Konnte es wirklich sein, dass ein Mann die Geschicke der Polis Athen und später der vereinten Griechen allein lenkte?
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Themistokles wirklich als der listenreiche und manipulierende Retter der Griechen angesehen werden kann oder ob er doch eher ein im Nachhinein unverhältnismäßig gewürdigter oder sogar verherrlichter Politiker war.
Dazu werden zunächst in einem Quellenkapitel die von den antiken Autoren Herodot, Plutarch sowie Diodor verfassten Quellen nach ihrem Wert für die Hausarbeit untersucht. Anschließend sollen sie verschiedene Anhaltspunkte für die Argumentation zur Verfügung stellen. Der erste Teil der Hausarbeit beschäftigt sich daher mit dem Leben des Themistokles, seiner Rolle in Athen und vor allem beim Flottenbauprogramm der Athener um 483/2 vor Christus. Hierbei sollen sein politischer Einfluss und sein Vorgehen genau untersucht werden. Anschließend geht es um die Orakelbefragungen der Athener in Delphi und deren Deutung. Dieser Teil wird der Frage auf den Grund gehen, ob Themistokles das Orakel manipulieren und für seine Zwecke weissagen lassen konnte. Im dritten Teil der Arbeit wird dann die Vorgeschichte der Schlacht bei Salamis näher betrachtet, um auf Themistokles’ berühmteste List und seine Überredungskunst näher einzugehen. Insgesamt werden damit die wichtigsten Handlungen des athenischen Politikers bis zum Jahr 480 vor Christus bearbeitet, wodurch die Fragestellung im Fazit beantwortet werden kann.
Neben der Quellenarbeit ist für die Hausarbeit der Althistoriker Wolfgang Blösel besonders einschlägig. Seine Monographie Themistokles bei Herodot: Spiegel Athens im fünften Jahrhundert ist nicht nur ausgesprochen textnah, sondern stellt auch eine genaue Analyse des Themistokles, wie ihn Herodot beschreibt, zur Verfügung. Im folgenden Kapitel soll es jedoch zunächst um die Einordnung der in der Hausarbeit verwendeten Quellen gehen, indem ihr Wert an sich und ihre Bedeutung für die Arbeit offengelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herodot, Plutarch und Diodor - Themistokles bei antiken Autoren
3. Der Politiker - Themistokles’ Rolle beim Flottenbau der Athener
4. Die Athener in Delphi - manipulierte Orakelbefragungen?
5. Die Perser auf dem Vormarsch - Themistokles’ Überredungskunst und die berühmte List vor der Schlacht bei Salamis
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die historische Rolle des athenischen Politikers Themistokles während der Perserkriege. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob Themistokles als der listenreiche "Retter der Griechen" betrachtet werden kann oder ob dieses Bild das Ergebnis einer nachträglichen antiken Heroisierung und Verherrlichung darstellt.
- Historische Quellenkritik der Werke von Herodot, Plutarch und Diodor.
- Die Rolle des Flottenbauprogramms um 483/2 v. Chr. für Athens Aufstieg zur Seemacht.
- Untersuchung der vermuteten Manipulation des Orakels von Delphi durch Themistokles.
- Analyse der Überredungskunst und der strategischen List vor der Schlacht bei Salamis.
- Differenzierung zwischen dem mythologisierten Heldenbild und dem tatsächlichen politischen Handeln.
Auszug aus dem Buch
Die Perser auf dem Vormarsch - Themistokles’ Überredungskunst und die berühmte List vor der Schlacht bei Salamis
Die ersten beiden Kapitel haben gezeigt, dass Themistokles mithilfe seiner Worte und seines Kalküls nicht nur die Politik in Athen beeinflussen, sondern sogar das Orakel von Delphi manipulieren konnte. Außerdem wurden bereits die Dramaturgie in Herodots Historien und einige Anhaltspunkte für die Idealisierung von Themistokles durch Plutarch offensichtlich. Dieses Kapitel widmet sich daran anknüpfend zunächst dem Zusammenschluss der Griechen im Herbst 481 vor Christus und anschließend den Geschehnissen vor der Schlacht bei Salamis ein Jahr später.
