Mediensprache: Einfluss des US-Spanischen in Lateinamerika


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Medien und Mediensprache

III. Einfluss der englischen Sprache

IV. Typologie sprachlicher Entlehnung nach R. Kiesler
1. Übernahme und Teilersetzung
a). Übernahme
b). Teilersetzung
c). Anpassung an die spanische Morphologie und Graphie bei Übernahme
und Teilersetzung
2. Ersetzung
3. Scheinentlehnung
4. Übernahme der Syntax

V. Beispiele von Sprachpflege: Real Academia Española und das Stilbuch von El País

VI. Analyse eines Artikels der chilenischen Tageszeitung Mercurio vom 2.6.06

VII. Fazit und Ausblick

Bibliographie

Anhang: Artikel der chilenischen Tageszeitung Mercurio vom 2.6.2006

I. Einleitung

Si, como ha ocurrido con muchas de las tendencias de los hispanos norteamericanos, el spanglish hubiera de extenderse a América latina, constituiría la última toma de poder imperialista, la imposición final de un modo de vida que es económicamente dominante pero no culturalmente superior en ningún sentido. América latina es rica en muchos aspectos no medibles con una calculadora.[1]

Sobald man sich etwas mit der spanischen Sprache beschäftigt, stößt man notgedrungen auf den Begriff Spanglish. Dieser bringt den starken Einfluss des Englischen auf das Spanische zum Ausdruck, der für viele Romanisten als Sprachverfall oder sogar, wie in obigem Zitat, als imperialistisches Phänomen angesehen wird. Ob die Aufnahme englischer Wörter und Ausdrucksformen nun das Spanische bereichert oder eher schadet, darüber lässt sich streiten. Wesentlich für uns ist nur festzuhalten, dass es diese Entwicklung gibt. In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, ob und in welcher Form sich der Einfluss des Englischen in der lateinamerikanischen Mediensprache und speziell in der Zeitungssprache bemerkbar macht.

Hierfür muss zunächst einmal definiert werden, was Massenmedien sind und wodurch ihre Sprache charakterisiert ist. Ebenso sind die Ursachen interessant, wie es überhaupt zur Beeinflussung durch das Englische kommt. Zum anderen soll in diesem Zusammenhang gezeigt werden, unter welchen verschiedenen Gesichtspunkten man im Einzelfall überhaupt davon ausgehen kann, dass ein Anglizismus vorliegt, und in welchen Bereichen der spanischen Sprache Anglizismen zu finden sind.

Der zweite Teil verschreibt sich der Analyse eines Artikels der chilenischen Zeitung „El Mercurio“ auf Anglizismen anhand der im theoretischen Teil erarbeiteten Erkenntnisse und anhand diverser Nachschlagewerke.

II. Medien und Mediensprache

Bei einer Arbeit, die sich mit Mediensprache befasst, erwartet man zu Beginn eine Definition des Begriffes Medien. Zunächst einmal ist festzustellen, dass Kommunikation und Medien untrennbar miteinander verknüpft sind. Ohne Medium als Kanal ist jegliche Art von Kommunikation unmöglich.

Das Kennzeichen von Massenmedien wie Zeitung, Radio, Internet und Fernsehen ist, dass sie vielen Empfängern Informationen in schriftlicher oder mündlicher Form übertragen. Das heißt, es handelt sich „nicht um Kommunikation zwischen Gesprächspartnern[2], sondern um einen einseitigen Informationsfluss zum Konsumenten. Medien haben dabei nicht nur in der Hand, was berichtet wird, sondern auch wie etwas berichtet wird, das heißt, welche Sprache verwendet wird. Sie üben also nicht nur im Hinblick auf die Informationen, sondern auch in linguistischer Hinsicht erheblichen Einfluss auf die Rezipienten und damit auf die künftige Sprachentwicklung einer Gesellschaft aus. Und das macht sie für die Wissenschaft interessant.

Was ist nun genau Mediensprache? Obwohl der Begriff ein terminus technicus zu sein scheint‚ ist in der Literatur keine allgemein gültige Definition zu finden. Linguistische Wörterbücher weichen auf die Umschreibung ‚Sprache der Medien’ oder ‚Sprache in den Medien’ aus. Eine Definition erweist sich deshalb als schwierig, weil Mediensprache immer im Zusammenhang mit dem Medium gesehen werden muss, in dem sie benutzt wird. Und hier stellt man fest, dass wir es mit sehr verschiedenen Medien mit je eigenem linguistischem Stil zu tun haben: Printmedien verwenden eine stilistisch gehobenere Sprache als audiovisuelle Medien wie das Fernsehen oder die auditiv-oralen wie das Radio. Der Umfang dieser Arbeit lässt es leider nicht zu, über den Sprachgebrauch jedes einzelnen Mediums ins Detail zu gehen. Daher soll sich hier auf das Printmedium Zeitung beschränkt werden.

