Finanzierungskonzepte von Fußballvereinen am Beispiel des SV Werder Bremen


Hausarbeit, 2017

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Finanzierungskonzepte für Fußballvereine in der Bundesliga
2.1 Innenfinanzierung
2.1.1 Nutzen bestehender und Erschaffung neuer Einnahmepotentiale
2.1.1.1 Sponsoring
2.1.1.2 Spieltageinnahmen
2.1.1.3 Merchandisingeinnahmen
2.1.1.4 Transfergeschäfte
2.1.1.5 Fernsehrechte
2.1.1.6 Namensrechte Fußballstadion
2.1.1.7 Nachwuchsförderung
2.1.2 Rückführung von Ausgabepositionen
2.1.3 Verringerung von Kapitalbindung
2.2 Außenfinanzierung
2.2.1 Going Public
2.2.2 Private Equity
2.2.3 Asset Backed Securies (ABS)
2.2.4 Genussscheine
2.2.5 Weitere Finanzierungsmöglichkeiten
2.2.5.1 Nachrangdarlehen
2.2.5.2 Stille Beteiligung
2.2.5.3 Wandel- und Optionsanleihe
2.2.5.4 Klassische Anleihe

3. Geschichte und Finanzierungskonzept SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA
3.1 Geschichte SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA
3.2 Finanzierungkonzept SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Der Fußball ist in der deutschen Gesellschaft fest verankert und zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Das Ergebnis einer Ende 2014 im Auftrag der Deutschen Fußball Liga GmbH (DFL) durchgeführten Befragung ergab, dass 57 Prozent der Befragten fußballinteressiert sind. Seit der Fußball Weltmeisterschaft im Jahr 2006 ist dies der höchste Wert in Deutschland.1 Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, viele träumen davon selbst in einem der großen Fußballclubs zu spielen oder zu interagieren. Doch schaut man einmal hinter die Kulissen sieht es bei vielen Profivereinen nicht mehr so traumhaft aus. Die Profivereine sind längst nicht mehr nur Vereine, sie zählen zu mittelständischen und großen Unternehmen bis hin zu Konzernen, was die Finanzierung eines solchen nicht leichtmacht. In Deutschland wurden im Jahr 1899 und um die Jahrhundertwende viele Vereine wie z.B. der SV Werder Bremen, Borussia Dortmund und der FC Bayern München, gegründet. Viele davon befinden sich heute im Überlebenskampf. Zahlreiche Vereine sind in kleinen Stadtvierteln gegründet worden, sind zu Amateurfußballzeiten historisch gewachsen und erfolgreich geworden. Wenn sie weiter in der Branche bleiben wollten, mussten sie sich aufgrund des aufkommenden Kommerzes in Unternehmen wandeln. Insbesondere Traditionsvereine die regional nicht ideal gelegen sind haben es schwer Sponsoren zu finden oder haben nicht den Platz ein großes Stadion zu bauen, um genügend Zuschauer zu Spieltagen anzulocken, die zusätzlich bereit und fähig sind die Kosten für einen Stadionbesuch zu tragen. Die Unternehmensführung spielt eine ebenso große Rolle und trägt zum Erfolg bei. Doch nur, weil ein Verein als Traditionsverein bezeichnet wird, bedeutet dies nicht automatisch eine wirtschaftliche Schlechterstellung. Es gibt auch Beispiele wie Borussia Dortmund oder FC Bayern München, welchen es wirtschaftlich gut geht.2

In der vorliegenden Hausarbeit werden zunächst Möglichkeiten zur Finanzierung von Fußballvereinen aufgezeigt. Weiterführend wird das Finanzierungskonzept der SV Werder Bremen GmbH & Co. KG aA untersucht. Es wird auf die Schwierigkeiten und die finanziellen Möglichkeiten eines Traditionsvereins wie dem SV Werder Bremen eingegangen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Diese Hausarbeit besteht aus vier Kapiteln. Das erste Kapitel stellt die Einleitung dar, welche die Problemstellung und die Zielsetzung der Arbeit beinhaltet. Im zweiten Kapitel werden die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Fußballvereine aufgezeigt. Diese sind die Instrumente der Innen- sowie Außenfinanzierung und weitere Mezzanine-Finanzierungsinstrumente. In den Unterkapiteln dieses Kapitels werden die einzelnen Optionen der genannten Finanzierungskonzepte vorgestellt. Im dritten Teil der Arbeit wird auf die Geschichte des SV Werder Bremen und die Entstehung der SV Werder Bremen GmbH & Co KG eingegangen. Darauf folgt eine Beschreibung der einzelnen Finanzierungsinstrumente und dem daraus resultierenden Finanzierungskonzept der SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA. Das als Fazit bezeichnete vierte Kapitel gibt die Erkenntnisse der Arbeit wieder. 2. Finanzierungskonzepte für Fußballvereine in der Bundesliga

