Der religiöse Film


Hausarbeit, 1992
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definitionen

2. Themen des religiösen Filmes

3. Identifikation über filmische Ausdrucksmittel
3.1. Einstellungslängen
3.2. Einstellungsgrössen

4. Eigene Produktion eines religiösen Films
4.1. Kriterien
4.2. Handwerkszeug

5. Spielfilmarbeit in der Gemeinde

6. Bemerkungen zur Poetik des Films

7. Literatur

8. Anlagen

Anlage 1 : Schaubild zur Einteilung von religiösen Filmgenres

Anlage 2 : Thesen zum religiösen Film nach Strangfeld

Anlage 3 : Funktion der Gesprächsführung im Kommunikations- prozess

Anlage 4 : Rezipientenorientiertes Filmgespräch

9. Ehrenwörtliche Erklärung

1. Definitionen

„Was ist überhaupt ein religiöser Film ? …

Der religiöse Film behandelt indirekt und ausdrücklich religiöses Gedankengut. Sein Zweck ist somit wesentlich Erbauung und religiöse Belehrung, wenn er auch oft nur aus gewinnsüchtiger Absicht geschaffen wird. Religiöse abstrakte Wahrheiten und Geheimnisse können durch den Film niemals unmittelbar veranschaulicht werden. Es muss dem religiösen Film genügen, das Unsicht-bare, Geistige, Übernatürliche anzudeuten und durch Symbole oder vergleiche dem Verständnis näher zu bringen. So kann z.B. der feste Glaube eines Menschen dadurch aufgedeutet werden, dass der Film Menschen zeigt, die offenbar aus dem Glauben ihr Leben gestalten und dafür Opfer bringen. Das innere Gebet kann durch Gebetshaltung ( gefaltete Hände, gesammeltes Wesen ) versinnbildlicht werden. Je inniger und je tiefer die religiösen Gefühle sind, die gezeigt werden sollen, um so sorgfältiger und diskreter muss auch die Gestaltung sein. Jede falsche Note wird hier sofort als unerträglicher Kitsch empfunden und stösst ab …

Mit anderen Worten : Nicht die Form ist entscheidend, sondern der Inhalt, die Beschäftigung mit religiösem Gedankengut, ob dies nun kunstvoll geschieht oder nicht, also letztlich die Beschäftigung mit Gott oder mit göttlichen Dingen, wenn wir schon als Religion des Menschen Verhältnis zu Gott annehmen“[1]

Der „religiöse Spielfilm“ nimmt anhand von biblischen, kirchlichen und allge-meinen religiösen Ereignissen der Geschichte sowie anhand von religiös inspirierten Situationen mit besonderem motivierte Menschen Stellung zu den Grundfragen und Grundsituationen menschlicher Existenz. Dies wird in der Dramaturgie einer Spielfilmhandlung getaucht und soll eine persönliche Über-zeugung offenbaren, gleich ob sie atheistisch oder christlich begründet ist.

Eine guten „religiösen Spielfilm“ hat ein Filmemacher dann geschaffen, wenn er mit seinem Film Stellung bezieht und seine persönliche Überzeugung möglichst wahrhaftig in den handelnden Personen darstellt.

Dieser Film soll Menschen, die ihn sehen, zu einer Stellungnahme heraus-fordern und zu bewussterem, sinnvollerem Leben anregen. Er soll eine kon-struktive Auseinandersetzung gewährleisten, die gegenseitige Achtung zur Folge hat“[2]

2. Themen des religiösen Filmes

Als einer der ersten Filmschaffenden, die sich mit Religion oder Bibel beschäf-tigten, war Amedee Ayfre ( in der Zeit von 1897 bis 1908 ).

In der Zeit entstanden ca. 40 „Streifen“.

Damalige Themen waren :

- die Passion Christi
- Gestalten des Alten Testaments
- Sagen und Legenden von Heiligen
- Religiöse Dokumentarfilme

Zwei Eindrücke, die sich dem Betrachter hierzu aufdrängen :

a) „diese Filme sind alt“ in der Machart vergangener Epochen
und
b) „diese Filme leben vom Theater und von der Malerei“[3]

Theologisch treten drei Grund-Missverständnisse auf :

„1. Es wird versucht, das Religiöse in historischer Rekonstruktion darzustellen …Dem ist entgegen zu halten : Das religiöse Ereignis zeigt sich zwar in der Geschichte, webt sich in die Zeit ein, aber durchbricht sie andererseits ständig, hat immer Ewigkeitscharakter.
2. Das Religiöse wird in der Ebene des Gefühls lokalisiert. Hier ist der Einfluss der zeitgenössischen religiösen Bilder besonders deutlich.

Kritik : Das religiöse Erlebnis kann den ganzen Menschen ergreifen und sich bis in die Kräfte des Gefühls auswirken, aber es hat, wenn es echt ist, sein Zentrum niemals dort.

3. Das Übernatürliche wird direkt dargestellt ( der brennende Dornbusch, die Vision der Frau Armut eines heiligen Franz von Assisi ).

