Bindungs- und Entwicklungstraumen und die Stärkung von Betroffenen durch kreativ-soziale Arbeit. Beispiele für kunsttherapeutische Interventionen


Bachelorarbeit, 2021

75 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

ERSTER TEIL - VERSCHIEDENE TRAUMATISIERUNGEN: SCHOCK- UND ENTWICKLUNGSTRAUMEN

2. Was ist ein Trauma?

3. Bindungs- und Entwicklungstraumen

4. Traumatische Erfahrungen und ihre Auswirkungen auf das Gehirn

5. Zusammenfassung des ersten Kapitels

ZWEITER TEIL - BISHERIGE PSYCHOLOGISCHE ANSÄTZE ZUR BEHANDLUNG VON TRAUMEN

6. Einblick in die Traumatherapie

7. Verschiedene Ansätze und Behandlungen in der Traumatherapie

8. Zusammenfassung des zweiten Kapitels

DRITTER TEIL - KUNSTTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNG VON MENSCHEN MIT FRÜHEM TRAUMA/BINDUNGS- UND ENTWICKLUNGSTRAUMA

9. Die therapeutische Beziehung - Sicherheit in Raum und Gegenüber

10. Wunder unter Wunden sehen - Die Überlebenskraft würdigen und den Schmerz anerkennen

11. Kunsttherapie

12. Kunsttherapeutische Interventionen und Übungen

13. Zusammenfassung des dritten Kapitels

14. Diskussion und Fazit

15. Anhang

16. Quellenverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Hintergründe und Intention
1.2 Methodik
1.3 Ziel der Arbeit
1.4 Inhalt und Aufbau

ERSTER TEIL - VERSCHIEDENE TRAUMATISIERUNGEN: SCHOCK- UND ENTWICKLUNGSTRAUMEN

2. Was ist ein Trauma?
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Ätiologie und Typologie
2.2.1 Personale und apersonale Traumen
2.2.2 Typ-I- und Typ-II-Traumen
2.3 Auswirkungen von Traumatisierungen
2.3.1 Folgestörungen
2.3.2 Symptomatologie

3. Bindungs- und Entwicklungstraumen
3.1 Annäherung an eine Definition für Bindungs- und Entwicklungstraumen
3.2 Der Unterschied zwischen Entwicklungs- und Schocktraumen
3.2.1 Schocktrauma
3.2.2 Entwicklungstrauma
3.3 Die Bindung zwischen Mutter und Kind - ein großer Baustein unseres Lebens
3.4 Verschiedene Bindungstypen und -muster
3.5 Ätiologie - Ursachen und Hintergründe von Entwicklungstraumen
3.6 Symptomatologie von Entwicklungstraumen
3.7 Entwicklungstrauma und mögliche Folgestörungen
3.8 Regulation und Co-Regulation

4. Traumatische Erfahrungen und ihre Auswirkungen auf das Gehirn
4.1 Autonomes Nervensystem
4.2 Window of Tolerance - Toleranzfenster

5. Zusammenfassung des ersten Kapitels

ZWEITER TEIL - BISHERIGE PSYCHOLOGISCHE ANSÄTZE ZUR BEHANDLUNG VON TRAUMEN

6. Einblick in die Traumatherapie
6.1 Distanzierung, Dosierung und Fraktionierung - Hinweise und Empfehlungen für die Arbeit mit Menschen mit Traumahintergrund
6.2 Kontraindikationen
6.3 Traumatherapie - Das 3-Phasen-Modell

7. Verschiedene Ansätze und Behandlungen in der Traumatherapie
7.1 Aufzählung von verschiedenen Ansätzen der Traumatherapie
7.2 Die kognitive Verhaltenstherapie - Neubewerten der Wahrnehmung durch kognitiv-behaviorale Herangehensweisen
7.3 Somatic Experiencing (SE)® nach Peter Levine - eine psychophysiologische Methode zur Befreiung traumgebundener Lebensenergien
7.4 PITT - Die psychodynamische imaginative Traumatherapie nach Luise Reddemann

8. Zusammenfassung des zweiten Kapitels

DRITTER TEIL - KUNSTTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNG VON MENSCHEN MIT FRÜHEM TRAUMA/BINDUNGS- UND ENTWICKLUNGSTRAUMA

9. Die therapeutische Beziehung - Sicherheit in Raum und Gegenüber

10. Wunder unter Wunden sehen - Die Überlebenskraft würdigen und den Schmerz anerkennen

11. Kunsttherapie
11.1 Wirkungsweisen und Potentiale der Kunsttherapie
11.2 Grenzen der Kunsttherapie
11.3 Hinweise und Empfehlungen für die kunsttherapeutische Behandlung von Traumatisierungen

12. Kunsttherapeutische Interventionen und Übungen
12.1 Eigene Bilder zur besseren Veranschaulichung
12.2 Sicherheit & Wohlfühlen, Containing und Distanz, Stabilisierung
12.2.1 Der Tresor - Ablegen und Verstauen bedrohlicher Inhalte
12.2.2 Der sichere Ort - ein Gegenwicht zu Schreckensbildern
12.2.3 Die Angst, geschützt und eingebettet - Ein sicherer Rahmen für alles Belastende
12.2.4 Mandalas - Beruhigung und Zentrierung
12.3 Ressourcen aktivieren und stärken
12.3.1 Der Ressourcenbaum - Pflege und Nahrung
12.3.2 Meine positiven Fertigkeiten - Das Fundament, auf dem ich stehe
12.3.3 Persönliche und gewünschte Ressourcen - Mein Ressourcenkoffer
12.4 Kontaktaufnahme - Beziehungsstrukturen neu gestalten
12.4.1 Dialogisches Malen und Zeichnen - in Kontakt treten
12.4.2 Resonanzbildmethode und Progressives therapeutisches Spiegelbild - heilsame Impulse von Außen
12.4.2.1 Die Resonanzbildmethode
12.4.2.2 Das progressive therapeutische Spiegelbild
12.5 Abgrenzung - Grenzen spüren, achten und setzen
12.5.1 Verschiedene Möglichkeiten und Ideen zur Grenzsetzung und Abgrenzung
12.5.1.1 Schützende Kreisbilder
12.5.1.2 Mein Land und seine Grenzen
12.6 Selbstregulation - Übergänge gestalten, ein Dazwischen finden
12.6.1 Kunsttherapeutische Übungen - Emotionen fühlen, Erregung regulieren, Übergänge gestalten#
12.6.1.2 Nass-in-Nass-Malerei - Farbübergänge und Landschaften gestalten#
12.6.1.3 Pastellkreide - Eintauchen in Farb- und Gefühlsräume
12.6.1.4 Werden, Sein, Vergehen. Zwischen Aktivität und Ruhe - Die Pflanzenmetarmorphose
12.7 Körper - Zurückfinden und verbinden, wahrnehmen und spüren
12.7.1 Der Bodyscan - eine geführte Reise durch den Körper
12.7.2 Das Körperbild - Leiblichkeit wahrnehmen und formen
12.7.3 Gefühle in meinem Bauch - Lebensraum spüren
12.7.4 Weitere Übungen - Körperumrisse und -wahrnehmungsreisen

13. Zusammenfassung des dritten Kapitels

14. Diskussion und Fazit
14.1 Kritik
14.2 Ausblick

15. Anhang
15.1 Bildanhang zu den kunsttherapeutischen Interventionen
15.1.1 Der Tresor
15.1.2 Der sichere Ort
15.1.3 Der Ressourcenbaum
15.1.4 Meine positiven Fertigkeiten - Das Fundament, auf dem ich stehe
15.1.5 Die Resonanzbildmethode
15.1.5.1 Initialbild
15.1.5.2 Resonanzbild
15.1.6 Das progressive therapeutische Spiegelbild
15.1.7 Das Kreisbild
15.1.8 Nass-in-Nass-Malerei
15.1.9 Pastellkreide - Eintauchen in Farb- und Gefühlsräume
15.1.10 Körperwahrnehmungsübung und Bodyscan

16. Quellenverzeichnis
16.1 Literaturverzeichnis
16.2 Internetquellen
16.3 Sonstige Quellen

17. Abbildungsverzeichnis

„(Ver-)Bindungen verbinden, halten, geben frei, führen, werden neu geknüpft, integrieren, stärken, nähren, versorgen, trösten, sind einschätzbar, sind kontinuierlich, schützen, regulieren bei Stress, machen Mut, lachen und heilen.

