Am 09. Oktober 2007 wurden die Vorstandsvorsitzenden der 36 Profivereine der Bundesliga und 2. Bundesliga zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der DFL geladen. Der Haupttagesordnungspunkt wurde mit „Weiteres Vorgehen Medienrechte“ tituliert. Am Folgetag überschlugen sich die Meldungen in den Print-, Online-, und Rundfunkmedien. Die FAZ schrieb beispielsweise „Leos Fußballmärchen“. In der Süddeutschen Zeitung war der Artikel „Bundesliga-Rechte – Die Regeln im Kirch-Monopoly“ zu finden. Sponsors veröffentlichte bereits am Vorabend einen Onlinebericht mit dem Titel „DFL schließt Rekordvertrag mit Kirch-Tochter“. Der Grund für diese hohe mediale Aufmerksamkeit war die Tatsache, dass der als „Medienmogul“ titulierte Herr Leo Kirch mit der von Ihm kontrollierten Agentur „Sirius“ die angesprochenen Übertragungsrechte (Inland) für sechs Spielzeiten, zu einer Summe von 500 Millionen Euro pro Spielzeit erworben hatte.
Die Arbeit veranschaulicht in verständlicher Sprache, welche rechtliche Basis einem Rundfunkübertragungsrecht zugrunde liegt und welchen Parteien es zusteht. Zudem wird die geschichtliche Entwicklung der medialen Rechte seit 1963 anhand verschiedener relevanter Phasen lückenlos dargestellt und alle relevanten Player der Wertschöpfungskette skizziert. Die Note resultiert aus einem fehlenden "kritischen Ansatz". Alle bestehenden Inhalte wurden fehlerlos, anhand zahlreicher zuverlässiger Quellen recherchiert und wiedergegeben. Zeitlich endet der Aufsatz kurz vor der Auflösung des Sirius-Vertrages.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einordnung des Rundfunks in den Bereich der Medien
2.1 Begrifflichkeit Medien
2.2 Begrifflichkeit Rundfunk
3 Die Entstehung eines Rundfunkübertragungsrechts
3.1 Das Abwehrrecht
3.2 Begründung des Abwehrrechts aus dem Wettbewerbsrecht
3.3 Begründung des Abwehrrechts aus dem Hausrecht
3.4 Die Dominanz des Wettbewerbsrechts gegenüber dem Hausrecht
3.5 Die Veranstalterfrage
4 Zentralvermarktung in Deutschland
4.1 Situation
4.2 Verteilungsschlüssel der TV-Einnahmen
4.3 Begründung der Zentralvermarktung
5 Die Wertschöpfungskette
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Die Rechteinhaber und Rechteanbieter
5.3 Die Rechtevermarkter
5.4 Die Rechteverwerter
Free-TV
Pay-TV
5.5 Die Konsumenten
6 Geschichtliche Entwicklung
6.1 Die Zeit der Monopolstellung der Öffentlich-rechtlichen
6.2 Das Auftreten der privaten Rundfunkanstalten in den 80er Jahren
6.3 Die Entwicklung der Sportrechteagenturen in den 90er Jahren
6.4 Das Auftreten von Premiere in der Saison 1992/1993
6.5 Die Insolvenz der KirchMedia im Jahr 2002
6.6 Die Rundfunkübertragungsrechte Heute
7 Ausblick
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Genese und die historische Entwicklung von Rundfunkübertragungsrechten am Beispiel der deutschen Fußball-Bundesliga. Ziel ist es, die rechtlichen Grundlagen des Abwehrrechts des Veranstalters zu erläutern, die aktuelle Zentralvermarktung kritisch zu hinterfragen und die Akteure innerhalb der Wertschöpfungskette medienrechtlich einzuordnen.
- Rechtliche Fundierung des Abwehrrechts (Wettbewerbs- und Hausrecht)
- Die Rolle der Zentralvermarktung und ihr Verteilungsschlüssel
- Strukturanalyse der Wertschöpfungskette im Sportbusiness
- Historische Entwicklung von der Monopolstellung bis zur modernen Rechtevermarktung
- Auswirkungen regulatorischer Entscheidungen auf die Zukunft der Medienrechte
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Abwehrrecht
Der Inhaber eines Rundfunkübertragungsrechts wird in keinem Gebiet der deutschen Rechtsprechung klar definiert. Ebenso steht dem Veranstalter eines Fußballbundesligaspiels kein Urheber- oder ähnliches Leistungsschutzrecht zu, da es sich bei einem Fußballspiel nicht um eine künstlerische Darbietung handelt. Die Befugnis zur Fernsehübertragung ergibt sich aus dem Recht des Veranstalters andere von der Veranstaltung ausschließen zu dürfen – das sog. Abwehrrecht.
