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Über den Umgang mit unangenehmen Gefühlen. Versuche einer mentalisierungsfördernden Pädagogik in einer Kita

Titel: Über den Umgang mit unangenehmen Gefühlen. Versuche einer mentalisierungsfördernden Pädagogik in einer Kita

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2021 , 11 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Magistra Artium Kristin Freter (Autor:in)

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieses Beitrags ist es, die Bedeutsamkeit der Mentalisierung in pädagogischen Institutionen hervorzuheben. Diese Hausarbeit wird sich auf ein Fallbeispiel konzentrieren, das den Zeitdruck veranschaulichen soll, unter dem in Kindertagesstätten in der Regel gearbeitet wird und wie wenig (personellen wie strukturellen) Raum es dort gibt, mentalisierungsfördernd zu wirken.

Die Fähigkeit, sich in psychische Zustände anderer hineinzuversetzen und „eigene mentale Verfassungen in ursächlichen Zusammenhang mit der mentalen Verfassung anderer Personen zu bringen“ (Gerspach 2009), also zu mentalisieren, ist eine sozialkognitive Fähigkeit und stellt „einen wichtigen Kernaspekt pädagogischen Handelns“ (Fonagy et al. 2018) dar. Voraussetzung für diese Kompetenz, die sich in den ersten sechs Lebensjahren entwickelt und unter guten Bedingungen etwa ab dem vierten Lebensjahr in Kraft tritt, ist ein gelungenes Bindungsverhältnis zu den mit ihnen interagierenden Bezugspersonen, wobei nicht nur die dyadische (Mutter-Kind) bzw. die triadische (Mutter-Kind-Vater)1 Beziehung, sondern später auch polyadische Beziehungen zu Erzieher:innen, Lehrer:innen und anderen Bezugspersonen eine große Rolle spielen: „Mentalisierungsfähigkeit entsteht darüber, dass man interaktional mentalisiert wird/wurde. Dies gilt vor allem für Babys und Kleinkinder, verliert aber seine Wirkung selbst im Erwachsenenalter nicht.“ (Fonagy et al. 2018).

Leseprobe


Inhalt

1 Einleitung

2 Mentalisieren in der Pädagogik

3 Umgang mit unangenehmen Gefühlen

3.1 Fallbeispiel: Mattis „Weil es Spaß macht!“

3.2 Szenisches Verstehen

4 Fazit

5 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung und praktische Umsetzung einer mentalisierungsfördernden Pädagogik im Alltag einer Kindertagesstätte, um einen konstruktiven Umgang mit unangenehmen Gefühlen bei Kindern zu ermöglichen.

  • Grundlagen der Mentalisierungstheorie im pädagogischen Kontext
  • Die Rolle der emotionalen Selbstreflexion für pädagogische Fachkräfte
  • Analyse von Interaktionsprozessen anhand eines Fallbeispiels
  • Bewältigungsstrategien bei herausforderndem Verhalten
  • Szenisches Verstehen als psychoanalytischer Interventionsansatz

Auszug aus dem Buch

3.1 Fallbeispiel: Mattis „Weil es Spaß macht!“

Mattis ist ein vierjähriger Junge, dessen Eltern sich Anfang dieses Jahres getrennt haben. Es folgt die Beschreibung einer Szene, die sich vor wenigen Wochen in der Kindertagesstätte, in der ich in der Funktion als studentische Fachkraft arbeite, abgespielt hat.

Es ist 9:40 Uhr, M. und ich befinden sich als einzige noch im Speiseraum, die anderen haben ihr Geschirr bereits auf den Wagen gestellt und sich in den Raum nebenan begeben. M. hat gerade seine letzte Olive aus der Schüssel gegessen. „Bist du fertig?“, frage ich ihn. „Nein, ich nehm mir noch drei Oliven“, lässt er mich wissen. Er spielt mit den Oliven in seiner Schüssel und summt dabei vor sich hin. Ich greife nach dem Triangel, um das Signal zur letzten Frühstücksrunde vor dem Abräumen zu geben. „Ist Frühstück gleich vorbei?“, fragt mich M. „Ja“, antworte ich, „magst du das Signal geben?“ Er springt freudig auf, nimmt den Triangel entgegen und rennt damit vor die Tür. „Letzte Runde“, ruft er laut in den Flur. Draußen ist ein weiteres Kind angekommen, das aber nicht Frühstücken will und den Kopf schüttelt. M. geht zu dem Raum, in dem sich die anderen befinden, die bereits gefrühstückt haben.

