Im weiteren Verlauf sollen hauptsächlich folgende Themenschwerpunkte
sowie Fragenkomplexe behandelt werden: In erster Linie wird dargestellt, wieso das Dritte Reich von der Masse der Zeitgenossen, trotz katastrophaler
Kriegserfahrungen und Beraubung elementarer Grundrechte, nicht selten als
Sozialstaat empfunden wurde (vgl. Huster, Boeckh & Benz 2006: 84). Auf den
Punkt gebracht: Welche Maßnahmen wurden im Sinne der
nationalsozialistischen Sozialpolitik im Zeitraum von 1933 bis 1945 eigentlich
umgesetzt? Desweiteren werden die hierfür charakteristischen Merkmale
beschrieben und aufgezeigt, welche Ziele Hitler wirklich verfolgte als er vom
„Aufbau des sozialen Volksstaates“ sprach. Daran anschließend wird der Frage
hinsichtlich Finanzierung bzw. Ressourcen der nationalsozialistischen Sozialpolitik
nachgegangen, die verdeutlichen wird, wie eng die Verbindung zwischen Sozialund
Vernichtungspolitik des Dritten Reiches war. Zuletzt soll in einem kurzen
Vergleich gezeigt werden, inwiefern Parallelen zwischen Ideologie und
Terminologie der Sozialpolitik der NSDAP zur heutigen NPD existieren. Hierbei
werden das im Internet publizierte Parteiprogramm der NSDAP von 1920 und das
gegenwärtige Partei- sowie Aktionsprogramm der NPD konsultiert.
Bevor diese Arbeit zum besseren Verständnis zunächst einmal an den
verhängnisvollen Auswirkungen historischer Ereignisse in der Zeit von 1918 bis
1933 – die maßgeblich für den Erfolg des Hitler-Regimes verantwortlich sind –
anknüpft, wird das theoretische Verständnis von Sozialstaat und Sozialpolitik für
das heutige und zeitgenössische, nationalsozialistische Verständnis voneinander
abgegrenzt und definiert.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Terminologische Definition und Distanzierung
3. Historische Ausgangssituation
4. Im Zeichen der Volksgemeinschaft
4.1 Die Deutsche Arbeitsfront
4.2 Kraft durch Freude
4.3 Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt
4.4 Sonstige sozialpolitische Maßnahmen
5. Die Finanzierung der Sozialpolitik
6. Die Motive hinter der Sozialpolitik
7. Vergleich zwischen der NPD und NSDAP
8. Schlussfolgerung und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch, inwieweit die Sozialpolitik des Dritten Reiches tatsächlich als „sozial“ bezeichnet werden kann. Sie analysiert die Ziele der nationalsozialistischen Führung, entlarvt die ideologische Instrumentalisierung der „Volksgemeinschaft“ und setzt die damalige Praxis in Bezug zu heutigen politischen Parallelen.
- Analyse der nationalsozialistischen Sozialpolitik zwischen 1933 und 1945
- Untersuchung der ideologischen Instrumentalisierung der „Volksgemeinschaft“
- Finanzierung der Sozialpolitik und deren Verbindung zur Vernichtungspolitik
- Vergleich der Ideologie und Terminologie der NSDAP mit der heutigen NPD
Auszug aus dem Buch
4.2. Kraft durch Freude
Um für das schuftende Proletariat einen Ausgleich für ihren Arbeitseinsatz für Volk und Reich zu schaffen, wurde am 27. November 1933 mit „Kraft durch Freude“ eine Unterorganisation der „Deutschen Arbeitsfront“ gegründet. Diese war hauptsächlich für die Freizeitgestaltung der deutschen Bevölkerung zuständig und bot insofern ein breitgefächertes Entspannungs- und Unterhaltungsprogramm an.
„Ich will, dass dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird und dass alles geschieht, um ihm diesen Urlaub sowie seine übrige Freizeit zu einer wahren Erholung werden zu lassen. Ich wünsche das, weil ich ein nervenstarkes Volk will, denn nur allein mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wahrhaft große Politik machen.“ (Adolf Hitler, zitiert nach wikipedia.org)
Das Angebot umfasste tatsächlich eine Vielfalt an Aktivitäten, die nach der Arbeit in Anspruch genommen werden konnten. So wurden verbilligte Theater- und Opernkarten verteilt, Sing- sowie Tanzgemeinschaften und Vereine für jede Art von Hobby organisiert. Auch an die sportliche Ertüchtigung wurde dabei gedacht (vgl. Schneider 2006: 1).
Das Verbessern der Arbeitssituation in Betrieben und Fabriken war ein weiteres Anliegen. So wurde sich beispielsweise für die Einrichtung von Grünanlagen, neuer Kantinen sowie sanitären Anlagen stark gemacht, um das leibliche Wohlbefinden der Mitarbeiter zu garantieren (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Die Einleitung beleuchtet die historische Wahrnehmung der NS-Sozialpolitik und formuliert die zentrale Frage nach dem Charakter des NS-Regimes als Sozialstaat.
