Am Anfang der Verfolgungspraxis des NS-Regimes stand die Zerstörung der politischen Parteien
sowie der sozialen Netzwerke der Arbeiterbewegung. Zentrale Zielsetzung der NSDAP war es, eine
deutsche 'Volksgemeinschaft' bestehend aus Führung und Gefolgschaften herzustellen und alle
Klassenkonflikte zu beseitigen.
Zu den am meisten verfolgten politischen Personengruppen des NS-Regimes zählten die Mitglieder
und Anhänger der KPD und ihrer Nebenorganisationen.
Der Widerstand der KPD unterscheidet sich hinsichtlich seiner Intensität und Kontinuität von dem
aller anderen antinazistischen Parteien. Der Kampf gegen die Nationalsozialisten wurde über die
Dauer der gesamten NS-Diktatur verfolgt. Auch quantitativ übertrafen die Kommunisten andere
gegen das NS-Regime gerichtete Oppositionen.
Wie äußerte sich nun der Widerstand der KPD und wie gingen die Nationalsozialisten damit um?
Im Folgenden sollen zunächst die Beziehung der KPD zur NSDAP vor 1933 sowie die Maßnahmen
der NSDAP gegen politische Gegner nach der Machtübernahme Hitlers beschrieben werden.
Anschließend werden die Organisation und der Widerstand der KPD im Rhein-Main-Gebiet zu
Beginn des NS-Regimes, insbesondere der Widerstand im Kreis Offenbach, dargestellt.
Da viele politische Widerstandskämpfer aufgegriffen wurden und das Konzentrationslager Osthofen
als eine Sammelstelle insbesondere für politische Gegner galt, soll das KZ Osthofen kurz vorgestellt
werden. Des Weiteren soll die Praxis wie verhaftet wurde und die Situation der Häftlinge im Lager
näher untersucht werden.
Auch während der Haft leisteten die Inhaftierten Widerstand gegen das NS-Regime. Stellvertretend
für den Widerstand in Osthofen sollen die Widerstandshandlungen des Offenbachers Johann Lossa,
der zusammen mit anderen Häftlingen die illegale Lagerleitung bildete, vorgestellt werden.
Abschließend wird ein Ausblick darauf gegeben, wie die KPD nach 1934 Widerstand leistete sowie
ein Fazit zum Besuch des Seminars „Gedenkstätten zum Nationalsozialismus in und um Hessen“
erstellt.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verhältnis der KPD zur NSDAP vor 1933
3. Nach der Machtübernahme der NSDAP - Maßnahmen gegen politische Gegner
4. Widerstandsaktionen der KPD
4.1 Die Organisation der KPD im Rhein-Main-Gebiet
4.2 Widerstand der KPD im Rhein-Main-Gebiet
4.3 Wie äußerte sich der Widerstand der KPD im Kreis Offenbach?
5. Osthofen – Sammelstelle für politische Gegner
5.1 Das Konzentrationslager Osthofen
5.2 Wie wurde verhaftet?
5.3 Der Alltag der Häftlinge
5.4 Politischer Widerstand in Haft
6. Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Formen und den Verlauf des Widerstands der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Rhein-Main-Gebiet, mit einem besonderen Fokus auf den Kreis Offenbach, während des frühen NS-Regimes. Ziel ist es, die systematische Unterdrückung politischer Gegner sowie die illegalen Widerstandsstrukturen aufzuzeigen, die trotz intensiven Terrors bestanden.
- Beziehung zwischen KPD und NSDAP vor 1933
- Strukturen des kommunistischen Widerstands im Rhein-Main-Gebiet
- Methoden der Gestapo und des NS-Regimes bei der Verfolgung politischer Gegner
- Situation der Häftlinge im Konzentrationslager Osthofen
- Formen des organisierten Widerstands innerhalb von Haftanstalten
Auszug aus dem Buch
4.3 Wie äußerte sich der Widerstand der KPD im Kreis Offenbach?
Auch im Kreis Offenbach wollten nicht alle Mitglieder der KPD den von der NSDAP betriebenen politischen Umschwung kampflos hinnehmen. Zwar gab es im Kreis Offenbach keine breite Volksbewegung, die sich nach der Machtergreifung Hitlers gegen den Nationalsozialismus wehrte, aber im Untergrund wurden Widerstandshandlungen beschlossen. Der Wille zur Fortsetzung der eigenen Politik war groß und so wollte man nicht lautlos in der Versenkung verschwinden.
Die KPD hatte sich schon im Voraus auf die Arbeit in der Illegalität vorbereitet. Unmittelbar nach der Wahl am 5. März 1933, in der die Partei schon verboten und unterdrückt war, bildeten sich ihre Widerstandsgruppen.