Er trommelt laut und mehrmals hintereinander auf das Metall, während er ruft: „Wer will noch frühstücken?“ „Ich hab schon“, ruft ihm ein anderer Junge entgegen, zwei andere Kinder halten sich demonstrativ die Ohren zu. Ich beuge mich zu ihm herunter und sage: „Da sind wir jetzt wohl die Einzigen, die noch frühstücken wollen, hm?“ Er nickt und gibt mir den Triangel zurück. Im Speiseraum stellt er sich an seinen Platz, setzt sich aber nicht, sondern schaut auf die Uhr über der Tür. „Und wie spät ist es jetzt?“, fragt er. „Fast fünfzehn Minuten vor zehn“, sage ich. „Ich seh nur die Eins“, sagt er. Ich muss lachen. „Das ist, weil die Null vom Zeiger verdeckt wird“, sage ich. „Wenn du dich hierhin stellst“, dabei zeige ich auf den Platz vor der Tür, „kannst du sie sehen.“ Er kneift seine Augen hinter der Brille zusammen und prüft den Blick, indem er sich mal auf das eine, dann auf das andere Bein stellt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Mentalisierung als zentralen Aspekt pädagogischen Handelns und erläutert die Bedeutung einer mentalisierungsfördernden Haltung für das System Schule bzw. Kita.

2 Mentalisieren in der Pädagogik: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen implizitem, habituellem Mentalisieren und dem expliziten, reflexiven Prozess, der in der pädagogischen Arbeit bewusst geübt werden muss.

3 Umgang mit unangenehmen Gefühlen: Hier wird die Notwendigkeit erläutert, eigene Affekte wahrzunehmen und zu benennen, um Kindern in schwierigen Situationen haltgebend und feinfühlig begegnen zu können.

3.1 Fallbeispiel: Mattis „Weil es Spaß macht!“: Anhand einer konkreten Alltagssituation wird verdeutlicht, wie durch Zeitdruck und unbewusste Übertragungsdynamiken eine Interaktionsstörung entsteht.

3.2 Szenisches Verstehen: Dieses Kapitel führt das Konzept des szenischen Verstehens ein, um das unbewusste Agieren in konflikthaften Situationen zu deuten und durch Reflexion zu durchbrechen.

4 Fazit: Das Fazit betont die Diskrepanz zwischen kognitivem Wissen über Mentalisierung und der emotionalen Umsetzung und fordert mehr Raum für Selbsterfahrung in der pädagogischen Ausbildung.

5 Literatur: Auflistung der verwendeten Fachliteratur zur psychoanalytischen Pädagogik und Mentalisierungstheorie.

Schlüsselwörter

Mentalisierung, Psychoanalytische Pädagogik, Kindertagesstätte, Gefühlsregulation, Bindungsverhältnis, Fallbeispiel, Szenisches Verstehen, Reflexion, Pädagogische Interaktion, Übertragung, Gegenübertragung, Feinfühligkeit, Sozial-emotionale Entwicklung, Affekte, Krisenintervention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Mentalisierungstheorie im pädagogischen Alltag einer Kindertagesstätte und der Bedeutung von Selbstreflexion für Fachkräfte.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Mentalisierung, der Umgang mit unangenehmen Gefühlen bei Kindern und die Analyse von Beziehungsdynamiken zwischen Pädagogen und Heranwachsenden.

Was ist das primäre Ziel dieser Hausarbeit?

Ziel ist es, die Bedeutsamkeit von Mentalisierung in pädagogischen Institutionen aufzuzeigen und durch eine Reflexion des eigenen Handelns Handlungsspielräume für eine mentalisierungsfördernde Pädagogik zu explorieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der Fallanalyse sowie die Reflexion pädagogischen Handelns im Rahmen der psychoanalytischen Pädagogik, gestützt durch relevante Fachliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich theoretischen Grundlagen, der detaillierten Beschreibung und Analyse eines Fallbeispiels sowie der Anwendung des Konzeptes des szenischen Verstehens zur Deutung von Interaktionsstörungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mentalisierung, psychoanalytische Pädagogik, pädagogische Interaktion, Gefühlsregulation und Selbstreflexion.

Warum zeigt das Kind Mattis „aggressive Albernheit“?

Das Verhalten ist vermutlich eine erlernte Strategie, um bei drohendem Beziehungsabbruch oder Übergangssituationen die Aufmerksamkeit der Bezugsperson auf sich zu ziehen und zu halten.

Welche Rolle spielt die Trennung der Eltern für das Verhalten von Mattis?

Die Trennung wird als schmerzhaftes Ereignis gewertet, das Verlustängste auslöst; Mattis versucht möglicherweise, durch sein Verhalten dem schmerzhaften Erleben der Trennung zu entkommen und eine sichere Interaktion zu erzwingen.

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Details

Titel
Über den Umgang mit unangenehmen Gefühlen. Versuche einer mentalisierungsfördernden Pädagogik in einer Kita
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Sonderpädagogik)
Veranstaltung
Psychoanalytische Heilpädagogik
Note
1,0
Autor
Magistra Artium Kristin Freter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
11
Katalognummer
V1182770
ISBN (PDF)
9783346605160
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychoanalyse Mentalisierung Heilpädagogik Kita frühkindliche Erziehung mentalisieren
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magistra Artium Kristin Freter (Autor:in), 2021, Über den Umgang mit unangenehmen Gefühlen. Versuche einer mentalisierungsfördernden Pädagogik in einer Kita, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1182770
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Leseprobe aus  11  Seiten
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