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Sprachkritik bei Rolf Dieter Brinkmann. Mögliche Auswege aus der "Sprachkrise"

„Wörter wie Schimmelpilze, Schmarotzer des Bewusstseins“

Title: Sprachkritik bei Rolf Dieter Brinkmann. Mögliche Auswege aus der "Sprachkrise"

Term Paper , 2015 , 28 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Theresa Gießau (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die vorliegende Seminararbeit setzt sich zum Ziel, aus der Fülle an Material, die Rolf Dieter Brinkmanns Essays, Briefe und Notizen bereithalten, seine sprachkritischen Grundgedanken herauszuarbeiten, in einen geordneten Zusammenhang zu bringen und nach Lösungswegen aus der Sprachproblematik zu suchen. Paradoxerweise verfügt der Dichter trotz der Ablehnung von Sprache über ein unglaublich reichhaltiges Repertoire an sprachlich verfasstem Material. Diese Banalität motiviert dazu, sich Brinkmanns potentielle Lösungswege aus der Sprachproblematik anzuschauen. Konnte er einen Ausweg aus der 'Sprachkrise' finden? Wenn ja: Wie sah dieser aus? Welche Mittel waren dazu nötig? Wie hatte Literatur Brinkmann zufolge auszusehen? Eine Betrachtung seiner expliziten Forderungen und Darlegungen sowie der Techniken seiner Arbeit werden zeigen, ob es für Brinkmann eine Versöhnung mit dem 'Problemkind Sprache' geben konnte.

Das wichtigste und natürlichste Werkzeug eines Schriftstellers ist seine Sprache. Ohne das sprachliche System, ohne Lexeme, Satzstrukturen und eine zugrundeliegende Grammatik kann kein literarisches Werk gelingen. Mit Sprache kreieren Dichter und Autoren Kunstwerke von unschätzbarem Wert, die aus dem kulturellen Erbe einer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind. Was aber tun, wenn sich der Schreibende nicht länger auf sein fundamentalstes Arbeitsmittel – die Sprache – verlassen kann? Wenn Sprache unzuverlässig wird, oder dem, was sie ausdrücken soll, nicht länger gerecht wird – den Gegenstand womöglich verzerrt darstellt? Eine solche 'Sprachkrise' ist aber nicht bloß ein Phänomen vergangener Jahrhunderte. Auch Rolf Dieter Brinkmann, Dichter aus Vechta und Zeit seines Lebens gefeiert als „die Ikone deutscher Popliteratur“, sah sich vor einer ähnlichen Problematik.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprachkritische Einflüsse: Von Burroughs, Fiedler, Mauthner und Benn

2.1 William S. Burroughs

2.2 Leslie A. Fiedler

2.3 Fritz Mauthner

2.4 Gottfried Benn

3. Sprachkritische Ansichten: Die Essays und Materialbände Rolf Dieter Brinkmanns

3.1 Kritik an der europäisch-abendländischen Literatur und dem Literaturbetrieb

3.2 Sprache ist sinnlos

3.3 Sprache verfälscht und entfernt vom Leben

3.4 Sprache als Zwangssystem

4. Sprachkritische Auswege: Wahrnehmen, Erweitern, Reflektieren – eine Lösung?

4.1 Intermedialität

4.2 Erweiterung

4.3 Die Bedeutung des Augenblicks

4.4 Subjektivität und Sinnlichkeit

4.5 Selbstreflexion

5. 'Wer kommt schon ganz raus?' – Die Unumgänglichkeit der Sprache

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachkritische Haltung des Autors Rolf Dieter Brinkmann. Das Ziel ist es, aus einer Fülle von Essays, Briefen und Notizen seine grundlegende Sprachproblematik zu systematisieren, die Einflüsse anderer Literaten zu beleuchten und mögliche Lösungsstrategien des Autors im Umgang mit der "Sprachkrise" aufzuzeigen.

  • Analyse sprachkritischer Einflüsse durch Burroughs, Fiedler, Mauthner und Benn.
  • Untersuchung der Sinnleere von Sprache und ihrer Funktion als Zwangssystem.
  • Diskussion intermedialer Ansätze als möglicher Ausweg aus der Sprachskepsis.
  • Betrachtung der Bedeutung des Augenblicks und des authentischen Schreibens.

Auszug aus dem Buch

3.4 Sprache als Zwangssystem

Brinkmann fühlt sich als Dichter und Autor durch sein Arbeitsmittel Sprache oftmals eingeengt. In „Der Film in Worten“ spricht er von den „Wortprizinzipen gesteuerter Gedankenverbindungen“78. Sprache wird zu einem beherrschenden und kontrollierenden System der Reglementierung und Ordnung. Wie auch das Staatssystem, so stellt das System Sprache einen Zwangsmechanismus dar, der sich aus Normierungen, Ordnungen und Vorgaben konstituiert.79 „Wörter sind keine Emanzipation“80, muss Brinkmann resigniert feststellen.

