Diese Arbeit widmet sich zunächst der biblisch theologischen Auseinandersetzung mit dem Buch Rut. In diesem Zusammenhang soll eine Einordnung des Buches Rut in den christlichen Kanon sowie eine Gattungsbestimmung vorgenommen werden. Weiterhin soll auf den Entstehungszeitpunkt der Erzählung und die Verfasserschaft näher eingegangen werden. Ebenso soll auf Kohärenzstörungen und theologische Schwerpunkte des Buches Rut hingewiesen werden. Es erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte der vier Kapitel der Rut-Erzählung, wobei auch die für das Verständnis der Erzählung relevanten sozialgeschichtlichen Hintergründe erläutert werden sollen.
Das zweite Kapitel bildet die notwendige theoretische Grundlage für das dritte Kapitel, welches sich mit dem Buch Rut im Religionsunterricht in der Grundschule befasst, und den Hauptteil dieser Seminararbeit darstellt. So soll versucht werden eine Antwort auf die Frage zu finden, ob und inwieweit sich das Buch Rut zur Behandlung im Religionsunterricht in der Grundschule eignet. In diesem Zusammenhang soll zunächst auf bedeutsame Gesichtspunkte, die für eine Behandlung des Buches Rut im Religionsunterricht in der Grundschule sprechen, näher eingegangen werden, bevor dann in Teilkapitel eine Einordung der Erzählung in das niedersächsische Kerncurriculum für das Fach Evangelische Religion in der Grundschule erfolgt.
Im Anschluss daran befasst sich die Arbeit mit möglichen Themenschwerpunkten bei der Behandlung des Buches Rut im Religionsunterricht in der Grundschule. Inwieweit die einzelnen Themenschwerpunkte Freundschaft – Fremdsein – Treue und Gottvertrauen für die Lebenswelt von Grundschülern/innen relevant sind, soll in weiteren Verlauf herausgearbeitet werden. Das dritte Kapitel wird inhaltlich durch die Annäherung einer methodisch-didaktischen Auseinandersetzung mit dem Buch Rut abgerundet. Abschließend werden in einem Fazit die gewonnenen Ergebnisse dieser Seminararbeit zusammengefasst und die in der Einleitung formulierten Fragen beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biblisch theologische Auseinandersetzung
2.1 Kapitel 1: Rut zieht mit Noomi nach Betlehem (Rut 1,1-1,22)
2.2 Kapitel 2: Rut liest Ähren auf dem Feld des Boas (Rut 2,1-2,23)
2.3 Kapitel 3: Rut befolgt Noomis Rat (Rut 3,1-3,18)
2.4 Kapitel 4: Die Lösung (Rut 4,1-4,22)
3. Das Buch Rut im Religionsunterricht in der Grundschule
3.1 Einordnung in das Kerncurriculum
3.2 Mögliche Themenschwerpunkte für den Religionsunterricht in der Grundschule
3.2.1 Fremdsein
3.2.2 Freundschaft
3.2.3 Treue
3.2.4 Gottvertrauen
3.3 Annäherung einer methodisch-didaktischen Auseinandersetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der biblischen Rut-Erzählung für den Religionsunterricht in der Grundschule. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, ob und wie sich dieser Text für die pädagogische Arbeit eignet, um lebensweltbezogene Themen wie Freundschaft und Gottvertrauen für Kinder zugänglich zu machen und welche didaktischen Methoden hierfür zielführend sind.
- Biblisch-theologische Fundierung der Rut-Erzählung
- Didaktische Relevanz und Einordnung in das Kerncurriculum
- Erarbeitung zentraler Themenschwerpunkte: Fremdsein, Freundschaft, Treue und Gottvertrauen
- Methoden für einen ganzheitlichen Religionsunterricht
- Identifikationsmöglichkeiten für Grundschulkinder durch biblische Frauenfiguren
Auszug aus dem Buch
2.1 Kapitel 1: Rut zieht mit Noomi nach Betlehem (Rut 1,1-1,22)
Zur Zeit der Richter wandert Elimelech, deren Name so viel wie „Mein Gott ist König“ bedeutet, mit seiner Frau Noomi („die Liebliche“) und seinen beiden Söhnen Machlon („Schwächlich“) und Kiljon („Gebrechlich“) aufgrund einer Hungersnot in Betlehem nach Moab aus. Regionale Hungersnöte waren in biblischer Zeit gewiss keine Ausnahme. Dürre oder Unwetter konnten zu Missernten führen, aber auch durch einen Krieg und den damit verbundenen Verwüstungen konnten Hungersnöte hervorgerufen werden. Häufig wurden Hungersnöte auf ein ungehorsames Verhalten gegenüber Gott zurückgeführt. Elimelech, Noomi und die beiden Söhne galten in Moab als typische Fremde oder auch Wirtschaftsflüchtlinge, die ihr Heimatland aufgrund einer Hungersnot verlassen haben.
