Wenn heute von Medien die Rede ist, sind damit meist Massenmedien wie Fernsehen oder Internet gemeint. Dem gegenüber stellt die Sprache das historisch erste Medium dar. Dazwischen ist das Buch anzusiedeln. Einführend werden im Kapitel ‚Das Medium Buch’ (2.1.) kurze Definitionen für die Begriffe ‚Medium’ und ‚Buch’ gegeben. Ein historischen Exkurs im darauffolgenden Kapitel (2.2.) geht genauer auf das Buch als Leitmedium, mit einer Blütezeit von der Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts , ein. Dabei wird kurz auf die Mediengeschichte des Buches eingegangen und Aussagen der Medientheoretiker Marshall McLuhan und Friedrich A. Kittler im Bezug auf das Medium Buch zusammengefasst. Das darauffolgenden Kapitel (2.3.) geht auf die Frage ein, inwieweit Goethes ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ als Medium dienen kann.
Im Hauptteil der Hausarbeit (Kapitel 3) soll untersucht werden, welche Medien im Medium ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ thematisiert werden. Dabei unterteile ich die Untersuchung nach Art des Mediums. Ausführlich betrachtet werden das Medium Buch und das Medium Theater. Es geht darum, wann diese Medien im Werk in welcher Funktion auftauchen und welche Parallelen man zu der Zeit in der das Werk geschrieben wurde ziehen kann. Alle weitere Medien werden im Kapitel 3.3. kurz aufgezählt, können jedoch leider nicht eingehender ausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Buch als Medium
2.1. Das Medium Buch
2.2. Historischer Exkurs: Das Buch als Leitmedium um 1800
2.3. ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ als Medium
3. Medien im Medium ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’
3.1. Das Medium Buch
3.2. Das Medium Theater
3.3. Weitere Medien
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Johann Wolfgang von Goethes Werk „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ aus einem kulturwissenschaftlichen Blickwinkel als Medienroman. Ziel ist es, die im Werk thematisierten Medien – insbesondere Buch und Theater – zu identifizieren, deren Funktion innerhalb der Erzählung zu analysieren und Parallelen zur historischen Mediengeschichte um 1800 aufzuzeigen.
- Kulturwissenschaftliche Analyse von „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ als Medienroman
- Das Buch als Leitmedium und Instrument der bürgerlichen Bildung
- Die Rolle des Theaters als Gegenpol zur bürgerlichen Ordnung
- Medientheoretische Einordnung nach Marshall McLuhan und Friedrich A. Kittler
- Untersuchung weiterer Medien wie Briefe, Reisejournale und Rituale
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Medium Buch
In Goethes Werk erhalten Bücher in einigen Phasen von Wilhelm Meisters Lebenslauf eine große Bedeutung, besonders was die Ausprägung seiner Theaterleidenschaft betrifft. Bücher bilden vor allem in seiner Kindheit und den Jugendjahren „Brücken zwischen dem Kaufmannshaus, dem er entstammt, und der Theaterwelt, auf die er eine Zeit lang seine Erwartungen richtet“.
Zu Beginn der Geschichte erinnert sich die Mutter des Titelhelden in einem gemeinsamen Gespräch, wie Wilhelm von einer Puppenspielaufführung der biblischen Geschichte von David und Goliath so begeistert war, dass er ihr „das Büchlein entwendete[...] und das ganze Stück auswendig lernte[...]“ (I/ 2, 13). Auch seiner Geliebten Mariane erzählt er, wie er zu dem Buch kam, was die Bedeutsamkeit des Erlebnisses für Wilhelm unterstreicht: Eines morgens, als „das ganze Haus in einer tiefen Sabbatstille lag“ (I/ 5, 20), schlich er sich in die Speisekammer, wo er in einem Kasten „ein geschriebenes Büchelchen, worin die Komödie von David und Goliath aufgezeichnet war“, an sich brachte und sich „mit dieser Beute leise die Treppe hinauf in eine Dachkammer rettete“ (I/ 5, 21):
„Von der Zeit an wandte ich alle verstohlenen einsamen Stunden darauf, mein Schauspiel wiederholt zu lesen, es auswendig zu lernen und mir in Gedanken vorzustellen, wie herrlich es sein müßte, wenn ich auch die Gestalten dazu mit meinen Fingern beleben könnte. Ich ward darüber in meinen Gedanken selbst zum David und Goliath. In allen Winkeln des Bodens, der Ställe, des Gartens, unter allerlei Umständen studierte ich das Stück ganz in mich hinein, ergriff alle Rollen und lernte sie auswendig, nur daß ich mich meist an den Platz der Haupthelden zu setzen pflegte und die übrigen wie Trabanten nur im Gedächtnisse mitlaufen ließ.“ (I/ 5, 21)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung ordnet Goethes Werk in den Kontext des Bildungs- und Medienromans ein und legt die kulturwissenschaftliche Zielsetzung der Untersuchung fest.
