Diese wissenschaftliche Arbeit innerhalb des Hauptseminars ,,Polen und das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg’’ soll die Thematik der deutschen Ostfront im Ersten Weltkrieg komplex darstellen und dem Leser veranschaulichen, welche Planungen und Ziele es vor dem Ausbruch des Weltkriegs gab, wie sich der Kriegsverlauf für die Soldaten des deutschen Feldheeres entwickelte und letztendlich wie man die Ereignisse der Ostfront und deren Folgen rückblickend beurteilen kann. Im Bezug auf das Seminarthema nimmt der Krieg an der deutschen Ostfront und dessen Nachwirkungen eine zentrale Rolle ein, da sowohl das Deutsche Reich als auch Polen von den Folgen des Krieges im Osten betroffen waren.
Im Kriegsjahr 1916 proklamierten Österreich-Ungarn und deutsche Kaiserreich das Königreich Polen, welches man in erste Linie als Maßnahme gegen Russland sehen muss. Mit dem Versailler Vertrag von 1919 musste das Deutsche Reich große Teile Westpreußens, Posens und Schlesiens an das nun international anerkannte Polen abtreten. Der Konflikt um diese Regionen sollte im Jahr 1939 mit dem Einmarsch der Wehrmacht und der Roten Armee seinen traurigen Höhepunkt erreichen, dessen Tragweite wir teilweise noch bis heute zu spüren bekommen. Als Einstieg beginnt diese Arbeit mit der politischen Situation und den strategischen Überlegungen in Deutschland bis zum Jahr 1914. Den Kern dieser Ausarbeitung stellt der konkrete Krieg an der deutschen Ostfront dar, mit Schwerpunkt auf den Kriegsjahren 1914 und 1915. Im Fazit werden dann abschließend Einzelaspekte hinterfragt und aus der Sicht des Autors beantwortet. Als Kernliteratur diente vor allem die Veröffentlichung von Gerhard P. Groß mit dem Titel ,,Die vergessene Front. Der Osten 1914/15’’. Außerhalb von lexikalischen Darstellungen wie in der ,,Enzyklopädie Erster Weltkrieg’’ oder Gesamtdarstellungen des Ersten Weltkriegs ist die Literaturlage über den Kampf des deutschen Kaiserheeres im Osten, zumindest im deutschsprachigen Raum, sehr dürftig. Groß veranschaulicht die Kriegsereignisse in den Jahren 1914 und 1915 sehr detailliert unter Einbeziehung verschiedener zeitgenössischer Quellen. Bei der Ausarbeitung dieser Arbeit nutzte ich selbst verschiedene Quellen, welche aus dem Nachlass meines Urgroßvaters Gottlieb Jakubzik stammten, der selbst Offizier des Kaiserheeres war und aus dem Kreis Ortelsburg in Ostpreußen kam.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die politische Situation bis zum Jahr 1914
3. Strategische Überlegungen in Deutschland bis 1914
3.1 Der Schlieffen-Plan
3.2 Strategische Überlegungen an der Ostfront
4. Der Krieg an der Ostfront
4.1 Kriegsziele
4.2 Das Kriegsjahr 1914
4.3 Das Kriegsjahr 1915
4.4 Das Kriegsjahr 1916
4.5 Das Kriegsjahr 1917
4.6.Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918
5. Die Zeit während der deutschen Besetzung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die deutsche Ostfront im Ersten Weltkrieg, beleuchtet die strategischen Planungen des Kaiserreichs vor 1914 sowie den Verlauf der Kampfhandlungen bis 1918 und untersucht die weitreichenden politischen und gesellschaftlichen Folgen für die betroffenen Regionen.
- Politische Hintergründe und Bündnissysteme vor 1914
- Militärstrategische Konzepte (Schlieffen-Plan, Ostfront-Strategien)
- Die Kriegsführung und das Besatzungsregime "Ober-Ost"
- Historische Auswirkungen, insbesondere der Friede von Brest-Litowsk
- Nachwirkungen in der Zeit zwischen den Weltkriegen und Ideologiebildung
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Schlieffen-Plan
Beleuchtet man die strategischen Planungen des Deutschen Reiches im Vorfeld des Ersten Weltkriegs gerät man unweigerlich an die Denkschrift Alfred Graf von Schlieffen für einen Operationsplan vom Dezember 1905. In diesem Plan enthalten war die operative Grundidee eines Zweifrontenkrieges, welche bis zum Ersten Weltkrieg Bestandteil aller deutschen Operationspläne war.