Nach einigen Jahren in dem fremden Land stirbt der Familienvater Elimelech und Machlon und Kiljon heiraten die zwei Moabiterinnen, Orpa („die Hartnäckige“) und Rut („die Freundin“). Die Ehen bleiben jedoch kinderlos. Nach zehn Jahren sterben schließlich auch Noomis beide Söhne. Nach dem Tod des Ehemannes und der beiden Söhne befindet sich Noomi nun in einer aussichtslosen Lage. So hat sie ihre letzte Versorgungsgrundlage verloren und ihre wirtschaftliche Situation ist prekär. Zudem ist sie als Witwe in einem fremden Land zu alt, um in das Haus ihrer Eltern zurückzukehren oder erneut zu heiraten.
Noomi fasst schließlich den Entschluss in ihr Heimatland Betlehem, in dem die Hungersnot mittlerweile überwunden ist, zurückzukehren. Orpa und Rut fühlen sich mit ihrer Schwiegermutter so verbunden, dass sie diese mit nach Betlehem begleiten möchten und dafür sogar bereit wären ihr Volk und ihre Identität aufzugeben. Nach dem Tod ihres Mannes versuchte eine Frau damals möglichst schnell wieder zu heiraten, um wirtschaftliche Absicherung zu erlangen. Die Chancen auf eine erneute Heirat waren im Heimatland für die beiden jungen Witwen deutlich höher als in einem fremden Land. Deshalb fordert Noomi ihre beiden moabitischen Schwiegertöchter auf dem Weg nach Betlehem dazu auf umzukehren und in das Haus ihrer Mütter zurückzukehren. Noomi führt Orpa und Rut vor Augen, dass sie ihnen aufgrund ihres hohen Alters keine weiteren Söhne geben könne, die zu einer sozialen Absicherung der Frauen führen würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung und Relevanz des Buches Rut für den Religionsunterricht in der Grundschule vor und gibt einen Ausblick auf den Aufbau der Arbeit.
2. Biblisch theologische Auseinandersetzung: In diesem Kapitel erfolgt eine exegetische Analyse der Rut-Erzählung, die sich mit der Gattung, Entstehungszeit und den zentralen theologischen Inhalten der vier Kapitel befasst.
3. Das Buch Rut im Religionsunterricht in der Grundschule: Der Hauptteil erläutert die didaktische Eignung der Geschichte, ordnet sie in den Lehrplan ein und diskutiert methodische Zugänge sowie thematische Schwerpunkte wie Freundschaft und Gottvertrauen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die Eignung des Buches Rut als Hoffnungs- und Modellgeschichte für den Primarbereich.
Schlüsselwörter
Rut, Noomi, Religionsunterricht, Grundschule, Freundschaft, Treue, Gottvertrauen, Fremdsein, biblische Erzählung, ganzheitliche Methoden, Gott, Exegese, Didaktik, Solidarität, Frauenperspektive
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial und die didaktischen Möglichkeiten, das biblische Buch Rut im Religionsunterricht der Grundschule zu behandeln.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Vordergrund?
Die Arbeit fokussiert sich insbesondere auf die Schwerpunkte Fremdsein, Freundschaft, Treue und Gottvertrauen im Kontext der Lebenswelt von Grundschulkindern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob sich die Rut-Erzählung für den Religionsunterricht eignet und welche Methoden dabei für Schülerinnen und Schüler besonders wertvoll sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es wird eine Kombination aus biblisch-theologischer Exegese sowie einer grundschuldidaktischen Auseinandersetzung mit narrativen und ganzheitlichen Lehrmethoden verwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Einordnung in das Kerncurriculum und der praktischen didaktischen Umsetzung durch Methoden wie Rollenspiele, Standbilder und kreatives Schreiben.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem zentralen Titelgegenstand Rut und Noomi sind Begriffe wie Religionsunterricht, Grundschule, Ganzheitlichkeit, Gottvertrauen und Lebensweltbezug essenziell für die Arbeit.
Warum ist das Buch Rut laut der Autorin besonders für Mädchen identitätsstiftend?
Da das Buch Rut eine der wenigen biblischen Geschichten ist, die aus einer konsequenten Frauenperspektive erzählt wird und Frauen zeigt, die ihr Schicksal selbstbestimmt in die Hand nehmen, bietet es Mädchen starke Identifikationsmöglichkeiten.
Welche Rolle spielt das Gottesbild in der didaktischen Aufarbeitung?
Gott wird als ein "verborgener Gott" eingeführt, der nicht direkt eingreift, aber das Geschehen im Hintergrund lenkt. Dies hilft Kindern, auch in schwierigen Lebensphasen auf göttlichen Beistand zu vertrauen.
Inwiefern beeinflusst der Leistungsstand der Kinder die methodische Wahl?
Die Autorin betont, dass die Komplexität der Methode, etwa bei der textlichen Bearbeitung oder der historischen Einordnung, dem Alter und der Lese-Schreib-Kompetenz der jeweiligen Klassenstufe (von Klasse 1 bis 4) angepasst werden muss.
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- Hanna Rath (Author), 2013, Das Buch Rut im Religionsunterricht in der Grundschule. Relevanz von Freundschaft, Fremdsein, Treue und Gottvertrauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181206