Diese Masterarbeit untersucht den Stil und die Tonalität der Berichterstattung von Boulevard- und Qualitätszeitungen. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die geografische Nähe zum publizierenden Medium sowie auf die Motivation der untersuchten Terroranschläge gelegt. Es werden hierbei ausschließlich islamistisch- und rechtsextremistisch-motivierte Terrorereignisse analysiert. Die Arbeit knüpft damit an die Forschung der Terrorismusberichterstattung an. Die theoretischen Annahmen, die in dieser Arbeit geprüft werden, sind in der Nachrichtenselektion und linguistisch-journalistischen Textgestaltung zu verorten.
Mithilfe einer quantitativen Inhaltsanalyse wurden verschiedene Merkmale der Lexik, Rhetorik und Syntax metrisch erfasst. Somit konnten die abstrakten Konstrukte Stil und Tonalität der Medienberichterstattung operationalisiert und untersucht werden. Hierbei konnte, wie vorangehende Forschungen zuvor, festgestellt werden, dass Qualitätszeitungen in längeren Sätzen und umfangreicheren Artikeln über Terrorismus berichten als Boulevardzeitungen. Boulevardzeitungen nutzen im Gegensatz zu Qualitätszeitungen vermehrt Ausrufezeichen und Stilmittel. Zudem ist die boulevardeske Berichterstattung signifikant emotionalisierter, was sich durch den vermehrten Gebrauch emotionalisierender Lexik zeigt.
Wo und aus welchem Grund ein Terroranschlag geschieht, hat vergleichsweise wenig Einfluss auf den Stil und die Tonalität der Terrorismusberichterstattung der einzelnen Zeitungsgattungen. Es konnten nur wenige und schwache Korrelationen zwischen den strukturellen Merkmalen eines Terroraktes und der Berichterstattung darüber festgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Terrorismus in deutschen Zeitungsmedien
2. Der Terrorismus im Wandel der Zeit
2.1 Versuch einer Definition von Terrorismus
2.2 Motivationen von Terrorismus
2.3 Terrorismus als Inszenierung und Kommunikationsstrategie
2.4 Wechselwirkungen zwischen (klassischen) Medien und Terrorismus
3. Grundlagen der deutschen Presse
3.1 Funktionen des Journalismus
3.2 Boulevardjournalismus
3.3 Qualitätsjournalismus
4. Theoretischer Hintergrund
4.1 Konstruktionen von Wirklichkeit
4.1.1 Nachrichtenwerttheorie
4.1.2 Nachrichtenwert von Terrorismus
4.1.3 Nachrichtengeografie
4.2. Textgestaltung und Emotionalisierung in den Printmedien
4.2.1 sprachliches Repertoire der Textgestaltung: Syntax, Lexik und Rhetorik
4.2.2 Emotionalisierung als persuasive Strategie in den Printmedien
4.2.3 Die Überschrift in der Berichterstattung
5. Forschungsstand und Erkenntnisinteresse
6. Forschungsfragen und Ableitung der Hypothesen
6.1 Hypothesenkomplex I: Stil der Boulevard- und Qualitätsmedien
6.2 Hypothesenkomplex II: Tonalität der Boulevard- und Qualitätszeitungen
6.3 Hypothesenkomplex III: Einfluss der Motivation von Terroristen auf die Berichterstattung
6.4 Hypothesenkomplex IV: Nachrichtendimension Nähe
7. Empirisches Vorgehen
7.1 Methodik und Forschungsdesgin
7.2 Grundgesamtheit des Untersuchungsgegenstandes
7.2.1 Eingrenzung des Untersuchungsmaterials durch die Wahl von terroristischen Ereignissen
7.2.2 Eingrenzung des Untersuchungsmaterials durch Zeitungsauswahl
7.2.3 Eingrenzung des Untersuchungszeitraum
7.2.4 Aufgreifkriterien zur Bestimmung des Untersuchungsmaterials
7.2.5 Stichprobenziehung
7.3 Das Kategoriensystem
7.4 Ablauf des Codiervorgang
7.5 Reliabilitätstest
8. Deskription der Forschungsergebnisse
9. Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen
9.1 Prüfung des Hypothesenkomplex I
9.2 Prüfung des Hypothesenkomplex II
9.3 Prüfung des Hypothesenkomplex III
9.4 Prüfung des Hypothesenkomplex IV
10. Fazit
10.1 Diskussion der Ergebnisse
10.1.1 Stil der Terrorismusberichterstattung
10.1.2 Tonalität der Zeitungsgattungen
10.1.3 Einflüsse auf Stil und Tonalität
10.1.4 Resümee
10.2 Reflexion des methodischen Vorgehens
10.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätszeitungen in ihrer Berichterstattung über islamistischen und rechtsextremistischen Terrorismus, wobei der Fokus auf dem Stil und der Tonalität der Texte liegt. Die Arbeit verfolgt das Ziel, durch eine quantitative Inhaltsanalyse zu ergründen, inwiefern Faktoren wie die Motivation der Täter und die geografische Nähe zum Ereignisort die journalistische Gestaltung beeinflussen.
