Das soziale Positionieren ist in der heutigen Zeit ein omnipotentes Thema. Besonders in etablierten Social-Media-Kanälen werden ununterbrochen unterschiedliche Positionen eingenommen, kritisiert oder auch diskutiert. In dieser Arbeit werden Positionen in besagten Internetplattformen zu den Themen Schule und Bildung näher untersucht. Wie wird sich zu den Themen geäußert? Gibt es Auffälligkeiten und wenn ja, wo liegen diese? Welche Muster zeigen sich bei Gegenpositionen sowie Zustimmungen, oder wie verläuft der Austausch hier im Allgemeinen? Diese Fragestellungen sollen mit wissenschaftlichen Ausarbeitungen versucht verstanden, als auch beantwortet zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Hypothese
2. Theoretischer Einstieg zum Positionieren
3. Positionierungen in sozialen Medien
3.1 Das soziale Medium
3.2 Kommunikationsformen von sozialen Medien
4. Positionierungen zu Schule und Bildung
4.1 Positionierungen auf YouTube
4.2 Positionierungen auf Instagram
5. Fazit und Ausblick
6. Bildkorpus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Praktiken des Positionierens (Stancetaking) im digitalen Raum, mit einem spezifischen Fokus auf Nutzerkommentare zu bildungs- und schulpolitischen Themen auf den Plattformen YouTube und Instagram.
- Grundlagen der Positionierungstheorie nach Davies und Harré sowie Stancetaking nach Du Bois
- Analyse der Interaktionsformen und Medialität von YouTube und Instagram
- Untersuchung von eskalierenden und deskriptiven Bewertungsmustern in Nutzerkommentaren
- Vergleich von Kommunikationskulturen in Kommentarspalten zu ausgewählten Medienbeiträgen
- Rolle von Emojis, Likes und direkten Antworten als Ausdruck von Identitätsarbeit und Positionierung
Auszug aus dem Buch
2. Theoretischer Einstieg zum Positionieren
Bevor es an die genauere Betrachtung und Analyse der einzelnen Positionierungen geht, muss zunächst ein theoretischer Rahmen geschaffen werden. Dieser bildet die Grundlage für die Beobachtung der kommenden sprachlichen Muster. Dessen Ursprung findet sich in der Diskursanalyse, beziehungsweise der diskursiven Psychologie. Bronwyn Davies und Rom Harré gehörten zu den Ersten, die 1990 eine Positionierungstheorie veröffentlichen. In dieser werden Positionierungen als „discursive production of selves“ (Davies und Harré 1990: 43). bezeichnet. Positionieren ist demnach ein methodischer Prozess, in dem sich einzelne Individuen innerhalb einer Konversation als Beobachter oder aktive Partizipanten aufhalten. Folglich kann eine Person durch Äußerungen einer weiteren Person positioniert werden, sowie sich selbst aktiv durch bestimmte Aussagen positionieren (Davies und Harré 1990: 48).
Passender sind hier die Begriffe Rolle und Identität. Nach Lucius-Hoene und Deppermann können somit Menschen sich selbst, als auch andere, durch eine sprachliche Interaktion her- und darstellen (Lucius-Hoene und Deppermann 2004: 168). In diesem Fall wäre die Rolle Teil der zugeschriebenen Aspekte eines Individuums. Die Identität hingegen ist Teil der Herstellung des sich Positionierenden: „Das Erzählen von Selbsterlebtem ist somit sowohl Selbstdarstellung als auch interaktionell mitbestimmte und emergente Selbstherstellung, mit dem das aktuell erzählende Ich „Identitätsarbeit in Aktion“ betreibt und für sich selbst einen bestimmten Geltungsrahmen und soziale Konsequenzen beansprucht.“ (Lucius-Hoene und Deppermann 2004: 168). Solche Positionen sind wechselseitig und werden immer wieder weiter ausgehandelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung steckt den Rahmen des Seminars ab und definiert das Ziel der Arbeit, Nutzerkommentare zu Schule und Bildung in sozialen Medien linguistisch zu analysieren.