(Ver-)Bindungen engen oder schnüren ein, lassen unerwartet los, lassen fallen, verführen, verwickeln, ziehen, werden abgebrochen, werden vergessen, verunsichern, verängstigen, aktivieren Stress, schmerzen, lassen vereinsamen, trauern oder wüten.1

1. Einleitung

1.1 Hintergründe und Intention

Krieg, Folter, Vergewaltigung - Viele Menschen2 denken beim Wort Trauma häufig an intensive und gewalttätige Handlungen, an gravierende oder erschütternde Taten und Einflüsse. Diese Erlebnisse schockieren und prägen Menschen stark, doch sind nicht die einzigen möglichen Gründe für seelische Verletzungen. Oft nicht laut oder so sichtbar wie andere Traumen - jedoch mit gleichermaßen tragischen Folgen - sind sogenannte Bindungs- und Entwicklungstraumen3, welche ihren Ursprung in der frühen Kindheit haben und sich meist über einen längeren Zeitraum in scheinbar intakten Familiensystemen abspielen: Unangemessene, nicht kindgerechte Umstände wie Vernachlässigung, Deprivation4 oder Gewalt führen zu basalen Brüchen, Irritationen und Verletzungen in Beziehungsgeschehen. Diese Umstände wirken sich in großem Maße auf das gegenwärtige Empfinden und die Entwicklung der betroffenen Kinder aus:

Zustände von Unsicherheit und Resignation, Gefühle der Leere, Scham oder Schuld, - um nur einige Beispiele zu nennen - ausgelöst durch viele Momente der Einsamkeit und Ohnmacht, beeinflussen die Wahrnehmung des eigenen Selbsts, lassen das Leben ungewiss und nicht sicher erscheinen, verfärben somit den Blick auf die Welt.

Aus diesen Gegebenheiten können sich limitierende Glaubenssätze und grundlegende Lebenseinstellungen formen, welche identitätsprägend sind und das eigene Empfinden wie auch spätere Handeln und Sein wesentlich beeinträchtigen.

Viele Expert:innen sprechen von einer ganzen Epidemie an Entwicklungstraumen , welche oft durch überforderte und gestresste, wie auch unwissende oder unsichere Elternteile ausgelöst werden. ,,Es könnte gut sein, dass man Entwicklungstraumen in der heutigen Welt zu den wichtigsten Volksgesundheitsproblemen zählen muss.’’ 5 Nach ungefähren Schätzungen wären allein in den Vereinigten Staaten fast 3 Millionen Kinder pro Jahr betroffen, so Aline LaPierre und Laurence Heller, Autor:innen des Buchs ,,Entwicklungstrauma heilen’’.6

Auch im Rahmen meiner Praktika und bisherigen beruflichen Erfahrungen begegneten mir immer wieder Menschen mit Entwicklungstrauma. Das Tragische: Viele Betroffene wissen gar nicht oder nur bedingt, was ihr Leid verursacht und finden alleine nicht aus den vielfältigen Beschwerden heraus.

1.2 Methodik

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine systematische Literaturanalyse. Hierfür wird verschiedene aktuelle Fachliteratur aus dem deutschen und englischsprachigen Raum verwendet. Aussagen und Studien von Therapeut:innen und Psychotraumatolog:innen bilden, neben Daten und Informationen aus Google Scholar und dem ICD-107, die Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Thema. Darüber hinaus fließen eigene Erfahrungen aus meinem Studium und den dazugehörigen Praktika mit ein.

1.3 Ziel der Arbeit

Aufgrund der genannten Ursachen wie auch der Tatsache, dass Entwicklungstraumen der Auslöser für viele psychische Störungen sein können, ist es mir als angehende Kunsttherapeutin ein großes Anliegen, das vorliegende Themengebiet vielfältig zu beleuchten und auch für andere Kolleg:innen oder Kunsttherapeut:innen in Ausbildung Informationen zuzüglich Ideen für kreative Interventionen zu bieten. Für mich ist es von großer Bedeutung, über diese Prägungen informiert zu sein, um entsprechend sicher und flexibel in zugehörigen Settings wirken zu können. Es existieren viele Interventionen für die kreative Behandlung von Traumafolgestörungen; für die eindeutige kreative Behandlung von Menschen mit frühem Trauma lässt sich hingegen wenig Material finden.

Um ein breites Angebot an Ideen geben zu können, möchte ich mich in der folgenden Arbeit nicht auf eine bestimmte Zielgruppe beschränken. Viele Grundsätze und Übungen sind auch auf andere Lebensalter übertragbar.

Zwar sind in verschiedenen Kontexten oft viele Menschen mit frühem Traumahintergrund zu finden, jedoch bedarf es einer eigenen Weiterbildung, um Traumatisierungen aktiv und angemessen begegnen zu können.8 Für eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Trauma benötigt es viel Wissen und Vorsicht. Aus diesem Anlass werde ich im Folgenden ausschließlich ressourcenorientierte Übungen vorstellen und keine konfrontativen oder aufdeckenden Methoden erläutern.

Ziel der Arbeit ist daher, über Bindungs- und Entwicklungstraumen zu informieren und herauszufinden, inwiefern mit Betroffenen im kreativ-sozialen Bereich allgemein und stärkend gearbeitet werden kann. Durch die genannten und vorgesehenen Themenschwerpunkte ergeben sich folgende Fragestellungen:

1. ,, Inwiefern eignet sich die Kunsttherapie zur Behandlung von Menschen mit Entwicklungstrauma?’’
2. ,,Wie lässt sich kunsttherapeutisch und ressourcenorientiert mit frühtraumatisierten Menschen arbeiten?’'

1.4 Inhalt und Aufbau

Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit der Definition, Symptomatologie und Ätiologie9 von verschiedenen Traumatisierungen, insbesondere Bindungs- und Entwicklungstraumen. Nach einer umfassenden Vorstellung wird es einen kleinen Einblick in das autonome Nervensystem und die Auswirkungen von traumatischen Inhalten im Gehirn geben. Der zweite Teil handelt von der bisherigen Therapie und Behandlung von Menschen mit Traumahintergrund. Verschiedene Modelle der Traumabearbeitung werden aufzeigen, wie bisher mit Traumatisierungen umgegangen wurde und weiterhin gearbeitet wird. Im dritten Abschnitt, dem letzten Teil der Arbeit, wird es um das Fachgebiet der Verfasserin gehen: Die Kunsttherapie. Entsprechend der Wege und Lücken, die durch die Erkenntnisse des zweiten Teils ersichtlich werden, wird im letzten Teil explizit auf die Vorteile, Chancen und Potenziale kreativ-therapeutischer Herangehensweisen eingegangen werden. Demnach folgt im letzten Teil eine Vorstellung von verschiedenen kunsttherapeutischen Übungen, welche bei einzelnen Symptomen sowie Zielen innerhalb der Behandlung von Menschen mit Entwicklungstrauma unterstützend und wirksam erscheinen. Zur besseren Veranschaulichung und Vorstellung wird die Verfasserin die ausgewählten Interventionen durch eigen angefertigte Werke10 ergänzen. Diese sind im Anhang, am Ende der Arbeit, zu finden.

