Davon ausgehend, dass Lehren und Lernen sich nicht mehr bloß auf den Unterricht beschränkt, sondern eine Reihe weiterer Maßnahmen mit einbezieht, welche sowohl den Lehrpersonen als auch den Schülerinnen und Schülern dies überhaupt ermöglichen, lässt sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachkräfte und Berufsgruppen als ein Aspekt oder eine Perspektive von sogenannt «Guter Schule» darstellen. Diese wird als Organisation aufgefasst, in welcher die einzelnen Personen gemein-sam dazu beitragen, die Funktionen der gesamten Einheit zu erfüllen – dafür ist die Kooperation in multiprofessionellen Teams essentiell. Die Schul- und Unterrichtsqualität hängt also auch davon ab, wie die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachkräfte und Berufsgruppen zum Wohl der Kinder umgesetzt wird. Diese Zertifikatsarbeit soll deshalb aufzeigen, wie sich die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» beurteilen lässt. Einerseits ergibt sich dadurch eine Sensibilität sowie eine Reflexivität für ein Phänomen, von dem eine gewisse Brisanz ausgeht, weil Lehrpersonen in vielen Belangen noch alleine arbeiten, sich nicht erklären müssen und selbst entscheiden können – zu kooperieren ist nicht immer oder überall selbstverständlich. Andererseits lässt sich damit aufzeigen, dass sich eine sinnvolle, zweckmäßige und glaubwürdige Zusammenarbeit der verschiedenen Fachkräfte und Berufsgruppen nicht ohne Aufwand oder Anspruch ergibt – sowohl die einzelnen Professionen als auch die ganze Organisation sind dabei gefordert.
Im Rahmen dieser Zertifikatsarbeit soll dargestellt werden, was unter der Kooperation in multiprofessionellen Teams zu verstehen ist, wie sich darauf bezogen eine Qualität festlegen lässt und welche Instrumente zur Verfügung stehen, um diesbezüglich beurteilende Aussagen zu machen. Dazu wird die Frage "Wie lässt sich die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» beurteilen?" formuliert, deren Beantwortung zwar Sinn und Zweck dieser Zertifikatsarbeit ist – die dafür bereitstehenden Ressourcen es jedoch nur im Ansatz zulassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitend
Definition
Konzeption: Kriterien
Welche Kriterien lassen sich für die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» formulieren?
Evaluation: Instrumente
Mit welchen Instrumenten lässt sich die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» rekognoszieren?
Abschliessend
Wie lässt sich die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» beurteilen?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Qualität der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen an einer Schule tätigen Berufsgruppen beurteilt werden kann, um eine effektive Kooperation in multiprofessionellen Teams zu fördern und zu reflektieren.
- Wandel der schulischen Organisation und professionelle Vielfalt
- Definition von Kooperation als sprachbasierter Verständigungsprozess
- Kriterienentwicklung für eine qualitativ hochwertige Zusammenarbeit
- Methoden und Instrumente der Evaluation im schulischen Kontext
- Herausforderungen der Kooperation zwischen unterschiedlichen Disziplinen
Auszug aus dem Buch
Definition
Wie sich das Verständnis von Unterricht und Schule in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat, machen Helmut Fend (2017) und Ulrich Steffens (2017) deutlich. Dabei lässt sich zeigen, dass die Unabhängigkeit und Eigenverantwortung der Lehrpersonen begrenzt wurde und deren Zusammenarbeit ein eigener Wert zugefallen ist (Fend 2017, S. 90ff.). Trotzdem gehen die Modelle des Qualitätsmanagements, für welche die Strukturen und Prozesse im Erziehungs- und Bildungswesen fassbar gemacht werden, bei den Lehrpersonen von Akteuren mit einer bestimmten Autonomie aus (Fend 2017, S. 92ff.). Darauf beziehen sich auch Theorien zu Profession und Organisation, welche aber – aufgrund der bereitstehenden Ressourcen – in dieser Zertifikatsarbeit nicht behandelt werden. Für die Lehrpersonen zeichnet sich damit eine Antinomie zwischen einer gewissen Selbständigkeit sowie Freiheit im Unterricht und der Eingebundenheit in die Schule ab.
Wie Studien (Fend 1977, Steffens 1991) zeigen, lässt sich die Qualität im Erziehungs- sowie Bildungswesen nicht umfassend darstellen, ohne dass die Zusammenarbeit der Lehrpersonen miteinbezogen wird. Dabei so etwas wie eine «Schulkultur» zu definieren (Holtappels 1995), stellt bloss ein Beispiel dar, um das gemeinsame Handeln und Wirken von Menschen mittels von allen befolgten Regeln festzumachen.
