(...)
Es gibt einerseits Menschen, die in ein fremdes Land ausgewandert sind, jedoch meistens in Sprache, Gewohnheiten und in ihrem Selbstverständnis dem Heimatland verhaftet bleiben und den Traum pflegen, eines Tages zu ihrem Heimatland zurück zu kehren, auch wenn dies in den meisten Fällen ziemlich unrealistisch erscheint. Dem stehen die Alteingesessenen ge-genüber. Auch wenn die Zuwanderer ihnen manche wirtschaftlichen Vorteile verschaffen, bereitet ihnen deren Menge das Gefühl des Fremdwerdens in der einst vertrauten Welt.
Das größte Problem haben allerdings die sich zwischen beiden Polen befindenden Menschen. Diese sind von beiden Seiten geprägt und fühlen sich zu keiner voll zugehörig. Sie stammen aus dem Ausland, sind aber im neuen Land aufgewachsen und beherrschen dessen Sprache meist besser als die Eltern.
Bei den Problemen, die aufgrund der Migration zwischen verschiedenen Bevölkerungsgrup-pen entstehen, handelt es sich um gesellschaftliche Probleme, die gesellschaftliche Lösungen verlangen, z.B. im Bereich von Schulwesen, Kommunalpolitik und Sozialfürsorge. Dabei geht es allerdings immer auch um individuelle und somit auch innere Schwierigkeiten und Konflikte. Dazu zählen u.a. psychische und soziale Störungen, die entsprechender psychothe-rapeutischer und sozialtherapeutischer Hilfe bedürfen. Hierbei handelt es sich um Behand-lungsformen, die in besonderer Weise von der jeweiligen Kultur her bestimmt ist. Es wäre also unangemessen Menschen, die einer anderen Kultur entstammen, in das geläufige Schema „unserer“ psychotherapeutischen Methoden zu zwängen.
Zusammenfassend könnte man sagen: Es finden sich in Mitteleuropa immer mehr multikultu-rell bedingte Probleme, für die nicht nur politische, sondern auch fachliche Lösungen gefun-den werden müssen. Dabei ist eine menschen- und somit auch kulturgerechte Versorgung von Migranten mit einer notwendigen und trainierbaren Sensibilisierung der Fachleute von großer Bedeutung.
In dieser Hausarbeit möchten wir nun konkret auf die Entstehung, Behandlung und Lösung solcher Probleme durch spezifische Beratung der Migranten eingehen.
Zunächst klären wir einige Begriffe die uns für dieses Thema als wichtig erscheinen, an-schließend gehen wir auf die psychosozialen Probleme der Betroffenen ein, bevor wir uns näher mit den sozialen Einrichtungen sowie der Beratung der Zielgruppe beschäftigen.
Abschließend informieren wir über spezielle Beratungsstellen für Menschen mit Migrations-hintergrund in Düsseldorf
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – allgemeine Definition: Was ist interkulturelle Beratung?
2. Begriffe
2.1. Der Kulturbegriff
2.2. Begriffserklärung: Migration
2.3. Begriffserklärung: Integration
2.4. „Multikulturell“ und „Interkulturell“
3. Psychosoziale Störungen bei Migranten
4. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen - Interkulturelle Öffnung
5. Interkulturelle Ausrichtung in der Beratung
6. Die systemische Ausrichtung in der Beratung
7. Interkulturelles systemisches professionelles Handeln
8. Beratung und Intervention
8.1. Anmeldung
8.2. Die Aufwärmphase
8.3. Die Interviewphase
8.4. Die Erkenntnis- und Kontraktphase
8.5. Die Abschlussphase
8.6. Die Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Lösungsansätze in der interkulturellen Beratung innerhalb von Migrationsgesellschaften, mit dem Ziel, Fachkräften ein theoretisches Fundament und praxisnahe Beratungsmethoden für eine kulturgerechte Versorgung zu vermitteln.
- Grundlagen der zentralen Begriffe wie Migration, Kultur und Integration
- Analyse psychosozialer Belastungen und Bewältigungsstrategien bei Migranten
- Bedeutung der interkulturellen Öffnung für soziale Einrichtungen
- Anwendung des systemischen Ansatzes in der interkulturellen Beratung
- Strukturierung des Beratungsprozesses in sechs spezifischen Phasen
Auszug aus dem Buch
3. Psychosoziale Störungen bei Migranten
Bei der Kulturwandeltheorie handelt es sich um kulturelle Austauschprozesse, die sich in jeder Migration über einen langen Zeitraum hin erstrecken. Dabei sind der Migrant und auch die nachfolgenden Generationen, die selbst keine Migrationen mehr erleben, dauerhaft mit Anpassungsaufgaben an neue kulturelle Anforderungen konfrontiert. Diese Anpassungsleistungen setzten tiefgreifende persönliche und soziale Veränderungsprozesse in Gang. Diese betreffen beispielsweise das eigene Wertesystem, die Identität und die soziale Bezugsgruppe. Diese Anpassungsprobleme sind aber besonders im Spannungsfeld zwischen zwei Kulturen angesiedelt (Nestmann und Niepel 1993, S.29).