Wie im ersten Kapitel bereits dargelegt wurde, trugen nach der Schlacht bei Marathon viele griechische Poleis Konflikte untereinander aus bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Da die Perser jedoch schon weit vorgerückt waren und einige Griechen sich Xerxes bereits angeschlossen hatten oder von ihm unterworfen wurden, bildeten die verbliebenen Poleis eine erneute Allianz. Während Herodot diesen Zusammenschluss nur kurz erwähnt und nicht näher darauf eingeht (Hdt. 7, 132 u. 145), schreibt Plutarch: „Das Größte jedoch, was [Themistokles] erreichte, war die Beilegung der hellenischen Bruderkriege und die gegenseitige Versöhnung der Städte.“ (Plut. Themistokles 6) Plutarch sieht demnach Themistokles als die Schlüsselfigur hinter dem neuen griechischen Zusammenhalt. Dagegen spricht allerdings, dass die Bedrohung durch die Perser alle widerstandswilligen Griechen betraf und die Allianz ein Schritt militärischer Notwendigkeit war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, ob Themistokles ein listenreicher Retter oder ein nachträglich verherrlichter Politiker war und erläutert das methodische Vorgehen.
2. Herodot, Plutarch und Diodor - Themistokles bei antiken Autoren: Dieses Kapitel analysiert den historischen Wert der zentralen antiken Quellen und reflektiert deren subjektive Darstellungsweisen.
3. Der Politiker - Themistokles’ Rolle beim Flottenbau der Athener: Der Fokus liegt auf Themistokles' Einfluss auf das Flottenbauprogramm und der kritischen Hinterfragung der plutarchischen Anekdoten über seine Jugend und Karriere.
4. Die Athener in Delphi - manipulierte Orakelbefragungen?: Hier wird untersucht, ob Themistokles das delphische Orakel gezielt für seine militärischen Strategien beeinflusst haben könnte.
5. Die Perser auf dem Vormarsch - Themistokles’ Überredungskunst und die berühmte List vor der Schlacht bei Salamis: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle von Themistokles bei der Allianzbildung und seine entscheidende List zur Herbeiführung der Schlacht bei Salamis.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Themistokles zwar eine machtbewusste historische Figur war, sein Bild als alleiniger Retter jedoch maßgeblich durch die antike Geschichtsschreibung konstruiert wurde.
Schlüsselwörter
Themistokles, Perserkriege, Herodot, Plutarch, Salamis, Athen, Flottenbau, Orakel von Delphi, antike Quellenkritik, Manipulation, Politik, Strategie, Heroisierung, griechische Allianz, Seemacht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Person des Themistokles und hinterfragt kritisch, ob er tatsächlich der alleinige Retter der Griechen während der Perserkriege war oder ob dieses Bild eine historische Überzeichnung darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle der antiken Geschichtsschreibung (Herodot, Plutarch, Diodor), die athenische Marinepolitik, die Manipulation politischer und religiöser Instanzen sowie die Entstehung historischer Mythen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der in antiken Quellen gezeichneten Heldenfigur und dem tatsächlichen politischen Handeln des Themistokles unter Verwendung moderner Forschungsliteratur aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, bei der antike Texte mit aktuellen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen abgeglichen und auf ihre Objektivität hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Flottenbauprogramm, die Orakelbefragungen in Delphi, die Rolle bei der Bündnisbildung der Griechen und die strategischen Listen vor der Schlacht bei Salamis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Themistokles, Perserkriege, Quellenkritik, Manipulation, Seemacht und antike Historiographie.
Wie bewerten die antiken Quellen Themistokles im Vergleich zu modernen Forschern?
Während antike Autoren wie Herodot und Plutarch Themistokles als schillernden, strategischen Drahtzieher idealisieren, betonen moderne Forscher die Rolle kollektiver Notwendigkeiten und die Konstruktion des Heldenbildes aus dramaturgischen Gründen.
Welche Bedeutung kommt der Troizen-Inschrift zu?
Die Troizen-Inschrift dient als Beispiel für die intensive Forschungsdiskussion über die Authentizität antiker Dokumente und die Rekonstruktion von Themistokles' Strategieplänen.
Warum wird die List vor Salamis als historisch wahrscheinlich erachtet?
Trotz der allgemeinen Tendenz zur Idealisierung halten Wissenschaftler die List für historisch wahr, da sie ein rationales militärisches Kalkül zur Absicherung gegen die persische Übermacht widerspiegelt.
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- Felix Hutschenreuter (Author), 2018, Themistokles. Retter der Griechen oder nur ein nachträglich verherrlichter Politiker?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183346