In der Natur moderner und professionell organisierter Fußballclubs liegt das Streben nach maximalem sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg. Zur Erreichung dieser Ziele versuchen die Clubs durch arbeitsrechtliche Gebote und Verbote Einfluss auf die Lebensführung der Profifußballspieler zu nehmen.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Vereinbarkeit dieser Eingriffe in die Lebensführung mit den arbeitnehmerschützenden Regelungen des Arbeitsrechts zu beleuchten. Die Seminararbeit behandelt dabei neben einigen grundlegenden Problematiken, wie etwa der Arbeitnehmereigenschaft der Fußballprofis oder den Interessenslagen und Erwägungspunkten der beiden Parteien, auch exemplarisch einige Pflichten aus dem Musterarbeitsvertrag der Deutschen Fußball Liga GmbH und erörtert deren Vereinbarkeit mit den Grundsätzen des Arbeitsrechts.
Inhaltsverzeichnis
I. Gegenstand und Ziel der Arbeit
II. Die Lebensführung des Fußballprofis
III. Arbeitnehmereigenschaft und Schützenswürdigkeit des Lizenzfußballspielers
IV. Die arbeitsrechtlichen Pflichten des Lizenzfußballspielers
V. Berechtigung zum Eingriff in den privaten Lebensbereich
1) Rechtsgrundlage von Nebenpflichten im außerdienstlichen Bereich
a) Gesetzliche Nebenpflichten §§ 241 Abs. 2, 242 BGB
b) Arbeitsvertragliche Nebenpflichten, § 611a BGB
c) Nebenpflichten per Weisungsrecht, § 106 GewO
d) Fazit
2) Abwägungskriterien
a) Erwägungspunkte zu Gunsten der Clubs und zu Lasten des Spielers
b) Erwägungspunkte zu Gunsten des Spielers und zu Lasten des Clubs
VI. Überprüfung einzelner Pflichten der Spieler am Beispiel des DFL-Mustervertrages
1) Residenzpflicht des Spielers, D.1.1. MAV
2) Pflichten bezüglich Gesundheit und Krankheit
a) Ausrichtung der Ernährung und der Lebensgewohnheiten, D.2.1.(a) Hs. 1 MAV
b) Risikoreiche oder verletzungsriskante Freizeittätigkeiten oder Sportarten
3) Pflichten zum Schutz der Reputation des Clubs
VII. Fazit und Übertragbarkeit der herausgearbeiteten Grundsätze
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit professionelle Fußballspieler trotz ihres Status als Arbeitnehmer Einschränkungen in ihrer privaten Lebensführung durch vertragliche Regelungen hinnehmen müssen, wobei ein besonderer Fokus auf der Abwägung zwischen den Interessen der Vereine an der Leistungsfähigkeit der Spieler und den Persönlichkeitsrechten der Profis liegt.
- Arbeitnehmereigenschaft und Schutzbedürftigkeit von Lizenzfußballspielern
- Rechtliche Grundlagen für Nebenpflichten im außerdienstlichen Bereich
- Interessensabwägung zwischen Clubs und Spielern im Profifußball
- Analyse ausgewählter Klauseln aus dem DFL-Musterarbeitsvertrag (MAV)
- Wirksamkeit von Eingriffen in die private Lebensführung, Ernährung und Freizeitgestaltung
Auszug aus dem Buch
Die Lebensführung des Fußballprofis
Unter dem Begriff Lebensführung versteht man die Gestaltung des Lebens. Unter der Lebensführung kann man zudem auch jede Verhaltensweise des Spielers außerhalb seines Dienstes verstehen. So etwa die Wahl seines Wohnortes, die politischen und religiösen Anschauungen und wie er diese in seinem Umfeld äußern will, seine Ernährung, seine Freizeitgestaltung, insbesondere Hobbies und Urlaube und schließlich auch seine Familienplanung.
Von Belang für diese Ausarbeitung ist vor allem die private Lebensgestaltung außerhalb des „Dienstes“. Denn gerade im privaten Bereich sind die Einschränkungen, besonders im Profifußball, deutlich weitgehender als bei üblichen Arbeitsverhältnissen und sorgen deshalb häufig für arbeitsrechtliche Probleme (siehe dazu IV.).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Gegenstand und Ziel der Arbeit: Das Kapitel erläutert die Ambitionen von Fußballclubs, durch Einflussnahme auf die Lebensführung der Spieler den sportlichen Erfolg zu sichern, und definiert das Ziel der Arbeit, die arbeitsrechtliche Zulässigkeit dieser Eingriffe zu prüfen.