Der Stress des kulturellen Wandels und des Hin- und Hergerissenseins zwischen den Kulturen wird durch die unterschiedlichen Vertreter der jeweils „alten“, „neuen“ und auch der „gemischten“ Kultur, oft mit ihren jeweiligen Resistenz- oder Veränderungsansprüchen verschärft. Folgen, die dabei beim Einzelnen entstehen können sind z.B. gesteigerte Ambivalenzen (z.B. zwischen Bleiben und Zurückgehen), Überidentifikation mit der „neuen“ Kultur, somit auch die Verachtung der „alten“ Kultur, Abschottung vor Veränderungsansprüchen in Heimatsubkulturen, somit auch Radikalisierung der Tradition, aber auch die Entwicklung von psychischen Störungen. Diese Konfliktträchtige und widersprüchliche Situation der Einzelnen und der sozialen Gruppe verstärkt sich aufgrund des Zusammenlebens unterschiedlicher Generationen mit gegensätzlichen Lebenszielen und Lebensentwürfen (Nestmann und Niepel 1993, S.30).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – allgemeine Definition: Was ist interkulturelle Beratung?: Diese Einleitung beleuchtet die Herausforderungen von Migrationsgesellschaften und begründet die Notwendigkeit für spezifische interkulturelle Beratungsansätze.
2. Begriffe: Dieses Kapitel definiert essenzielle Fachbegriffe wie Kultur, Migration und Integration, um eine gemeinsame Basis für die weitere Arbeit zu schaffen.
3. Psychosoziale Störungen bei Migranten: Hier werden die Belastungsfaktoren durch den kulturellen Wandel und die Bedeutung sozialer Netzwerke als „soziales Immunsystem“ erläutert.
4. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen - Interkulturelle Öffnung: Das Kapitel thematisiert die Notwendigkeit für Organisationen, ihre Strukturen für Migranten zu öffnen, um Benachteiligungen in sozialen Diensten abzubauen.
5. Interkulturelle Ausrichtung in der Beratung: Dieser Abschnitt beschreibt den wachsenden Beratungsbedarf und die Anforderungen an Fachdienste in einem hochdifferenzierten Hilfesystem.
6. Die systemische Ausrichtung in der Beratung: Hier wird der systemische Ansatz vorgestellt, der Störungen nicht nur beim Individuum, sondern im sozialen Kontext betrachtet.
7. Interkulturelles systemisches professionelles Handeln: Dieses Kapitel erläutert die Anforderungen an Beratende, wie Selbstreflexion und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme im interkulturellen Kontext.
8. Beratung und Intervention: Der Abschnitt gliedert den Beratungsprozess detailliert in sechs Phasen von der Anmeldung bis zur Auswertung.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Beratung, Migration, Integration, Kulturbegriff, Psychosoziale Störungen, Copingstrategien, Soziale Netzwerke, Interkulturelle Öffnung, Systemische Beratung, Professionalität, Kulturwandel, Migrationsgesellschaft, Beratungsprozess, Interkulturelle Kompetenz, Sozialpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen und methodischen Ansätze der interkulturellen Beratung innerhalb der sozialpädagogischen Praxis in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen Begriffsdefinitionen, die psychosoziale Situation von Migranten, notwendige organisatorische Veränderungen sowie die professionelle Gestaltung von Beratungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Migranten durch kultursensible und systemisch ausgerichtete Beratung bei der Bewältigung ihrer Lebensaufgaben unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung systemischer Beratungsmodelle im interkulturellen Kontext.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die psychosozialen Belastungen, die Notwendigkeit der interkulturellen Öffnung von Institutionen und strukturiert den gesamten Beratungsprozess in sechs Phasen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Interkulturelle Beratung, Migration, Integration, Systemische Beratung und Interkulturelle Kompetenz.
Welche Bedeutung kommt dem systemischen Ansatz in dieser Arbeit zu?
Der systemische Ansatz ist essenziell, da er hilft, Probleme nicht allein beim Individuum zu verorten, sondern das gesamte soziale und kulturelle Umfeld des Klienten in die Beratung einzubeziehen.
Warum ist die Selbstreflexion für Beratende so wichtig?
Sie dient dazu, die eigenen kulturellen Deutungsmuster zu erkennen und zu verhindern, dass diese unbewusst die fachliche Arbeit steuern.
- Arbeit zitieren
- Esra Poyraz (Autor:in), 2006, Interkulturelle Beratung - Personenzentrierte Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118020