2. Terminologische Definition und Distanzierung: Dieses Kapitel grenzt den modernen Begriff des Sozialstaats vom totalitären Führerstaat ab und belegt die Unvereinbarkeit dieser Konzepte.
3. Historische Ausgangssituation: Es wird der wirtschaftliche und soziale Kontext der Weimarer Republik sowie die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf den Aufstieg der NSDAP dargestellt.
4. Im Zeichen der Volksgemeinschaft: Dieser Abschnitt erläutert die ideologische Grundlage der „Volksgemeinschaft“ und deren Funktion als Instrument der Kontrolle und Erziehung.
4.1 Die Deutsche Arbeitsfront: Die Untersuchung der DAF zeigt, wie Gewerkschaften zerschlagen und durch ein staatlich kontrolliertes System zur Steigerung der Arbeitseffizienz ersetzt wurden.
4.2 Kraft durch Freude: Das Kapitel beschreibt das Freizeitangebot als Mittel zur Erholung der Arbeiter und als Instrument zur politisch-ideologischen Bindung an das Regime.
4.3 Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt: Hier wird die Rolle der NSV in der Wohlfahrts- und Familienpolitik sowie ihre Bedeutung für die Propagierung der Opferbereitschaft analysiert.
4.4 Sonstige sozialpolitische Maßnahmen: Es werden weitere Maßnahmen wie die Rentenreform und die Preis- sowie Steuerpolitik insbesondere zu Beginn des Krieges beleuchtet.
5. Die Finanzierung der Sozialpolitik: Dieses Kapitel analysiert die aggressive Finanzpolitik, die hemmungslose Staatsverschuldung und die enge Verknüpfung mit der „Arisierung“ und dem Raub an Verfolgten.
6. Die Motive hinter der Sozialpolitik: Der Autor verdeutlicht, dass die NS-Sozialpolitik niemals aus moralischen Gründen, sondern ausschließlich zur Durchsetzung weltanschaulicher Ziele praktiziert wurde.
7. Vergleich zwischen der NPD und NSDAP: Eine Gegenüberstellung verdeutlicht ideologische und terminologische Parallelen zwischen dem Nationalsozialismus und der Programmatik der NPD.
8. Schlussfolgerung und Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Sozialpolitik als Mittel zur Zustimmungssicherung diente und die „Sorge um das Volkswohl“ die Triebkraft für den Terror war.
Schlüsselwörter
Sozialpolitik, Nationalsozialismus, Volksgemeinschaft, Drittes Reich, NSDAP, NPD, Propaganda, Arbeiter, Weltwirtschaftskrise, Rassenpolitik, Arisierung, Ideologie, Führerstaat, Volksgenossen, Sozialstaatlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Sozialpolitik des Nationalsozialismus und hinterfragt, inwieweit diese als „sozial“ oder gar als Maßnahme eines Wohlfahrtsstaates betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Ideologie der „Volksgemeinschaft“, den realen sozialpolitischen Maßnahmen wie der „Deutschen Arbeitsfront“ und „Kraft durch Freude“ sowie der Finanzierung dieser Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die NS-Sozialpolitik kein Akt der Nächstenliebe war, sondern ein Instrument zur Kontrolle der Bevölkerung, zur Kriegsvorbereitung und zur Festigung der Diktatur.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die zeitgenössische Dokumente und historische Forschungsergebnisse gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Ausgangslage, den spezifischen Organisationen der NS-Sozialpolitik, den Finanzierungsmethoden sowie der Motivation der NS-Führung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Volksgemeinschaft, Sozialpolitik, totalitärer Führerstaat, Propaganda, Ideologie und der Vergleich zwischen historischem NS-Gedankengut und heutiger NPD-Programmatik.
Wie wurde die Sozialpolitik im Dritten Reich finanziert?
Die Finanzierung erfolgte durch hohe Staatsverschuldung, die Ausbeutung jüdischen Eigentums (Arisierung) und die spätere Ausplünderung besetzter Gebiete im Krieg.
Welchen Zweck verfolgte das Freizeitprogramm „Kraft durch Freude“ wirklich?
Neben der Erholung der Arbeiterschaft diente es der psychologischen Disziplinierung und der inhaltlichen Umerziehung der Bevölkerung im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.
Wie lautet das Fazit zur Beziehung zwischen NPD und NSDAP?
Die Arbeit zieht eine klare Linie zwischen beiden Parteien und zeigt auf, dass die NPD in ihrer Programmatik und Terminologie in vielen Aspekten Parallelen zum völkischen Gedankengut der NSDAP aufweist.
- Quote paper
- Alexander Schneider (Author), 2008, Verbrechen zum Wohle des Volkes - Wie sozial war das Dritte Reich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118244