International operierende Unternehmen sehen sich in der heutigen Zeit einer erheblich verschärften Wettbewerbsintensität ausgesetzt. Die Globalisierung führt durch gesunkene Eintrittsbarrieren in neue Märkte und dem Eintritt neuer Konkurrenten aus Schwellenländern zu einem gestiegenen Wettbewerbsdruck unter den Unternehmen. Technologischer Fortschritt und schnelle Trendwechsel bei den Konsumenten verkürzen die Produktlebenszyklen, wodurch sich Investitionen in immer kürzerer Zeit armotisieren müssen (vgl. Lucks/Meckl 2002, 6-7). Zusätzlich steigt der Druck der Kapitalmärkte auf börsennotierte Unternehmen (vgl. Wirtz 2003, 1). Externes Wachstum durch M&A stellt dabei eine immer wichtiger werdende Möglichkeit zur Anpassung an diese Entwicklungen dar. Trotz von der amerikanischen Subprime-Krise erreichte das weltweite M&A-Volumen im Jahr 2007 mit 4.830 Mrd. USD einen neuen Rekord (vgl. Kunisch 2008, 57). Eine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen kann aber auch durch entgegengerichtete Transaktionen erfolgen. Dabei kann die Abtrennung von vormals zugekauften Unternehmenseinheiten als Maßnahme zur Rationalisierung und besseren Ressourcenverwendung dienen (vgl. Jansen 1986, 18). Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass teilweise über 50% der M&A-Transaktionen scheitern (vgl. Meckl/Sodeik/Fischer 2006, 163-164). Ein Demerger stellt dann immer häufiger die letzte relevante Handlungsalternative dar (vgl. Wirtz 2003, 409).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Zielsetzung dieser Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen von M&A als theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Begriffsdefinition und Ausprägungsformen
2.2 Theoretische Erklärungsansätze und Motive für M&A
2.2.1 Erklärungsansätze auf gesamtwirtschaftlicher Ebene
2.2.2 Erklärungsansätze auf einzelwirtschaftlicher Ebene
2.2.3 Nicht-ökonomische Gründe als Auslöser für M&A
2.3 Durchführung von M&A-Transaktionen
2.3.1 Prozessuale Struktur von M&A Transaktionen
2.3.2 Vorfeldphase
2.3.3 Transaktionsphase
2.3.4 Integrationsphase
2.4 Erfolgsmessung bei M&A
3 Theoretische Grundlagen Demerger
3.1 Begriffsdefinitionen
3.2 Theoretische Erklärungsansätze und Motive für Demerger
3.2.1 Systematisierung der Erklärungsansätze und Motive
3.2.2 Gesamtwirtschaftliche Erklärungsansätze
3.2.3 Einzelwirtschaftliche Erklärungsansätze und Motive
3.3 Konzepte zur Umsetzung von Demergern
3.4 Durchführung von Demergertransaktionen
3.4.1 Prozessuale Struktur von Demergern und Abgrenzung zu M&A
3.4.2 Demerger-Analyse und Konzeption
3.4.3 Demerger-Durchführung
3.4.4 Demerger-Controlling
4 Branchenanalyse Automobilhersteller
4.1 Begriffsdefinition
4.2 Aktuelle Absatzsituation der Automobilhersteller
4.3 Analyse der Branchenstruktur
4.3.1 Porters Five Forces zur Bestimmung der Wettbewerbsintensität
4.3.2 Der Grad der Rivalität unter den bestehenden Wettbewerbern
4.3.3 Verhandlungsmacht der Abnehmer
4.3.4 Verhandlungsstärke der Zulieferer
4.3.5 Bedrohung durch Ersatzprodukte
4.3.6 Bedrohung durch neue Wettbewerber
4.4 Konsequenzen der Branchenstruktur auf die Situation der Automobilhersteller
5 Strategische Bedeutung und Umsetzung von Demergern bei Automobilherstellern
5.1 Konzeptionelles Vorgehen
5.2. Begründungen für Demerger bei Automobilherstellern
5.2.1 Korrektur fehlgeschlagener M&A-Transaktionen
