Jeanne d'Arc - Verantwortlich für das Französische Nationalgefühl im 15. Jahrhundert?


Essay, 2004

3 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Jeanne d’Arc – Verantwortlich für das Französische

Nationalgefühl im 15. Jahrhundert?

Das Frankreich des 15. Jahrhunderts war geprägt durch den Hundertjährigen Krieg gegen England und die – nach Ableben Heinrich V und Karl VI – ungeklärte Nachfolge des Königs. Zu dieser Zeit gelang es einer tapferen, jungen Frau namens Jeanne d’Arc eine Armee hinter sich zu vereinen und dem Volk Mut zu geben, sich gegen die immer stärker werdenden englischen Eindringlinge zur Wehr zu setzen.

Doch ist das französische Nationalgefühl, das sich in dem gemeinsam geführten Kampf zeigte, durch eben jene Jeanne d’Arc entstanden? Ausgelöst wurde diese Diskussion durch eine These Friedrich Sieburgs, die Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Laut dieser „sei [der vaterländische Gedanke] unter Johannas Schritten aus dem Boden gewachsen.“ Für Sieburg spielt die Jungfrau von Orléans eine tragende Rolle in Bezug auf die Entwicklung des französischen Nationalgefühls und hat demzufolge auch den Vaterlandsbegriff geschaffen.

Dieser Theorie widersprechen mittlerweile jedoch mehrere Aspekte. Grundsätzlich ist wohl zu sagen, dass das französische Nationalgefühl nicht urplötzlich aus dem Bode wuchs – wie es in Sieburgs These impliziert wird – sondern dass es seine Wurzeln in einer gemeinsam erlebten Geschichte, in vom Volk geteilten Traditionen, Bräuchen und Wünschen hat.

Aus historischer Perspektive zeigen sich die Gemeinsamkeiten des französischen Volkes bereits in seiner tiefen Loyalität gegenüber dem König, verbunden mit einer tief verwurzelten Religiösität. Dese beiden Aspekte scheinen für das französische Volk untrennbar miteinander verbunden, denn der König wird nicht als staatliches Oberhaupt, sondern zugleich auch als ein Stellvertreter Gottes angesehen. In dieser Position ist der König seitens des Volkes durchaus als ein Symbol für das französische Vaterland zu betrachten. Das Volk zeigt aber nicht nur Übereinstimmung in seiner Sichtweise auf den König; bedingt durch die damalige Situation –nämlich sich im Krieg gegen England zu befinden – stärkte der Widerstandswillen gegen die Engländer gleichfalls das Kollektivbewusstsein der Franzosen. Bekanntlicherweise unterstützt der Kampf gegen einen gemeinsamen Feind, in diesem Fall England, das Zusammengehörigkeitsgefühl; dies trifft auch für die Franzosen während des Hunderjährigen Krieges zu.

Doch stellt sich nun die Frage, warum sich dieses erwiesenermaßen vorhandene Kollektivbewusstsein ausgerechnet erst so deutlich unter der Führung Jeanne d’Arcs zeigte. Gründe hierfür lassen sich in der ungeklärten Königsnachfolge finden. Ursprünglich beanspruchten zwei unterschiedliche Parteien den Thron Frankreichs, zum einen Heinrich V –der König von England- und zum anderen Karl VI, der den Königstitel aufgrund seines Erbrechtes forderte. Nachdem diese beiden verstarben, blieb die Nachfolge ungewiss. Der scheinbar einzigst mögliche Thronerbe, Karl VII, wurde bereits vor dem Tod Karl VI als illegitim erklärt und von seinen Zeitgenossen, da er nicht in Reims gekrönt wurde, nicht als Vertreter Gottes angesehen wurde. Da ihm diese –wie zuvor bereits erwähnte- grundlegende Eigenschaft eines „wahrhaftigen“ Königs fehlte, lieb er „nur“ Dauphin. Das französische Volk verfügte dementsprechend über keine starke Führung.

Das eng mit dem Königtum verbundene Nationalgefühl befand sich eher in den Köpfen der Menschen, als dass es nach außen hin sichtbar wurde. Mit Jeanne d’Arcs Erscheinen und ihrer Persönlichkeit fanden die Franzosen schließlich wieder eine starke Leitfigur, die ihre Wünsche verinnerlicht zu haben schien. Unter Jeanne d’Arcs Führung wurden die Interessen des Volkes gebündelt und somit trat gleichzeitig auch das Kollektivbewusstsein deutlich zu Tage.

Jeanne d’Arcs Beitrag zum französischen Nationalgefühl besteht also eher darin, dass sie dem Volk eine Möglichkeit gegeben hat, seinen Wünschen und Hoffnungen laut Ausdruck zu geben, so dass sie nicht länger im Verborgenen „schlummern“ mussten. Dies zeigt deutlich, dass das Nationalgefühl in Frankreich bereits vor dem Erscheinen Jeanne d’Arcs existent war; es durch sie aber eine Stimme bekam.

Quellen:

Cordier, Jaques. Jeanne D’Arc. Ihre Persönlichkeit. Ihre Historische Bedeutung. Wiesbaden:

Guido Pressler Verlag, 1966.

Gabel, Mathias. „Geschi.de: Jeanne D’Arc.“ 7. Januar 2005 http://www.geschi.de/artikel/jd-arc.shtml.

Tanz, Sabine. Jeanne D’Arc. Spätmittelalterliche Mentalität im Spiegel eines Weltbildes. Weimar:

Hermann Böhlaus Verlag, 1991.

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Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Jeanne d'Arc - Verantwortlich für das Französische Nationalgefühl im 15. Jahrhundert?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Romanistik)
Veranstaltung
Vorlesung
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
3
Katalognummer
V118233
ISBN (eBook)
9783640214600
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalgefühl, Jeanne d'Arc
Arbeit zitieren
Stephanie Machate (Autor:in), 2004, Jeanne d'Arc - Verantwortlich für das Französische Nationalgefühl im 15. Jahrhundert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118233

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