Die vorliegende Hausarbeit behandelt die Gregoriusdichtung Hartmanns von Aue vor allem unter einem Gesichtspunkt: Der von Hartmann verwendeten Antonomasien. Im Verlauf der Arbeit soll dabei gezeigt werden, dass diese ein für Verständnis und Deutung des Handlungsgeschehens kaum zu unterschätzendes Instrument darstellen. Um diese Funktion der Antonomasien angemessen darstellen zu können, ist diese Hausarbeit in folgende Schritte untergliedert:
Zunächst einmal sei auf einer allgemeinen Ebene eine kurze Begriffsumgrenzung des Stilmittels vorgenommen, wobei eine knappe Gegenüberstellung mit der Metapher vorgenommen wird. Dass dieser Vergleich – aufgrund des begrenzten Rahmens der Arbeit - nicht umfassend sein kann, versteht sich von selbst. Die Gegenüberstellung soll lediglich dazu dienen, die für den Zweck dieser Hausarbeit wichtigsten Eigenschaften der Antonomasie herauszustreichen. Im Anschluss an diesen Teil wird kurz auf die Lage der Forschungsliteratur einzugehen sein, um zu veranschaulichen, welch geringe Beachtung Antonomasien in der Sekundärliteratur besitzen. Um die davon abweichende und weitaus größere Bedeutung des Stilmittels zu veranschaulichen, seien die theoretischen Überlegungen zur Antonomasie im folgenden auf den Text der Dichtung bezogen. Es wird dabei um eine Untersuchung der verwendeten Antonomasien gehen, innerhalb der nicht allein ihr jeweiliger Kotext in Betrachtung gezogen werden soll, sondern gleichsam ihr Zusammenspiel im übergreifenden Kontext des Werkes. Das „Konzert“, das durch die Verknüpfung der verschiedenen, mit Antonomasien belegten Personen entsteht, soll so anschaulich dargestellt werden. Um dies innerhalb eines angemessenen Rahmens vornehmen zu können, werden Bezüge zu ausgewählten Werken der Sekundärliteratur unumgänglich sein. Ebenso werden, aufgrund des Aussagegehaltes der Dichtung, Bezüge zur Bibel herausgestellt werden müssen, denn – wie noch darzustellen sein wird- ist der Dichtung deutlich an der Übermittlung religiöser Inhalte gelegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zur Lage der Forschungsliteratur
1.2 Begriffsklärung
1.2.1 Funktionen
2 Antonomasien im Gregorius
2.1 Antonomasien für Gregorius
2.2 Antonomasien für Gott und den Teufel
2.2.1 Zur Appellfunktion des Werkes
2.2.2 Exkurs: Zahlensymbolik
2.2.3 Antonomasien für Gott- Gradmesser der Gotteserkenntnis
2.2.4 Der Teufel als Gegenpol Gottes
2.3 Nebenfiguren
3 Fazit
4 Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Verwendung und Funktion von Antonomasien in Hartmanns von Aue Werk "Gregorius". Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass diese stilistischen Mittel weit mehr als bloße Namensumschreibungen sind, sondern als zentrales Instrument dienen, um das Handlungsgeschehen zu deuten und religiöse Inhalte für den Rezipienten greifbar zu machen.
- Analyse der rhetorischen Funktion von Antonomasien zur Charakterisierung von Haupt- und Nebenfiguren.
- Untersuchung der religiösen Symbolik und ihrer Verknüpfung mit heilsgeschichtlichen Kontexten.
- Erforschung der Wechselbeziehung zwischen den Antonomasien für Gott und dem Teufel als Antagonisten.
- Erläuterung der narrativen Steuerung durch gezielte Akzentuierung von Personeneigenschaften.
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Der Teufel als Gegenpol Gottes
Ebenso wie Gott die ganze Dichtung hindurch gut ist, wird der Teufel permanent negativ beschrieben.
