Nach meiner Einleitung werde ich mit einem kurzen theoretischen Hintergrund einführen, in dem ich zuerst die Begriffe Familie, Ehe und Scheidung definiere. Danach zeige ich anhand von zwei Abbildungen des Statistischen Bundesamtes die Scheidungsstatistiken in Deutschland der letzten Jahre auf. In dem nächsten Kapitel möchte ich die drei Phasen einer Scheidung aufzeigen und dabei zuerst die Ursachen einer Scheidung darstellen. Nach Wilhelm Buschs Zitat hat bei einer Scheidung meistens einer mehr zu leiden, das sind überwiegend die Kinder. Daher werde ich die Auswirkungen auf die Kinder vor, während und nach der Scheidung veranschaulichen. Dabei stellt sich die Frage, mit welchen Gefühlen und Belastungen Kinder und Jugendliche in so einer Situation konfrontiert werden und ob diese alters- und geschlechtsspezifisch sind.
Im Anschluss daran werde ich mit Hilfe von zwei Studien von E. Mavis Hetherington und Judith Wallerstein und dem Psychoanalytiker Helmuth Figdor die möglichen Langzeitfolgen von Scheidungskindern aufzeigen. Zudem stellt sich die Frage, wie diesen Auswirkungen und auch möglichen Langzeitfolgen entgegengewirkt werden können und welche Hilfestellungen Eltern und auch den Kindern gegeben werden kann, um die Scheidung besser bewältigen zu können. Dazu möchte ich in meinem letzten Kapitel mögliche Hilfestellungen aufzeigen. Danach komme ich zu den Gruppeninterventionsprogrammen und zur Mediation. Am Ende gebe ich noch kurz einen Einblick über die Hilfe des Jugendamtes.
Scheidung ist ein viel diskutiertes und aktuelles Thema in unserer Gesellschaft. Die Zahl der Ehescheidungen ist in der Tendenz steigend. 2012 wurden in Deutschland nach dem Statistischen Bundesamt 387.243 Ehen geschlossen. Die Anzahl der Scheidungen im Jahr 2012 liegt bei 179.147. Das sind ganze 46 % der geschlossenen Ehen in dem Jahr. Mit der Anzahl der Scheidungen steigt auch die Zahl der betroffenen Kinder. Unter den geschiedenen Ehen 2012 waren 88.863 minderjährige Kinder von einer Scheidung betroffen. Meine Arbeit möchte ich diesen betroffenen Kindern widmen, denn mit der Entwicklung der Scheidungsrate haben sich auch die Hilfemöglichkeiten für die Familien und deren Kinder entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Familie
2.1.2 Ehe
2.1.3 Scheidung
2.2 Scheidungsrate in Deutschland
3 Trennungsablauf
3.1 Ambivalenzphase
3.1.1 Ursachen einer Scheidung
3.1.2 Auswirkungen auf die Kinder
3.2 Die Scheidungsphase
3.2.1 Reaktion der Eheleute
3.2.2 Auswirkungen auf die Kinder
3.3 Nachscheidungsphase
3.3.1 Veränderung des Familienalltags
3.3.2 Auswirkungen auf die Kinder
4 Langzeitfolgen - Das Scheidungskind als Erwachsener
5 Hilfemöglichkeiten
5.1 Unprofessionelle Hilfemöglichkeiten
5.1.1 Familiäre Umfeld als Risiko- und Schutzfaktor
5.1.2 Soziale Institutionen wie Kindergarten, Schule und Jugendzentrum
5.2 Professionelle Hilfen
5.2.1 Trennungs- und Scheidungsberatung
5.2.2 Gruppeninterventionsprogramme
5.2.3 Mediation
5.2.4 Jugendamt
6 Fazit
7 Abbildungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit der Situation von Kindern bei der elterlichen Scheidung. Ziel ist es, die emotionalen und sozialen Belastungen in den verschiedenen Trennungsphasen zu rekonstruieren und pädagogische Hilfemöglichkeiten aufzuzeigen, um betroffene Kinder zu unterstützen und ihre Entwicklung positiv zu beeinflussen.
- Theoretische Grundlagen zu Familie, Ehe und Scheidung sowie statistische Einordnung.
- Analyse der drei Scheidungsphasen: Ambivalenzphase, Trennungsphase und Nachscheidungsphase.
- Untersuchung der psychischen und sozialen Auswirkungen von Scheidung auf Kinder und Jugendliche.
- Darstellung von Langzeitfolgen für das Erwachsenenalter basierend auf Fachstudien.