2.1 Innenfinanzierung

Die Innenfinanzierung ist eine Form der Unternehmensfinanzierung, die aus eigenen Mitteln bewerkstelligt wird. Die Durchführung kann entweder als Eigen- oder als Fremdfinanzierung von statten gehen. Eine Möglichkeit der Eigenfinanzierung ist z.B. die Gewinnthesaurierung, während eine Möglichkeit der Fremdfinanzierung z.B. die Finanzierung aus Rückstellungen ist.3

Bei Fußballunternehmen wird die Innenfinanzierung aus der cashflowbasierten Sichtweise betrachtet. Aus diesem Blickwinkel werden folgende Instrumente zur Innenfinanzierung genutzt:

- Erhöhung der langfristigen Gewinnerzielungsmöglichkeit durch:

1. Das Nutzen bestehender und Erschaffung neuer Einnahmepotentiale;
2. Die Rückführung von Ausgabepositionen und

- Die Verringerung von Kapitalbindung.4

Die Ausgaben der Fußballclubs erhöhen sich kontinuierlich, weshalb sich viele Fußballvereine in finanziellen Schwierigkeiten befinden. Aufgrund dessen sind die Vereine gezwungen ihre Gewinne aus bestehenden Einnahmequellen zu generieren oder sich neue Einnahmepotentiale zu erschaffen. Zeitgleich müssen bestehende Ausgaben gesenkt werden. Die Kerneinnahmesektoren von Fußballunternehmen sind mediale Vermarktung, Einnahmen am Spieltag durch den Ticketverkauf, Merchandising und Sponsoring.

Die Innenfinanzierung ist nicht als eine isolierte Aufgabe des Finanzbereichs eines Fußballunternehmens zu sehen. Sie ist Aufgabe des gesamten Clubmanagements und steht in einer engen Verbindung zum operativen Vorgehen in allen Einnahme- und Ausgabefeldern des Fußballclubs. Die zu erwartende Marktentwicklung der Einnahmesektoren bietet Fußballclubs einige Gestaltungsoptionen zur Stärkung der eigenen Ertragskraft. Auch in den Ausgabefeldern steht eine Bandbreite von Alternativen zur Auswahl, die ein profitables Arbeiten der Fußballunternehmen ermöglichen. Werden das Anlage- und Umlaufvermögen sinnvoll strukturiert, ist es möglich weitere Finanzierungsmittel freizusetzen. Profitable Fußballunternehmen steigern ihre Attraktivität als Analageobjekt für Eigen- und Fremdkapitalinvestoren, d.h. ein profitables Wirtschaften eröffnet einem Fußballunternehmen den Zugang zu weiteren Möglichkeiten der Außenfinanzierung.5

2.1.1 Nutzen bestehender und Erschaffung neuer Einnahmepotentiale

In den folgenden Unterkapiteln wird auf die Nutzung bestehender und die Schaffung neuer Einnahmepotentiale eingegangen.