ERSTER TEIL - VERSCHIEDENE TRAUMATISIERUNGEN: SCHOCK- UND ENTWICKLUNGSTRAUMEN

2. Was ist ein Trauma?

2.1 Begriffsdefinition

Das Wort „Trauma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet ,,Wunde’’ oder ,,Verletzung’’.11 Obwohl in der medizinischen Literatur schon im 19. Jahrhundert eine entsprechende Symptomatik beschrieben wurde, fand der Begriff Trauma erst um 1990 Einzug und Anerkennung in Deutschland.12 Dementsprechend werden Traumatisierungen erst seit etwa 30 Jahren in Zusammenhang mit vielen psychischen Störungen gesehen.13 Es existiert keine einheitliche Begriffsbestimmung für traumatische Ereignisse. Die Definition nach den Psychoanalytikern Fischer und Riedesser wird jedoch sehr geachtet: Beide definieren Trauma als

„[...] ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsm ö glichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von

Selbst- und Weltverständnis bewirkt. 14

Der deutsche Psychotraumatologe Franz Ruppert spricht von einem Trauma, wenn ein Mensch ein traumatisches Geschehen nicht in sich aufnehmen, verarbeiten und in sein Leben einbinden kann. Diese belastenden und traumatisierenden Erlebnisse könnten nicht, anders als stressvolle Erfahrungen, be- und verarbeitet werden; sie blieben so lange psychisch aktiv und wirksam, bis sie explizit angegangen und aufgearbeitet werden würden.15

2.2 Ätiologie und Typologie

2.2.1 Personale und apersonale Traumen

Man differiert in apersonale Traumen - welche durch Naturkatastrophen oder technische Gegebenheiten16 ausgelöst werden - und in personale Traumen, also traumatische Ereignisse, welche menschenabhängig geschehen.17 Diese sind auch als ,,man-made desaster’’ bekannt u nd gelten als deutlich schwerwiegender, weil sie häufig zu emotionalen Verletzungen und daher zu großen Beeinträchtigungen sowie Persönlichkeitsstörungen führen können.18

Zudem wirkt ein Trauma personeller Art ( durch Folter, Gewalt und Krieg, ebenso durch Vergewaltigungen und Vernachlässigung entstanden19 ) eher gravierend, da das Vertrauen in andere Menschen grundlegend gebrochen werden kann. ,,Wie kann ein Mensch, der mir ursprünglich so gleicht, derartig schaden wollen und mir solchermaßen Schmerzen zufügen?’’

Traumatische Ereignisse natürlichen Ursprungs besitzen dagegen eine bestimmte Art von Anonymität: Nach Ruppert könnten wir der Natur nicht vorwerfen ,, [ … ] dass sie uns Menschen mit Absicht »Gewalt« antut [ … ] . ’’ Es hätte jede:n treffen können.20

2.2.2 Typ-I- und Typ-II-Traumen

Des Weiteren werden traumatische Ereignisse in Typ-I-Traumen und Typ-II-Traumen eingeteilt:

Typ-I-Traumen werden auch Schocktraumen genannt und gelten als einmalige und überraschende Ereignisse. Beispiele hierfür sind Verkehrsunfälle und Naturkatastrophen, ebenso Überfälle und Vergewaltigungen im Erwachsenenalter.

Susanne Altmeyer definiert Typ-I-Traumen als unerwartet; erwähnt hierfür beispielhaft das Geschehen vom 11. September 2001 (Terroranschläge auf das World Trade Center, New York). Typ-II-Traumen, beispielsweise Missbräuche psychischer wie sexueller Art, fänden dagegen oft regelmäßig und langjährig statt.21

2.3 Auswirkungen von Traumatisierungen

2.3.1 Folgestörungen

Jede Art von Traumatisierung kann akute oder länger anhaltende Störungen hervorrufen.22 Die psychischen Folgen von traumatischen Ereignissen werden im ICD-10 unter F.43 aufgeführt. Das Wort Trauma findet hier alleinig keine Bezeichnung, jedoch sind verschiedene Folgereaktionen aufgelistet:

- Akute Belastungsreaktion, F43.0
- Posttraumatische Belastungsstörung (im Folgenden PTBS, in englisch PTSD: posttraumatic stress disorder), F43.1
- Anpassungsstörung, F43.2 sowie
- Sonstige Reaktionen auf schwere Belastungen, F43.8.23

Bestimmte Anlagen und Faktoren wie das Alter, das soziale Umfeld und - bei personalen Traumen - das Verhältnis zu Täter:innen, wie auch die Persönlichkeit und die genetische Prädisposition der Betroffenen sind, neben der Art, Intensität und Dauer des traumatischen Geschehens und der danach verfügbaren Hilfe und Unterstützung ausschlaggebend für die Ver- und Aufarbeitung von traumatischen Erlebnissen.24

2.3.2 Symptomatologie von Traumatisierungen

Je nach Ursprung des Geschehens sind unterschiedliche Symptome möglich.

Nach der Kunsttherapeutin und Fachärztin Luise Reddemann sind bei traumatisierten Menschen häufig Störungen der Affektregulation25 aufzufinden. Dieses Problem, wie auch die Angst vor eigenen Gefühlen, führe oft zu dissoziativem Verhalten.26 Menschen mit Traumahintergrund hätten somit Probleme, ,,Ärger zu modulieren’’.27

Ebenso werden traumatische Affekte wie Gefühle von Verlassenheit und Hilflosigkeit erneut hervorgebracht. Darüber hinaus tauchen bei Betroffenen oft Dysfunktionen innerhalb des Selbstwertgefühls auf; Schuldgefühle sind sehr häufig vertreten.28 Eine Depression kann ebenfalls als Begleiterscheinung auftreten .

3. Bindungs- und Entwicklungstraumen

Ein Neugeborenes kommt völlig ungeschützt auf die Welt, kann sich ausschließlich durch Schreie verständigen. Es ist darauf angewiesen, dass nahestehende Bezugspersonen richtig wahrnehmen und deuten, was es gerade braucht und es damit versorgen und nähren.

Nicht nur die physischen Grundbedürfnisse wie Pflege und Versorgung durch Zufuhr von Nahrung und Flüssigkeit, sondern auch die psychischen und sozialen Bedürfnisse nach menschlicher Nähe und Spiegelung sind es, die im Gesamten wirken und einen sicheren Start ins Leben ermöglichen und damit die Grundlage für ein gefestigtes Sein und freudiges Explorieren in Sicherheit bieten.