Er, „dessen Ziel es ist, den Menschen der Gnade Gottes und des ewigen Lebens zu berauben, wie sie die Verdammung und ewigen Tod assoziierende Antonomasie hellehund zeigt“, ist der „werlde vient“ (304) und es ist ihm nicht möglich, irdisches Glück zu ertragen. Obwohl aber beide, Gott und der Teufel, den Menschen in schwierige Situationen stellen, so tun sie dies doch mit unterschiedlichen Intentionen: Gott ist der Prüfer, der den Menschen letztendlich zum Heil führen möchte, weshalb es in 1. Petrus 16- 7 heißt:
„Deshalb seid voll Freude, auch wenn ihr jetzt für kurze Zeit leiden müsst und auf die verschiedensten Proben gestellt werdet. Das geschieht nur, damit euer Vertrauen auf Gott sich bewähren kann. Wie das vergängliche Gold im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird, so wird euer Vertrauen, das viel kostbarer ist als Gold, im Feuer des Leidens geprüft“.
Der Teufel hingegen ist der Verführer, der durch seine Versuchungen den Menschen in die Verdammnis führen möchte, was sich im Text sowohl vor dem ersten Inzest zeigt, als später auch vor dem zweiten, bei dem, „Hartmann (...), als die Mutter den Stoff des Gewandes, das Gregorius trägt, erkennt, aber die Ahnung, er sei ihr Sohn und damit die Möglichkeit, den erneuten Inzest zu verhindern, schnell verdrängt, den Gedanken, der Teufel sei der Anstifter auch des zweiten Inzestes, wieder auf (-nimmt) und (...) auch hier den Bezug zum Sündenfall“ knüpft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die Bedeutung der Antonomasie als interpretatives Instrument zu untersuchen und die Forschungslage einzuordnen.
2 Antonomasien im Gregorius: Analysiert den Einsatz von Antonomasien bei der Hauptfigur, Gott, dem Teufel und Nebenfiguren im Kontext der Heilsgeschichte.
3 Fazit: Fasst zusammen, dass Antonomasien maßgeblich zur erzählerischen Steuerung und zur Vermittlung der christlichen Heilsbotschaft beitragen.
4 Literaturverzeichnis: Listet die für die Hausarbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
Schlüsselwörter
Antonomasie, Gregorius, Hartmann von Aue, Stilmittel, Heilsgeschichte, Gotteserkenntnis, Oxymoron, Literaturwissenschaft, Mittelalterliche Literatur, Rhetorik, Heilsbotschaft, Figurencharakterisierung, Theologie, Gottesgnade, Sünde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Verwendung von Antonomasien (Eigenschaftsumschreibungen von Eigennamen) in Hartmanns von Aue Dichtung "Gregorius" und deren Bedeutung für die Textdeutung.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll nachgewiesen werden, dass Antonomasien ein wesentliches, bisher oft unterschätztes Instrument sind, um das Handlungsgeschehen zu präzisieren und religiöse Heilsinhalte für den Leser zu verdeutlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der rhetorischen Definition stehen die Darstellung Gottes, die Rolle des Teufels als Verführer sowie die heilsgeschichtliche Entwicklung der Figur Gregorius im Fokus.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor nutzt eine textimmanente Interpretationsmethode unter Einbeziehung der Forschungsliteratur, um die Funktion der Stilmittel innerhalb des übergeordneten Kontextes des Werkes zu erschließen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Antonomasien für die Hauptfigur Gregorius, Gott, den Teufel sowie diverse Nebenfiguren wie das Fischerehepaar und den Ratgeber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören Antonomasie, Heilsgeschichte, Gottesgnade, Gregorius, Hartmann von Aue und literarische Charakterisierung.
Warum verwendet der Autor für Gregorius besonders oft Oxymora?
Oxymora, wie "guoten sundaere", spiegeln die innere Widersprüchlichkeit und die heilsgeschichtliche Position von Gregorius wider, der sich selbst als Sünder sieht, während er von Gott auserwählt ist.
Wie unterscheidet sich die Darstellung Gottes von der des Teufels?
Gott wird durchweg als gütiger Prüfer dargestellt, dessen Gnade über dem Gesetz steht, während der Teufel permanent als negativ konnotierter Verführer gezeichnet wird, der den Menschen vom Heil abbringen will.
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- Hanno Frey (Author), 2000, Antonomasien im Gregorius von Hartmann von Aue, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11806