Die erteilte Erlaubnis eines Veranstalters an eine Fernsehanstalt, seine Veranstaltung aufzuzeichnen und im TV auszustrahlen, stellt an sich also keine Übertragung oder den Kauf bzw. Verkauf eines Rechtes dar. Vielmehr handelt es sich um die bewusste Einwilligung des Veranstalters in die Verletzung eines ihm zustehenden Rechtes – dem Abwehrrecht – gegen Entgelt. Summerer spricht in diesem Zusammenhang von einer „schuldrechtlichen Gestattung“ des Veranstalters. Bei „exklusiven Fernsehrechten“ ist dieser Verzicht des Veranstalters auf zuvor beschriebene Unterlassungsansprüche, kombiniert mit der Verpflichtung, keiner anderen TV-Anstalt die Aufzeichnung und Verwertung des Fußballspiels zu gestatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den Entstehungshintergrund der Arbeit, der aus einem Praktikum in der Sportbusinessbranche und dem aktuellen Medienecho um die Ausschreibung der Medienrechte resultierte.
2 Einordnung des Rundfunks in den Bereich der Medien: Dieses Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie Medien und Rundfunk, um eine präzise Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes zu ermöglichen.
3 Die Entstehung eines Rundfunkübertragungsrechts: Hier werden die rechtlichen Herleitungen des Abwehrrechts aus Wettbewerbs- und Hausrecht sowie die Frage nach der Identität des Veranstalters untersucht.
4 Zentralvermarktung in Deutschland: Das Kapitel analysiert die Problematik der Rechteveräußerung und begründet, warum der Ligakontext eine zentrale Vermarktung wirtschaftlich zwingend macht.
5 Die Wertschöpfungskette: Dieser Teil ordnet alle beteiligten Akteure – von Rechteinhabern bis hin zu den Konsumenten – in eine strukturierte Wertschöpfungskette ein.
6 Geschichtliche Entwicklung: Ein historischer Abriss zeigt den Wandel von der Monopolstellung der Öffentlich-rechtlichen bis hin zur komplexen Rechtevermarktung der Gegenwart.
7 Ausblick: Der Ausblick thematisiert die Zukunft der Vermarktungsmodelle unter Berücksichtigung regulatorischer Eingriffe, insbesondere durch das Bundeskartellamt.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Vermarktungseinnahmen zusammen und kritisiert die regulatorischen Maßnahmen gegen die Zentralvermarktung.
Schlüsselwörter
Rundfunkübertragungsrechte, Fußball-Bundesliga, Zentralvermarktung, Abwehrrecht, Wertschöpfungskette, Medienrechte, DFL, Wettbewerbsrecht, Hausrecht, Free-TV, Pay-TV, Sportrechteagenturen, KirchMedia, Bundeskartellamt, Sportschau
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die rechtliche Entstehung und wirtschaftliche Bedeutung von Übertragungsrechten im professionellen Sport, fokussiert auf die deutsche Fußball-Bundesliga.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Abwehrrecht des Veranstalters, der Zentralvermarktung, der Struktur der Wertschöpfungskette und der geschichtlichen Entwicklung der TV-Rechte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das komplexe Zusammenspiel zwischen Vereinen, Verbänden und Medienunternehmen bei der Vermarktung von Bewegtbildrechten rechtlich und ökonomisch einzuordnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung aktueller wirtschaftlicher und rechtlicher Berichterstattung zum Thema Medienrechte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit vermittelt?
Der Hauptteil behandelt die gesetzlichen Grundlagen des Abwehrrechts, die Begründung der Zentralvermarktung gegen den Trend der Einzelvermarktung sowie die Akteurskonstellationen in der Wertschöpfungskette.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Rundfunkübertragungsrechte, Zentralvermarktung, Abwehrrecht und Wertschöpfungskette beschreiben.
Wie begründet die Arbeit die Notwendigkeit der Zentralvermarktung?
Die Zentralvermarktung wird als notwendig erachtet, um die wirtschaftliche Balance zwischen den Vereinen zu wahren und einen fairen sportlichen Wettbewerb zu erhalten, statt ein zu starkes Leistungsgefälle zu riskieren.
Welchen Einfluss hatte die KirchMedia-Insolvenz auf die Rechtevermarktung?
Die Insolvenz im Jahr 2002 führte zu massiven Einbußen bei den Rechteerlösen und markierte eine Zäsur, die langfristig zu einer Neuorganisation der Vermarktungsstrukturen führte.
Wie beurteilt der Autor das Vorgehen des Bundeskartellamts?
Der Autor kritisiert die Eingriffe des Bundeskartellamts in die Vermarktungsmodelle der DFL als wenig nachvollziehbar, da sie den hohen Stellenwert der Sportschau und die Finanzierbarkeit der Liga gefährden könnten.
- Quote paper
- Thomas Schmidt (Author), 2008, Die Entstehung von Rundfunkübertragungsrechten und ihre geschichtliche Entwicklung am Beispiel der Fußball-Bundesliga, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118028