Das Baby oder Kleinkind, welches sich noch nicht anhand eigener Worte ausdrücken und sich in verschiedensten Situationen selbst weder versorgen noch beruhigen kann, ist dementsprechend abhängig; es benötigt die volle Unterstützung der Mutter oder den Personen in seiner unmittelbaren Umgebung.29 Fehlt diese Beachtung in verschiedenen Situationen und aus bestimmten Gründen, etwa, weil die Mutter selbst überfordert ist oder das Kind im Nebenzimmer schreien lässt (zum Beispiel in der Annahme, dass dieses die genannten Umstände alleine bewältigen kann und sich selbst beruhigen wird), gerät das Kind in eine innerliche Not:

Ein Ausgeliefertsein unter diesen Umständen erzeugt Wut und Trauer und bedeutet viel Schmerz, Hilflosigkeit und Ohnmacht.30 Ein Säugling ist noch nicht in der Lage, den Hintergrund einer lebensbedrohlichen Situation zu erfassen. Das Wesen erlebt in solchen Situationen extreme Gefühle und macht die Erfahrung „ [ … ] dass niemand kommt, wenn es schreit, es erlebt sich in Leere und Einsamkeit.’’31 Diese bedrohlichen Zustände können weiter, bis hin zu extremer Rage ansteigen und auch zur Todesangst führen. Nach Franz Ruppert würde das Kind an späterer Stelle resignieren und Schmerzzustände abspalten, um weiter überleben zu können.32

3.1 Annäherung an eine Definition für Bindungs- und Entwicklungstraumen

„Frühe Traumata sind immer auch Existenztraumata, das heißt Traumata, bei denen unser physisches Überleben gefährdet ist. Sie umfassen die Zeit vor, während und unmittelbar nach der Geburt.“ 33

Auch wenn das Verständnis bezüglich verschiedener Traumata seit einigen Jahrzehnten immer mehr Anklang findet und wächst, gelten frühe Traumen immer noch nicht als eine eigenständige und anerkannte Diagnose. Zwar wird im ICD-10 von verschiedenen Symptomatiken und Traumafolgestörungen gesprochen, doch findet der Bezug zu anhaltenden traumatischen Symptomen, welchen ihren Ursprung im frühkindlichen Alter haben, weiterhin keinen Einzug in anerkannten Klassifikationssystemen. Somit passiert es, dass Menschen mit Entwicklungstrauma oft nicht erkannt und damit falsch eingestuft und behandelt werden.

Unter Anderem werden hierbei Fehldiagnosen wie ADHS34 und die bipolare Störung gestellt.35 Alle drei Krankheitsbilder können Konzentrationsschwächen, eine allgemeine Ruhe- und Strukturlosigkeit, Zustände der Überregung und intensive Gefühle aufweisen, doch unterscheiden sich grundlegend.36

3.2 Der Unterschied zwischen Entwicklungs- und Schocktrauma

Auf den ersten Blick ähneln sich Schock- und Entwicklungstrauma:

Betroffene beider Klassifizierungen können an Ängstlichkeit und Dissoziation als auch unter depressiven oder verschiedenen körperlichen Symptomen leiden und eine Tendenz zum Rückzug aufweisen. Jedoch unterscheiden sich die Ätiologie und Pathogenese37, die Traumadynamik wie auch die therapeutischen Vorgehensweisen zur Aufarbeitung der traumatischen Geschehnisse.38

3.2.1 Schocktrauma

Als Schocktrauma bezeichnet man ein einmaliges Erlebnis, welches überraschend geschieht und somit sehr überwältigend wirkt, sodass eine kontrollierte Informationsverarbeitung und eine ursprünglich ausgeführte Reaktion für eine Verteidigung nicht mehr gezielt ablaufen kann.39 Beispiele für Schocktraumen sind Vergewaltigungen und Gewalterfahrungen (oder ihr Versuch), zugleich Überfälle und Todes- sowie Autounfälle.

3.2.2 Entwicklungstrauma

Ein Entwicklungstrauma hingegen entsteht durch frühe lebensprägende Einflüsse und über einen längeren Zeitraum. ,,Entwicklungstraumen verursachen eine andauernde autonome Aktivierung, die irgendwann zum Muster und chronisch wird, was zu physiologischen und psychischen Entwicklungsdefiziten führt.“ 40 Konkrete Schocktraumen, keine zuverlässige Bindung und fehlendes Einfühlungsvermögen für das Kind sowie anhaltende Erfahrungen von Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung tragen nach Heller und LaPierre ebenfalls zu der Entstehung eines Entwicklungstraumas bei.41

3.3 Die Bindung zwischen Mutter und Kind - ein großer Baustein unseres Lebens

Die Bindung zwischen Mutter und Kind wird oft als eine Art unsichtbares, imaginäres Band beschrieben und als grundlegend für die Identitätsentwicklung des Kindes (und späteren Erwachsenen) gesehen.42 Doch die Bindung besteht nicht bei der Geburt, sie entwickelt sich erst im Laufe des Lebens und muss aktiv hergestellt werden43:

Nach John Bowlby, dem Begründer der Bindungstheorie44, hat das neugeborene Kind von Anfang an das ursprüngliche Bedürfnis, in bindungsrelevanten und signifikanten Situationen, etwa bei Müdigkeit oder Einsamkeit, die Nähe und den Kontakt zu einer vertrauten Bezugsperson zu suchen, um sich zu schützen und Zuwendung zu erfahren. Durch dieses Aufsuchen, welches sich im Weinen, Schreien oder Festklammern äußert, stellt der Säugling die Nähe zu Bezugspersonen sicher und kreiert damit ein interaktives Bindungssystem.45

Die Traumaexpertin Dami Charf beschreibt, dass das Erleben ,,eines harmonischen wechselseitigen Aufeinanderbezogenseins’’, eine freudige Interaktion in der Dyade zwischen Mutter und Säugling, gesichert sein muss. Diese Kommunikation wirke beruhigend und gäbe dem Kind Sicherheit.46 Auch nach Karin und Klaus Grossmann benötigt es emotionale Sicherheit für das Bindungsverhalten wie auch für das Explorationsverhalten des Kindes: ,,Beide Eltern geben nicht nur für seine frühe Entwicklung Sicherheit, sondern grundlegende psychische Sicherheit auch im Bereich seiner späteren kognitiven, sprachlichen und kulturellen Entwicklung. 47

Ebenfalls werden die erlebten Situationen aus der Kommunikation und Interaktion zwischen dem Kind und den Eltern mit der Zeit verinnerlicht. Das Erleben und Handeln zur Welt und der Blick auf diese wird durch die gemachten Erfahrungen verfärbt, sodass das Kind seine Beziehungserfahrungen als Spiegel für die Welt sieht.48

Bei frühkindlichen Traumatisierungen sind die Grundbedingungen von Schutz, Raum und Sicherheit nicht gegeben. Betroffene Kinder werden nicht ausreichend gesehen und in ihren Bedürfnissen oft alleingelassen. Somit lenken Angst und Unsicherheit das Empfinden und Verhalten. Demzufolge kann sich kein stabiles Fundament, keine gesunde Basis bilden, welche Voraussetzung für die Entwicklung von Urvertrauen ist und eine gesunde Entwicklung der Persönlichkeit bietet.49

Werden die Bedürfnisse des Kindes nicht erfüllt, kann es ebenfalls zu großen Frustrationen kommen (welche sich deutlich auf das spätere Befinden auswirken). Da Zustände von Angst, Wut und Schmerz für das noch nicht autonome Wesen zu bedrohlich wirken und nicht zu ertragen sind, muss das Kind diese Gefühle abspalten. Nur so kann es in der Beziehung bleiben und das Verhältnis zu den Eltern weiter bewältigen wie aufrechterhalten.

3.4 Verschiedene Bindungstypen und -muster

„Am Du werden wir erst zum Ich. “ — Martin Buber

Die Bindung zu unseren nahestehenden Bezugspersonen ist ausschlaggebend für unsere Empfindungen, unsere Beziehungsfähigkeit und unsere Lebensgestaltung.50 Eine Bindung kann sich - je nach Mutter-Kind-Beziehung und Erfahrungen innerhalb dieser - unterschiedlich entwickeln (und verschiedene Qualitäten beinhalten).51 Im Idealfall erweist sich eine adäquate Bindung als sicher und haltgebend, in ungünstigen Konstellationen (oder unter ungünstigen Bedingungen) als beispielsweise unbeständig oder nicht verlässlich.

