Da Sigmund Freud nur auf die qualitativen und nicht auf die objektiveren, quantitativen Arbeitsweisen zurückgegriffen hat, gerät seine Arbeit immer wieder in die Kritik, vor allem von Kollegen, die eher quantitativ-experimentelle Ansätze verwenden. Er
prägte den Begriff der Psychoanalyse, arbeitete über vierzig Jahre daran und modifizierte den Ansatz immer wieder. Im Wesentlichen geht es dabei um eine Anhäufung von klinisch-psychologischen, persönlichkeitspsychologischen, kulturanalytischen und entwicklungspsychologischen Teiltheorien. Die Idee der Triebreduktion steht im Mittelpunkt des
psychoanalytischen Motivationsmodells.
Der Mensch wird dabei von den Triebreizen der Körpermitte angeregt. Unlustvermeidung und der Lustgewinn sind Freud zufolge die primären Absichten des menschlichen Verhaltens. Er geht in seinem Triebkonzept davon aus, dass der Fokus auf ein Triebbefriedigungsobjekt psychische Energie benötigt. Wenn das betreffende Bedürfnis erfüllt ist, wird diese wieder losgelöst. Aufgrund seiner umfangreichen Sexualtriebforschung, vorzugsweise zu unterdrückten sexuellen und aggressiven Triebimpulsen, wurden seine Theorien in der Öffentlichkeit meist abgelehnt. Er integriert in seinen psychoanalytischen Denkansatz das eingangs erwähnte Unbewusste, sowie die drei Persönlichkeitsinstanzen Es, Ich und Über-Ich.
Inhaltsverzeichnis
1. Pioniere der Tiefenpsychologie: Freud und Jung
2. Erfassung des Unbewussten mithilfe projektiver Verfahren
2.1 Der Rorschachtest
2.1.1 Entwicklung, Durchführung und praktischer Wert des Rorschachtests
2.1.2 Kritik am Rohrschachtest
2.2 Der Thematische Apperzeptionstest (TAT)
2.2.1 Entwicklung, Durchführung und praktischer Wert des TAT
2.2.2 Kritik am TAT.
2.3 Weiterentwicklung der Verfahren
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die methodische Anwendung projektiver Verfahren zur Erfassung unbewusster Prozesse in der Psychologie, wobei ein besonderer Fokus auf der kritischen Würdigung der Gütekriterien liegt.
- Historische Grundlagen der Tiefenpsychologie (Freud und Jung)
- Funktionsweise und Anwendung des Rorschachtests
- Durchführung und Auswertungsansätze des Thematischen Apperzeptionstests (TAT)
- Kritische Analyse der wissenschaftlichen Reliabilität und Validität projektiver Methoden
- Weiterentwicklung und neuere Ansätze in der Motivationsdiagnostik
Auszug aus dem Buch
2. Erfassung des Unbewussten mithilfe projektiver Verfahren
Freud nahm an, dass gefühlsmäßige Beeinträchtigungen ihre Quelle in unbewussten Kräften, wie Uneinigkeiten sexueller Natur aus dem Kindesalter hatten (Myers, 2014). Er thematisiert im Hinblick auf die Persönlichkeit das Es, das Über-Ich und das Ich. Um an diese Instanzen zu gelangen, verwendete er Traumdeutung, freie Assoziationen und projektive Tests. Jung hingegen war bei seinen psychodynamischen Theorien der Meinung, dass das Bewusstsein und das Unbewusste einvernehmlich agieren. Er schrieb Abwehrmechanismen und Kindheitserlebnissen bedeutende Funktionen zu. In seiner Anschauung speist sich die Persönlichkeit aus einer kraftvollen Interaktion bewusster und unbewusster Ursachen sowie Spannungen. Um diese hervorzuheben verwendete er Therapiesitzungen und projektive Tests.