- Evaluation professioneller und unprofessioneller Hilfemöglichkeiten, wie Mediation und Jugendamt.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Auswirkungen auf die Kinder
Die Eltern versuchen oft in dieser meistens konflikthaften Phase ihre Streitereien und Gefühle vor ihren Kindern geheim zu halten. Doch Kinder merken es ihren Eltern an, wenn etwas nicht „wie immer“ zwischen ihnen ist. Problematisch wird es, wenn die Kinder über ihre Beobachtungen nicht reden können, oder von ihren Eltern sogar verneint werden. Sie beginnen, an sich selbst und ihrer Beobachtungsfähigkeit zu zweifeln. Oft streiten sich die Eltern auch vor den Augen der Kinder und ziehen sie mit hinein. Kinder versuchen dabei durch auffällige Verhaltensweisen von den Ehekonflikten abzulenken. Dabei leiden sie häufig so stark unter dieser Situation, dass es zur Ausbildung von Symptomen kommt.
Ein Säugling kann ohne ein soziales Umfeld, also ohne Eltern oder Bezugspersonen, nicht überleben. Er muss ernährt, beschützt und mit Emotionen versorgt werden. Ab seinem Lebensanfang strebt ein Säugling nach diesen Sicherheiten, indem er anfängt durch Schreien auf sich aufmerksam zu machen. Er merkt sich schnell, wer ihm diese Sicherheiten geben kann und richtet sich nach dieser Person. Bei streitenden Eltern nimmt der Säugling das als Störung seines gewohnten Rhythmus dar. Es kann nun vorkommen, dass der Säugling länger als zuvor alleine gelassen wird. Der Säugling merkt das veränderte Verhalten der Eltern. Ihm fällt auf, dass sie vielleicht lauter sind als sonst, bewegen sich hastiger, riechen anders und ihr Gesichtsausdruck ist verändert. Er sieht seine Versorgung gefährdet und reagiert körperlich, fängt an zu schreien, die Bezugsperson reagiert darauf und kommt ihn trösten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsintention, betroffene Kinder bei der Scheidung der Eltern zu unterstützen.
2 Theoretische Grundlagen: Definition der Begriffe Familie, Ehe und Scheidung sowie ein Überblick über aktuelle Scheidungsstatistiken in Deutschland.
3 Trennungsablauf: Analyse der drei Phasen (Ambivalenz, Trennung, Nachscheidung) und deren spezifische Auswirkungen auf die psychische und soziale Verfassung von Kindern.
4 Langzeitfolgen - Das Scheidungskind als Erwachsener: Darstellung der Langzeitwirkungen von elterlicher Trennung basierend auf Langzeitstudien von Hetherington und Wallerstein.
5 Hilfemöglichkeiten: Differenzierung zwischen unprofessionellen Hilfen (Familie, Schule) und professionellen Beratungsansätzen zur Unterstützung betroffener Kinder.
6 Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über die Bedeutung elterlicher Ressourcen für die Bewältigung des Scheidungsprozesses durch das Kind.
Schlüsselwörter
Scheidung, Scheidungskinder, Familie, Kindeswohl, Trennungsablauf, Ambivalenzphase, Langzeitfolgen, Hilfemöglichkeiten, Mediation, Jugendamt, psychische Belastung, Sozialisationsfunktion, Co-Elternschaft, Erziehungsstile, Prävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Bachelorarbeit untersucht das Erleben von Kindern, deren Eltern sich scheiden lassen, und analysiert Möglichkeiten, wie diesen Kindern in dieser schwierigen Lebenssituation pädagogisch geholfen werden kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Phasen des Trennungsprozesses, die altersbedingten Auswirkungen auf Kinder sowie die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren für deren Entwicklung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt danach, wie Kinder die Scheidung ihrer Eltern erleben, welche Gefühle und Belastungen dabei entstehen und welche Unterstützungssysteme zur Bewältigung beitragen können.
Welche wissenschaftlichen Ansätze werden verwendet?
Die Autorin stützt sich auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse und nutzt Ergebnisse renommierter Langzeitstudien (u.a. von Hetherington, Wallerstein und Figdor), um die Folgen für Kinder zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Phasen der Scheidung, eine Analyse der Langzeitfolgen für das Erwachsenenalter sowie eine detaillierte Darstellung professioneller und unprofessioneller Hilfemöglichkeiten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Scheidungskinder, Kindeswohl, psychische Belastung, Coping-Strategien, Mediation und elterliche Ressourcen charakterisiert.
Welchen Einfluss hat das Alter der Kinder auf das Scheidungserleben?
Die Arbeit zeigt, dass die Reaktionen altersbedingt sind: Während Vorschulkinder oft mit Ängsten und Schuldgefühlen reagieren, zeigen Schulkinder eher Leistungsabfall und Pubertierende können ihre Krisen meist reflektierter angehen, sind aber durch die Trennung in ihrer Identitätsfindung beeinträchtigt.
Warum ist die „co-elterliche“ Zusammenarbeit so entscheidend?
Eine kooperative Elternschaft gilt als bester Schutzfaktor, da die Eltern gemeinsam Probleme lösen und Regeln angleichen, was dem Kind Sicherheit vermittelt und Loyalitätskonflikte minimiert.
- Arbeit zitieren
- M. A. Daniela Neugebauer (Autor:in), 2014, Scheidung und Scheidungskinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1180617