Soziales Lernen - ein kurzer Überblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte und Begriffsdefinition des „Sozialen Lernens“

3 Richtungen des sozialen Lernens
3.1 Soziales Lernen als angstfreies Lernen
3.2 Soziales Lernen als Sozialerziehung
3.3 Soziales Lernen als soziale Integration
3.4 Soziales Lernen als soziale Interaktion

4 Fazit

5 Bibliographie

1 Einleitung

Der Begriff des „Sozialen Lernens“ ist spätestens seit den 70er Jahren Diskussionsgegenstand der Öffentlichkeit. Es gab (und gibt) jedoch verschiedene Auffassungen darüber, was unter dem Begriff zu verstehen sei, so daß er mit vielen unterschiedlichen Zielsetzungen verbunden wurde und in dementsprechend unterschiedlichen Zusammensetzungen auftauchte.

Es kann deshalb in dieser Hausarbeit kein Anspruch auf vollständige Behandlung der verschiedenen Ansätze erhoben werden. Vielmehr soll zunächst einmal auf die Geschichte des Begriffs des „Sozialen Lernens“ eingegangen werden, um anschließend die vier meistdiskutierten Lesarten in einer Übersicht darzustellen.

2 Geschichte und Begriffsdefinition des „Sozialen Lernens“

Die Geschichte des Begriffs „Soziales Lernen“ geht zurück auf die angelsächsischen Lerntheoretiker im Gefolge des Behaviorismus. Eben diese Lerntheoretiker gingen zunächst von folgender These aus: „Die Auffassung des Lernens als eines sozialen Prozesses bedeutet die Interpretation des individuellen Lernaktes, wie er sich innerhalb einer sozialen Situation ereignet“[1]. Vor diesem Hintergrund wurde der Begriff des „Sozialen Lernens“ lange Zeit als Synonym für den Lernbegriff an sich gebraucht, bis er durch eine vom symbolischen Interaktionismus geprägten Sozialisationstheorie eine eigene Bedeutung erhielt. Von diesem Zeitpunkt an wurde die soziale Situation, in der Lernen immer stattfindet, ob in Schule, Kindergarten oder zu Hause, nicht mehr als rein verhaltenserklärendes Beziehungsgefüge angesehen. Soziales Lernen wurde von nun an nicht mehr als „sozial“ bezeichnet, weil Lernen in einer sozialen Situation stattfindet, sondern weil Lernen auch soziale Inhalte besitzen sollte. Die Interpretation des Begriffes „Lernen“, der vornehmlich für die überprüfbare Aneignung von Fach- und Detailwissen verwendet wurde, erfuhr so eine Erweiterung: Soziales Lernen als „learning of a culture“[2] bedeutete nun auch die Aneignung gesellschaftlicher Inhalte, Werte und Normen durch die Interaktion mit anderen Lernenden. Von diesem Zeitpunkt an wurde die sozialethische Tradition der Pädagogik stärker betont. So hieß es denn auch im „Strukturplan für das Bildungswesen“, daß die Schule ihr Ziel, „den jungen Menschen auf das Leben in einer offenen Gesellschaft und in einem demokratischen Staat vorzubereiten“[3], nur dann erreichen könne, wenn „die Grundmuster des mündigen Verhaltens in der Schule eingeübt und erprobt werden“[4]. Auf der Grundlage dieser Zielsetzung kann es wohl als Aufgabe der Schule angesehen werden, den Schülern „demokratische Primärerfahrung“[5] zu ermöglichen, um so im sich entwickelnden Individuum die Fähigkeit zur „Mitwirkung im demokratischen Staat“[6] zu entwickeln.

Die oben gegebene Definition des „sozialen Lernens“ mag als relativ gesichert gelten und deckt wohl das wesentliche Ziel ab. Es finden sich dennoch, davon abweichend, verschiedene Akzentuierungen. Darauf sei im folgenden Teil der Hausarbeit eingegangen. Die verschiedenen Akzentuierungen spiegeln dabei sowohl die differierenden Auffassungen darüber, was für den demokratisch mündigen und aktiven Menschen am wichtigsten ist, als auch die verschiedenen Definitionen der beiden Teilbegriffe, wieder.

3 Richtungen des sozialen Lernens

Es lassen sich zur Zeit vier Richtungen des sozialen Lernens ausmachen, die alle verschiedene Aspekte in den Vordergrund stellen.

3.1 Soziales Lernen als angstfreies Lernen

Die theoretische Grundlage dieses Verständnisses findet sich in der Psychoanalyse Sigmund Freuds, obwohl - von ihr unabhängig - der Zusammenhang zwischen Angst und Leistung schon länger bekannt ist. Angst kann so überwiegend als „Gefahrensignal“[7] verstanden werden. Der Körper reagiert auf Angstgefühle meist mit reflexartigen oder instinktiven Handlungen. Die eigentliche Denkfähigkeit wird durch Angst verhindert, da die bei Angstreaktionen freiwerdenden Hormone ( Adrenalin und Noradrenalin) die Stellen im Gehirn, die zur Weiterleitung von Informationen benötigt werden, blockieren. Dieser Prozeß, der durchaus „im Sinne der Selbsterhaltung verstanden werden muß, wo jedes Nachdenken den rettenden Sprung vor dem Feind verzögern würde“[8] macht im Zusammenhang mit der Arterhaltung Sinn. Die Tatsache, „daß unsere moderne Gesellschaft einmal Streß- und Alarmreaktionen ausgerechnet mit dem Lernen und Denken verknüpft hat“[9] ist jedoch höchst fragwürdig und mag zur Erklärung zahlreicher Fehlleistungen (nicht nur der Schüler) herangezogen werden.

[...]


[1] Correll, Lernpsychologie, 112.

[2] Rose, Human Behaviour and Social Processes, 9.

[3] Deutscher Bildungsrat (Hrsg.), Strukturplan für das Bildungswesen, 37.

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] Lenzen, Pädagogische Grundbegriffe, 62.

[8] Vester, Denken, Lernen, Vergessen, 97.

[9] ebd.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Soziales Lernen - ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Hamburg  (FB Pädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Aufgaben und Arbeitsweisen der Vor - und Grundschulpädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
10
Katalognummer
V11815
ISBN (eBook)
9783638178709
ISBN (Buch)
9783638932196
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziales Lernen Schule
Arbeit zitieren
Hanno Frey (Autor), 1998, Soziales Lernen - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11815

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