2. Das Buch als Medium: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Definition des Mediums Buch sowie einen historischen Abriss seiner Entwicklung als Leitmedium um 1800.
2.1. Das Medium Buch: Hier werden grundlegende medientheoretische Begriffe wie Adressierung, Speicherung und die Rolle der Kulturtechnik des Lesens dargelegt.
2.2. Historischer Exkurs: Das Buch als Leitmedium um 1800: Dieser Abschnitt beleuchtet die Geschichte der Zeichen- und Schriftträger sowie die medienrevolutionäre Bedeutung des Buchdrucks durch Gutenberg.
2.3. ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ als Medium: Die Analyse konzentriert sich hier darauf, wie der Roman als Speichermedium für die sozialen und kulturellen Umbruchsprozesse des 18. Jahrhunderts fungiert.
3. Medien im Medium ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und untersucht die konkrete Thematisierung verschiedener Medien innerhalb der erzählten Welt des Romans.
3.1. Das Medium Buch: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Büchern für die Identitätsbildung des Protagonisten und seine Theaterleidenschaft.
3.2. Das Medium Theater: Dieser Abschnitt analysiert das Theater als multimodalen Raum der Aufklärung und als Ort der Sinnsuche für Wilhelm Meister.
3.3. Weitere Medien: Abschließend werden Briefe, Reisejournale, Musik und Rituale als ergänzende mediale Ausdrucksformen im Roman kurz vorgestellt.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, wie das Zusammenspiel verschiedener Medien die Darstellung des bürgerlichen Bildungsweges und die gesellschaftlichen Veränderungen in Goethes Werk prägt.
Schlüsselwörter
Wilhelm Meisters Lehrjahre, Johann Wolfgang von Goethe, Medienroman, Buch, Theater, Leitmedium, Kulturwissenschaft, Bildungsroman, Kommunikation, Aufklärung, Mediengeschichte, Rezeption, Turmgesellschaft, Alphabetisierung, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht Johann Wolfgang von Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ unter medientheoretischen Aspekten und analysiert, wie verschiedene Medien – allen voran das Buch und das Theater – die Entwicklung des Protagonisten beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte des Mediums Buch, die Rolle des Theaters als bürgerlicher Aufklärungsort und die medienhistorische Einordnung des Romans im Kontext des 18. und 19. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Roman als „Medienroman“ zu verstehen und aufzuzeigen, wie Goethe die Transformation von der vorindustriellen zur industriellen Gesellschaft durch den Einsatz unterschiedlicher Medien im Text abbildet.
Welche theoretische Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird ein kulturwissenschaftlicher Ansatz verfolgt, der medientheoretische Konzepte von Autoren wie Marshall McLuhan und Friedrich A. Kittler auf die literarische Analyse von Goethes Werk anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Funktion von Büchern für Wilhelm Meisters Theaterenthusiasmus, der Ambivalenz des Theaters zwischen Unterhaltung und Aufklärung sowie der Bedeutung kleinerer Medien wie Briefe und Rituale.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medienkonkurrenz, Leitmedium, Bildungsroman, Kommunikation, Buchkultur und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Bewertung des Theaters durch Wilhelm im Vergleich zu Serlo?
Während Wilhelm das Theater als idealistische Stätte der moralischen Aufklärung und Bildung betrachtet, sieht der Theaterdirektor Serlo das Theater stärker als professionelles Geschäft, das sich an den Erwartungen des Publikums und Einschaltquoten orientiert.
Welche Rolle spielt die Turmgesellschaft im Kontext der Medienanalyse?
Die Turmgesellschaft fungiert als ein „Institut der Aufklärung“, das durch die Archivierung von Dokumenten, Rollen und Lebensgeschichten eine strukturierende, oft überwachende mediale Instanz in Wilhelms Leben darstellt.
- Arbeit zitieren
- Antje Schoene (Autor:in), 2008, Wilhelm Meisters Lehrjahre – Ein Medienroman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118044