Dagegen : So wirklich Gott ist, so unzweifelhaft er auch auf ausserordentliche Weise sich offenbaren kann, so wahr ist Gott andererseits reiner Geist und darum nicht direkt in diesen ausserordentlichen Manifest- ationen abbildbar. Diese erfolgen nicht in der Form von Zauber- stücklein, sondern sind immer in einen sinngebenden Zusammen- hang eingebettet – und diesen gälte es vor allem einsichtig zu machen“[4]

Die Christusdarstellung in „Ben Hur“ spiegelt eine nordamerikanische Fröm-migkeit, bei der „ der Gestalter ( es vermied ) mit dankenswerter Rücksicht-nahme, das Gesicht des Erlösers zu zeigen. Er begnügte sich, seine Gegenwart zu suggerieren durch ein Schattenbild oder eine Anrede, durch das Fragment eines Armes oder des Kleides oder durch die Reaktion der Darsteller ( Charles Ford )“[5]

Ähnlich dem deutschen Heimatfilm gibt es auch in der nordamerikanischen Produktion eine grosse Zahl von Filmen, in denen der volksverbundene Geist-liche in Erscheinung tritt oder sogar die Hauptfigur abbildet.

„ Die Religiosität als subjektive Religion entspricht aus der absoluten, hörenden, empfangsbereiten Transzendentalität des ganzen Menschen, einer mit dem Wesen sein Verhältnis zu Gott realisiert, indem er, ganz er selbst, sich ganz auf Gott einlässt ( Karl Rahner )

Äussere Verkörperungen dessen sind :

Das Medium des Bekenntnisses

Das Medium des Wortes

Das Medium der Handlungen ( und )

Das Medium des Rechtes“

Die filmische Möglichkeit liegt in der Orientierung am menschlichen Vollzug von Glauben, um so Zugang zum Transzendenten zu finden. Film kann aber nun nicht primär direkt, sondern stets indirekt – über die göttliche WORT - Verkün-digung – wirken. Filmisches Produkt ist somit nicht Gottes Erleben. Vielmehr das Aufzeigen, wie Menschen Glauben leben, wie jene Glauben vollziehen, kann als Funktion des Filmes benannt werden.

Der religiöse Film soll nicht einseitig klerikale Bilder wie von Päpsten und Kirchenfürsten zeigen, sondern die Liturgie als Herzstück von Kirche im Wider-schein eschatologischer Herrlichkeit. Insofern darf ebenfalls das Leben von Welt in den vielfältigen Gestalten von Familie, Sport und Vergnügen nicht fehlen, sonst wird eine einseitig negative Sicht von einem Kult des Machthungers oder von Sensation geschürt. Fernstehende sagen Liebe, Glaube und Hoffnung in Formen von Verlässlichkeit, Wahrheitssinn, ruhigem Optimismus u. a. zu, um den verlassenen Pfad des eigenen Glaubens wieder zu betreten.

3. Identifikation über filmische Ausdrucksmittel

Identifikation hat immer auch mit Nähe und Empathie zu tun.

Im filmischen Bereich ist dies durch die Kamera erreichbar.

Sie ist als „geschlossenes Instrument des Schauens“ auch eines des Mit-fühlens, aber ebenso eines des Mit-Leidens. Nur das Mit-Leid wird auf Distanz gehalten – man muss sogar von einem unmitleidigen Mitleid ausgehen. Dieser anscheinende Widerspruch zeigt sich bei Gewalttaten in Filmen, die in grossem Umfang konsumiert, zu Mitleidlosigkeiten in Formen wie etwa Kälte oder Genuss führen ( können ).

Identifikation geschieht zuerst über die Kamera bzw. deren Einsatzmöglich-keiten :

Zum einen sind es die Einstellungslängen, die entweder als kurzatmig oder als langweilig empfunden werden,

zum anderen die Einstellungsgrössen, die den Bildausschnitt einer Szene aufzeigen.

Unter Einstellung versteht man „ein kontinuierlich belichtetes, ungeschnittenes Stück Film“[6]. Des weiteren muss über emotionale Identifikationsweise bei der Filmmusik bzw. über diverse Geräusche und Töne gesprochen werden. Letztlich drängt sich auch ein gewisses Bild über die Beleuchtung auf.

Auf solche Arten wird hier eine grosse Bandbreite an Rezeptionsmöglichkeiten in ihrer Eigentümlichkeit angerissen.

3.1. Einstellungslängen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Reinert, C., Probleme um den religiösen Film, in : Orientierung, Zürich – 1958, 99

[2] Huppmann, R., Der Spielfilm im Umfeld der Religion, in : Institut für Kommunikation und Medien ( Hrsg. ), Interkom 2, München – 1987, 14f.

[3] Bamberger,S. / Everschor, F., Religion im Film, Köln – 1963. 8

[4] a.a.O., 9

[5] a.a.O., 14

[6] Monaco, J., Film verstehen, Hamburg – 1989, 390

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der religiöse Film
Autor
Jahr
1992
Seiten
20
Katalognummer
V118015
ISBN (eBook)
9783640209255
ISBN (Buch)
9783640209798
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film, Spielfilm-Referent, "Film und Spiritualität", Religionsunterricht, Spielfilmarbeit, Heinrich-Pesch-Haus Ludwigsburg, eigene Lebensgeschichte, Katholische Fachochschule Freiburg im Breisgau
Arbeit zitieren
Eberhard Küpfer (Autor), 1992, Der religiöse Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118015

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