Durch den technischen Fortschritt werden immer wieder neue Handlungsfelder eröffnet,
welche oft nach einer verantwortungsethischen Normenbildung verlangen. Durch die
Entwicklung in der Biomedizin ist es uns heute möglich, auf die frühsten Phasen des
menschlichen Lebens zuzugreifen. Dies hat eine erhebliche Ausweitung der medizinischen
Handlungsmacht zur Folge, welche durch bestimmte ethische Rahmenbedingungen
eingegrenzt werden muss um Katastrophen zu verhindern. Ausgangspunkt für die hitzigen
Kontroversen bildet die Fortpflanzungsmedizin mit ihrer extrakorporalen Befruchtung (Invitro-
Fertilisation). Das erste durch künstliche Befruchtung erzeugte Kind kam 1979 in
England zur Welt. Seither ist die In-vitro-Fertilisation aufgrund von Sterilitätsstörungen
sowohl des Mannes als auch der Frau zur Routine in Deutschland geworden. In den letzten
Jahren findet auch die Präimplantationsdiagnostik und die embryonale Stammzellforschung
besondere politische und rechtliche Aufmerksamkeit. In diesem Bereich wird eine Antwort
auf die Frage nach dem moralischen Status und der Schutzwürdigkeit früher menschlicher
Embryonen notwendig um derartige neue Handlungsoptionen überhaupt erst bewerten zu
können. Darf man für Fortpflanzungs- oder für Forschungszwecke menschliche Embryonen
zur Verfügung stellen? Ein großes Problem der Reproduktionsmedizin beispielsweise ist
nämlich der hohe Verbrauch an Embryonen, welche im Regalfall zum Sterben verurteilt
werden. Neben der Präimplantationsdiagnostik und der embryonalen Stammzellforschung
gerät aber auch die Klonierungstechnik in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen.
In meiner Arbeit kann ich jedoch nicht alle dieser Themen ansprechen, da dies den Rahmen
sprengen würde. Ich werde im Kern lediglich die Probleme der Präimplantationsdiagnostik
und der Reproduktionsmedizin zunächst darstellen um sie dann in Bezug auf das Wohl des
Kindes zu diskutieren. Diese Themen sind meiner Meinung nach auch am wichtigsten, da sie
bereits weltweit praktiziert werden. Diskussionen über das Wohl eines geklonten Kindes halte
ich für verfrüht und unangebracht, da es wohl noch viele Jahren dauern wird, bis es der
medizinische Fortschritt erlaubt, einen Menschen zu klonen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Stand der Fortpflanzungsmedizin
2.1. Pränataldiagnostik
2.2. Präimplantationsdiagnostik
2.3. Reproduktionsmedizin
2.4. Gentherapie
3. Rechtliche Situation in Deutschland
3.1. Das Grundgesetz
3.2. Das Gentechnikgesetz
3.3. Das Embryonenschutzgesetz (ESchG)
3.4. Das Arzneimittelgesetz
4. Fortpflanzungsmedizin und Kindeswohl
4.1. Präimplantationsdiagnostik (PID)/Pränataldiagnostik (PND) und Kindeswohl
4.2. In-vitro-Fertilisatin (IVF)/Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) und Kindeswohl
4.3. Gametenspende und Kindeswohl
5. Schluss
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht ethische und rechtliche Aspekte moderner Fortpflanzungsmedizin unter besonderer Berücksichtigung des Kindeswohls. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit medizinische Eingriffe wie PID und IVF vertretbar sind und welche rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland hierfür existieren.
- Ethische und rechtliche Analyse von Fortpflanzungsverfahren
- Diskussion des Kindeswohls im Kontext reproduktionsmedizinischer Methoden
- Rechtliche Situation in Deutschland (Grundgesetz, ESchG, Arzneimittelgesetz)
- Debatte um PID, IVF, ICSI und Gametenspende
- Kritik an der aktuellen Gesetzgebung und Forderung nach Reformen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Durch den technischen Fortschritt werden immer wieder neue Handlungsfelder eröffnet, welche oft nach einer verantwortungsethischen Normenbildung verlangen. Durch die Entwicklung in der Biomedizin ist es uns heute möglich, auf die frühsten Phasen des menschlichen Lebens zuzugreifen. Dies hat eine erhebliche Ausweitung der medizinischen Handlungsmacht zur Folge, welche durch bestimmte ethische Rahmenbedingungen eingegrenzt werden muss um Katastrophen zu verhindern. Ausgangspunkt für die hitzigen Kontroversen bildet die Fortpflanzungsmedizin mit ihrer extrakorporalen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation). Das erste durch künstliche Befruchtung erzeugte Kind kam 1979 in England zur Welt. Seither ist die In-vitro-Fertilisation aufgrund von Sterilitätsstörungen sowohl des Mannes als auch der Frau zur Routine in Deutschland geworden. In den letzten Jahren findet auch die Präimplantationsdiagnostik und die embryonale Stammzellforschung besondere politische und rechtliche Aufmerksamkeit.
