Die Heilung eines Blinden bei Jericho im Evangelium nach Lukas (18,35-43)


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Sprachliche Analyse
1.1 Wiedergabe des biblischen Textes
1.2 Rekonstruktion der Ereignisfolge
1.3 Figurenkonstellation und Handeln der Akteure
1.4 Auffälligkeiten
1.5 Narratologische Analyse
1.6 Kontext im Lukasevangelium

2. Synoptischer Vergleich
2.1 Gemeinsamkeiten
2.2 Unterschiede

3. Gattungskritik

4. Redaktionsgeschichte

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Die hier vorliegende Perikope aus dem Lukas Evangelium beschäftigt sich exegetisch mit der Heilung eines Blinden bei der Stadt Jericho durch Jesus Christus.

Lukas 18,35-43 kann als ganzer Bericht einer Begebenheit betrachtet werden. Das Evangelium nach Lukas kennt keinen genauen Autor. Zwar ist es bekannt, dass Lu­kas, welcher ein Reisebegleiter des Apostels Paulus gewesen ist, der Autor sei, je­doch gibt es keine handfesten Beweise dafür. Die zu exegetisierende Perikope befin­det sich in dem Reisebericht, dieser wird anders als andere Texte, thematisch chrono­logisch angeordnet. Das führt dazu, dass die Perikope über die Heilung des Blinden ein Fragment eines Ganzen Berichtes ist. Das Thema der Perikope ist das Vertrauen und der tiefe Glaube an Jesus Christus und Gott. Aber auch die Nachfolge und das Wunder der Heilung stehen thematisch zentral in dieser Perikope.

Die Botschaft, die die Perikope vermittelt, ist, dass wer um Hilfe bittet, auch die Hilfe erhält und dadurch auch gerettet wird. Die einzige Voraussetzung ist der tiefe Glaube an Gott. Ziel dieser Hausarbeit ist es, die vorliegende Perikope auf historisch­kritischer Weise zu untersuchen und dabei sollen die im Proseminar erlernten Metho­den angewandt werden. Als Grundlage dieser Arbeit wurde die Einheitsübersetzung von 2016 verwendet.

1. Sprachliche Analyse

1.1 Wiedergabe des biblischen Textes

Die Heilung des Blinden bei Jericho (Lk. 18,35-43)

1a Es geschah aber:

b Jesus kam in die Nähe von Jericho,

c da saß ein Blinder an der Straße und bettelte.

2a Er hörte,

b dass viele Menschen vorbeigingen,

c und fragte:

d Was hat das zu bedeuten?

3a Man berichtete ihm:

b Jesus von Nazareth geht vorüber.

4a Da rief er:

b Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

5a Die Leute, die vorausgingen, b befahlen ihm zu schweigen. c Er aber schrie noch viel lauter: d Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

6a Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen.

b Als der Mann vor ihm stand,

c fragte ihn Jesus:

7a Was willst du, dass ich dir tue?

b Er antwortete:

c Herr, ich möchte sehen können.

8a Da sagte Jesus zu ihm:

b Sei sehend!

c Dein Glaube hat dich gerettet.

9a Im selben Augenblick konnte er sehen.

b Da pries er Gott und folgte Jesus nach.

c Und das ganze Volk,

d das dies gesehen hatte,

e lobte Gott.1

1.2 Rekonstruktion der Ereignisfolge

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Katholisches Bibelwerk (Hg.): Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart 2016.

1.3 Figurenkonstellation und Handeln der Akteure

1: Jesus Christus kommt nach Jericho

2: Bettler fragt sich, was gerade passiert und wendet sich an die Masse. 3: Er erfährt, dass Jesus Christus vorüber zieht und wendet sich an ihn.

4: Jesu Christus hört den Bettler rufen und lässt ihn zu sich bringen

5: Jesus fragt den Bettler, was er wolle?

6: Bettler bittet Jesus um die Heilung seiner Blindheit

7: Bettler wird durch Jesus geheilt und fängt an Gott zu preisen

8: Das Volk um das Geschehen zwischen Jesus und dem Bettler wird zum Zeugen und huldigt Gott.

