Die Seminararbeit geht der Frage nach, wie der Regisseur Rainer Werner Fassbinder Fontanes literarische Vorlage im Film umsetzt. Um dies zu erörtern, wird die Kamerabewegung mithilfe des Modells von Gérard Genette analysiert.
Es findet eine Reflexion darüber statt, inwiefern sich Texte in audiovisuelle Medien übersetzen lassen. Die Möglichkeiten und Grenzen werden aufgezeigt. Stellen, an denen Fassbinder eine Interpretation liefert, werden benannt und erläutert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der Figuren. Effi, die Briests und Geert von Instetten werden gesondert untersucht. Es wird jeweils die literarische Vorlage mit der Filmfigur verglichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theorieteil:
Entstehungskontext von FONTANE EFFI BRIEST
Möglichkeiten und Grenzen einer Literaturverfilmung
Literaturverfilmung bei Fassbinder im Vergleich zu klassischen Filmen
Praxisteil:
Darstellung der Personen in Buch und Film
Minoritäten bei Fassbinder
Darstellung Effi von Briest
Im Buch
Im Film
Darstellung Luise von Briest
Im Buch
Im Film
Darstellung Herr von Briest
Im Buch
Im Film
Darstellung Geert von Instetten
Im Buch
Im Film
Stilmittel bei Fontane
Stilmittel bei Fassbinder
Zum erzähltheoretischen Modell von Gérard Genette
Die Erzählsituation in den ersten drei Kapiteln des Romans anhand von Genette
Fokalisierung
Modus
Zeit
Stimme
Kuhns Position zur Erzählinstanz im Film
Die Erzählinstanz in der analysierten Sequenz nach Markus Kuhn
Fokalisierung
Modus
Zeit
Stimme
Fazit: Erkenntnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Rainer Werner Fassbinders Film „Fontane Effi Briest“ aus dem Jahr 1974 und vergleicht dessen filmische Umsetzung mit Theodor Fontanes literarischer Vorlage. Das Hauptziel besteht darin, die Darstellungsweisen der Figuren sowie der Erzählinstanz in beiden Medien zu analysieren und zu prüfen, inwieweit die Verfilmung als eigenständiges Werk oder als getreue Adaption zu werten ist.
- Vergleichende Analyse der Figurencharakterisierung in Roman und Film
- Untersuchung der filmischen Übersetzung von Erzählinstanzen
- Erörterung der Möglichkeiten und Grenzen einer Literaturverfilmung
- Analyse der Rolle der Frau und gesellschaftlicher Machtstrukturen
- Einsatz von filmischen Stilmitteln bei Fassbinder (z. B. Standbilder, Spiegel)
Auszug aus dem Buch
Darstellung Effi von Briest
Sie ist eine Bewohnerin Hohen-Cremmens, die häufig im Schatten des Fliesenganges sitzt, um Handarbeiten zu verrichten. Sie unterbricht diese allerdings gerne, um zwischendurch gymnastische Übungen zu machen, was darauf hindeutet, dass sie eher noch ein Mädchen als eine Frau ist. Auch die Äußerung Wilkes, das Fräulein sei doch eher ein Daus, weist auf ihre Kindlichkeit und auf eine gewisse Knabenhaftigkeit hin. Die Erzählinstanz charakterisiert Effi wie folgt: „In allem, was sie tat, paart sich Übermut und Grazie, während ihre lachenden braunen Augen eine große, natürliche Klugheit und viel Lebenslust und Herzensgüte verrieten.“ Insbesondere die Enallage „ihre lachenden braunen Augen“ lässt darauf schließen, dass die Erzählinstanz Sympathien für Effi hegt. Effi möchte „vielleicht“ Kunstreiterin werden und keine Dame sein, wobei sie die Hulda eingebildet findet. Sticken findet sie langweilig, sie macht das nur, weil ihre Mutter es ihr aufzeigt. Effis Wertesystem lässt sich an der Äußerung „Was ich nicht aushalten kann, ist Langeweile!“ ausmachen. Sie zitiert gerne ihren Vater oder macht ähnliche zweiseitige Bemerkungen wie „Kavaliere kommen nicht zu spät, aber noch weniger zu früh!“. Das Mädchen hat auch sonst viele Gemeinsamkeiten mit dem Vater: Sie schätzt zum Beispiel Instetten nicht höher als andere Menschen, nur weil er Landrat ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Entstehungskontext von FONTANE EFFI BRIEST: Dieses Kapitel erläutert die biografischen Hintergründe zu Fontane sowie die Intention und Arbeitsweise des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder.
Möglichkeiten und Grenzen einer Literaturverfilmung: Es wird der medientheoretische Unterschied zwischen einem Printmedium und einem audiovisuellen Medium diskutiert sowie die damit verbundenen Herausforderungen bei der Umsetzung.
