[...] Diese Zeit und die Rolle des DFB ist erst vor kurzem von Nils Havemann
( Fußball unterm Hakenkreuz , 2005) im Auftrage des DFB aufgearbeitet und dokumentiert
worden. Der Umgang mit jüdischen Fußballern in Deutschland spielt dabei
keine unerhebliche Rolle. Die Juden waren, ebenso wie die anderen Konfessionen,
natürlich auch im Sport zu finden und nach Hitlers Machtergreifung die größten Leidtragenden.
In den ersten Jahren des 3. Reiches wurden sie systematisch aus den
nicht-jüdischen Vereinen verdrängt und viele suchten Zuflucht in jüdischen Vereinen
wie der Makkabibewegung oder dem Schild. Im Jahre 1938 wurden diese Vereine
aufgelöst und den Juden somit jegliche Möglichkeit unter Vereinsbedingungen Sport
zu treiben genommen. Nicht nur jüdische Sportvereine hatten mit Problemen zu kämpfen. Probleme bekamen
auch Vereine mit einem jüdischen Umfeld. Als Beispiel sei hier der FC Bayern
München angeführt, der lange Jahre unter der Führung von Kurt Landauer2 stand.
Landauer war Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Während der NS-Zeit mussten die
Bayern um ihre Existenz kämpfen und wurden von der Stadtverwaltung München in
vielen Sportfragen zugunsten des 1860 München benachteiligt (Schulze-Marmeling
S. 70 ff.). Juden fanden sich nicht nur in Führungspositionen. Der Gründer der Sportzeitschrift
Kicker war Jude (Schulze-Marmeling S. 82.) und unter den ersten deutschen Nationalspielern
fanden sich ebenfalls Juden.
Der Autor stellt sich nun folgende Frage: Hatte die jüdische Bevölkerung einen bedeutenden
Einfluss auf die Entwicklung des Fußballs zwischen der Jahrhundertwende
und dem Jahr 1938?
Damit dies beantwortet werden kann, muss der Frage nachgegangen werden welche
gesellschaftliche Stellung die Juden in dieser Zeit innehatten und wie sich diese veränderte.
Des Weiteren ist es notwendig die Frage zu beantworten, wie diese Juden
in Deutschland im Sport eingebunden waren. Abschließend wird die Frage nach dem
jüdischen Sport in Deutschland und nach dem Ende des 3. Reiches gestellt.
Zu Beginn der Arbeit wird ein Blick auf die gesellschaftliche Stellung der Juden in
Deutschland zwischen 1900 und 1938 geworfen. Anschließend werden die jüdischen
Sportstrukturen und die Einbindung der Juden in nicht-jüdischen Vereinen betrachtet
und auf den Fußball bezogen. Zum Ende der Arbeit wird ein Überblick über den jüdischen
Sport in Deutschland skizziert und kurz dargestellt wie er sich seit dem 3.
Reich entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Rolle der Juden in der deutschen Gesellschaft (1900 bis 1938)
2.1 Bemerkungen zur Emanzipation der jüdischen Bevölkerung
2.2 Entwicklung der Gesellschaftliche Stellung zwischen 1900 und 1938
3. Jüdischer Sport in Deutschland
3.1 Makkabi
3.2 Sportbund Schild
3.3. Jüdischer Sport in Deutschland nach 1945
4. Fußball und Juden
4.1 jüdische Fußballvereine & Vereine mit jüdischem Umfeld im süddeutschen Raum
4.1.1 Mannheim
4.1.2 Ulm
4.1.4 Würzburg
4.1.5 Stuttgart
4.1.6 FC Bayern München
4.2 Walther Bensemann und der Kicker
5. Schlussbetrachtung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der jüdischen Bevölkerung auf die Entwicklung des deutschen Fußballs im Zeitraum von der Jahrhundertwende bis 1938. Dabei wird analysiert, wie jüdische Akteure als Gründer, Funktionäre, Spieler und Mäzene das Vereinswesen prägten und welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere unter dem Einfluss des aufkommenden Antisemitismus und der späteren nationalsozialistischen Diktatur, ihr Wirken beeinflussten.
- Gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland (1900–1938)
- Strukturen jüdischer Sportbewegungen (Makkabi und Schild)
- Einfluss jüdischer Persönlichkeiten auf süddeutsche Fußballvereine
- Rolle von Walther Bensemann als Sportpionier und Journalist
- Auswirkungen der nationalsozialistischen Ausgrenzung auf den Fußballsport
Auszug aus dem Buch
4.2 Walther Bensemann und der Kicker
Ein weiterer Pionier des Deutschen Fußballs ist der bereits erwähnte Walther Bensemann, Gründer und langjähriger Chefredakteur des Kickers. Bensemann agierte vor allem im Süddeutschen Raum und war seit seiner Kindheit begeistert vom englischen Sport, vor allem vom Fußball (Beyer in Schulze-Marmeling S. 82). Neben seiner Tätigkeit als Sportjournalist (in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts) gründete der Sohn wohlhabender Eltern etliche Fußballvereine, z.B. in Karlsruhe, Montreux (bereits mit 14 Jahren), Baden Baden, Freiburg oder in München (den Münchener TV und den FC Bayern München) (Beyer in Schulze-Marmeling S. 82/83, Schulze-Marmeling S. 55 ). Überdies war er an der Gründung des DFB beteiligt.
Bensemann sah im Fußball ein Mittel zur Völkerverständigung (Beyer in Schulze-Marmeling S. 83) und versuchte dies durch seine Fußballphilosophie zu vermitteln (Beyer in Schulze-Marmeling S. 86). Diese beinhaltete die Minimierung der Standesunterschiede, sozialpolitische Aufgaben und die Wahrung von Freiheit, Toleranz, Gerechtigkeit und Nationalgefühl im und durch den Sport (Beyer in Schulze-Marmeling S. 86). Als Mitglied des Süddeutschen Fußballverbandes organisierte er international Begegnungen, nicht immer zur Freude seiner Verbandskollegen. Häufig handelte Bensemann eigenmächtig und als eine Folge seiner Handlungen wurde er zur Jahrhundertwende aus dem SFV verwiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung des deutschen Fußballs ein und skizziert die systematische Verdrängung jüdischer Sportler nach 1933 sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Rolle der Juden in der deutschen Gesellschaft (1900 bis 1938): Es wird der Prozess der jüdischen Emanzipation sowie die wechselvolle gesellschaftliche Stellung der Juden von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis zur nationalsozialistischen Diktatur beleuchtet.
3. Jüdischer Sport in Deutschland: Dieses Kapitel stellt die Organisationsstrukturen der jüdischen Sportverbände, den Makkabi-Kreis und den Sportbund Schild, sowie deren unterschiedliche ideologische Ausrichtungen dar.
4. Fußball und Juden: Der Hauptteil untersucht das Wirken jüdischer Akteure in verschiedenen süddeutschen Vereinen sowie die wegweisende Rolle von Walther Bensemann als Gründer des Kicker.
5. Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit fasst das vielfältige Engagement jüdischer Pioniere zusammen und mahnt zum Gedenken an deren Leistungen sowie zur fortwährenden Auseinandersetzung mit Antisemitismus im Sport.
Schlüsselwörter
Jüdische Emanzipation, Deutscher Fußball, DFB, Makkabi, Sportbund Schild, Antisemitismus, Kurt Landauer, Walther Bensemann, Kicker, Nationalsozialismus, Vereinsgeschichte, Sportpioniere, Assimilation, jüdisches Sportleben, Süddeutscher Fußballverband.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und dem Einfluss der jüdischen Bevölkerung auf den deutschen Fußball zwischen 1900 und 1938.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Rolle der Juden, der Gründung jüdischer Sportverbände und der aktiven Beteiligung jüdischer Akteure in Fußballvereinen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie jüdische Gründer, Spieler und Funktionäre die Entwicklung des Fußballs in Deutschland positiv beeinflusst haben, trotz zunehmender gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Aufarbeitung bestehender Quellen zum Wirken jüdischer Akteure in der Sportgeschichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Beispiele jüdischer Vereine oder Vereine mit jüdischem Umfeld im süddeutschen Raum sowie die Rolle von Walther Bensemann als Journalist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie jüdische Emanzipation, Antisemitismus, Makkabi, Kicker und die Vereinsarbeit jüdischer Pioniere sind zentral für das Verständnis dieser Arbeit.
Welche Rolle spielte Kurt Landauer für den FC Bayern München?
Kurt Landauer war ein langjähriger Präsident des FC Bayern München, der unter anderem durch den Aufbau einer starken Jugendarbeit maßgeblich zum ersten deutschen Meistertitel des Vereins beitrug.
Welches Ziel verfolgte Walther Bensemann mit der Gründung des Kickers?
Bensemann betrachtete den Fußball als Mittel zur Völkerverständigung und nutzte sein Blatt, um für Toleranz und ein freies Sportverständnis zu werben, wobei er häufig in Konflikt mit konservativen Kräften geriet.
- Quote paper
- Alfred Zaal (Author), 2006, Zur Bedeutung und Einfluss der jüdischen Bevölkerung auf den deutschen Fußball zwischen der Jahrhundertwende und 1938, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118371