5.2.2 Demerger aufgrund neuer Herausforderungen in der Automobilindustrie
5.2.3 Demerger als Maßnahme zur Kapitalbeschaffung
5.3 Wahl des Demerger-Umsetzungskonzeptes bei Automobilherstellern
5.4 Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung von Demergern in der Automobilindustrie
5.4.1 Erfolgsfaktoren bei der Demerger-Analyse und -Konzeption
5.4.2 Erfolgsfaktoren bei der Demerger-Durchführung
5.4.3 Demerger-Controlling bei Automobilherstellern
6 Fallstudie: Merger und Demerger der ehemaligen DaimlerChrysler AG
6.1 Konzeptionelles Vorgehen
6.2 Ausgangssituation der beteiligten Unternehmen im Jahr 1998
6.2.1 Daimler-Benz AG
6.2.2 Chrysler Corporation
6.3 „Merger of equals“ zwischen der Daimler-Benz AG und der Chrysler Corporation
6.4 Abspaltung der Chrysler Group aus der DaimlerChrysler AG
6.4.1 Analyse und Konzeptions-Phase
6.4.2 Durchführung der Transaktion
6.4.3 Konsequenzen des Demergers
6.5 Demerger der DaimlerChrysler AG als Beispiel einer gescheiterten Fusion
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, branchenspezifische Gründe für die Durchführung von Demergern in der Automobilindustrie zu identifizieren, geeignete Umsetzungskonzepte zu evaluieren und wesentliche Erfolgsfaktoren für das Demerger-Management in diesem Sektor abzuleiten, wobei insbesondere die Korrektur fehlgeschlagener M&A-Transaktionen und die strategische Neuausrichtung untersucht werden.
- Theoretische Grundlagen von M&A und Demergern
- Branchenstrukturanalyse der globalen Automobilindustrie
- Strategische Motive und Kapitalbeschaffung durch Demerger
- Kritische Erfolgsfaktoren und Prozesssteuerung im Demerger-Controlling
- Fallstudie zur DaimlerChrysler AG als Beispiel für Fusion und anschließende Abspaltung
Auszug aus dem Buch
3.4.4 Demerger-Controlling
Im Gegensatz zu M&A-Projekten ist bei Demergern naturgemäß keine Integrationsphase notwendig. Stattdessen wird hier als dritte Phase häufig die Erfolgskontrolle abgegrenzt (vgl. Odenthal 1999, 222-229; Wirtz 2003, 458-463). Nach dem Zeitpunkt der Erfolgsmessung lässt sich die ex ante Kontrolle der Planungsprämissen vor Abschluss der Transaktion (Prozesskontrolle) und die ex post Kontrolle der wirtschaftlichen und strategischen Resultate nach Demergerabschluss (Ergebniskontrolle) unterscheiden (vgl. Odenthal 1999, 222-223).
Da es sich bei Demergern um weitestgehend irreversible Transaktionen handelt, kommt der Prozesskontrolle eine besondere Bedeutung zu (vgl. Cascorbi 2003, 208-209). In der Literatur wird hierfür die Verwendung einer Balanced Scorecard (BSC) empfohlen (vgl. Wirtz 2003, 458-459; Cascorbi 2003, 209). Das Ziel der von Kaplan/Norton entwickelten BSC ist es, ein Instrumentarium bereitzustellen, das die gesamtheitliche Unternehmensstrategie in ein übersichtliches System zur Leistungsmessung herunterbricht. Dies erfolgt auf der Basis von Kennzahlen, mit denen sowohl finanzielle Ziele als auch deren vorgelagerte Leistungstreiber gemessen und die wesentlichen Ursache-Wirkungsbeziehungen aufgedeckt werden sollen.
Dabei werden normalerweise vier Dimensionen berücksichtigt, etwa die finanziellen Perspektive, die Kundenperspektive, die Mitarbeiterperspektive sowie die Organisations- und Innovationsperspektive. Die einzelnen Perspektiven sind dabei nicht als starr zu betrachten, sondern sollten an den spezifischen Einsatz der Scorecard angepasst werden (vgl. Kaplan/Norton 1997, 2-12).