Schlieffen war in den Jahren 1891 bis Ende 1905 der Chef des Generalstabs und sah sich mit der Annäherung Russlands an Frankreich konfrontiert. Sollte es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen, so müsste das Deutsche Reich gemäß des Schlieffen-Plans einen Zweifrontenkrieg gegen Russland und Frankreich führen, mit Schwerpunkt einer raschen Entscheidungsfindung im Westen.
Zum Erreichen dieses Ziels müsste Deutschland alle verfügbaren Landstreitkräfte aufbringen. Schlieffen schlug vor, alle erprobten Kräfte, das heißt Reservisten, Landwehr und Landsturm in Einsatzgruppenteile des Feldheeres einzugliedern. Danach müsse eine umfassende allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden, welche die bisherige Einberufung von 55 Prozent der wehrfähigen Männer eines Jahrgangs ersetzt. Diese Forderungen wurden aber bis zum August 1914 nicht in die Tat umgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der deutschen Ostfront ein, erläutert die Relevanz des Themas im Rahmen des Seminars und beschreibt die herangezogene Forschungsliteratur sowie die genutzten Quellen.
2. Die politische Situation bis zum Jahr 1914: Dieses Kapitel analysiert die europäische Bündnispolitik und die imperialen Spannungen, die nach Bismarcks Ausscheiden zur diplomatischen Isolation des Deutschen Reiches führten.
3. Strategische Überlegungen in Deutschland bis 1914: Hier werden die militärischen Planungsansätze des Großen Generalstabs, insbesondere der Schlieffen-Plan sowie die spezifischen operativen Verteidigungsoptionen für die Ostgrenze, detailliert erörtert.
4. Der Krieg an der Ostfront: Dieses Kernkapitel beschreibt die konkreten Kriegsziele und den chronologischen Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen von 1914 bis zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918.
5. Die Zeit während der deutschen Besetzung: Dieses Kapitel thematisiert die Verwaltung und wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete im Osten sowie die Auswirkungen auf die dortige Zivilbevölkerung und die politische Ideologie des "Ober-Ost"-Regimes.
6. Fazit: Das Fazit fasst die mentalen und strategischen Folgen des Krieges zusammen, reflektiert über den Hindenburg-Mythos und untersucht die Langzeitwirkungen auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Ostfront, Schlieffen-Plan, Deutsche Reich, Militärstrategie, Hindenburg, Ludendorff, Tannenberg, Ober-Ost, Brest-Litowsk, Dolchstoßlegende, Besatzungspolitik, Russland, Nationalsozialismus, Mittelmächte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Thematik der deutschen Ostfront während des Ersten Weltkriegs, von den strategischen Planungen vor 1914 bis zu den politischen und sozialen Folgen nach dem Krieg.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bündnispolitik, der militärischen Strategie des Kaiserreichs, dem Kriegsverlauf im Osten, dem Besatzungsregime "Ober-Ost" und den ideologischen Nachwirkungen bis in die Zeit des Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Rolle der Ostfront komplex darzustellen und aufzuzeigen, wie militärische Entscheidungen und die deutsche Besatzungspolitik langfristig die Geschichte Europas beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Analyse, die Fachliteratur, zeitgenössische militärische Denkschriften sowie persönliche Quellen, etwa aus dem Nachlass eines Offiziers, auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der politischen Vorgeschichte, der militärischen Planungen, den chronologischen Kriegsverlauf an der Ostfront sowie die administrativen Maßnahmen während der Besatzungszeit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere: Erster Weltkrieg, Ostfront, Hindenburg, Ludendorff, Schlieffen-Plan, Brest-Litowsk, Ober-Ost und Dolchstoßlegende.
Warum spielt die Person Paul von Hindenburg eine so zentrale Rolle in dieser Untersuchung?
Hindenburg wird als prägende Figur der Ostfront analysiert, deren späterer Aufstieg zum Volkshelden und Rolle bei der Etablierung der Dolchstoßlegende maßgeblich den Weg in die nationalsozialistische Diktatur ebnete.
Welche Bedeutung kommt dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk zu?
Dieser Vertrag symbolisiert das Ende des Krieges im Osten, verdeutlicht die Expansionsziele des Kaiserreichs gegenüber Russland und beleuchtet die schwierigen diplomatischen Verhandlungen mit den Bolschewiki.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Ereignisse an der Ostfront auf den Zweiten Weltkrieg?
Der Autor zeigt auf, wie das Feindbild des "russischen Gegners" und die Erfahrungen der Besatzungspolitik im Ersten Weltkrieg das ideologische Fundament für spätere Verbrechen im Vernichtungskrieg des Zweiten Weltkriegs legten.
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- Hermann D. Janz (Author), 2008, Die deutsche Ostfront 1914 - 1918, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118205