2.1.1.1 Sponsoring

Zum Sponsoring zählen Trikot - und Bandenwerbung sowie Ausrüsterwerbung.6 Auch die Vermarktung des Stadionnamens gehört dazu.7 Mit dieser Vermarktungsform wurden in der Bundesliga in der Saison 2016/2017 etwa 10 Prozent der Einnahmen erzielt.8 Die Bundesligavereine schließen mit kleinen und großen Sponsoren, wobei die großen Sponsoren die Hauptsponsoren sind, weitreichende Verträge ab. Der Hauptsponsor erhält das Recht zur exklusiven Trikotwerbung und wird bevorzugt berücksichtigt, wenn es um weitere Werbeflächen im Stadion geht. Die vertraglichen Vereinbarungen können sehr unterschiedlich sein.9 Der Hauptsponsor erhält das Recht für eigene Produkte mit dem Verein zu werben, d.h., er macht sich den Markenwert in Verbindung mit einem Imagetransfer des Vereins zu Nutze.10 Da es pro Verein nur einen Hauptsponsor geben kann, ist es indirekt möglich anhand der Kontraktsummen den Markenwert eines Vereins zu schätzen. In der Historie waren größtenteils Telekommunikationsdienstleister und Automobilhersteller bei großen Clubs Hauptsponsor. In den Gründungsjahren der Bundesliga waren nur deutsche Ausrüster wie z.B. Puma und Adidas aktiv im Sponsoring tätig. In den Folgejahren und bis heute beteiligen sich auch internationale Unternehmen wie z.B. Reebok, Umbro oder Nike am Sponsoring. Damit ging ein starker Anstieg der Kontraktsummen einher. Die Ausrüster werden immer mehr zur Finanzierung von Spielergehältern genutzt.11 Der Gesamtumsatz des Trikotsponsorings liegt bei etwa 177 Millionen Euro pro Saison. Dieser Umsatz ist bedeutend höher als der Umsatz der durch die Ausrüster erwirtschaftet wird, nämlich 69,3 Millionen Euro jährlich. Innerhalb der ersten Bundesliga gibt es eine starke Spreizung zwischen den großen erfolgreichen und den kleinen Bundesligavereinen. Die vier erfolgreichsten Vereine Deutschlands sind für etwa 60 Prozent der Trikot-Sponsoringeinnahmen verantwortlich. Diese sind in der Saison 2016/2017 der FC Bayern München (Telekom Deutschland GmbH, 35 Millionen Euro jährlich), der VFL Wolfsburg (Volkswagen AG, 30 Millionen jährlich), gefolgt von Borussia Dortmund (Evonik Industries AG, 20 Millionen Euro jährlich) und dem FC Schalke 04 (Gazprom Germania GmbH, 20 Millionen Euro jährlich). Diese vier Vereine verdienen zusammen mehr als der Ligaschnitt beträgt. Der Ligaschnitt liegt jährlich bei 9.850.000 Euro.12

2.1.1.2 Spieltageinnahmen

Die Spieltageinnahmen werden durch Ticketverkäufe am Spieltag, den Verkauf von Dauerkarten und durch die Mitgliedsbeiträge des Vereins zusammengesetzt und haben für Vereine eine hohe Bedeutung. Die Erlöse sind von Faktoren wie der Zuschaueranzahl, dem Auslastungsgrad des Stadions und dem Preisniveau der Karten abhängig.13 Der Anteil am durchschnittlichen Umsatzvolumen eines Fußballunternehmens beträgt heute etwa 30 Prozent, anders alsin den Gründungsjahren der Bundesliga, als der Verkauf von Eintrittskarten die einzige Einnahmequelle für Vereine darstellte.14 Von der Saison 1988/1989 bis zur Saison 2007/2008 sind die Erträge aus Spieltagen in der Bundesliga von 43,4 Millionen Euro auf 338,1 Millionen Euro stetig angestiegen. Dieser signifikante Anstieg ist u.a. auf neue Ertragsmöglichkeiten und modernisierte Spielstätten während der Weltmeisterschaft im Jahre 2006 zurückzuführen. Auch die Erhöhung der Eintrittspreise trug dazu bei. Diese haben jedoch pro Saison einen Durchschnittsanstieg von ca. 5,6 Prozent und ist mit den Modernisierungen und Instandhaltungen der Stadien zu begründen. Zu den Modernisierungsmaßnahmen zählen z.B. die Schaffung von Business- und Logenplätzen.15