Mit der BSC kann daher der Erfolg eines Demergers umfassend und über die monetäre Ebene hinausgehend abgebildet werden und ein Bezugsrahmen für die Umsetzung strategischer Ziele in operative Kennzahlen abgeleitet werden. Außerdem fungiert sie als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Kontrollinstrumenten der Analyse, Prognose, Bewertung und Implementierung des Demergers (vgl. Cascorbi 2003, 209).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des verschärften Wettbewerbsdrucks in der Automobilindustrie ein und begründet die Notwendigkeit von Demergern als Mittel zur strategischen Rationalisierung.
2 Grundlagen von M&A als theoretischer Bezugsrahmen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente von M&A, um einen notwendigen Kontext für das Verständnis von Desinvestitionen zu schaffen.
3 Theoretische Grundlagen Demerger: Hier werden die Definition, theoretische Erklärungsansätze und die prozessuale Durchführung von Unternehmensspaltungen analysiert.
4 Branchenanalyse Automobilhersteller: Dieses Kapitel untersucht die spezifische Wettbewerbssituation der Automobilbranche anhand des Fünf-Kräfte-Modells von Porter.
5 Strategische Bedeutung und Umsetzung von Demergern bei Automobilherstellern: Die Ergebnisse aus den vorangegangenen Kapiteln werden hier synthetisiert, um branchenspezifische Begründungen und Erfolgsfaktoren für Demerger bei OEMs abzuleiten.
6 Fallstudie: Merger und Demerger der ehemaligen DaimlerChrysler AG: Die theoretischen Erkenntnisse werden anhand der Praxisbeispiele der Daimler-Benz/Chrysler-Fusion und der späteren Abspaltung veranschaulicht.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit werden zusammengefasst und ein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Branche gegeben.
Schlüsselwörter
Demerger, M&A, Automobilindustrie, Desinvestition, Konzernstrategie, Restrukturierung, Synergie, Wettbewerbsintensität, Unternehmensbewertung, Wertschöpfungskette, Prozesssteuerung, Balanced Scorecard, DaimlerChrysler, Kapitalbeschaffung, Strategische Neuausrichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der strategischen Bedeutung und Umsetzung von Demergern, also der Abspaltung von Unternehmensteilen, speziell in der globalen Automobilindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der theoretische Rahmen von M&A und Demergern, die Wettbewerbsstruktur der Automobilbranche, strategische Motive für Abspaltungen sowie kritische Erfolgsfaktoren bei deren Durchführung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, branchenspezifische Gründe für Demerger zu ergründen, geeignete Umsetzungskonzepte zu evaluieren und Erfolgsfaktoren für ein effektives Management von Demerger-Projekten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zu theoretischen Grundlagen mit einer strukturierten Branchenanalyse und einer ergänzenden Fallstudie zur DaimlerChrysler AG.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Branchenanalyse der Automobilhersteller, die Untersuchung strategischer Demerger-Begründungen sowie eine detaillierte Fallstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Demerger, Automobilindustrie, Desinvestition, Restrukturierung, M&A-Korrektur, Unternehmenswertsteigerung und Prozessmanagement.
Warum wird die DaimlerChrysler AG als Fallstudie gewählt?
Die DaimlerChrysler-Fusion und die spätere Abspaltung dienen als aktuelles Beispiel, um das Scheitern einer M&A-Transaktion und die daraus resultierende Notwendigkeit eines Demergers praxisnah zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt das Demerger-Controlling?
Da Demerger oft irreversible Prozesse sind, ist ein professionelles Controlling mittels Instrumenten wie der Balanced Scorecard entscheidend, um den Erfolg sowohl ex-ante als auch ex-post zu sichern.
- Quote paper
- Sebastian Schmidt (Author), 2008, Demerger bei Automobilherstellern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117960