Von Friedrich Max Müller stammt die bekannte Aussage: "Wer eine [Religion] kennt, kennt keine." Auf den ersten Blick scheint diese einleuchtend. Doch bei genauerer Betrachtung und Überlegung kommen folgende Fragen auf: „Was ist Religion?“ sowie „Was macht eine Religion überhaupt aus?“
Seit der Antike haben sich viele PhilosophInnen, TheologInnen und ReligionswissenschaftlerInnen mit diesem Gegenstand befasst. Nicht nur die Zeit, in der sie gelebt haben, unterscheidet sich dabei, sondern auch die Definition von 'Religion'. So gibt es verschiedene Ansätze, um diesen Begriff zu bestimmen. Detlef Pollack hat einige zusammengefasst. Um aufzuzeigen, wie unterschiedlich die Religionsdefinitionen sein können und ob es Ähnlichkeiten zwischen den Theorien gibt, werden im Rahmen dieser Arbeit die Ansichten von Nikolaus von Kues und William James miteinander verglichen. Beide lebten in verschiedenen Epochen und beide sind in ihrer Vorgehensweise zur Definition des Religionsbegriffs unterschiedlich vorgegangen. Dabei bedient sich die Arbeit der Sekundärforschung. Eine zentrale Rolle nehmen dabei u. a. die Werke „Handbuch Nikolaus von Kues“ von Marco Brösch sowie der Beitrag „William James über religiöse Erfahrung“ von Friedo S. J. Ricken in der Zeitschrift für katholische Theologie ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Nikolaus von Kues
2.1. Leben und Werk
2.2. De pace fide
2.2.1. Inhalt und Interpretation
2.2.2. Nachwirken und heutige Relevanz
3. William James
3.1. Leben und Werk
3.2. The Varieties of Religious Experience
3.2.1. Inhalt und Intepretation
3.2.2. Nachwirken und heutige Relevanz
4. Welche Gemeinsamkeiten haben die Ansätze beider Philosophen?
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen Ansätze zur Definition von Religion bei Nikolaus von Kues und William James, um Gemeinsamkeiten in deren Theorien trotz ihrer verschiedenen Epochen und methodischen Herangehensweisen aufzuzeigen.
- Vergleich der Religionsauffassungen von Nikolaus von Kues und William James
- Analyse der Werke "De pace fide" und "The Varieties of Religious Experience"
- Untersuchung von Krisen als Entstehungsursprung religiöser Reflexion
- Die Rolle der Gläubigen und religiöser Riten im interreligiösen Diskurs
- Reflexion der Relevanz dieser historischen Ansätze für die heutige globalisierte Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Inhalt und Interpretation
Als Reaktion auf den Fall von Konstantinopel entsteht Kues Werk ‚De pace fide‘. Nachdem die Osmanen Konstantinopel eingenommen haben, gilt der Islam als der Hauptfeind des Christentums. Allerdings stehen nicht die Araber im Fokus des Westens, sondern die Osmanen. Als Folge dessen werden auch die Stimmen nach einem neuen Kreuzzug unter Papst Nikolaus V. lauter. Die Stimmen, die für einen friedlichen Dialog plädieren, bilden die Ausnahme. Zu diesen Stimmen gehören neben Cusanus auch Johannes von Segovia. Dass Cusanus ein friedliches Miteinander möchte, wird in ‚De pace fide‘ deutlich. Darin setzt er sich mit den historischen Geschehen auseinander, was schon mit dem ersten Satz des Werkes hervorgehoben wird. Dort heißt es: „Vor kurzem hat der türkische Sultan bei Konstantinopel grausam gewütet.“ Anstatt jedoch ein schlechtes Bild von dem Islam darzustellen, kommt es dort viel mehr zu einem Gespräch zwischen den Vertretern verschiedener Religionen. Auch wird in der Schrift Kues Grundeinstellung deutlich. Diese besagt, dass „alle Wege zur Weisheit und zu Gott hinführen, da sich eine Wahrheit durch die Zeit immer wieder neu offenbart“, wodurch ein interreligiöser Diskurs von Bedeutung ist. So wird zu Beginn des Diskurses ein Mann vorgestellt, „der „nur“ auf große intellektuelle Höhe, nicht aber in den Himmel selbst gehoben worden ist, um mit anderen Weisen der Welt vor der Vollversammlung der Heiligen die Frage nach dem „einzige[n] und wahre[n] Weg [zu einem] ewigen Frieden der Religionen zu erörtern.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Religionsdefinition ein und stellt das Ziel vor, die Ansätze von Nikolaus von Kues und William James mittels Sekundärliteratur zu vergleichen.
2. Nikolaus von Kues: Dieses Kapitel widmet sich dem Werdegang des Philosophen sowie der detaillierten Vorstellung und Interpretation seines Werkes "De pace fide".
3. William James: Der Fokus liegt hier auf William James, seinem Leben und der Analyse seines zentralen Werkes "The Varieties of Religious Experience".
4. Welche Gemeinsamkeiten haben die Ansätze beider Philosophen?: In diesem Kapitel werden die theoretischen Ansätze der beiden Philosophen gegenübergestellt, um trotz unterschiedlicher methodischer Ansätze Gemeinsamkeiten, etwa im Ursprung der Werke durch Krisen, zu identifizieren.
5. Conclusio: Die Conclusio fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert die Stärken sowie Grenzen der untersuchten Ansätze.
Schlüsselwörter
Religion, Nikolaus von Kues, William James, De pace fide, The Varieties of Religious Experience, interreligiöser Dialog, religiöse Erfahrung, Krise, Christentum, Islam, Riten, Philosophie, Religionswissenschaft, Pragmatismus, Toleranz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Ansätze von Nikolaus von Kues und William James hinsichtlich ihrer Definition von Religion und ihrem Verständnis eines friedlichen Miteinanders der Religionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der interreligiöse Dialog, die Rolle religiöser Erfahrungen, der Einfluss persönlicher oder gesellschaftlicher Krisen auf das religiöse Denken sowie der Stellenwert von Riten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedlich die beiden Philosophen den Religionsbegriff bestimmten, und herauszuarbeiten, ob es trotz ihrer verschiedenen Epochen und Ansätze Gemeinsamkeiten gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Sekundärforschung und führt einen vergleichenden, hermeneutischen Ansatz durch, um die zentralen Werke der beiden Philosophen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Philosophen samt Biografie, die Analyse ihrer jeweiligen Hauptwerke ("De pace fide" und "The Varieties of Religious Experience") sowie einen direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Religion, Religionswissenschaft, religiöse Erfahrung, Philosophie, Pragmatismus und interreligiöser Dialog.
Warum spielt der Fall von Konstantinopel eine Rolle für Nikolaus von Kues?
Der Fall von Konstantinopel diente als historischer Auslöser für das Werk "De pace fide", da er die Notwendigkeit eines friedlichen Dialogs zwischen dem Christentum und dem Islam verdeutlichte.
Was unterscheidet bei William James die "kranke Seele" vom "gesunden Geist"?
Der "gesunde Geist" zeichnet sich durch Optimismus und Selbstvertrauen aus, während die "kranke Seele" durch pessimistische Erfahrungen und Krisen geprägt ist, die eine tiefere, oft religiös motivierte Befreiung suchen.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Eine Gegenüberstellung von Nikolaus von Kues und William James, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181077