2.1.1.3 Merchandisingeinnahmen

Mittel- bis niedrigpreisige Güter die ein Vereinslogo tragen und als „Fanartikel“ beschrieben werden, fallen unter den Oberbegriff „Merchandising“. Höhere Preise werden für langlebige Produkte wie Mützen, Trikots oder Schals mit Vereinslogo verlangt. Im Gegensatz dazu werden für Lebensmittel, die mit einem Vereinslogo gekennzeichnet sind, geringere Preise verlangt. Das Vereinslogo auf dem Produkt soll als Markenzeichen verstanden werden. Auch wenn die Produkte im Vergleich zu anderen Produkten im Supermarkt teurer sind: Der Käufer hat einen höheren Nutzen davon. Er fühlt sich mit dem Vereinslogo auf dem Produkt enger mit dem Verein verbunden und identifiziert sich damit. Die Fans kaufen die teils überteuerten Produkte und vertrauen in den Verein, dass dieser ihm keine minderwertige Ware verkauft. Durch Merchandisingeinnahmen verzeichnen die Vereine hohe Rückflüsse.16 In der Saison 2015/2016 verzeichnet die Bundesliga beim Merchandising einen Umsatzrekord. Laut dem 19. Fanartikel-Barometer hat BundesligaLive auf SPORT1.fm 243 Millionen Euro umgesetzt. Ca. 60 Prozent dieses Umsatzes sind dabei auf den FC Bayern München und Borussia Dortmund zurückzuführen.17 Der 19. Fanartikel-Barometer ist eine Studie der Firma PR-Marketing, welche Studien und Analysen u.a. über das Thema Merchandising in der Bundesliga durchführen.18

2.1.1.4 Transfergeschäfte

Das Transfergeschäft mit Fußballspielern gehört zum Bereich der Mittelbeschaffung. Um den sportlichen Erfolg für einen Verein zu optimieren werden in der Regel in jeder Saison neue Spieler verpflichtet, d. h. unter Vertrag genommen und einige andere Spieler aus dem Fußballkader werden an andere Fußballvereine abgegeben. Die DFL und die FIFA haben bestimmte Transferbedingungen für Spielerwechsel festgelegt. In der Regel jedoch muss für einen Spielerwechsel eine sogenannte Ablösesumme an den abgebenden Verein entrichtet werden, wenn der Spieler während seiner Vertragslaufzeit zu einem anderen Verein wechselt. Diese Ablösesumme ist als eine Entschädigungszahlung für den wirtschaftlichen Ausfall des abgebenden Vereins zu verstehen. Die Preisfindung bei Spielerverkäufen richtet sich zum einen nach dem Marktwert des Spielers und zum anderen den Vorstellungen der handelnden Vereine.19 Der deutsche Transfermarkt kann im Vergleich mit den europäischen Top-Ligen nicht mithalten. Die Transfersummen fielen in der Vergangenheit viel geringer aus als in den anderen Top-Ligen, wie z.B. die italienische Serie A oder die englische Premier League. Dies liegt u.a. daran, dass die Vereine eine viel höhere Bonität haben, die sie in Spieler investieren können. Insgesamt sinken in Deutschland die Transfergeschäfte. Der Trend geht hin zu langfristigen Ausleihen und zu ablösefreien Spielerwechseln.20

2.1.1.5 Fernsehrechte

Der Markt für Fernsehrechte entwickelt sich seit mehr als 30 Jahren weiter und erlebt große Strukturveränderungen. Bis in die 80er Jahre wurde Fernsehen nur durch die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF ausgestrahlt. Heute scheinbar normale privatrechtliche Sender wie RTL, Pro 7 und SAT 1 existierten aus medien- und verfassungsrechtlichen Gründen nicht. So kamen auch nur ARD und ZDF als Nachfrager für Fußballübertragungen in Frage.21 Die Bertelsmann-Tochter UFA Sports erwarb im Jahr 1988 für drei Jahre Übertragungsrechte für die Bundesliga, wofür der Preis im ersten Jahr 40 Millionen D-Mark betrug und in den nächsten beiden Folgejahren der Betrag um jeweils fünf Millionen D-Mark gesteigert wurde.22 Damals durften die Rechte an wirtschaftlich nahestehende Sender weiterveräußert werden, wodurch RTL mit der Sendung „Anpfiff“ an diese kam.23 Erst nach und nach kamen auch andere Sender an die Rechte. Die Preise für die Rechte stiegen immer weiter an, sodass diese bereits in den 90er-Jahren bei 120 Millionen D-Mark pro Spielzeit lagen. Nach und nach schloss der DFB gesonderte Verträge für die Übertragung von Fußballspielen mit Sendern des sogenannten Bezahlfernsehens, bzw. Pay-TV ab. Darunter u.a. der Sender Premiere-DF 1, auf welchem ganze Spiele übertragen wurden.24 Nach wie vor wird in Deutschland die vollständige Vermarktung der Übertragungsrechte zentral durch die DFL geregelt. Die Einnahmen werden quotal auf die Unternehmen, bzw. Vereine ausgeschüttet.25 Die Einnahmen durch Fernsehen und Rundfunk, besonders mit der Option des Pay-TV, werden eine immer wichtigere Einnahmequelle für die Vereine.