Dass der Terminus «Kultur» nur bedingt fassbar wird, eine Definition stets Spuren einer Ambiguität enthält, lässt sich bezogen auf die Organisation zeigen – ist es überhaupt sinnvoll, zweckmässig oder glaubwürdig von etwas wie einer «Kultur» auszugehen [CAS SQA 1 / Modul 3 / Eintrag im Portfolio vom 03.12.20]? Die Antwort von Peter Winch (1972) auf die Frage «Was heisst ‚Eine primitive Gesellschaft verstehen‘» bringt diesbezüglich die Sprache ins Spiel: Die darin enthaltenen Deutungs- und Wertungsmuster sind auf die «Kultur» zurückführbar, so dass eine «primitive Gesellschaft» nur zu verstehen ist, wenn deren «Universum des Diskurses» erschlossen wird (S. 65).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitend: Die Einleitung beleuchtet den Wandel der schulischen Organisation hin zu multiprofessionellen Teams und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die Qualität dieser Kooperation beurteilbar zu machen.
Definition: Dieses Kapitel erörtert das theoretische Verständnis von Unterricht und Organisation unter Berücksichtigung von Schulkultur sowie die Definition von Kooperation als wechselseitigen Verständigungsprozess.
Konzeption: Kriterien: Hier werden Merkmale und Kriterien für eine gelingende Kooperation in multiprofessionellen Teams erarbeitet, wobei der Bezug zum Qualitätsmanagement des Kantons Zürich hergestellt wird.
Welche Kriterien lassen sich für die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» formulieren?: Dieses Kapitel konkretisiert die Anforderungen an eine zielgerichtete Zusammenarbeit und betont die Notwendigkeit von Reflexivität innerhalb der verschiedenen Professionen.
Evaluation: Instrumente: Der Abschnitt erläutert die methodischen Grundlagen der Evaluation im schulischen Kontext und stellt verschiedene Ansätze zur systematischen Datenerhebung vor.
Mit welchen Instrumenten lässt sich die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» rekognoszieren?: Hier werden konkrete Instrumente wie die soziale Netzwerkanalyse und Befragungen diskutiert, um die Qualität der professionellen Interaktion messbar zu machen.
Abschliessend: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kooperation in multiprofessionellen Teams ein zentrales Element der Schulqualität darstellt, das jedoch in aktuellen Evaluationsverfahren noch stärker in den Fokus rücken sollte.
Wie lässt sich die Qualität der Kooperation in multiprofessionellen Teams in der Organisation «Schule» beurteilen?: Dieser letzte Teil gibt eine abschliessende Empfehlung, wie das Evaluationsverfahren durch eine stärkere Gewichtung von Kooperationskriterien und multiprofessioneller Reflexion ausgebaut werden kann.
Schlüsselwörter
Kooperation, multiprofessionelle Teams, Schulkultur, Schulqualität, Qualitätsmanagement, Fachstelle für Schulbeurteilung, Evaluation, Unterrichtsgestaltung, Profession, Sprachanalyse, soziale Netzwerkanalyse, Diskurs, Schulentwicklung, Reflexivität, Lehrpersonen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kooperation in multiprofessionellen Teams innerhalb der Organisation Schule und untersucht Möglichkeiten, deren Qualität zu beurteilen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Qualitätskriterien für die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen sowie die Identifikation geeigneter Evaluationsinstrumente.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Qualität der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Fachkräften in einer Schule systematisch evaluieren lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Der Autor nutzt eine theoretische Aufarbeitung sowie eine Analyse bestehender Evaluationskonzepte der Fachstelle für Schulbeurteilung des Kantons Zürich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Kooperation, die Ableitung von Qualitätskriterien und die Erörterung von Evaluationsmethoden wie Befragungen und Netzwerkanalysen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kooperation, multiprofessionelle Teams, Schulkultur, Evaluation und Qualitätssicherung.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von herkömmlichen Qualitätsberichten?
Sie legt den Fokus explizit auf die notwendige Sensibilität gegenüber den unterschiedlichen fachlichen Diskursen, in denen die verschiedenen Berufsgruppen an einer Schule sozialisiert sind.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Kooperation?
Der Autor argumentiert, dass Kooperation wesentlich über Sprache funktioniert, wobei Missverständnisse durch unterschiedliche fachsprachliche Hintergründe der Akteure entstehen können.
Warum wird die soziale Netzwerkanalyse als Instrument hervorgehoben?
Sie ermöglicht es, die Interaktionsstrukturen innerhalb einer Organisation sichtbar zu machen und Rückschlüsse auf die Einbindung einzelner Fachkräfte in das Gesamtsystem zu ziehen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Schulpraxis?
Der Autor folgert, dass eine „Gute Schule“ Probleme in der Zusammenarbeit explizit ansprechen muss und dafür sowohl Kompetenzen bei den Professionen als auch Ressourcen durch die Organisation benötigt werden.
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- Patrick Sprecher (Author), 2021, Kooperation in multiprofessionellen Teams als Qualitätskriterium in der Schulevaluation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183729