Nach einer Längsschnittstudie, der bekannten und sogenannten Fremden Situation, von Bowlby und der kanadischen Psychologin Mary Ainsworth, konnten vier verschiedene Bindungstypen festgestellt werden. Die genannten Forscher:innen entdeckten zunächst drei Haupttypen: die unsicher-vermeidende Bindung (A-Typ), die sichere Bindung (B-Typ) und die unsicher-ambivalente Bindung (C-Typ).52 Mary Main fügte an späterer Stelle einen vierten Bindungsstil (D-Typ) hinzu: Die desorganisierte Bindung, welche auch als unsicher-desorientierte Bindung bezeichnet wird.53

Da Menschen mit Entwicklungstrauma vor allen Dingen von starker Einsamkeit, Vernachlässigung, wie auch nicht kindgerechten Umständen geprägt werden, sind unsichere, ambivalente und desorganisierte Bindungen die Folge. So bilden sich Bindungs- und Beziehungsstörungen und -dynamiken, welche sich auch später im Leben bemerkbar machen und das In-Kontakt-Gehen mit der Welt sowohl dazugehörige Verbundenheits- oder Willkommensgefühle (mit sich, wie auch mit anderen) deutlich erschweren.54

3.5 Ätiologie - Ursachen und Hintergründe von Entwicklungstraumen

Wie bisher schemenhaft angedeutet, gibt es unterschiedliche, nicht kind- oder menschengerechte, Gründe für die Entstehung von Bindungs- und Entwicklungstraumen:

- Eine fehlende, unzureichende oder unsichere Bindung (unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent oder unsicher-desorganisiert)
- Trennung und Isolation von der Mutter (beispielsweise durch einen längeren Krankenhausaufenthalt oder die Abgabe ins Kinderheim) sowie Verlust der Mutter durch Tod
- Vernachlässigung jeglicher Art - zu wenig Versorgung, keine oder wenig Berührung und Zuwendung, seltene Kuscheleinheiten. Außerdem unzureichende und unzulängliche Regulation und Unterstützung, Beruhigung oder Aktivierung des Kindes. Ebenfalls fehlende Beachtung und Spiegelung: Das Kind wird in seinem eigenen individuellen Wesen nicht erkannt oder wird beispielsweise nicht für das, was es ist, wertgeschätzt.
- Alleinsein und Alleingelassen werden, kein Halt bei“schwierigen“ oder“starken“ Gefühlen wie beispielsweise Wut oder Angst. Das Kind ist auf sich allein gestellt und seinen Gefühlen ausgeliefert.
- Nichtbeachtung oder Belächeln von Kummer und Schmerz. Ebenso Unterdrückung, häufige Kritik und Bloßstellung oder Ausschluss und Ablehnung seitens der Eltern. Beispielsweise wenn dasKind weder seine Gefühle noch Bedürfnisse zum Ausdruck bringen darf.
- Traumatisierte und überforderte Eltern, die aufgrund ihrer eigenen Geschichte oder einer stressigen Phase die Bedürfnisse des Kindes falsch deuten und übergehen, diese nicht erfüllen oder beantworten können.
- Ebenso Eltern, die sich schnell angegriffen fühlen, dysreguliert sind oder ihre eigenen Erlebnisse projizieren (eigene Gefühle an Kindern auslassen und damit beispielsweise eine Parentifizierung55 des Kindes ermöglichen)
- Gewalterfahrungen, ebenso wie Androhung oder Bestrafung durch Schläge, Ein- und Aussperrung, oder das Zwingen zur Ruhe, wenn das Kind versucht, sich mitzuteilen (wie es sich fühlt). Außerdem Vergewaltigung und emotionaler sowie sexueller Missbrauch
- Bedrohliche Atmosphäre innerhalb der Familie - ständiger Streit, explosive, impulsive, ambivalente oder unberechenbare Eltern (fehlende Einschätzbarkeit von Gefühlen, Reaktionen und Handlungen der Bezugspersonen)
- Suchterkrankungen eines Elternteils oder beider Elternteile56

Die Liste der Ursprünge, ebenso der möglichen Symptome und Folgestörungen, ist lang.

3.6 Symptomatologie von Entwicklungstraumen

Dami Charf erwähnt im Rahmen von Traumatisierungen viele Herausforderungen, die durch Übererregung oder extreme Untererregung entstehen können.57 Beispielsweise nennt Charf Symptome, welche ausgelöst werden durch innerliche Unruhe: Angst und Panik, Sprung- und Schreckhaftigkeit, Rastlosigkeit, Konzentrationsprobleme und Schlafstörungen.

Viele der Betroffenen leiden auch an Wutanfällen und Impulskontrollstörungen, Depressionen und, damiteinhergehend: Erschöpfungszuständen. Zusätzlich betont Charf die Abspaltung des eigenen Körpers: Durch den fehlenden Bezug könnten eigene Bedürfnisse wenig gespürt und erfüllt werden; Gefühle flachen ab. Eine starke intellektuelle Herangehensweise wäre, neben einer Verfärbung der Wahrnehmung, repräsentativ und recht charakteristisch. Starke Wechsel zwischen Über- und Untererregung wären ebenfalls möglich.58

Laurence Heller und Aline LaPierre, Autor:innen des Buchs ,,Entwicklungstrauma heilen’’ nennen folgende Hauptsymptome bei Bindungs- und Entwicklungstraumen:

- ein ständiges Bedrohtheitsgefühl (somit ein Leben in erhöhter Wachsamkeit: Die Wahrnehmung ist auf Gefahr gepolt, dementsprechend herrscht dauerhafte Anspannung)
- hohe Erregung (Übererregungszustände, z.B. erhöhte Wachheit, Nervosität, Rastlosigkeit)
- eine verhinderte Kampfreaktion (sich nicht wehren können, Ohnmachtsgefühle)
- Erstarrung und Dissoziation, Betäubung, Fragmentierung, Abspaltung
- Aggressionen, gegen sich selbst oder andere gerichtet (ebenso Resignation)
- insgesamt eine gedämpfte Lebendigkeit.

Diese Zustände können ebenfalls gleichzeitig auftreten und sich wechselseitig verstärken.59

Die Psychotraumatolog:innen Onno van der Hart, Ellert R. S. Nijenhuis und Kathy Steele haben in ihrem Buch „Das verfolgte Selbst:Strukturelle Dissoziation und die Behandlung chronischer Traumatisierung“ viele der rudimentären60 - also mangelhaft ausgebildeten - Fähigkeiten von Menschen mit Entwicklungstrauma zusammengetragen. Unter Anderem wird von den Autor:innen, wie auch häufig von anderen Expert:innen, im Zusammenhang mit Entwicklungstrauma, eine fehlende Fähigkeit zur Regulation von Gefühlen und Erregungszuständen genannt.61

Menschen mit frühem Traumahintergrund besitzen nach Van der Hart, Nijenhuis und Steele ebenso folgende Schwierigkeiten in folgenden Kompetenzen:

