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Tragen die Medien eine Mitschuld an fremdenfeindlichen Straftaten?

Title: Tragen die Medien eine Mitschuld an fremdenfeindlichen Straftaten?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Diana Schuett (Author)

Communications - Ethics in the Media
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Eine direkte Verbindung zwischen Medienkonsum und fremdenfeindlichen Straftaten kann aufgrund der fehlenden Kausalität nicht nachgewiesen werden. Dies soll auch nicht die Aufgabe dieser Arbeit sein. Stattdessen wird der Blick auf die Medien und ihre Inhalte gerichtet. Welche charakteristischen Eigenschaften weisen Berichterstattungen über Einwanderer, fremdenfeindliche Straftaten und Rechtsextremisten auf? Enthalten sie Aspekte, die fremdenfeindliche Stimmungen fördern und unter Umständen zu Straftaten führen könnten? Der Inhalt dieser Arbeit gliedert sich zur Beantwortung dieser Fragen in zwei Teilbereiche. Der erste und umfangreichste Teil befaßt sich mit der Berichterstattung über Einwanderer. In den ersten drei Unterkapiteln wird erläutert, welcher Mittel sich die Medien bedienen, um auf dem Gebiet der Lexik, Metaphorik und Argumentation Migranten negativ darzustellen. Es wird dabei versucht, die Analysen von Jäger und Huhnke mit den Ergebnissen der sprachwissenschaftlichen Untersuchung zum Migrationsdiskurs der Düsseldorfer Projektgruppe um Böke, Jung, Niehr und Wengeler zu kombinieren. Im letzten Unterkapitel „Berichterstattung über Einwanderer“ wird darauf eingegangen, daß Berichte über Ausländer auf eine Thematik beschränkt sind: die des Negativen. Wenn Ausländer in den Medien vorkommen, dann nur als Täter oder Opfer krimineller Handlungen. Der zweite Teilbereich dieser Arbeit konzentriert sich auf die Berichterstattung über die rechtsextreme Szene. Ist in den Massenmedien keine Strategie erkennbar, wie kompetent über Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Straftaten berichtet werden soll, besteht das Risiko rechts-extremistisches Gedankengut eher zu verbreiten, anstatt es einzudämmen. Es wird somit unter anderem den Fragen nachgegangen, ob die Medien angemessen über Rechtsextremisten aufklären und mit professionellen journalistischen Mitteln über fremdenfeindliche Gewalttaten berichten. In diesem Zusammenhang erfolgt anschließend eine Erläuterung der These von Brosius und Esser, daß intensive mediale Berichterstattung über fremdenfeindliche Anschläge kurzfristig zu einem deutlichen Anstieg von Nachahmungstaten führen kann. Abschließend werden Empfehlungen für eine kompetente Berichterstattung über Einwanderer und Rechtsextremisten skizziert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rassismus in den Medien

2.1 Berichterstattung über Einwanderer

2.1.1 Lexik

2.1.2 Metaphorik und Kollektivsymbolik

2.1.3 Argumentation

2.1.4 Täter-Opfer-Beschränkung

2.2 Berichterstattung über Rechtsextremismus

2.2.1 Berichterstattung über Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Straftaten

2.2.2 Berichterstattung über fremdenfeindliche Straftaten führt zu Nachahmungstaten

2.3 Die Medien – Empfehlungen zur Berichterstattung

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der medialen Berichterstattung auf die Entstehung und Förderung fremdenfeindlicher Einstellungen sowie die mögliche Mitschuld der Medien an gewalttätigen Übergriffen gegenüber Einwanderern und Ausländern in der Bundesrepublik Deutschland.

