Ethische Anforderungen an islamkonforme Finanzprodukte


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau

2 Definition der Begrifflichkeiten
2.1 Wirtschaftsethik
2.2 Islam

3 Wirtschaftsethik des Islam
3.1 Die Scharia
3.2 Die wirtschaftlichen Gesetze der Scharia
3.2.1 Riba
3.2.2Maysir
3.2.3 Gharar

4 Islamkonforme Finanzprodukte
4.1 Definition
4.2 Beispiele für islamkonforme Finanzprodukte
4.3 Islamkonforme Finanzprodukte in Deutschland
4.3.2 KTBank
4.3.2 DeutscheBank
4.3.3 Commerzbank

5 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Normperspektiver ethischerBegriffe (Holzmann, Robert (2019): Wirtschaftsethik. SpringerGablerFachmedienWiesbaden. S. 7.) 3

Vorwort

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

1. Einleitung

Die Konfrontation der Wirtschaft mit dem moralischen Anspruch ist bereits auf das Zeitalter 300 V. Chr. zurückzuführen. Aristoteles unterscheidet damals zwischen der Erwerbs- oder Beschaffungskunst und der Bereicherungskunst.1 Die letztere verurteilt er, da diese lediglich das Trachten nach Geld als Selbstzweck beschreibt. Nach Aristoteles sollte die Tugend immer über der Wirtschaft stehen. „Weil der Mensch nur über die Ausübung seiner Tugenden zu seinem Glück gelangen kann. Die vollkommene Tugend ist für Aristoteles die Gerechtigkeit, die als Maßstab für die Wirtschaft dient.“2 wird von Prof. Dr. Christian A. Conrad erläutert.

Die Wirtschaftsethik, die wir heute in Deutschland kennen, steht hauptsächlich unter dem Begriff des Sozialstaates, und ist bis heute nicht in die real praktizierte Wirtschaft vorgedrungen.3 Im Gegensatz dazu ist es in der islamischen Wirtschaft verpflichtend nach den Gesetzen der Scharia4 zu handeln, wenn islamkonform gewirtschaftet werden soll. Die KT Bank, eine Bank, die sich auf islamkonforme Finanzprodukte spezialisiert hat, erklärt, dass: „im islamischen Wirtschaftsrecht die Herstellung von Gerechtigkeit und das Wohlergehen der Gesellschaft oberste Priorität hat. Der Markt symbolisiert im Islam die menschliche Freiheit und Solidarität.“5 Die erste Bank, die sich nach den Gesetzen der Scharia richtete, wurde 1963 in Ägypten eingeführt, woraufhin weitere Banken in Dubai, Jeddah und Malaysia nach diesem System etabliert wurden.6 Heutzutage existieren über 500 islamische Banken und in einigen Ländern wurden die konventionellen Banken bereits durch das islamische Finanzwesen ersetzt.7 Auch in Deutschland steigt die Wachstumsrate an islamischen Finanzdienstleistem deutlich und eine positive Zukunft wird prognostiziert.

1.1 Problemstellung

Dieses Assignment beschäftigt sich mit den ethischen Anforderungen an islamkonforme Finanzprodukte. Behandelt wird die Definition von islamkonformen Finanzprodukten und der islamischen Religion, die Erläuterung der relevanten Wirtschaftsethik innerhalb des Islams. Dem Leser soll ein Überblick über die Anforderungen an die islamkonforme Wirtschaft gegeben werden, sowie ein Ausblick auf zukünftige Problematiken und Chancen dargestellt werden.

1.2 Ziel und Aufbau

Das Ziel des Assignments ist eine Darstellung der ethischen Anforderungen in der islamischen Wirtschaft zu geben. Es soll dadurch eine Vertiefung in das Thema der Wirtschaftsethik und den dazugehörigen internationalen Besonderheiten erarbeitet werden. Im ersten Kapitel werden die Begrifflichkeiten definiert, die für das Assignment relevant sind. Daraufhin folgen die Darstellung und Erläuterung der islamischen Wirtschaftsethik, sowie ein kurzer Überblick über relevante islamische Finanzprodukte. Zuletzt wird ein kritischer Überblick, über die zuvor behandelten Themen, und ein Ausblick gegeben.

