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Die Konstruktion eines vermeintlichen Wettkampfes. Charakteristika der Theatralität im Professional Wrestling

Title: Die Konstruktion eines vermeintlichen Wettkampfes. Charakteristika der Theatralität im Professional Wrestling

Master's Thesis , 2020 , 73 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Patrick Dreyer (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Das Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen, inwiefern Wrestling innerhalb der theaterwissenschaftlich legitimierten Theatralität stattfinden kann, um zu überprüfen, ob der Akt im Ring von den Zuschauern als real wahrgenommen wird.

Im Anschluss an die theoretischen Grundlagen wird der methodische Zugang des Nicht-Theaters nach Andreas Kotte beschrieben, um den Theatralitätsbegriff erweitert darzustellen und die Rahmenbedingungen der Wrestling Kultur aufzuzeigen. Mithilfe einer Gegenüberstellung von Diskursen über Theater und Wrestling soll das Ziel einer
ersten Einordnung des Wrestlings im theaterwissenschaftlichen Rahmen erreicht werden. Daraufhin folgt eine exemplarische Darstellung der Inszenierungspraktiken aus einer Szene der Wrestling TV-Show Monday Night Raw, als weitere Beweisführung bei der Beantwortung auf die Frage nach den theatralen Aspekten des Wrestlings.

Da der Akt im Ring als zentrale Beobachtungsquelle dieser Arbeit gelten soll, erfolgt der Hauptteil der Analyse im Kapitel zur Aufführung. Dabei werden die grundlegenden Maxime des Theaterhaften phänomenologisch in Verbindung mit Wrestling Matches gebracht. Das Ergründen der Phänomene geschieht dabei hermeneutisch und wird mit
verschiedenen Beispielen belegt. Abschließend werden die Ergebnisse diskutiert und auf die zentralen Forschungsfragen bezogen. Die definierende Forschungsfrage lautet: Wie kann die Aufführung des Professional Wrestlings als
theatral eingeordnet werden? Die deskriptive Forschungsfrage lautet: Was sind die spezifischen Merkmale des Wrestlings, die zu einer Rezeption als realen Wettkampf führen?

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Theatralität

2.2 Theatralität und Theater

2.3 Theatralität und Sport

3. Forschungsgegenstand Professional Wrestling

3.1 Wrestling Terminologie

3.2 Forschungsstand

3.3 Das Unternehmen WWE

3.4 Methodisches Vorgehen

4. Typologie des Nichttheaters

4.1 Örtlich begründete Theaterablehnung

4.2 Ästhetisch begründete Theaterablehnung

4.3 Skandalisierung und Theaterablehnung

4.4 Zwischenfazit: Nicht-Theater und Wrestling

5. Inszenierung

5.1 Inszenierung einer Wrestling Show

5.2 Inszenierung des Publikums im Wrestling

6. Performativität und Performance im theaterwissenschaftlichen Diskurs

7. Aufführung

7.1 Aufführungen und Wrestling Shows

7.2 Leibliche Ko-Präsenz

7.3 Räumlichkeit

7.4 Lautlichkeit

7.5 Zeitlichkeit

7.6 Körperlichkeit

7.7 Wahrnehmung und Erzeugung von Bedeutung

8. Diskussion und Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwiefern Professional Wrestling als theatral im Sinne der theaterwissenschaftlichen Forschung eingeordnet werden kann und welche Merkmale dazu führen, dass Zuschauer das Wrestling-Geschehen als realen Wettkampf rezipieren.

  • Analyse der Theatralität in Bezug auf den sportlichen Wettkampf
  • Untersuchung der Inszenierungspraktiken im Professional Wrestling
  • Betrachtung der Rezeptionsmodi des Publikums als "mitspielender Faktor"
  • Vergleich zwischen den Diskursen von Theater und Wrestling

Auszug aus dem Buch

3.1 Wrestling Terminologie

Kayfabe lässt sich als ein eigens codiertes Sprachsystem in der Wrestling Industrie bezeichnen. Daneben kann Kayfabe als eine Übereinkunft bzw. Pakt unter den Wrestlern übersetzt werden. Anhand dieser Sprache war es den Wrestlern und anderen Beteiligten möglich, über die Illusion des Wrestlings zu sprechen und diese dabei aufrecht zu erhalten (vgl. Schubert 2014, S.102). Der Ursprung des Begriffs stammt aus dem 19. Jahrhundert zu Zeiten der Wanderzirkusse, dessen Hauptattraktion Wrestling beinhaltete (vgl. ebd., S.97). Dementsprechend setzte sich der Gedanke der Aufrechterhaltung dieser Illusion bereits durch den Karnevalsbetrieb durch. Auch in öffentlichen Auftritten außerhalb der Wrestling Shows wurde Kayfabe als Verhaltenskodex eingehalten, da die Wrestler ihren Charakter, den sie bei den Aufführungen verkörperten, zu schützen versuchten (vgl. ebd., S. 102). Wrestler, die zeitweise den Antagonisten spielten, verhielten sich ihrer Rolle entsprechend auch, wenn dies bedeutete Menschen, die sie in alltäglichen Situationen erkannten, zu bedrohen oder zu beleidigen. Stefan Schubert beschreibt diese Grundsätze des Wrestlings wie folgt: „Kayfabe [hat] seine eigene Wirklichkeit erschaffen, in der die Gesetzmäßigkeiten der Gattung auf das alltägliche Leben übertragen wurden. Der fiktive diegetische Raum eines von Wahrscheinlichkeiten gekennzeichneten Showalltags“ (ebd., S. 104f.) beschreibt die Dynamik der gemeinsamen Absprache. Dies führte zu einer Rezeption der Wrestlingindustrie als Sportart und die Akteure als reale Sportler, unabhängig davon, wie ausgefallen deren Rollen waren (vgl. ebd., S. 105). Veranstalter der Wrestling Shows gingen davon aus, dass Wrestling nur dann profitable sei, wenn die Aufrechterhaltung der Illusion von einer echten Sportart eingehalten wird (vgl. ebd., S. 97f.). Die Strenge der Kayfabe-Konvention ist seit den späten 90er Jahren weniger präsent. Hintergründe für den Wandel dieser Konvention wird in Kapitel 3.3 zum Unternehmen World Wrestling Entertainment näher erläutert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Ambivalenz zwischen Schein und Sein im Professional Wrestling vor und formuliert die Forschungsfragen zur Einordnung als theatrales Ereignis.