  • Analyse der sprachlichen Mittel (Lexik, Metaphorik, Argumentation) zur negativen Stigmatisierung von Migranten.
  • Untersuchung der medialen Darstellung von Rechtsextremismus und der Täter-Opfer-Umkehr.
  • Evaluation der Hypothese, dass intensive Medienberichterstattung über fremdenfeindliche Anschläge Nachahmungstaten induziert.
  • Diskussion über journalistische Standards und Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Berichterstattung.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Lexik

Seit der frühen Nachkriegszeit stoßen wir in den Medien auf die Bezeichnung Flüchtling. Jäger (1997;2001) weist jedoch darauf hin, daß seit Ende der siebziger Jahre eine „begriffliche Spaltung“ stattgefunden hat. Während der Begriff Flüchtling für Flüchtlinge aus Osteuropa bestehen bleibt, werden solche aus der sog. Dritten Welt als Asylanten bezeichnet. Dadurch wird „eine Aufspaltung in gute, zugangsberechtigte Flüchtlinge und schlechte, nicht berechtigte Flüchtlinge vorgenommen. Die Flüchtlinge das sind die politisch Verfolgten, von denen es auch nur wenige gibt. „Asylanten“, das sind die Massen, die uns bedrängen, die mit dem Grundgesetz Missbrauch treiben usw.“ (Jäger 1997:83) Weiterhin betont Jäger (1993), daß der Ausdruck Asylant durch sein Postfix –ant Assoziationen zu Querulant, Simulant, Sympathisant und dergleichen hervorruft und bei den Rezipienten äußerst negativ konnotiert ist. Durch die mediale Verwendung des Ausdrucks Asylant entsteht somit ein negatives Bild der Flüchtlinge.

In den Medien wurden mittlerweile die unterschiedlichsten Komposita mit Asylant- wie Asylantenvergeher, Asylantencontainer, Asylantenproblem usw. gebildet. Besonderer Beliebtheit erwiesen sich Zusammensetzungen wie Asylantenstrom, -flut, -lawine usw., die mit einer Katastrophenandrohung verbunden sind, (vgl. Strauß/Haß/Harras 1989:88). Huhnke (1993) führte eine Analyse der Wochenzeitungen „Bild am Sonntag“ und „Der Spiegel“ hinsichtlich der Inszenierung rassistischer Feindbilder durch. Sie kommt unter anderem zu dem Schluß, daß beide Zeitungen den Begriff Asylant bewußt als negativ konnotierten „Kampfbegriff“ benutzen. Ist die Verwendung des Ausdrucks Asylant in der Bild am Sonntag im Jahr 1986, welches den Ausgangspunkt der Analyse darstellt, keine Ausnahme mehr, vollzog der Spiegel laut Huhnke in diesem Jahr eine Wende in der Wortwahl.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der möglichen Mitschuld der Medien an fremdenfeindlichen Einstellungen und Straftaten in der deutschen Gesellschaft.

2 Rassismus in den Medien: Dieses Kapitel analysiert detailliert die negativen Darstellungsmuster von Einwanderern und Rechtsextremisten durch Lexik, Metaphern und diskursive Strategien.

2.1 Berichterstattung über Einwanderer: Es wird untersucht, wie durch die selektive Verwendung von Begriffen und Bildern ein negatives Bild von Migranten konstruiert wird.

2.1.1 Lexik: Dieser Abschnitt beleuchtet die stigmatisierende Verwendung von Begriffen wie „Asylant“ und deren Abgrenzung zum neutraleren Begriff „Flüchtling“.

2.1.2 Metaphorik und Kollektivsymbolik: Hier wird der Einsatz von Bedrohungssymbolen wie „Flut“ oder „Lawine“ analysiert, die Einwanderung als existenzielle Gefahr darstellen.

2.1.3 Argumentation: Dieses Unterkapitel zeigt auf, wie durch willkürliche Analogien und fehlende Recherche in der Berichterstattung rassistische Feindbilder verfestigt werden.

2.1.4 Täter-Opfer-Beschränkung: Es wird diskutiert, wie die mediale Täter-Opfer-Falle dazu führt, dass Migranten primär im Kontext von Straftaten erscheinen.

2.2 Berichterstattung über Rechtsextremismus: Das Kapitel kritisiert die oft inkompetente oder spektakelorientierte Berichterstattung über rechtsextreme Akteure und Ideologien.