II. Die Lebensführung des Fußballprofis: Hier wird der Begriff der Lebensführung definiert und die Relevanz der privaten Lebensgestaltung im Kontext arbeitsrechtlicher Einschränkungen im Profifußball hervorgehoben.
III. Arbeitnehmereigenschaft und Schützenswürdigkeit des Lizenzfußballspielers: Das Kapitel klärt die arbeitsrechtliche Einordnung der Profis und diskutiert, ob trotz hoher Gehälter und spezieller Machtkonstellationen der Schutz des Arbeitsrechts weiterhin geboten ist.
IV. Die arbeitsrechtlichen Pflichten des Lizenzfußballspielers: Es erfolgt eine Systematisierung der Pflichten in Haupt- und Nebenpflichten sowie eine Abgrenzung zwischen dienstlichem und außerdienstlichem Verhalten.
V. Berechtigung zum Eingriff in den privaten Lebensbereich: Dieses Kapitel untersucht die rechtlichen Grundlagen für außerdienstliche Nebenpflichten und die Kriterien für eine Interessensabwägung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
VI. Überprüfung einzelner Pflichten der Spieler am Beispiel des DFL-Mustervertrages: Anhand konkreter Klauseln aus dem MAV wird abstrakt auf deren Wirksamkeit hin geprüft, insbesondere hinsichtlich der Residenzpflicht, gesundheitsbezogener Vorgaben und des Reputationsschutzes.
VII. Fazit und Übertragbarkeit der herausgearbeiteten Grundsätze: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Eingriffe in die Lebensführung zwar möglich sind, aber stets einer strengen Interessen- und Verhältnismäßigkeitsprüfung unterliegen.
Schlüsselwörter
Arbeitsrecht, Profifußball, Lizenzspieler, Lebensführung, Nebenpflichten, DFL-Musterarbeitsvertrag, Interessensabwägung, Persönlichkeitsrecht, Leistungsfähigkeit, Arbeitnehmereigenschaft, Weisungsrecht, Inhaltskontrolle, Grundrechte, Vertragsklauseln, Sportrecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der arbeitsrechtlichen Zulässigkeit von Eingriffen in die private Lebensführung von professionellen Fußballspielern durch ihre Arbeitgeber.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Arbeitnehmereigenschaft von Lizenzspielern, die Abgrenzung zwischen dienstlichem und außerdienstlichem Verhalten sowie die rechtliche Wirksamkeit von Vertragsklauseln, die den Lebensstil der Spieler beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszustellen, inwieweit Fußballprofis als Arbeitnehmer schutzbedürftig sind und ob vertragliche Regelungen, die beispielsweise die Ernährung oder Freizeitgestaltung betreffen, wirksam sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer juristischen Analyse der einschlägigen Gesetze, der herrschenden Literatur und der ständigen Rechtsprechung sowie einer exemplarischen Prüfung von Klauseln des DFL-Musterarbeitsvertrags.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Klärung der Arbeitnehmereigenschaft, die Herleitung rechtlicher Grundlagen für Nebenpflichten und eine detaillierte Prüfung einzelner Klauseln zu Residenzpflicht, Ernährung, gefährlichen Sportarten und dem Schutz der Reputation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Arbeitsrecht, Profifußball, Nebenpflichten, Interessensabwägung und Persönlichkeitsrechte.
Wie wird das Spannungsfeld zwischen Clubinteressen und Spielerfreiheit gelöst?
Durch eine einzelfallbezogene Interessensabwägung, bei der die wirtschaftlichen Interessen des Clubs an der Einsatzfähigkeit des Spielers mit dessen grundrechtlich geschützten Freiheitsrechten unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips in Einklang gebracht werden.
Welche Rolle spielt der DFL-Musterarbeitsvertrag?
Er dient als Grundlage für die meisten Lizenzspielerverträge und wird als allgemeine Geschäftsbedingung (AGB) an den strengen Maßstäben der Inhaltskontrolle nach §§ 305 ff. BGB gemessen.
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- Niclas Herboth (Author), 2021, Die Lebensführung des Fußballprofis als arbeitsrechtliches Problem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1182208