- psychophysiologische Regulation (Steuerungsfähigkeit von Hyper- & Hypoarousal-Zuständen)
- Energiemanagement
- Toleranz- und Steuerfähigkeit von Affekten, Impulsen und anderen mentalen Handlungen
- Regulationsfähigkeit unangenehmer Emotionen wie Selbsthass, Scham- und Schuldgefühle sowie intensiver Emotionen wie Wut und Traurigkeit, Einsamkeit oder Sehnsucht
- Leidensfähigkeit (distress tolerance) und Toleranzfähigkeit (z.B. bezüglich Alleinsein)
- Selbstberuhigung
- Beherrschung von Entspannungs- und Stressmanagementtechniken
- Fähigkeit, Erlebtes zu symbolisieren und auszudrücken
- Entwicklung eines Wortschatzes für innere und relationale Erlebnisse
- Suche nach Trost und Unterstützung von Anderen
- Wahrnehmung und Äußerung von eigenen Bedürfnissen
- Festlegung, Aussprache und Aufrechterhaltung persönlicher Grenzen
- Relationale Fertigkeiten wie die Mentalisierung und Entwicklung von Metakognition (zutreffendes Wahrnehmen und Verstehen eigener Motive und Absichten anderer Menschen)
- Fähigkeit zur Empathie, Fähigkeit zur Kooperationen und Verhandlung
- Selbstsicherheitskompetenzen, soziale Kompetenzen, elterliche Kompetenzen
- Fähigkeit, die Wirklichkeit gesondert von den eigenen Verfärbungen wahrzunehmen, in Distanz zu sich gehen
- Fähigkeit, die interozeptive von der exterozeptiven Realität zu unterscheiden
- Fähigkeit, die Gegenwart von der Vergangenheit und Zukunft zu unterscheiden
- Fähigkeit, präsent zu sein (Präsentifikation und Aufmerksamkeit)
- Zeitmanagement-, Problemlösungs- und Organisationskompetenzen
- Fähigkeit, Prioritäten zu setzen
- Aufmerksamkeitskompetenzen
- Aufrechterhaltung von Konzentration und Fokus innerhalb unterschiedlicher Handlungen
- und einige Weitere.62

3.7 Entwicklungstrauma und mögliche Folgestörungen

Manche Traumaforscher:innen sehen Entwicklungstraumen als Mutter aller Krankheiten und Störungen.63 Sicherlich bilden frühe Traumen die Grundlage für viele Folgesymptome und weitere psychische Störungen. Unter Anderem finden sich hierbei die PTBS, das Borderlinesyndrom und Selbstverletzungen. Ebenfalls treten Essstörungen, Angststörungen oder Suchterkrankungen auf. Gleichermaßen möglich sind Zwangsverhalten64 wie auch der Hang zu übersteigerten sexuellen Aktivitäten, Leistungsdruck oder Arbeitssucht. Alpträume und Depressionen sowie depressive Symptome sind ebenso nicht selten. Des Weiteren kann es zu narzisstischen oder zu dissoziativen Störungen und Tendenzen und der sogenannten multiplen Persönlichkeitsstörung (heute: dissoziative Identitätsstörung) kommen, zugleich auch zu Bindungs- und Beziehungsstörungen. Mit letzteren tauchen auch Abhängigkeitstendenzen, toxische oder destruktive Beziehungen und dazugehörige -dynamiken, starke Verlustängste und die Angst vor verfügbarer Nähe (verlässliche Beziehungen auf Augenhöhe) auf.65

3.8 Regulation und Co-Regulation

Zustände der Über- oder Untererregung sind oft auf Dysregulationen und eine fehlende Fähigkeit zur Regulation, welche repräsentativ für Menschen mit Entwicklungstrauma ist, zu führen. Dies liegt in der Ursache begründet, dass Menschen mit frühem Trauma keine Co-Regulation durch ihre verantwortlichen Bezugspersonen erfahren durften und somit nicht lernen konnten, sich selbst zu beruhigen.66

Bei der Co-Regulation geht es nach Charf um ,,[…] eine tiefe menschliche Einstimmung der Bezugsperson auf das Kind’’.67 In der Regel übernimmt die Mutter die Co-Regulation für dieses. Da sich das Nervensystem eines Babys im Aufbau befindet und grundlegende Vernetzungen noch gebildet werden müssen, kann es sich selbst nicht beruhigen. Es braucht jemanden, der sich ihm ganz widmet, damit es sich wieder besänftigen kann.

Die Aufgabe beider Elternteile ist es daher, präsent und erreichbar zu sein und das Kind durch körperliche Nähe und emotionale Zuwendung zu versorgen. Ebenso wichtig ist es, die Schmerzen und Gefühle des Kindes wahr- und ernst zu nehmen.

Erst dieses Handeln mache Co-Regulation möglich, so Dami Charf.68

Kleinkinder nehmen die Stimmungen der Eltern sehr fein wahr. Sind diese beispielsweise genervt oder abgelenkt, obwohl ein Kind ihre Hilfe benötigt, gerät dieses in noch stärkere Aufregung. Co-Regulation gelingt dann nur selten.

Gleichermaßen schlimm ist es, wenn die Mutter emotional nicht verfügbar oder oft traurig und damit selbst nicht gut reguliert ist. Das Kind sieht sich selbst als Auslöser, bezieht den Stress auf sich und glaubt, dass etwas Grundlegendes an ihm falsch sei.69

Wird das Kind in unangenehmen Erregungszuständen wie - exempli causa - Anspannung oder Angst alleine gelassen, kommt es zu extrem verängstigenden und lebensbedrohlichen Gefühlen, welche aufgrund der Eigenschaften von Traumatisierungen emotional nicht verarbeitet und demnach auch körperlich nicht abgebaut werden können. Diese Über- und Untererregungsausschläge führen bei starker Abundanz70 zu Regulationsstörungen.

Charf betont daher nicht nur eine notwendige Regulierung durch die Feinfühligkeit der Mutter sondern auch ein angemessenes Angebot an Aktivität, welches anregen, aber nicht übermäßig stimulieren oder überfordern sollte.71

4. Traumatische Erfahrungen und ihre Auswirkungen auf das Gehirn

Der österreichisch-amerikanische Psychoanalytiker René Arpad Spitz wies bereits in der Mitte des letzten Jahrhunderts nach, ,,dass deprivierte Kinder ein ganz erheblich vermindertes Dendritenwachstum72 aufweisen und somit eine deutlich verringerte graue Substanz“ besitzen.73 Viele Untersuchungen der Neurowissenschaft, Entwicklungspathologie und interpersonellen Neurobiologie konnten sichtbar machen, dass traumatische Ereignisse zu physiologischen Veränderungen führen und sich ,,negativ auf den Bereich im Gehirn auswirken, welcher das physische verkörperte Empfinden des Lebendigseins vermittelt’’.74

Nach Bessel van der Kolk wirken traumatische Situationen auf das Alarmsystem des Gehirns ein. Derartige Ereignisse führen zu einer verstärkten Ausschüttung von Stresshormonen und Veränderungen im System, welches in der Regel relevante Informationen von irrelevanten unterscheidet. Diese Veränderungen würden erklären, warum traumatisierte Menschen auf gefährliche Situationen oft mit Hypervigilanz75 reagieren würden und im Alltag nur schwer spontan handeln könnten.76

Auch die Kinderpsychologin Dorothea Weinberg greift diese Inhalte auf und nimmt hierbei Bezug zu den Forschungen des Psychoanalytikers Allan N. Schore:

Für gewöhnlich bestehen ’’gute’’ Verknüpfungen zwischen dem autonomen Nervensystem, dem Arousal-System77, der Amygdala78 und dem sogenannten orbitofrontalem System79 innerhalb des Gehirns. Sind diese Verknüpfungen adäquat ausgebildet, kann der Mensch durch das orbitofrontale System sicher zwischen gegenwärtigen und vergangenen sowie inneren und äußeren Informationen unterscheiden. Des Weiteren erlauben derartige Verknüpfungen ein Anpassen an neue wie auch ungewisse Situationen und ermöglichen ein flexibles Handeln in diesen. Bei schwierigen Bindungserfahrungen bildet die rechte Gehirnhälfte ,,einen viel intensiveren Zusammenschluss’’ zwischen dem vegetativen Nervensystem80, dem Arousol-System und dem limbischen System81 als die linke Hirnhälfte. Die rechte Hirnhälfte behält so ,,die Dominanz in der Verarbeitung von sozialen, emotionalen und körperlichen Informationen und Reizen’’, sodass Menschen mit Traumahintergrund Schwierigkeiten in der Regulation von Stress- und Übererregungszuständen aufweisen.82

[...]