2.2.1 Berichterstattung über Rechtsextremismus und fremdenfeindliche Straftaten: Dieser Teil befasst sich mit der Gefahr, durch eine unprofessionelle mediale Auseinandersetzung rechtsextremes Gedankengut eher zu verbreiten als einzudämmen.

2.2.2 Berichterstattung über fremdenfeindliche Straftaten führt zu Nachahmungstaten: Es wird die Theorie dargelegt, dass intensive Berichterstattung über Anschläge kurzfristig Nachahmungseffekte provozieren kann.

2.3 Die Medien – Empfehlungen zur Berichterstattung: Hier werden Lösungsansätze und Empfehlungen für eine professionellere, differenzierte Berichterstattung diskutiert.

3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Medien einen erheblichen Anteil an der Förderung fremdenfeindlicher Stimmungen tragen.

Schlüsselwörter

Medien, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Einwanderer, Asylant, Diskursanalyse, Stigmatisierung, Metaphorik, Nachahmungstaten, Journalismus, Vorurteile, Berichterstattung, Migrationsdiskurs, Täter-Opfer-Falle, rassistische Feindbilder.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der medialen Berichterstattung in Deutschland und der Entstehung sowie Verbreitung von fremdenfeindlichen Einstellungen und Gewalttaten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die diskursive Konstruktion von Feindbildern gegenüber Einwanderern, die mediale Darstellung des Rechtsextremismus und die Analyse von Eskalationsprozessen bei fremdenfeindlichen Straftaten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist zu prüfen, ob Medien durch ihre Berichterstattung (Lexik, Metaphorik, Argumentation) fremdenfeindliche Stimmungen fördern und dadurch eine Mitschuld an Straftaten tragen könnten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin nutzt Ansätze der linguistischen Diskursanalyse und bezieht sich auf bestehende medienwissenschaftliche Inhaltsanalysen, um die mediale Konstruktion von Realität zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Berichterstattung über Einwanderer mittels sprachwissenschaftlicher Ebenen, eine Analyse zur medialen Behandlung des Rechtsextremismus sowie eine Evaluation von Empfehlungen für den Journalismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Medien, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Asylant, Stigmatisierung, Nachahmungstaten und Diskursanalyse.

Welche Bedeutung hat die sogenannte "Täter-Opfer-Falle" für die Darstellung von Migranten?

Die "mediale Täter-Opfer-Falle" beschreibt, dass Migranten in den Medien fast ausschließlich entweder als kriminelle Täter oder als bloße Opfer erscheinen, was die Wahrnehmung ihrer realen Lebensumstände in der Gesellschaft verhindert.

Warum führt die Verwendung von Begriffen wie "Asylantenflut" laut der Analyse zu einer Eskalation?

Durch die Verknüpfung mit kollektiven Symbolen wie Fluten oder Naturgewalten wird Einwanderung als unkontrollierbare Katastrophe dargestellt, die bei der Bevölkerung Bedrohungsgefühle weckt und Handlungszwänge suggeriert.

Was bedeutet "Nachahmungstat" im Kontext dieser Arbeit?

Es geht dabei nicht um das exakte Kopieren einer Tat, sondern um Ansteckungs- und Suggestionseffekte, bei denen die mediale Aufmerksamkeit für ein Ereignis den Motivationsschub für bereits gewaltbereite Gruppen liefert, selbst aktiv zu werden.

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Details

Title
Tragen die Medien eine Mitschuld an fremdenfeindlichen Straftaten?
College
RWTH Aachen University
Grade
1,7
Author
Diana Schuett (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V117976
ISBN (eBook)
9783640201778
ISBN (Book)
9783640206728
Language
German
Tags
Medien Mitschuld Straftaten Ausländer fremdenfeindlich Asylanten Rechtsextremismus rechts Rassismus Einwanderer Berichterstattung Migranten Migrationsdiskurs Flüchtling
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diana Schuett (Author), 2006, Tragen die Medien eine Mitschuld an fremdenfeindlichen Straftaten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117976
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