Für beide war also das Unbewusste ein wichtiger Forschungsgegenstand, doch um Messungen bezüglich der Eigenschaften eines Charakters durchführen zu können, muss auf objektive Instrumente verzichtet werden, da sie nur auf bewusste Antworten abzielen (Myers, 2014). Abhilfe schaffen hier die sogenannten projektiven Verfahren oder Tests, die einen psychologischen Blick ins Innere zulassen, wenn Versuchspersonen widersprüchliche Auslöser darlegen oder eine Erzählung darüber ausführen sollen. Der Untersuchende schließt daraus, dass alle Angaben die tiefsten Empfindungen und Uneinigkeiten wiederspiegeln. Der Begriff der Projektion hat in der Psychologie eine weitreichende Vergangenheit (Brunstein & Heckhausen, 2010). So verstand Freud ihn als Abwehrmechanismus, eine Art Stimmungskontrolle bei Paranoikern für Empfindungen, die sie bei anderen Personen sehen wollten, jedoch nicht bei sich selbst. Abgemildert wurden diese Reaktionen dadurch, dass sie die verantwortlichen Stimuli extern umdisponierten.
Neben projektiven Tests mithilfe von Tintenklecksen oder abstrakten Bildern gibt es noch weitere Verfahren (Furnham, 2010), z.B. mit Geräuschen, Satzvervollständigungsaufgaben, freiem Zeichnen und dreidimensionalen Objekten. Sie eignen sich gleichermaßen, um Kenntnisse über implizite Gedanken und Gefühle zu erlangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Pioniere der Tiefenpsychologie: Freud und Jung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Ansätze von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung hinsichtlich der Struktur des Bewusstseins und des Unbewussten.
2. Erfassung des Unbewussten mithilfe projektiver Verfahren: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Projektion erläutert und die Notwendigkeit spezieller psychologischer Instrumente begründet.
2.1 Der Rorschachtest: Das Kapitel behandelt die Entwicklung sowie die Durchführung des klassischen Rorschachtests und diskutiert dessen kritische Aspekte.
2.2 Der Thematische Apperzeptionstest (TAT): Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung und Anwendung des TAT zur Motivationsmessung und reflektiert die wissenschaftliche Kritik an diesem Verfahren.
2.3 Weiterentwicklung der Verfahren: Hier wird der Übergang zu moderneren Motivationsdiagnostik-Verfahren wie dem Picture Story Exercise (PSE) beschrieben.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der untersuchten Verfahren zusammen und betont die anhaltende Relevanz der tiefenpsychologischen Forschung bei gleichzeitiger Vorsicht hinsichtlich der Testgütekriterien.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Tiefenpsychologie, Unbewusstes, Psychoanalyse, Rorschachtest, Thematischer Apperzeptionstest, TAT, Projektive Verfahren, Triebreduktion, Motivationspsychologie, Reliabilität, Validität, Persönlichkeit, Implizite Motive, Traumdeutung, Psychodiagnostik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und methodischen Auseinandersetzung mit der Tiefenpsychologie sowie der Anwendung und kritischen Bewertung projektiver Verfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Theorien von Freud und Jung, die Funktionsweise von Testverfahren wie dem Rorschachtest und dem TAT sowie die wissenschaftlichen Gütekriterien psychologischer Testverfahren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung von Methoden zur Messung unbewusster psychischer Prozesse darzustellen und deren Validität kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse klassischer psychologischer Ansätze und wissenschaftlicher Diagnostik-Lehrbücher.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische projektive Tests, deren Durchführung und die Kritik an ihrer methodischen Genauigkeit sowie deren Weiterentwicklungen in der Motivationspsychologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Tiefenpsychologie, projektive Verfahren, Rorschachtest, TAT, Motivationspsychologie und psychometrische Gütekriterien.
Warum wird der Rorschachtest trotz Kritik weiterhin diskutiert?
Er gilt als ein bedeutendes, wenn auch umstrittenes Hilfsmittel, um einen psychologischen Blick in das Innere eines Menschen zu wagen, auch wenn die Reliabilität bemängelt wird.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen Freud und den vorgestellten Tests?
Die Tests basieren auf psychoanalytischen Annahmen über das Unbewusste und nutzen Projektionen als Abwehrmechanismen, um Motive sichtbar zu machen.
Was unterscheidet das TAT von den moderneren Motivationsverfahren?
Das ursprüngliche TAT war stärker auf eine klinische Auslegung ausgerichtet, während neuere Verfahren wie das PSE stärker auf motivtheoretische Auswertungsschlüssel setzen.
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- Simon Rettenberger (Autor), 2020, Unter der Oberfläche. Tiefenpsychologie und projektive Verfahren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181216