Hingegen sei der Einzelne eingesperrt in einen Käfig aus Wörtern. Auch die europäisch-abendländische Literatur bekommt von dem Schriftsteller den Stempel 'Käfig Literatur' aufgedrückt.81

Die Menschen werden in diesem Gefangenensystem auf Sprache abgerichtet: Bereits ab dem sechsten Lebensjahr beginne die „Dressur, auf Wörter zu reagieren“ 82 . In der Gesellschaft bestehe ein regelrechtes „Sich-Abrichten auf Wörter, anstatt auf Fakten zu reagieren, die die Wörter bezeichnen“83.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Sprachkrise bei Rolf Dieter Brinkmann ein und umreißt die Zielsetzung, die sprachkritischen Grundgedanken des Autors zu systematisieren.

2. Sprachkritische Einflüsse: Von Burroughs, Fiedler, Mauthner und Benn: Dieses Kapitel stellt die theoretischen und literarischen Mentoren vor, deren Konzepte die sprachkritische Haltung Brinkmanns maßgeblich geprägt haben.

3. Sprachkritische Ansichten: Die Essays und Materialbände Rolf Dieter Brinkmanns: Das Kapitel analysiert die konkreten negativen Ansichten Brinkmanns, insbesondere die Kritik am Literaturbetrieb sowie die Auffassung von Sprache als sinnloses, verfälschendes und zwanghaftes System.

4. Sprachkritische Auswege: Wahrnehmen, Erweitern, Reflektieren – eine Lösung?: Hier werden die von Brinkmann erprobten Gegenstrategien untersucht, wie etwa Intermedialität, die Konzentration auf den Augenblick und die Betonung des schreibenden Subjekts.

5. 'Wer kommt schon ganz raus?' – Die Unumgänglichkeit der Sprache: Das abschließende Kapitel reflektiert die Einsicht Brinkmanns, dass eine vollständige Flucht aus der Sprache unmöglich ist und die kritische Selbstreflexion den einzig gangbaren Weg darstellt.

Schlüsselwörter

Rolf Dieter Brinkmann, Sprachkritik, Popliteratur, Beat Generation, Cut-up-Technik, Medialität, Sprachkrise, Intermedialität, Authentizität, Sprachverfall, Schreibprozess, Subjektivität, Zwangssystem, Wahrnehmung, Literaturtheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die sprachtheoretische Haltung von Rolf Dieter Brinkmann und untersucht, warum er Sprache als unzulängliches und einengendes Arbeitsmittel wahrnahm.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Sprachskepsis, die Ablehnung des klassischen Literaturbetriebs, die Auseinandersetzung mit medialer Vermittlung und die Suche nach authentischen Ausdrucksformen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Systematisierung von Brinkmanns sprachkritischen Thesen sowie die Beantwortung der Frage, wie er versuchte, der Sprachproblematik in seinem eigenen literarischen Schaffen zu entgehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Analyse primärer Quellen (Essays, Materialbände) in Kombination mit einer Rezeption einschlägiger literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Popliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Einflüsse, die inhaltliche Aufarbeitung der Sprachkritik bei Brinkmann und die Analyse seiner Lösungsansätze wie Intermedialität und Augenblicksästhetik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachkrise, Popliteratur, Cut-up, Medialität und Authentizität charakterisiert.

Was bedeutet die Metapher vom Wort als "Virus" bei Brinkmann?

In Anlehnung an William S. Burroughs versteht Brinkmann Sprache als ein System, das den Menschen mit vorgegebenen Denkstrukturen infiziert und die unmittelbare Wahrnehmung verfälscht.

Wie bewertet Brinkmann den "Literaturbetrieb"?

Er lehnt den herkömmlichen Literaturbetrieb als erstarrt, traditionsverhaftet und lebensfeindlich ab, wobei er ihn häufig mit Todesmetaphorik assoziiert.

Was versteht man unter dem von ihm angestrebten "Ausweg"?

Der Ausweg ist weniger eine physische Flucht aus der Sprache, sondern vielmehr die bewusste Reflexion über die Medialität und die Unumgänglichkeit der Sprache als Bedingung unseres Denkens.

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Details

Title
Sprachkritik bei Rolf Dieter Brinkmann. Mögliche Auswege aus der "Sprachkrise"
Subtitle
„Wörter wie Schimmelpilze, Schmarotzer des Bewusstseins“
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Germanistisches Institut)
Course
Grundseminar Rolf Dieter Brinkmann
Grade
1,3
Author
Theresa Gießau (Author)
Publication Year
2015
Pages
28
Catalog Number
V1181051
ISBN (PDF)
9783346619365
ISBN (Book)
9783346619372
Language
German
Tags
Rolf Dieter Brinkmann Sprachkritik Literaturwissenschaft Sprachkrise Burroughs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Theresa Gießau (Author), 2015, Sprachkritik bei Rolf Dieter Brinkmann. Mögliche Auswege aus der "Sprachkrise", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181051
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