2. Definition der Begrifflichkeiten

2.1 Wirtschaftsethik

Der Begriffwirtschaftsethik bezeichnet die Wissenschaft von ethischem Verhalten in der Wirtschaft.8 Hierbei geht es darum die Ursachen und Auswirkungen von ethischem und unethischem Verhalten von Menschen in der Wirtschaft zu analysieren.9 Entsprechend ist es auch Aufgabe der Wirtschaftsethik, sich mit den wirtschaftlichen Handlungsprinzipien sowie der tatsächlichen wirtschaftlichen Praxis kritisch auseinanderzusetzen.10

Die Abbildung stellt den Standpunkt der Wirtschaftsethik in Zusammenhang mit der Wirtschaftsmoral, dem Wirtschaftsrecht und dem Wirtschaftsethos dar.

Intrinsisch akzeptierte, wertende und auf das Wirtschaften bezogene Individualregeln

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Normperspektive ethischerBegriffe

2.2 Islam

Der Ursprung der islamischen Religion liegt im Jahre 610n. Chr. in der Berufung Muhammads zum Propheten Gottes. Laut der Historikerin Frauke Heard-Bey ist der Islam nicht nur „Religion im westlichen Sinne des Wortes, wo das Weltliche und Religiöse getrennt gehalten werden. Islam umfasst das rein Spirituelle und das Spekulative, Form und Inhalt der Andacht und die Autorität in allen Fragen des Glaubens; zugleich dominiert der Islam die kulturellen, moralischen, sozialen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Sphären.“11

3. Wirtschaftsethik des Islam

3.1 Die Scharia

Mit der Religion des Islam hielt der Glaube Einzug, dass nach dem irdischen Leben ein Jenseits folgt. Dementsprechend wuchs auch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung, um dem „Leben danach“ gerecht zu werden. Die Wirtschaftsethik des Islam basiert hauptsächlich darauf, dass durch Handel und Wirtschaft keine Schäden entstehen dürfen.12 Dies wird durch die Gesetze der Scharia gewährleistet. Die Scharia ist kein Gesetzbuch und offiziell auch nicht verschriftlich. Nur sehr wenige Verse im Koran oder der Sunna enthalten exakte rechtliche Anweisungen.13 Verstanden werden kann die Scharia als die Gesamtheit der islamischen Ver- und Gebote, abgeleitet aus dem Koran und der Sunna.14 Sie ist ein sehr komplexes System und wird unterschiedlich interpretiert. Für den Islam ist sie das göttliche Gesetz und betrifft nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch die sozialen Bereiche des Lebens. Die Scharia ist somit eine spezifisch islamische Rechts- und Werteordnung.

3.2 Die wirtschaftlichen Gesetze der Scharia

Die wirtschaftlich relevantesten Gesetze der Scharia beinhalten das Verbot Zinsen zu erheben (Riba), Glücksspiel zu betreiben (Maysir) und das Verbot von Intransparenz und Spekulationen (Gharar).15

3.2.1 Riba

In der Scharia werden zwei unterschiedliche Arten von Zinserhebung unterschieden: Zinsen bei Kaufgeschäften (riba al-fadl) und Zinsen bei Darlehen (iba an-nasiah).16 Streng verboten sind Zinsen bei Darlehen, denn dies würde zu einer Mehrung von Abhängigkeit führen und dadurch entsteht eine soziale Ungerechtigkeit innerhalb der Menschen. Betont wie wichtig Gerechtigkeit im Islam ist, wird in einem sehr relevanten Auszug des Koran, gesprochen von dem Propheten Muhammad: „Gold für Gold, Silber für Silber, Weizen für Weizen, Gerste für Gerste, Datteln für Datteln, Salz für Salz - Dasselbe für Dasselbe, Gleiches für Gleiches, Zug um Zug; wenn diese Arten verschieden sind, so verkauft sie, wie ihr möchtet, solange es nur Zug um Zug geschieht.“17 Dementsprechend wird unterstrichen, dass alle Geschäfte, Verträge und Transaktionen auf Gleichberechtigung beruhen sollen. Das Verständnis der Riba ist essentiell für die Durchführung islamkonformer Geschäfte.

3.2.2 Maysir

Das Verbot von Maysir bezeichnet das Glücksspielverbot im Islam. Wörtlich übersetzt handelte es sich dabei um eine vorislamische Praxis, bei der mit Pfeilen um ein geschlachtetes und zerteiltes Tier gespielt wurde.18 Erweitert wurde das Glückspielverbot sehr früh auch auf Spekulationen, da diese vom Gebet abhalten und ungerechtfertigte Gewinne zustande kommen.19 Wie bereits im vorherigen Kapitel erläutert, hat die Gleichberechtigung im Islam hohen Wert,

und somit sind auch Gewinne ohne Einsatz von Leistung oder durch Zufall nicht Scharia­konform.