Literaturverfilmung bei Fassbinder im Vergleich zu klassischen Filmen: Hier werden Fassbinders spezifische, medienvermischende Formexperimente und seine Abkehr von klassischen Sehgewohnheiten thematisiert.
Darstellung der Personen in Buch und Film: In diesen Kapiteln erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Hauptfiguren Effi von Briest, Luise von Briest, Herrn von Briest und Geert von Instetten in ihrer literarischen und filmischen Gestaltung.
Stilmittel bei Fontane: Dieses Kapitel beleuchtet die symbolische Sprache und die erzählerischen Hinweise im Roman, die auf den späteren Verlauf und das Ende der Geschichte vorausdeuten.
Stilmittel bei Fassbinder: Analyse der formalistischen Vorgehensweise Fassbinders, einschließlich der Verwendung von Schrifttafeln, Spiegeln und voice-over.
Zum erzähltheoretischen Modell von Gérard Genette: Einführung in die für die Analyse grundlegenden narratologischen Konzepte nach Gérard Genette.
Die Erzählsituation in den ersten drei Kapiteln des Romans anhand von Genette: Anwendung des Modells auf den Roman hinsichtlich Fokalisierung, Modus, Zeit und Stimme.
Kuhns Position zur Erzählinstanz im Film: Einbindung von Markus Kuhns Theorie der Filmnarratologie als analytisches Gerüst für das Medium Film.
Die Erzählinstanz in der analysierten Sequenz nach Markus Kuhn: Übertragung der narratologischen Kategorien auf die konkreten Sequenzen des Films.
Fazit: Erkenntnisse: Zusammenfassende Auswertung der Analyseergebnisse und abschließende Bewertung der filmischen Adaption.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Theodor Fontane, Rainer Werner Fassbinder, Literaturverfilmung, Erzählinstanz, Genette, Filmnarratologie, Figurencharakterisierung, Gesellschaftskritik, Unterdrückung der Frau, Standbildmethode, Adaption, Voyeurismus, Intermedialität, Filmvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die filmische Adaption des Romans „Effi Briest“ von Theodor Fontane durch den Regisseur Rainer Werner Fassbinder im Jahr 1974.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Darstellung der Figuren, die Rolle der Erzählinstanz sowie der mediale Vergleich zwischen literarischer Vorlage und filmischer Umsetzung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, inwieweit die Verfilmung mit dem literarischen Original übereinstimmt und wo Fassbinder eigenständige, formale Experimente wählt, die über die Vorlage hinausgehen oder diese verfremden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt erzähltheoretische Modelle, insbesondere von Gérard Genette für den literarischen Vergleich und von Markus Kuhn für die Filmnarratologie, kombiniert mit einer Sequenzanalyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine detaillierte vergleichende Charakterisierung der Figuren sowie eine Analyse der filmischen Stilmittel und Erzählstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literaturverfilmung, Filmnarratologie, Erzählinstanz, Gesellschaftskritik und Medientheorie.
Wie unterscheidet sich Fassbinders filmische Darstellung der Effi Briest von Fontanes literarischer Vorlage?
Während Fontane Effi durch ein kindliches, lebhaftes Wesen charakterisiert, wirkt sie in Fassbinders Film durch den Einsatz von Standbildern und damenhafter Kleidung oft regungsloser und stärker in gesellschaftliche Zwänge eingebunden.
Warum spielt die Spiegel-Symbolik im Film eine so wichtige Rolle?
Die Spiegel dienen laut der Analyse als Mittel der Verfremdung, die den Zuschauer in die Rolle eines Voyeurs versetzen und die Selbstentfremdung oder Gebrochenheit der Identität der Figuren verdeutlichen sollen.
Welche Bedeutung hat das „Gefängnis-Motiv“ in Fassbinders Verfilmung?
Fassbinder nutzt das Motiv des Gefängnisses (z.B. durch Fenstergitter oder die Inszenierung der Umgebung), um Effis ausweglose Situation und ihre totale Unterdrückung im System darzustellen.
Was ist das zentrale Fazit der Autorin zur Qualität der Verfilmung?
Die Autorin beurteilt die Verfilmung als sehenswert, da sie trotz der starken Verfremdungen und der formalen Distanz eine eigene Poesie schafft und durch den Vergleich mit dem Text neue Deutungsmuster für den Rezipienten eröffnet.
- Citation du texte
- Jennifer Lauscher (Auteur), 2015, "Effi Briest": Der Roman von Theodor Fontane und die Verfilmung von Rainer Werner Fassbinder anhand der ersten Kapitel und Sequenzen verglichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183021