1 Lang, T. (2013) in: Lang, B., Schirmer, C., Lang, T., et al. (2013): Traumapädagogische Standards in der stationären Kinder- und Jugendhilfe. Weinheim et al.: Beltz Juventa Verlag. S. 187.

2 Ich bemühe mich um eine gendergerechte Sprache: Falls eine bestimmte Formulierung einmal schwieriger zu gestalten sein sollte, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass stets Menschen alle Geschlechter, wie auch jene, welche sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, angesprochen werden.

3 Zugunsten einer einfacheren Lesbarkeit werden innerhalb der vorliegenden Arbeit auch die Begriffe ,Bindungstrauma’und ,frühes Trauma’als Synonyme für den Begriff ,Entwicklungstrauma’gebraucht.

4 Mangel, Verlust, Isolation, Entbehrung oder Entzug von etwas Erwünschtem; Liebesentzug

5 Heller, L., LaPierre, A. (2012): Entwicklungstrauma heilen, Alte Überlebensstrategien l ö sen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken. München: Kösel-Verlag. S. 169.

6 Vgl., ebd., S. 169.

7 Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme - ein weltweit anerkanntes Klassifikationssystem für psychische Störungen

8 Auch im kunsttherapeutischen Setting! Vgl. Reddemann, L. in: Von Spreti, F., Martius, P., Förstl, H. (Hrsg.) (2005): Kunsttherapie bei psychischen St ö rungen. München: Urban & Fischer Verlag (Imprint der Elsevier GmbH). S. 139. Hierfür eignet sich beispielsweise die Weiterbildung ,,Psychoimaginative Traumatherapie’’ (PITT) von Luise Reddemann.

9 Beschreibung der Ursachen einer Krankheit

10 Bilder und andere kunsttherapeutische Ergebnisse werden im Folgenden ebenfalls mit den Synonymen ’’ Werk ’’ oder ’’ Gestaltungen ’’ betitelt.

11 Vgl. Altmeyer, S. in: Trost, A., Schwarzer, W. (2005): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, für psycho-soziale und pädagogische Berufe. 3. Auflage. Dortmund: borgmann publishing KG. S. 335.

12 Vgl., ebd., S. 335.

13 Vgl. Reddemann, L. in: Von Spreti, F., Martius, P., Förstl, H. (Hrsg.) (2005): Kunsttherapie bei psychischen Störungen. München: Urban & Fischer Verlag (Imprint der Elsevier GmbH). S. 135.

14 Fischer, G., Riedesser, P. (2013): Lehrbuch der Psychotraumatologie. 4. Auflage. München et. al.: Reinhardt Verlag (utb Verlage). S. 84.

15 Vgl. Ruppert, F. (2015): Frühes Trauma. Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre. 2. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 19.

16 beispielsweise ein Autounfall

17 Vgl. Altmeyer, S. in: Trost, A., Schwarzer, W. (Hrsg.). (2005): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, für psycho-soziale und pädagogische Berufe. 3. Auflage. Dortmund: borgmann publishing KG. S. 335.

18 Vgl. Reddemann, L. in: Von Spreti, F., Martius, P., Förstl, H. (Hrsg.) (2005): Kunsttherapie bei psychischen Störungen. München: Urban & Fischer Verlag (Imprint der Elsevier GmbH). S. 135.

19 Vgl., ebd., S. 135.

20 Vgl. Ruppert, F. (2015): Frühes Trauma, Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre. 2. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 21.

21 Vgl. Altmeyer, S. in: Trost, A., Schwarzer, W. (Hrsg.), (2005): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, für psycho-soziale und pädagogische Berufe. 3. Auflage. Dortmund: borgmann publishing KG. S. 336.

22 Vgl., ebd. S. 336.

23 Vgl. Altmeyer, S. in: Trost, A., Schwarzer, W. (Hrsg.), (2005): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, für psycho-soziale und pädagogische Berufe. 3. Auflage. Dortmund: borgmann publishing KG. S. 340 - S. 343.

24 Vgl., ebd., S. 339f.

25 fehlende Emotionsregulation, keine Impulskontrolle

26 Dissoziation ist ein Schutzmechanismus der Psyche (ähnlich eines Trancezustandes), bedeutet die Trennung und Abspaltung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten

27 Vgl. Reddemann, L. (2005): Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie, PITT - Das Manual. 3. Auflage. Stuttgart: Pfeiffer (bei Klett-Cotta). S. 33 - S. 35.

28 Vgl. Reddemann, L. in: Von Spreti, F., Martius, P., Förstl, H. (Hrsg.) (2005): Kunsttherapie bei psychischen Störungen. München: Urban & Fischer Verlag (Imprint der Elsevier GmbH). S. 135.

29 Der Begriff “Mutter“ kann ebenfalls mit Vater und anderen nahestehenden Bezugspersonen ersetzt werden. Die Mutter-Kind-Bindung ist jedoch allein durch die Schwangerschaft eine ganz besondere.

30 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden können heilen. München: Kösel-Verlag. S. 26.

31 Vgl. Garbe, E. (2015): Das kindliche Entwicklungstrauma - Verstehen und bewältigen. Stuttgart: Klett-Cotta S. 46.

32 Vgl. Ruppert, F. (2015): Frühes Trauma, Schwangerschaft, Geburt und erste Lebensjahre. 2. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 19.

33 Broughton, V. (2016): Zurück in mein Ich. München: Kösel-Verlag. S. 46.

34 ADHS - Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

35 Vgl. Heller, L., LaPierre, A. (2012): Entwicklungstrauma heilen, Alte Überlebensstrategien l ö sen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken. München: Kösel-Verlag. S. 169.

36 Vgl., ebd. S. 169. Und: http://www.adhs-deutschland.de/Home/Unser-Angebot/Rezensionen/Rezensionen-Fuer-Erwachsene/Emotionsregulation-von-Erwachsenen-mitADHS.aspx#:~:text=So%20zeigten%20ADHS%2DBetroffene%20eine,ihren%20Emotionen%20%C3%BCberflutet%20zu%20werden. - Abrufdatum: 16.06.2021, 21:31 Uhr.

37 Entstehung einer physischen oder psychischen Erkrankung oder der Verlauf eines krankhaften Prozesses bis hin zu einer Erkrankung

38 Vgl. Heller, L., LaPierre A. (2012): Entwicklungstrauma heilen, Alte Überlebensstrategien l ö sen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken. München: Kösel-Verlag. S. 385.

39 Vgl., ebd., S. 167.

40 Ebd., S. 167.

41 Vgl. Heller, L., LaPierre, A. (2012): Entwicklungstrauma heilen, Alte Überlebensstrategien l ö sen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken. München: Kösel-Verlag. S. 167f.

42 Vgl. Grossmann K., Grossmann, K. E. (2006): Bindungen - Das Gefüge psychischer Sicherheit. 3. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 68. Und: Bowlby, J. (1969, 1982, 1973, 1979) in: Brisch, K. H., Grossmann K. E., Grossmann K. et al. (2010): Bindung und seelische Entwicklungswege. Grundlagen, Prävention und klinische Praxis. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 125 .