1.1. Hypothese: In diesem Unterkapitel werden erste Vermutungen formuliert, dass sich Positionierungen je nach Medium und Beitrag durch emotionale oder sachliche Argumentationsmuster unterscheiden.
2. Theoretischer Einstieg zum Positionieren: Es werden die wissenschaftlichen Grundlagen des Stancetaking und der Positionierungstheorie erläutert, wobei Konzepte wie Identitätsarbeit und das Stance triangle im Fokus stehen.
3. Positionierungen in sozialen Medien: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel der Internetkommunikation hin zum interaktiven Web 2.0 und die Rolle von Medien als Vermittler.
3.1 Das soziale Medium: Hier wird der Nutzer als „Produser“ definiert und die Bedeutung der hybriden Interaktion in sozialen Netzwerken hervorgehoben.
3.2 Kommunikationsformen von sozialen Medien: Der Abschnitt vergleicht die spezifischen Interaktionsmöglichkeiten von YouTube (Video, Kommentarspalte) und Instagram (Foto/Video-Beiträge, Story, Direct Message).
4. Positionierungen zu Schule und Bildung: Die empirische Anwendung erfolgt anhand von Fallbeispielen, wobei die Reaktionen auf konkrete mediale Inhalte analysiert werden.
4.1 Positionierungen auf YouTube: Die Untersuchung zeigt, wie Nutzer mittels Likes und Kommentaren eine kritische Haltung gegenüber dem deutschen Schulsystem und dem Lehrpersonal einnehmen.
4.2 Positionierungen auf Instagram: Das Kapitel analysiert die Dynamik unter einem Instagram-Beitrag über Leistungsdruck bei Kindern, wobei auch hier eine Spaltung der Meinungen deutlich wird.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird festgestellt, dass in beiden Netzwerken ein reger Austausch herrscht, wobei die Qualität der Positionierung stark von der jeweiligen Plattform abhängt.
6. Bildkorpus: Dieser Abschnitt dient der Dokumentation der untersuchten Kommentarverläufe und bietet visuelle Belege für die durchgeführte Analyse.
Schlüsselwörter
Positionieren, Stancetaking, Soziale Medien, YouTube, Instagram, Diskursanalyse, Identitätsarbeit, Kommunikation, Bildung, Schule, Nutzerinteraktion, Kommentarspalte, Sprachwissenschaft, Medialität, Bewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung von kommunikativen Praktiken, speziell dem "Positionieren" von Nutzern in sozialen Netzwerken zu bildungsbezogenen Themen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Kommunikationsformen in sozialen Medien, den Strategien des Stancetaking sowie der kritischen Auseinandersetzung mit Schule und Bildung im digitalen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, nach welchen Mustern Nutzer ihre Meinung (Positionierung) zu Bildungs- und Schulthemen in den Kommentarspalten von YouTube und Instagram äußern und ob sich dabei auffällige kommunikative Strategien zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze der Diskursanalyse, der diskursiven Psychologie und der Konversationsanalyse, um die sprachlichen Äußerungen der Nutzer anhand des Stance-Modells nach Du Bois zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Positionierung und eine praktische Analyse, in der konkrete YouTube-Videos und Instagram-Beiträge und die darunter befindlichen Nutzerkommentare ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Positionieren, Stancetaking, Soziale Medien, Kommunikation, Identitätsarbeit und Diskursanalyse.
Wie unterscheidet sich die Kommentar-Kultur auf YouTube von Instagram?
Während auf YouTube vor allem Daumen-Bewertungen und längere Diskussionsfäden dominieren, ist Instagram stärker auf eine Kombination aus Bild, kurzem Text und Hashtags ausgelegt, wobei Interaktionen dort oft provokanter oder deskriptiver Natur sind.
Was ist das Ergebnis bezüglich des deutschen Schulsystems?
In den untersuchten Kommentaren überwiegt bei den Nutzern der Wunsch nach einer Reform des deutschen Schulsystems, wobei häufig auf skandinavische Modelle oder allgemeine Mängel im Leistungsdruck verwiesen wird.
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- Jonas Kandylakis (Autor), 2021, Positionierungen zu Schule und Bildung in digitalen Medien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1180661