- Stilistischer Vergleich zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien
- Analyse der Tonalität und Emotionalisierung
- Einfluss der Terror-Motivation auf die Berichterstattung
- Rolle des Nachrichtenfaktors "Nähe"
- Einsatz von Rhetorik und persuasiven Strategien
Auszug aus dem Buch
2.1 Versuch einer Definition von Terrorismus
Für ein einheitliches Verständnis dieser Arbeit, der als zentralen Gegenstand die Terrorismusberichterstattung deutscher Printmedien innehat, soll im Folgenden zunächst der Versuch einer Begriffsdefinition von Terrorismus erfolgen.
In der Forschung ist man sich insofern einig, dass eine allgemeingültige Definition des Begriffs kaum möglich ist (vgl. Frindte & Haußecker, 2010: 38; Bosco, 2016: 120). Dies liegt unter anderem an den Abgrenzungen der Begriffe „Freiheitskämpfer“ und „Widerstand“ von den Begriffen „Terroristen“ und „Terrorismus“ (vgl. Robertz & Kahr, 2016: 23; Anetzberger, 2017: 4). Doch auch die Umsetzung, Motive und Ziele terroristischer Taten können sich sehr stark unterscheiden (vgl. Frindte & Haußecker, 2010: 36). Ob eine Tat als terroristisch zu beschreiben ist oder nicht, ist folglich nicht monokausal zu bestimmen. Die Grenzen zu anderen Gewalttaten politischer Motivation sind fließend (vgl. Jesse, 2019: 1).
Der Terminus Terrorismus selbst leitet sich von dem lateinischen Wort terror ab und bedeutet übersetzt Schrecken (Dudenredaktion, o. J. e). Das zeigt, dass die Gesellschaft unter Terrorismus grundsätzlich etwas Negatives versteht. Dagegen verstehen sich Terroristen selbst zumeist als Befreier oder gar Helden (vgl. Bosco, 2016: 120; Anetzberger, 2017: 4), die „mittels systematischer Anwendung von Gewalt insbesondere auf ausgewählte Repräsentanten des "Systems" [...] die "herrschende Schicht" verunsicher[n] [...]“ (Jesse, 2019: 1) wollen.
Schon 1988 verglichen die Terrorismusforscher Schmid und Jongman 109 verschiedene Definitionen von Terrorismus. Seitdem dürften noch einige weitere hinzugekommen sein, insbesondere da sich die Methoden und Erscheinungsformen des Terrorismus stark verändert haben (vgl. Haußecker, 2013: 21). Die meisten Definitionen von Terrorismus enthalten die Elemente Gewalt & Zwang (83,5 Prozent), Politisch (65,0 Prozent) und Hervorhebung von Furcht und Schrecken (51,0 Prozent) (Schmid & Jongman et al.,1988; zitiert nach Hoffmann, 2002: 51).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Terrorismus in deutschen Zeitungsmedien: Einleitende Darstellung der Bedeutung von 9/11 für die Terrorismusforschung und der Herausforderungen für den Journalismus durch die aktuelle Bedrohungslage.