Die Offenbacher Antifaschisten leisteten somit von Anfang an gegen den aufsteigenden Terror Widerstand. Im Frühjahr 1933 gehörten der ersten illegalen Leitung der KPD in Offenbach Karl Löffert, Adolf Schwarz, Christian Bauer, Ludwig Degenhardt, Hermann Hagendorn, Heinrich Laux und Wilhelm Schneider an. Die Offenbacher Gruppe hatte über Paul Schröder auch Verbindung zur illegalen Bezirksleitung der KPD in Frankfurt. Zu den kommunistischen Widerstandsgruppen im Landkreis bestanden seit 1934 feste Kontakte. Man versuchte den Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Zentren zu bewahren. Von Offenbach und Frankfurt aus schuf die KPD Verbindungen, die in das gesamte Kreisgebiet hineinreichten. Kuriere versorgten in den Gemeinden und Städten sitzende Vertrauensleute mit Nachrichten und Materialien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Verfolgungspraxis des NS-Regimes gegen die KPD ein und skizziert die Fragestellung sowie die inhaltliche Struktur der Untersuchung.
2. Verhältnis der KPD zur NSDAP vor 1933: Hier wird die politische Ausgangslage, die Konkurrenz zwischen KPD und NSDAP während der Weimarer Republik und der Fokus der KPD auf den sogenannten "Sozialfaschismus" analysiert.
3. Nach der Machtübernahme der NSDAP - Maßnahmen gegen politische Gegner: Das Kapitel beleuchtet die rechtliche und faktische Ausschaltung der Opposition, insbesondere durch die Reichstagsbrandverordnung und die Einführung der Schutzhaft.
4. Widerstandsaktionen der KPD: Diese Sektion behandelt die organisatorischen Strukturen der KPD im Rhein-Main-Gebiet und detailliert die spezifischen Widerstandsaktivitäten im Kreis Offenbach.
5. Osthofen – Sammelstelle für politische Gegner: Dieses Kapitel beschreibt die Errichtung, die Haftbedingungen und die Funktion des Konzentrationslagers Osthofen als Instrument zur Zerschlagung des politischen Widerstands.
6. Ausblick und Fazit: Hier erfolgt eine zusammenfassende Bewertung der Widerstandstätigkeit nach 1934 sowie eine persönliche Reflexion über den Wert des Besuchs von Gedenkstätten für die historische Bildung.
Schlüsselwörter
KPD, Nationalsozialismus, Widerstand, Rhein-Main-Gebiet, Kreis Offenbach, Konzentrationslager, Osthofen, Schutzhaft, Gestapo, Antifaschismus, Illegalität, Verfolgung, Johann Lossa, NS-Diktatur, Arbeiterbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem kommunistischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime in der Region Rhein-Main und speziell im Kreis Offenbach in den Jahren ab 1933.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Verfolgung der KPD, der Aufbau illegaler Organisationsstrukturen, die Funktion des Konzentrationslagers Osthofen und die Auswirkungen der NS-Repression auf die politische Opposition.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Widerstandshandlungen der KPD-Anhänger zu dokumentieren und zu analysieren, wie diese trotz intensiver Überwachung und Verhaftungswellen ihre Arbeit fortzusetzen versuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse unter Verwendung von Fachliteratur, Gedenkstättenberichten und historischen Zeitzeugnissen zur Verfolgung und zum Widerstand in Hessen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die politische Ausgangslage vor 1933, die Verfolgungspraxis durch das NS-Regime, die regionale Organisation des KPD-Widerstands und der Alltag sowie der Widerstand innerhalb des KZ Osthofen untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind KPD, Widerstand, NS-Verfolgung, KZ Osthofen, Kreis Offenbach und Illegalität.
Wer war Johann Lossa und warum ist er für die Arbeit bedeutsam?
Johann Lossa war ein Offenbacher Kommunist, der im KZ Osthofen inhaftiert war. Er ist ein zentrales Fallbeispiel für die Arbeit, da er Teil der illegalen Lagerleitung war und unter Lebensgefahr die Versorgungssituation seiner Mitgefangenen verbesserte.
Was unterscheidet das KZ Osthofen von späteren Vernichtungslagern?
Osthofen war ein frühes Konzentrationslager, das primär als Sammelstelle für politische Gegner des NS-Regimes fungierte, um diese durch Inhaftierung und Misshandlung politisch auszuschalten.
Warum war der Widerstand im Kreis Offenbach besonders gefährdet?
Durch die enge Verzahnung des Widerstandsnetzwerks und die intensive Überwachung durch die Gestapo, die 1935 zum Einbruch des Netzes führte, waren die Akteure im Kreis Offenbach extrem hohen Risiken von Zuchthausstrafen und Misshandlungen ausgesetzt.
- Quote paper
- Verena Büchel (Author), 2008, Wie äußerte sich der Widerstand der KPD im Nationalsozialismus im Rhein-Main-Gebiet - insbesondere im Kreis Offenbach?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117922