2.1.1.6 Namensrechte Fußballstadion

Der Verkauf von Namensrechten eines Fußballstadions zu Werbezwecken wird von der Mehrzahl der Fußballunternehmen erst seit den letzten Jahren als Ertragsmöglichkeit wahrgenommen.26 Der HSV verkaufte vor 15 Jahren als erster Verein seinen Stadionnamen. So wurde aus dem traditionellen Volksparkstadion die AOL-Arena und eine riesige Debatte begann, da der eigene Stadionname mit der Identität des Vereins verbunden wird. Heute gehört der Verkauf vom eigenen Stadionnamen zum Alltag und fast alle deutschen Erstligisten spielen in einem Stadion, welches einen Firmennamen trägt. Insgesamt sind 75 Prozent der Namensrechte in den ersten beiden Bundesligen besetzt. Der FC Bayern München und der FC Schalke 04 nehmen von ihren Sponsoren Allianz und Veltins pro Geschäftsjahr bis zu 6 Millionen Euro ein. Nach Expertenaussagen ist neben den finanziellen Aspekten der regionale Bezug für die Namensgeber von Bedeutung. 70 bis 80 Prozent dieser haben ihren Sitz in höchstens 30 Kilometer entfernt. Das Paradebeispiel ist Opel, welcher seinen Sitz in Rüsselsheim hat und seit 2012 Partner des FSV Mainz 05 ist. Das Stadion trägt seit dem 1. Juli 2016 den Firmennamen und ist in unmittelbarer Nähe von Opel. Für Firmen ist die regionale Außenwirkung des Präsensseins wichtig. Die Vergabe von Namensrechten ist kein schnelles Geschäft. Es dauert mindestens fünf Jahre bis sich der Name etabliert hat. Deswegen sind solche Verträge mit einer langen Laufzeit verbunden. Die längsten Laufzeiten haben derzeit der FC Bayern München mit der Allianz bis 2041 und der VfB Stuttgart mit Mercedes-Benz bis 2038.27

2.1.1.7 Nachwuchsförderung

Im Zuge auf Gehaltsstrukturänderungen- und Kürzungen, auf welche im nachfolgenden Kapitel eingegangen wird, fördern zunehmend mehr Vereine Talente aus den eigenen Reihen. Ausgaben für die Nachwuchsförderung stiegen in der Vergangenheit und der Trend geht dahin, dass sie weiter ansteigen werden. Für die eigenen Nachwuchsspieler fallen keine Transferaufwendungen an. Außerdem haben diese zu Beginn ihrer Entwicklung und vor dem Wechsel in den Profikader noch einen geringen Marktwert, weswegen sie anfänglich ein geringeres Gehalt verdienen als erfahrenere Spieler.28 In diesem Format sammeln junge Talente Erfahrung in der Profiliga, steigern ihren Marktwert und es besteht die Möglichkeit den Spieler in Zukunft teuer zu verkaufen oder zu verleihen.

2.1.2 Rückführung von Ausgabepositionen

Die Rückführung oder Verringerung von Ausgabepositionen ist von den clubspezifischen Positionen abhängig. Das vorrangige Potential liegt bei der Verringerung der Personalaufwendungen für den Lizenzspielerbereich. Es ist schwierig in der Literatur seriöse Angaben über Spielergehälter zu finden, da es hierfür keine Veröffentlichungspflicht gibt. Christian Keller zeigt in seinem Buch die Entwicklung der Spielergehälter der ersten und zweiten Bundesliga aus den Jahren 1998/1999 bis 2004/2005 auf. Insgesamt ist hier eine rückläufige Entwicklung zu erkennen. Während es in der Saison 1998/1999 45 Prozent anteilige Personalkosten waren, waren es in der Saison 2004/2005 38,6 Prozent Personalaufwendungen in der ersten Bundesliga. Die Senkung und Umstrukturierung der Spielergehälter ist ein langfristiger Prozess, da die Spielerverträge oft eine lange Laufzeit haben. Demnach machen sich Personalkostensenkungen erst zeitlich später bemerkbar.29

Eine andere Möglichkeit neben Gehaltskürzungen und Gehaltsumstrukturierungen ist die Verkleinerung des Spielerkaders, um die Anzahl der Gehaltsempfänger zu minimieren. Die 18 Erstligisten in der Bundesliga machen von dieser Option Gebrauch: In der Saison 2001/2002 hatten die Vereine durchschnittlich 28 Spieler unter Vertrag; in der Saison 2004/2005 waren es noch 25 Lizenzspieler.30

2.1.3 Verringerung von Kapitalbindung

Durch das Anlage- und Umlaufvermögen kann die Kapitalbindung eines Unternehmens verringert werden. Durch eine effiziente Nutzung und die Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen Vermögensgegenständen innerhalb des Anlagevermögens kann eine Mittelfreisetzung erfolgen.31 Dies ist eine Option der Verringerung der

[...]