2. Der Terrorismus im Wandel der Zeit: Historische Einordnung des Terrorismusbegriffs und Analyse der Entwicklung von politischen Motiven sowie der Inszenierung terroristischer Handlungen als Kommunikationsstrategie.
3. Grundlagen der deutschen Presse: Erläuterung der Funktionen des Journalismus und Differenzierung zwischen Boulevardjournalismus und Qualitätsjournalismus als Grundlage für die spätere Analyse.
4. Theoretischer Hintergrund: Fundierung der Arbeit durch die Nachrichtenwerttheorie, Nachrichtengeografie und Ansätze zur linguistischen Textgestaltung und Emotionalisierung.
5. Forschungsstand und Erkenntnisinteresse: Zusammenfassung bestehender Forschungsergebnisse zur Terrorismusberichterstattung und Ableitung des eigenen Erkenntnisinteresses.
6. Forschungsfragen und Ableitung der Hypothesen: Herleitung der 22 Hypothesen, die sich in die Komplexe Stil, Tonalität, Motivation und Nähe unterteilen.
7. Empirisches Vorgehen: Beschreibung der quantitativen Inhaltsanalyse, des Kategoriensystems, der Auswahl der untersuchten Anschläge sowie der Stichprobenziehung.
8. Deskription der Forschungsergebnisse: Darstellung der deskriptiven Befunde hinsichtlich Stilmitteln, Reizwörtern und persuasiven Strategien in Boulevard- und Qualitätszeitungen.
9. Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen: Statistische Prüfung der Hypothesen und Diskussion der Verifizierung bzw. Falsifizierung.
10. Fazit: Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse, Reflexion des methodischen Vorgehens und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Terrorismusberichterstattung, Boulevardjournalismus, Qualitätsjournalismus, Inhaltsanalyse, Nachrichtenwerttheorie, Stil, Tonalität, Emotionalisierung, Rhetorik, Syntax, Medienrealität, Terrorismus, Rechtsextremismus, Islamismus, Nachrichtengeografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Boulevard- und Qualitätszeitungen über Terroranschläge berichten und ob sich ihr journalistischer Stil sowie die Tonalität dabei signifikant unterscheiden.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Zentrale Felder sind die Definition von Terrorismus, die mediale Inszenierung von Gewalt, die Grundlagen der Presse sowie Theorien zur Nachrichtenauswahl und linguistischen Textgestaltung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, inwiefern Zeitungsgattungen (Boulevard vs. Qualität) stilistische und tonale Unterschiede bei der Darstellung von islamistischem und rechtsextremistischem Terrorismus aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse angewendet, um verschiedene sprachliche Merkmale wie Lexik, Rhetorik und Syntax systematisch zu erfassen und zu metrisieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung (Nachrichtenwert, Konstruktion von Wirklichkeit), die Herleitung der Hypothesen, das empirische Vorgehen und die Auswertung der erhobenen Daten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nachrichtenfaktoren, Emotionalisierung, persuasive Strategien, Boulevard-Stil, Qualitätsjournalismus, Terror-Motivation und geografische Nähe.
Welche Rolle spielt die Motivation der Terroristen für die Ergebnisse?
Die Untersuchung zeigt, dass die Art der Motivation (islamistisch vs. rechtsextremistisch) nur einen geringen Einfluss auf Stil und Tonalität der Berichterstattung hat.
Wie wirken sich die Ergebnisse auf die Sichtweise von Boulevardmedien aus?
Die Ergebnisse bestätigen, dass Boulevardzeitungen deutlich emotionaler und mit spezifischeren, reißerischeren Sprachmitteln über Terrorakte berichten als Qualitätszeitungen.
- Arbeit zitieren
- Friederike Peschek (Autor:in), 2021, "Terror!" oder "Terror". Eine quantitative Inhaltsanalyse über Stil, Tonalität und Struktur der Terrorismusberichterstattung in Boulevard- und Qualitätsmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1182412