2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Theatralität, Performativität und Inszenierung und diskutiert deren Anwendung in der Theaterwissenschaft sowie deren Übertragbarkeit auf den Sport.

3. Forschungsgegenstand Professional Wrestling: Der Fokus liegt auf der Definition des Wrestlings als Sports Entertainment, der internen Terminologie wie Kayfabe und Gimmick sowie der Rolle der WWE als dominantes Unternehmen.

4. Typologie des Nichttheaters: Anhand der Typologie von Andreas Kotte wird untersucht, wie Wrestling durch räumliche, ästhetische und skandalisierende Aspekte kritisch betrachtet wird.

5. Inszenierung: Es wird analysiert, wie Wrestling-Shows und das Publikum als Teil des Gesamterlebnisses inszeniert werden, um ein "theaterähnliches" Erlebnis zu erzeugen.

6. Performativität und Performance im theaterwissenschaftlichen Diskurs: Dieses Kapitel grenzt die Begriffe Performativität und Performance wissenschaftlich ab und bereitet die Analyse der Wrestling-Aufführung vor.

7. Aufführung: Die verschiedenen Aspekte der Aufführung – von leiblicher Ko-Präsenz über Räumlichkeit und Lautlichkeit bis hin zu Körperlichkeit – werden detailliert am Beispiel von Wrestling-Matches analysiert.

8. Diskussion und Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Wrestling als künstlerisches Ereignis und Hybrid aus Showsport und Theater zu verstehen ist, wobei das Publikum eine zentrale, mitgestaltende Rolle einnimmt.

Schlüsselwörter

Professional Wrestling, Theatralität, Inszenierung, Performance, Aufführung, Sports Entertainment, WWE, Kayfabe, Storylines, Körperlichkeit, Publikum, Rezeption, Theaterwissenschaft, Performativität, Authentizität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theatralen Aspekte des Professional Wrestling und analysiert, warum und wie Wrestling trotz seiner Inszeniertheit von einem Publikum als realer Wettkampf wahrgenommen wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Theatralitätsbegriffs, die Analyse von Inszenierungspraktiken im Wrestling, die Rolle des Publikums sowie die interdisziplinäre Untersuchung zwischen Theaterwissenschaft und Sport-Entertainment.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die definierende Forschungsfrage lautet: „Wie kann die Aufführung des Professional Wrestlings als theatral eingeordnet werden?“ Ergänzend wird gefragt, welche spezifischen Merkmale zu einer Rezeption als realer Wettkampf führen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen phänomenologischen und hermeneutischen Ansatz, wobei sie Inszenierungspraktiken anhand von Beispielen (wie etwa der WWE) theaterwissenschaftlich interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Rahmenlegung, die Typologie des Nichttheaters nach Kotte, die detaillierte Analyse der Inszenierungspraktiken und die Untersuchung der Aufführungsmaximen im Wrestling.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Professional Wrestling, Theatralität, Inszenierung, Performativität, Aufführung, Sports Entertainment, Kayfabe und die Rolle des Publikums als Co-Produzent des Ereignisses.

Welche Rolle spielen "Kayfabe" und "Storylines"?

Sie sind grundlegende Mechanismen der Wrestling-Industrie. Kayfabe beschreibt die Aufrechterhaltung der Illusion innerhalb des Wrestling-Kosmos, während Storylines als serielle Erzählstrukturen das Publikum emotional binden.

Inwiefern unterscheidet sich das Publikum beim Wrestling vom Theaterpublikum?

Das Wrestling-Publikum wird als aktiver "mitspielender Faktor" gesehen, dessen lautstarke Zustimmung oder Kritik als integraler Bestandteil der Inszenierung betrachtet wird, wohingegen traditionelles Theater oft ein ruhigeres Verhalten internalisiert hat.

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Details

Title
Die Konstruktion eines vermeintlichen Wettkampfes. Charakteristika der Theatralität im Professional Wrestling
College
University of Siegen
Grade
1,3
Author
Patrick Dreyer (Author)
Publication Year
2020
Pages
73
Catalog Number
V1183653
ISBN (eBook)
9783346611376
ISBN (Book)
9783346611383
Language
German
Tags
Wrestling Theaterwissenschaft Wettkampf Performance Performanz Theatralität WWE Professional Wrestling Inszenierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Dreyer (Author), 2020, Die Konstruktion eines vermeintlichen Wettkampfes. Charakteristika der Theatralität im Professional Wrestling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183653
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