43 Vgl. Grossmann K., Grossmann, K. E. (2006): Bindungen - Das Gefüge psychischer Sicherheit. 3. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 69.

44 Die Bindungstheorie fasst Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie und der Bindungsforschung zusammen. Diese belegen unter Anderem, dass Menschen ein angeborenes Bedürfnis haben, enge Beziehungen zu anderen Mitmenschen aufzubauen.

45 Vgl. Endres, Manfred in: Bowlby, J.(2010): Frühe Bindung und kindliche Entwicklung. 6. Auflage. München: Ernst Reinhardt GmbH und Co. KG. S. 7.

46 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 51.

47 Grossmann K., Grossmann, K. E. (2006): Bindungen - Das Gefüge psychischer Sicherheit. 3. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 54.

48 Vgl. Grossmann K., Grossmann, K. E. (2006): Bindungen - Das Gefüge psychischer Sicherheit. 3. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 54f.

49 Vgl. Längle, A. (2005): Pers ö nlichkeitsst ö rungen und Traumagenese. In: Existenzanalyse 22, 2, 4 - 18. S. 6ff.

50 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 62f.

51 Vgl. Endres, Manfred in: Bowlby, J. (2010): Frühe Bindung und kindliche Entwicklung. 6. Auflage. München: Ernst Reinhardt GmbH und Co. KG. S. 7f.

52 Vgl. Siegel, D. J. (2006): Wie wir WERDEN die wir SIND. Paderborn: Jungfermann. S. 89 - S. 91.

53 Vgl. Weinberg, D. (2017): Psychotherapie mit komplex traumatisierten Kindern, Behandlung von Bindungs- und Gewalttraumata der frühen Kindheit. 4. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 25.

54 Vgl. Huber, M. (2009): Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung. 4. Auflage. Paderborn: Junfermann Verlag. S. 101f.

55 Rollenumkehr zwischen Eltern und Kind

56 https://institut-traumatherapie.de/bindungs-bzw-entwicklungstrauma/ Abrufdatum: 11.07.2021, 13:12 Uhr. Und: https://www.traumatherapie-koeln.com/entstehung-von-entwicklungstraumata/ Abrufdatum 09.07.2021, 12:23 Uhr. Sowie: Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 26f.

57 Hierauf werde ich noch einmal gesondert in Kapitel 4.2, (S. 23) eingehen.

58 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 29 - S. 33.

59 Vgl. Heller, L., LaPierre, A. (2012): Entwicklungstrauma heilen, Alte Überlebensstrategien l ö sen - Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken. München: Kösel-Verlag. S. 184.

60 in Ansätzen, unvollständig, unzureichend ausgeprägt

61 Vgl. Van der Hart, O., Nijenhuis E., Steele K. (2008): Das verfolgte Selbst:Strukturelle Dissoziation und die Behandlung chronischer Traumatisierung. Paderborn: Junfermann. S. 295 - S. 299.

62 Vgl. Van der Hart, O., Nijenhuis E., Steele K. (2008): Das verfolgte Selbst:Strukturelle Dissoziation und die Behandlung chronischer Traumatisierung. Paderborn: Junfermann. S. 295 - S. 299.

63 https://traumaheilung.de/entwicklungstrauma/ Abrufdatum: 15.08.2021, 12:02 Uhr.

64 beispielsweise Kontrollzwänge, Perfektionismus, zwanghaftes Sauberkeitsbedürfnis, besondere Alltagsrituale, zwanghafte oder ritualisierte Bewegungen

65 Vgl. Garbe, E. (2015): Das kindliche Entwicklungstrauma - Verstehen und bewältigen. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 37 - S. 41.

66 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 49f.

67 Vgl., ebd. S. 49.

68 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 49.

69 Vgl., ebd. S. 48f.

70 Häufigkeit, Überfluss

71 Vgl. Charf, D. (2018): Auch alte Wunden k ö nnen heilen. München: Kösel-Verlag. S. 48 - 52.

72 Dendriten sind Zellfortsätze von Nervenzellen, die aus dem Zellkörper hervorgehen und vorwiegend der Reizaufnahme dienen.

73 Vgl. Weinberg, D. (2017): Psychotherapie mit komplex traumatisierten Kindern, Behandlung von Bindungs- und Gewalttraumata der frühen Kindheit. 4. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 70.

74 Vgl. Van der Kolk, B. (2015): Verk ö rperter Schrecken. Lichtenau: G.P. Probst Verlag. S. 11.

75 erhöhte Wachsamkeit und Wachheit

76 Vgl. Van der Kolk, B. (2015): Verk ö rperter Schrecken. Lichtenau: G.P. Probst Verlag. S. 11.

77 Aktivierungs- oder Erregungssystem im autonomen Nervensystem

78 sog. ,,Mandelkern’’ im limbischen System des Gehirns. Unter anderem zuständig für das Erkennen von Gefahren, die emotionale Bewertung sowie Wiedererkennung von Situationen.

79 unter anderem zuständig für die Verarbeitung von Reizen aus der sozialen Umgebung wie auch verantwortlich für die Regulation von emotionalen Zuständen

80 auch autonomes Nervensystem genannt, ständig aktiv und reguliert u. a. Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel. Regelt die Abläufe im Körper, die nicht willentlich gesteuert werden können,

81 alter Teil des Gehirns, der sich aus mehreren Strukturen zusammensetzt. U. a. zuständig für die Steuerung von Antrieb, Gedächtnis und Emotionen ist. Ebenso verantwortlich für die Nahrungsaufnahme, Verdauung und Fortpflanzung.

82 Vgl. Schore (2002) in: Weinberg, D. (2017): Psychotherapie mit komplex traumatisierten Kindern, Behandlung von Bindungs- und Gewalttraumata der frühen Kindheit. 4. Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 70f.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Bindungs- und Entwicklungstraumen und die Stärkung von Betroffenen durch kreativ-soziale Arbeit. Beispiele für kunsttherapeutische Interventionen
Hochschule
Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
75
Katalognummer
V1183166
ISBN (Buch)
9783346608888
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunsttherapie, Kunst im Sozialen, Bindung, Bindungsangst, Bindungsstörung, Ressourcen, ressourcenorientiert, Kreativtherapie, Traumatherapie, Ressourcenarbeit, Bindungstrauma, Entwicklungstrauma, Frühes Trauma, Symbiosetrauma, Entwicklungsstörungen, Trauma, Traumaarbeit, Traumata, Traumen, Somatic Experience, Peter Levine, Dami Charf, Kunstpädagogik, Kraftquellen, Kunst, Regulation, Regulationsstörung, frühe Traumatisierung, Verbindung, Schocktrauma, Bowlby, Nervensystem, Toleranzfenster, Verhaltenstherapie, Luise Reddemann, Imagination, Fantasiereisen, Körperarbeit, Therapeutische Beziehung, Überlebende, Missbrauch, Deprivation, Hospitalisierung, Gewalt, Vernachlässigung, Selbstregulation, Emotionsregulation, Übererregung, Untererregung, Depression, Traumabehandlung, Liebestrauma, kreative Traumatherapie, personales Trauma, Typ-II-Trauma, Existenztrauma, Traumafolgestörungen, Impulskontrollstörungen, Retraumatisierung, Co-Regulation, Therapie, Kunsttherapeutin, kreative Begleitung, Nachnährung
Arbeit zitieren
Nadine C. Balke (Autor:in), 2021, Bindungs- und Entwicklungstraumen und die Stärkung von Betroffenen durch kreativ-soziale Arbeit. Beispiele für kunsttherapeutische Interventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183166

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