3.2.3 Gharar

Gharar kann als Spekulation und Unsicherheit übersetzt werden, und ist in der islamischen Wirtschaft nicht grundsätzlich verboten. Überdimensionale Investitionen und Spekulationen sollenjedoch vermieden werden.20 Dadurch ist es nicht möglich das Gharar-Verbot exakt zu definieren, folgende positive Voraussetzungen deckenjedoch einen großen Teil der Definition ab21: „1. Die Austauschgüter in einem Vertrag müssen genau bestimmt sein (...) 2. Der Vertrag muss erfüllbar sein.“22 Dadurch können verbotene Transaktionen gefiltert und zu große Spekulationen vermieden werden. Zudem muss gewährleistet werden, dass die Güter oder Dienstleistungen des Vertrages bereits existieren und Eigentum des Verkäufers sind.

4. Islamkonforme Finanzprodukte

4.1 Definition

Islamkonforme Finanzprodukte sind Finanzprodukte, die von speziellen Scharia-Banken angeboten werden. Dazu gehören zum Beispiel Beteiligungsfinanzierungen, Anleihen und Investmentfonds, selbstverständlich in genauer Übereinstimmung mit den Regeln der Scharia. Die Banken, die islamkonforme Finanzprodukte anbieten möchten, können sich nach verschiedenen Standards richten. Diese werden von Organisationen, wie der AAOIFI (Accounting And Auditing Organization For Islamic Financial Institutions) oder dem IFSB (Islamic Financial Services Board) vorgegeben.23 Die AAOIFI hat 86 Regeln für das islamische Finanzwesen erarbeitet und das IFSB elf.24 Diese sindjedoch nicht verpflichtend, sondern gelten als hochangesehene Richtwerte. Islamkonforme Finanzprodukte sind generell alle Finanzprodukte, die nach den Gesetzen der Scharia durchgeführt werden und der Ethik des Islams entsprechen können.

[...]


1 Conrad, ChristianA. (2020): Wirtschaftsethik. Eine VoraussetzungfürProduktivität. SpringerFachmedien Wiesbaden. S. 16.

2 ibid.

3 Jäggi, Christian! (2018): WirtschaftsordnungundEthik. SpringerFachmedienWiesbaden. S. 3.

4 Definition folgt in Kapitel 3.

5 KT Bank: Islamic Banking, https://www.kt-bank.de/islamic-banking/hintergrund/, letzterZugriff am 21.10.2020.

6 ibid.

7 Schuster, Fabian (2013): Perspektiven des Islamic Banking im deutschen Bankwesen. In: Deutsches Institut für Bankwirtschaft - Schriftenreihe, Band 10 (b) (12/2013). S. 15.

8 Conrad, ChristianA. (2020): S. 14.

9 ibid.

10 Holzmann, Robert (2019): Wirtschaftsethik. Springer Gabler Fachmedien Wiesbaden. S. 7.

11 Heard-Bey, Frauke (2010): Die VereinigtenArabischenEmirate: zwischenVorgestemundÜbermorgen, Hildesheim: Georg Olms Verlag. S. 146.

12 KT Bank: Islamic Banking, https://www.kt-bank.de/islamic-banking/hintergrund/, letzterZugriff am 21.10.2020.

13 Evens,Ramona(2014):IslamkonformeVersicherungsprodukte. SpringerGablerFachmedienWiesbaden. S. 18­19 (Zitat übernommen).

14 El Sauaf, Sandrine (2017): Kultur in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ihre Auswirkungen auf das Management. SpringerFachmedienWiesbaden. S. 182.

15 KT Bank: Islamic Banking, https://www.kt-bank.de/islamic-banking/hintergrund/, letzterZugriff am 21.10.2020.

16 El Sauaf, Sandrine (2017): S. 199.

17 Evens, Ramona (2014): S. 6.

18 ibid. S. 7.

19 ibid.

20 Seidel, Marcel (2019): Banking & Innovation2018/2019. Springer FachmedienWiesbaden. S. 29.

21 ibid. S. 13.

22 SeidefMarcel (2019): S. 13.

23 Krom, Cynthia L. (2013): Islamic Banking and Finance. In: The CPA Journal. Januar 2013.

24 ibid.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ethische Anforderungen an islamkonforme Finanzprodukte
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
2,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V1183704
ISBN (Buch)
9783346611505
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsethik, Ethik, BWL, Finanzethik, Islamkonform
Arbeit zitieren
Vanessa Metz (Autor:in), 2020, Ethische Anforderungen an islamkonforme Finanzprodukte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183704

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