1.4 Auffälligkeiten

Neben Jesus Christus, der Person welche das Wunder bewirkt, steht auch der blinde Bettler in einer zentralen Rolle. Das ganze Geschehen vollzieht sich an einem Ort und zwar nicht in Jerusalem, sondern in Jericho. Der Ablauf der Erzählung verläuft logisch. Der Bettler ruft nach Jesus, Jesus fragt nach seinem Wunsch, der Bettler bittet ihn um eine Heilung. Das Geschehen hier ist ein Beispiel für die praktische Umsetzung seiner Worte in Mt 7,7-9 „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet! Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.“2 Jesus und der Bettler haben einen aktiven Dia­log, in welchem die Allmacht Jesu, aber auch seine Liebe dargestellt wird.

1.5 Narratologische Analyse

Die Perikope wird von einer Ortsangabe eingeleitet. Jesus Christus befindet sich in der Nähe von Jericho. Es wird berichtet, dass Jesus sich nicht alleine bewegt. Dies bezeugt der Bettler, welcher als nächstes ins Geschehen einbezogen wird „Er hörte die Menschenmenge vorbeiziehen und fragte: Was ist da los?“ (18,36). Hier kommt der erste Hinweis auf, dass die Prozession unterbrochen wird. Die Neugier des Bett­lers ist groß, daher fragt er die Masse, was geschieht. Diese sagt ihm, dass Jesus von Nazareth vorbei geht und daraufhin wendet er sich aktiv an Jesus durch ein Anrufen seines Namens mit dem Zusatz „Sohn Davids“ (vgl. 18,38). Die Menge, welche den Bettler umgibt ist von seinem Verhalten nicht amüsiert und befiehlt ihm zu schweigen. Diese antithetische Gegenüberstellung von „rief“ (vgl. 18,38) und „still zu sein“ (vgl. 18,39) deutet auf die Hoffnung des Bettlers hin, geheilt zu werden. Er hört nicht auf die Menge und ergreift erneut die Initiative, um die Aufmerksamkeit von Jesus Chris­tus auf sich zu ziehen. Dies erfolgt dieses Mal erfolgreicher. Jesus Christus bleibt ste­hen und gibt eine Art Befehl, den blinden Bettler zu ihm zu bringen (vgl. 18,40) und fragt ihn, was er sich von ihm erhoffe. Diese aktive Frage an den Bettler deutet auf die Zuwendung Jesu an die Bedürftigen hin: „Was willst Du, dass ich für Dich tun soll?“ (18,41). Der Blinde äußert genau die Antwort und seinen Wunsch sehen zu können (vgl. 18,41). Dieser kurze Dialog zwischen Jesus als dem Sohn Davids und dem blin­den Bettler, welcher trotz des Wiederstandes der Masse sich an Jesus wendet, ist er­füllt von Hoffnung, Sehnsucht und Zuneigung. Sicherlich ist Jesus bewusst, was der Bettler von ihm wolle, seine Blindheit ist äußerlich mit Sicherheit erkenntlich, doch Je­sus möchte, dass der Bettler es selber ausdrückt, mit seinen eigenen Worten, was er sich von Jesus wünscht: „Herr, ich möchte wiedersehen können.“ (18,41). Durch das Wort „Herr“ wird in der Antwort auch eine hierarchische Aufstellung aufgezeigt. Der Bettler tritt vor Jesus mit Ehrfurcht und Respekt. Daraufhin spricht Jesus „Du sollst wiedersehen - dein Glaube hat dich gerettet.“ (18,42). Diese Antwort Jesu und die imperativische Heilung deuten auf die Vollmacht Jesu hin. Nach diesem Geschehen erblickt der Blinde das Licht, durch das Wort „ehemals“ (18,43) wird die Heilung an sich nochmal genauer hervorgehoben. Doch die Heilung an sich ist nicht die zentrale Botschaft der Perikope, das was nach der Heilung sich vollzieht, ist der Kern. Die Hei­lung ist nur ein Mittel zum Zweck. Der geheilte Bettler folgt nun Jesus und preist Gott (vgl. 18,43). Dieser wird von den Menschen um Jesus herum nicht mehr abgestoßen und gemeinsam rühmen sie Gott (vgl. 18,43).

