In der Auseinandersetzung mit der Frage, mit welcher Schulreform die Defizite des dreigliedrigen Schulwesens und vor allem der starke Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus der Eltern und dem Bildungserfolg der Kinder ausgeglichen werden kann, taucht als Lösungsansatz die Idee einer Einheitsschule bzw. Gesamtschule auf.
In diesem Rahmen geht diese Arbeit der Frage nach, ob die integrierte Gesamtschule gegenüber dem herkömmlichen Schulwesen ein gelungenes Konzept für "Chancengleichheit für alle" ist.
Im ersten Kapitel wird ein zusammenfassender Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Gesamtschule geworfen und auf ihre Umwandlung zu einer anerkannten Regelschule, begleitet mit kontrastieren schulpolitischen Debatten. Anschließend wird auf das Chancengleichheitsprinzip im Gesamtschulsystem eingegangen und die Instrumente dafür vorgestellt, dieses Ziel im Schulalltag zu realisieren. Da mit der Gründung von Gesamtschulen oftmals die Hoffnung verbunden war, die soziale Ungleichheit unter den Schülern abzubauen, gilt es zu überprüfen, inwiefern diese Schulform gemessen an dem Ziel "Chancengleichheit für alle" bessere Ergebnisse erzielt als dies im herkömmlichen Bildungswesen der Fall ist.
Dazu wird im zweiten Kapitel eine zeitliche Zweiteilung der Befunde vorgenommen. Einerseits werden zwei relevante Befunde im ersten Abschnitt dargestellt, die im Zuge der Gesamtschulphase durchgeführt wurden und die zu der offiziellen Anerkennung der Gesamtschule als Regelschule beigetragen haben: der Bericht der Bund-Länder-Kommission (BLK) für Bildungsplanung und Forschungsförderung (1982) als auch die Vergleichsuntersuchungen der Konstanzer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Fend (1982). Anschließend wird im zweiten Abschnitt auf neue Studien (PISA 2000, GGG-NRW/SLV und LifE-Studie 2009) Bezug genommen, die nach der Versuchsphase der Gesamtschule entstanden sind und Aussagen zur Bewertung der Chancengleichheit ermöglicht haben. Allerdings hat in den letzten Jahren das empirische Interesse an der Schulform Gesamtschule abgenommen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das Gesamtschulmodell und das Prinzip der Chancengleichheit
- 2.1. Die Entwicklungsgeschichte der Gesamtschule und der Weg zur Regelschule
- 2.2. Das Prinzip der Chancengleichheit und seine Umsetzung in der Gesamtschule
- 3. Empirische Aspekte zur Chancengleichheit in der Gesamtschule
- 3.1. Untersuchungen im Zuge des Gesamtschulversuchs
- 3.1.1. Bericht der Bund-Länder-Kommission (BLK) 1982
- 3.1.2. Untersuchung von Fend 1982
- 3.2. aktuelle Studien zur Chancengleichheit in der Gesamtschule
- 3.2.1. PISA-Studie 2000
- 3.2.2. Studie GGG-NRW/SLV
- 3.2.3. Studie Life
- 4. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Frage, ob die integrierte Gesamtschule ein gelungenes Konzept für „Chancengleichheit für alle“ ist. Sie betrachtet dabei die Entwicklungsgeschichte der Gesamtschule und die Debatten um ihre Einführung, analysiert das Chancengleichheitsprinzip im Gesamtschulsystem und evaluiert empirische Befunde zur Effektivität dieser Schulform in Bezug auf Chancengleichheit.
- Entwicklungsgeschichte der Gesamtschule und ihre Etablierung als Regelschule
- Das Chancengleichheitsprinzip im Gesamtschulsystem
- Empirische Befunde zur Chancengleichheit in Gesamtschulen
- Vergleich mit dem herkömmlichen Schulwesen
- Kontroversen und Herausforderungen im Gesamtschulsystem
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel gibt einen Überblick über die Entwicklung der Gesamtschule, beleuchtet die politischen Debatten um ihre Einführung und erläutert das Chancengleichheitsprinzip im Gesamtschulsystem. Das zweite Kapitel fokussiert auf empirische Aspekte der Chancengleichheit in Gesamtschulen. Es werden sowohl Untersuchungen im Rahmen der Versuchsphase als auch aktuelle Studien analysiert, um zu bewerten, ob die Gesamtschule tatsächlich zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem beiträgt.
Schlüsselwörter
Gesamtschule, Chancengleichheit, Bildungssystem, soziale Ungleichheit, Schulreform, Empirische Befunde, PISA-Studie, GGG-NRW/SLV, Life-Studie, Bund-Länder-Kommission, Fend, Bildungskatastrophe, Einheitsschule, Vertikale Differenzierung, Horizontale Gliederung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel einer integrierten Gesamtschule?
Das Hauptziel ist die Förderung der Chancengleichheit, indem der starke Zusammenhang zwischen dem Sozialstatus der Eltern und dem Bildungserfolg der Kinder aufgebrochen wird.
Wie unterscheidet sich die Gesamtschule vom dreigliedrigen Schulsystem?
Anstatt Kinder früh auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium aufzuteilen, lernen alle Schüler gemeinsam in einer Schule, wobei die Differenzierung oft erst später erfolgt.
Was sagen Studien wie PISA über die Gesamtschule aus?
Studien wie PISA 2000 oder die LifE-Studie untersuchen, ob die Gesamtschule tatsächlich bessere Ergebnisse bei der sozialen Gerechtigkeit erzielt als das herkömmliche Bildungswesen.
Wer war Helmut Fend im Kontext der Gesamtschulforschung?
Prof. Fend leitete die Konstanzer Arbeitsgruppe, die 1982 einflussreiche Vergleichsuntersuchungen zur Wirksamkeit der Gesamtschule im Vergleich zu gegliederten Schulen vorlegte.
Was ist mit „vertikaler Differenzierung“ gemeint?
Es beschreibt die Leistungsdifferenzierung innerhalb der Gesamtschule (z.B. Grund- und Erweiterungskurse), um den unterschiedlichen Begabungen der Schüler gerecht zu werden.
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- Anonym (Author), 2019, Chancengleichheit für alle. Ist die integrierte Gesamtschule die Lösung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1180738