1 Vgl. ohne Autor (2016), Konzernabschluss SV Werder Bremen 2014/2015, URL: https://www.bundesanzeiger.de/, Abruf am 23.04.2017.

2 Vgl. Wiegand (2016), Daran kranken die Traditionsvereine, URL: http://www.sueddeutsche.de/, Abruf am 23.04.2017.

3 Vgl. ohne Autor (2011-2017), Innenfinanzierung Definition und Formen, URL: http://www.welt-der- bwl.de/, Abruf am 25.05.2017.

4 Vgl. Keller (2006), S. 49f.

5 Vgl. Keller (2006), S. 64.

6 Vgl. Kicker Sportmagazin, v. 18.01.1999.

7 Vgl. Randerath (2017), Einnahmen 1.Bundesliga aus der Vermarktung des Stadionnamens 2016/2017, URL: http://fussball-geld.de/, Abruf am 28.04.2017.

8 Vgl. Randerath (2016), Einnahmetabelle der Bundesliga: Alle Wettbewerbe, URL: http://fussball- geld.de/, Abruf am 28.04.2017.

9 Vgl. Kicker Sportmagazin, Sonderheft Bundesliga 1999/2000, S. 177.

10 Vgl. auch SPONSORS, Juni 1998, S.16; UFA Sports (1998), S. 15; UFA Sports (1998), S. 7, 17.

11 Vgl. Erning (2000), S. 250f.

12 Vgl. Randerath (2017), die Trikotsponsoren 1. Bundesliga Saison 2016/2017, URL: http://fussball- geld.de/, Abruf am 29.04.2017.

13 Vgl. Laner, Nelles (2008), S. 18.

14 Vgl. WGZ (1999), S. 11.

15 Vgl. Dworak (2010), S. 153, 155.

16 Vgl. Erning (2000), S.252 f.

17 Vgl. ohne Autor (2016), Rekordumsatz beim Merchandising, URL: http://www.sport1.de/, Abruf am 29.04.2017.

18 Vgl. Rohlmann (2017), Studien, URL: http://pr-marketing.de/, Abruf am 29.04.2017.

19 Vgl. Dworak (2010), S. 201 f.

20 Vgl. Laner, Nelles (2007), S. 35 f.

21 Vgl. Erning (2000), S. 136.

22 Für den Verlauf der Rechtevergabe und die Entwicklung der Preise vgl. Morhard (1999); S. 11, Franck (1995), S. 111 und Parlasca (1993), S. 141 ff.

23 Vgl. Lehmann / Weigand (1997), S. 383.

24 Vgl. Erning (2000), S. 136 f, 138.

25 Vgl. Laner, Nelles (2007), S. 23.

26 Vgl. hierzu im Folgenden: Klingmüller (2006), Klingmüller (2002), S. 59 ff.; Karle (2004), S. 30 f. Elter (2002a), S. 268 sowie Süßmilch/Elter (2004), S. 42 f.

27 Vgl. Reidel (2016), Das Millionengeschäft mit den Stadion-Namen, URL: http://www.horizont.net/, Abruf am 07.05.2017.

28 Vgl. Keller (2006), S. 56.

29 Vgl. Keller (2006), S. 54f.

30 Vgl. zu den angegebenen Daten Kicker (2004).

31 Vgl. Neubürger (2001), S. 169 ff.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Finanzierungskonzepte von Fußballvereinen am Beispiel des SV Werder Bremen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
34
Katalognummer
V1183670
ISBN (Buch)
9783346611581
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzierung, Finanzierungskonzepte, Werder Bremen, Fußball, Unternehmen
Arbeit zitieren
Katharina Pilz (Autor:in), 2017, Finanzierungskonzepte von Fußballvereinen am Beispiel des SV Werder Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183670

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