1.6 Kontext im Lukasevangelium

Die hier behandelte Perikope ist ein Teil des lukanischen Reiseberichts Jesu Christi. Dieser beginnt in Lukas 9,51 und zieht sich bis Lukas 19,27 durch. In diesem Reisebericht wird die gesamte Reise bzw. der Weg Jesu nach Jerusalem zur Erfüllung der Verheißung erzählt. Der gesamte Reisebericht, in welchem auch von der vorliegenden Perikope berichtet wird, ist in einer logischen Kette der Ereignisse wiedergegeben und ist vorwiegend thematisch eingeteilt. Am Anfang des Evangeliums finden wir ein Prolog (Lukas 1,1-4), was das Lukasevangelium damit auch von den anderen stark unterscheidet. Als nächstes wird von der Menschwerdung Jesu, dessen Berufung zum Dienst und die gegeben Umstände (Lukas 1,5 - 4,13) berichtet. Der nächste Abschnitt ist der galiläische Reisebericht, in welchem von Jesu Diensten und Wundern im Raum Galiläa erzählt wird, aber auch von seiner 40 tätigen Zeit in der Wüste. (Lukas 4,14 - 9,50). Der nächste und damit auch größte Abschnitt ist der lukanische Reisebericht, in welchem auch die hier vorliegende Perikope sich befindet (Lukas 9,51 - 19,27). Der letzte Abschnitt des Lukasevangeliums berichtet von der Zeit des Wirkens Jesu in Jerusalem, der Passion bis hin zu seiner Himmelfahrt (Lukas 19,28 - 24,53). Die in dieser Arbeit behandelte Perikope wird von zwei wichtigen Fragmenten aus dem Lukasevangelium umrahmt. In Lukas 18,31-34 wird von der vierten Leidensankündigung Jesu Christi berichtet. In Lukas 19,1-10 wird von der Begegnung Jesu mit dem Zöllner Zachäus erzählt. Diese Themen haben eine logische Beziehung zu einander und müssen auch im Gesamtkontext betrachtet werden. Lukas berichtet von vielen Wundern, unter anderem auch von der Heilung des Blinden bei Jericho. Dieses Wunder muss im Gesamtkontext des Reiseberichts und der Vorbereitung auf die Verheißung in Jerusalem betrachtet werden und ist somit kompositorisch ein wichtiger Teil des Ganzen.

2. Synoptischer Vergleich

Im Folgenden wird der synoptische Vergleich angewandt. In dieser Methode werden mindestens zwei, oft auch drei Texte in tabellarischer Form Vers für Vers verglichen. Da diese Methode meistens bei den Evangelien Markus, Matthäus und Lukas (welche auch als Synoptiker bekannt sind) angewandt wird, hat sie diesen Begriff übernommen. Diese hat die Aufgabe, die Perikope mit anderen Parallelüberlieferungen genauer zu vergleichen, um Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten besser erkennen zu können und einzelne Pointierungen der Texte sachlich aufzuzeigen. Die Tabelle besteht aus drei Reihen, wobei in jeder Reihe eine Überlieferung der Parallelperikopen zu finden sind. Die Übereinstimmungen der jeweiligen Perikopen werden anhand verschiedener Farben in der Tabelle aufgezeigt.

Die zu verwendenden Farben haben die folgenden Bedeutungen:

Grau: wörtliche Übereinstimmungen Mt., Mk. und Lk.

Pink: Übereinstimmungen bei Mt. und Mk.

Gelb: Übereinstimmungen bei Mk. und Lk.

Grun: Übereinstimmungen bei Mt. und Lk.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Katholisches Bibelwerk (Hg.): Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart 2016.

2 Katholisches Bibelwerk (Hg.): Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Stuttgart 2016

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Heilung eines Blinden bei Jericho im Evangelium nach Lukas (18,35-43)
Hochschule
Philosophisch-Theologisch Hochschule Sankt Augustin
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V1183708
ISBN (eBook)
9783346628855
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Evangelium, Lukas, Jericho, Exegese, Theologie, Hausarbeit, Text, synoptischer Vergleich, Redaktionsgeschichte, Gattungskritik, Bibel, Synoptiker, Heilung, Jesus, Blinde, Philosophie
Arbeit zitieren
Roman Kris (Autor:in), 2019, Die Heilung eines Blinden bei Jericho im Evangelium nach Lukas (18,35-43), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183708

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