In diesem Bereich wird eine Antwort auf die Frage nach dem moralischen Status und der Schutzwürdigkeit früher menschlicher Embryonen notwendig um derartige neue Handlungsoptionen überhaupt erst bewerten zu können. Darf man für Fortpflanzungs- oder für Forschungszwecke menschliche Embryonen zur Verfügung stellen? Ein großes Problem der Reproduktionsmedizin beispielsweise ist nämlich der hohe Verbrauch an Embryonen, welche im Regalfall zum Sterben verurteilt werden. Neben der Präimplantationsdiagnostik und der embryonalen Stammzellforschung gerät aber auch die Klonierungstechnik in den Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch den medizinischen Fortschritt ausgelösten Bedarf an ethischer Normbildung und grenzt das Thema auf die Diskussion des Kindeswohls bei PID und Reproduktionsmedizin ein.
2. Stand der Fortpflanzungsmedizin: Dieses Kapitel erläutert die gängigen medizinischen Verfahren wie Pränataldiagnostik, PID, Reproduktionsmedizin und Gentherapie als Grundlage für die ethische Diskussion.
3. Rechtliche Situation in Deutschland: Hier werden die maßgeblichen Gesetze wie Grundgesetz, Gentechnikgesetz, ESchG und Arzneimittelgesetz in ihrem Bezug zu neuen medizinischen Techniken analysiert.
4. Fortpflanzungsmedizin und Kindeswohl: Das Kapitel diskutiert kritisch die ethischen Implikationen von PID, IVF, ICSI und Gametenspende im Hinblick auf das Wohl des zukünftigen Kindes.
5. Schluss: Der Schluss fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den Risiken für das Kindeswohl sowie eine Rechtsreform in Deutschland zur Behebung widersprüchlicher Doppelmoral.
6. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der Internetquellen.
Schlüsselwörter
Fortpflanzungsmedizin, Kindeswohl, Präimplantationsdiagnostik, Pränataldiagnostik, In-vitro-Fertilisation, ICSI, Embryonenschutzgesetz, Ethik, Biomedizin, Gametenspende, Genomanalyse, Gentherapie, Reproduktionsmedizin, Medizinethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen Konflikte und die rechtliche Situation der modernen Fortpflanzungsmedizin mit Fokus auf das Kindeswohl.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die PID, IVF, ICSI, Gametenspende sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen durch Gesetze wie das Embryonenschutzgesetz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den aktuellen wissenschaftlichen Stand und die gesetzliche Lage kritisch zu bewerten, um das Wohl des durch diese Verfahren gezeugten Kindes in den Mittelpunkt zu rücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zu medizinischen Methoden, ethischen Diskursen und rechtlichen Grundlagen in Deutschland.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil stellt medizinische Fakten sowie Gesetzesgrundlagen dar und führt anschließend eine ethische Diskussion über das Kindeswohl bei verschiedenen assistierten Fortpflanzungsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Fortpflanzungsmedizin, Kindeswohl, PID, Reproduktionsmedizin, ESchG und ethische Legitimation.
Warum wird die PID in Deutschland so kontrovers diskutiert?
Die Kontroverse entsteht aus der ethischen Abwägung zwischen dem Wunsch nach einem gesunden Kind und dem Vorwurf, dass Embryonen bei der PID als bloßes Testmaterial selektiert werden.
Welche Doppelmoral sieht die Autorin im deutschen Rechtssystem?
Die Autorin kritisiert, dass späte Abtreibungen bei weit entwickelten Feten rechtlich und gesellschaftlich akzeptiert sind, während die Selektion früher Embryonen durch die PID strikt verboten bleibt.
Welche Rolle spielt das Kindeswohl bei der Gametenspende?
Das Kindeswohl wird in der Beratung thematisiert, insbesondere in Bezug auf die Aufklärung der Kinder über ihre Entstehung und die Stabilität der Familiensituation.
Wird eine Rechtsreform in Deutschland gefordert?
Ja, die Autorin plädiert für eine Rechtsreform, um klare Argumentationslinien zu finden und die bestehenden widersprüchlichen Regelungen zu bereinigen.
- Quote paper
- Katrin Schrimpf (Author), 2007, Fortpflanzungsmedizin und Kindeswohl - gefördert oder gefährdet?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117928