena Büchel (Autor), 2008, Symbolik und psychoanalytische Elemente im Märchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117920

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