Um für eine große Zahl von Rezipienten verständlich zu sein, müssen Medien eine klare, einfache, allgemein verständliche Sprache verwenden, weil der Empfänger durch den einseitigen Informationsfluss bei Unklarheiten nicht die Möglichkeit hat, unmittelbar nachzufragen. Das hat zur Folge, dass sich Mediensprache morphologisch und syntaktisch nicht von der Alltagssprache unterscheidet, sie verwendet nur ein anderes Vokabular, weil zum Beispiel ein geschriebener Text ein höheres sprachliches Niveau verlangt. Wer sich mit Mediensprache befasst, muss sich klar machen, dass Medien aber einerseits nicht nur die Sprache der Masse widerspiegeln, sondern andererseits durch ihre hohe Präsenz im Alltag auch für die Verbreitung neuer Wörter verantwortlich sind. Die beeinflussen also in ganz erheblichem Maße die Sprache der Masse, weil sie relativ viele Menschen gleichzeitig erreichen.[3]

Zur Mediensprache gibt es bislang vor allem Arbeiten zur Pressesprache der Printmedien, die die Speziallexik und die grammatischen Besonderheiten untersuchen. Das hängt sicherlich zum einen damit zusammen, dass es sich um das historisch älteste Medium handelt, zum anderen aber auch damit, dass seine Texte leichter zu erfassen sind als etwa Radio oder Fernsehen. Doch auch hier kann man nicht von einer einheitlichen Sprache sprechen, da beispielsweise Zeitungstexte verschiedene Textsorten haben. So wird eine Glosse eine andere Sprache verwenden als eine Reportage oder ein Bericht. Und auch innerhalb der Textsorten kann noch einmal nach Themen linguistisch differenziert werden. Gewiss hat ein Artikel über ein Fußballspiel ein anderes Vokabular als einer, der von internationalen Verträgen oder der Hochzeit eines Schauspielers handelt. In keiner anderen Publikationsform werden so viele verschiedene Sach- und Fachbereiche auf kleinstem Raum angesprochen wie in einer Zeitung.

III. Einfluss der englischen Sprache

All die eben genannten Punkte müssen berücksichtigt werden, wenn man sich mit dem Einfluss der englischen Sprache auf die Mediensprache befasst. Die große Präsenz der Massenmedien im täglichen Leben ist für die Verbreitung der Anglizismen hauptsächlich verantwortlich.[4] Warum ist das so? Im Folgenden soll nun kurz auf einige Aspekte englischen Einflusses hinsichtlich der Sprache in Fernsehen, Kino und Zeitung speziell eingegangen werden.

Betrachten wir zunächst einmal Fernsehen und Kino. Beide Medien benutzen sowohl einen auditiven wie visuellen Kanal. Die wenigsten Filme im spanischsprachigen Raum sind synchronisiert, die meisten werden in Originalsprache mit spanischem Untertitel gezeigt. Die Übersetzer sind schlecht bezahlt, sie werden gebraucht, wenig kontrolliert und die Inhalte sind oft komplex. All das sind Faktoren, die dazu führen, dass die Untertitel nicht nur viele Anglizismen enthalten, sondern auch Ausdrücke, die im Spanischen überhaupt nicht existieren oder unüblich sind. So äußert sich eine spanische Übersetzerin im Internet über den Einfluss der teils schlechten Übersetzungen in den Medien. Sie findet es schrecklich, dass einige Landsleute zu ihren Kindern mittlerweile schon „Dónde demonios has estado?“ sagen, wenn sie zu spät nach Hause kommen. Das Wort „demonios“ würde man jedoch in diesem Kontext nie gebrauchen. Es handelt sich hier schlicht und ergreifend um eine schlechte Übersetzung des englischen Wortes „hell“, das einfach wörtlich übersetzt wurde, ohne einen spanisch entsprechenden Ausdruck zu suchen. In diesem Zusammenhang wären die Wörter „cojones“ oder „coño“ üblich. Durch die starke Präsenz des Fernsehens im Alltag der Latinos werden solche dauerhaften Fehlübersetzungen englischsprachiger Filme häufig in die Alltagssprache übernommen.[5]

Einem Printmedium wie der Zeitung steht dagegen nur ein Kanal, der visuelle, zur Verfügung. Und auch Tageszeitungen sind stark dem Einfluss des Englischen ausgesetzt. Warum ist das so? Ihr Ziel ist es, über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen zu berichten. Die Realität ist aber nicht statisch, sondern befindet sich in einem ständigen Wandel und Fortschritt. Dadurch ist es nicht zu vermeiden, dass viele neue Begriffe und damit natürlich auch Anglizismen verwendet werden, um auf der Höhe der Zeit zu sein. So findet man englische Wörter vor allem in Bereichen, in denen die USA eine führende Rolle spielen, wie Wissenschaft und Technik, speziell Informatik und Elektronische Datenverarbeitung.

Und es liegt auch in der Natur der Sache von internationaler Berichterstattung, dass Sprachkontakt besteht, denn es sind ja vor allem englischsprachige Nachrichtenagenturen, die den Großteil der Nachrichten von internationalem Interesse verbreiten und die entsprechenden Texte an die Redaktionen der größeren Zeitungen verteilen. Die Journalisten müssen also die englischen Texte in ihre Muttersprache übersetzen. Und da die Nachrichten möglichst bald verbreitet werden müssen, um aktuell zu bleiben, stehen sie unter Zeitdruck. Das heißt, es ist anzunehmen, dass Schnelligkeit oft wichtiger ist als die Übertragung in ein reines und stilistisch hochwertiges Spanisch. Dadurch steigt einerseits die Wahrscheinlichkeit, dass englische Ausdrücke übernommen werden – vor allem, wenn die eigene Sprache hierzu noch keine Alternativen bietet – und andererseits kommt es zu schlechten Übersetzungen.

[...]


[1] Schmitt, Christian: Zum Anglizismus im heutigen Spanisch – Die <Libros de Estilo> und das Problem der Entlehnung, in: Winkelmann, Otto (Hrsg.): Englisch und Romanisch, Romanistisches Kolloquium XVII, Tübingen 2005, S. 81.

[2] Schmitt 2005, S.86.

[3] vgl. Casado Velarde, Manuel: Aspectos del lenguaje en los medios de comunicación social, S. 2, unter: http://www.unav.es/linguis/grames2/LENGMCS.pdf (vom 5.6.06).

[4] López González, Antonio María: La sociolinguística en los medios de comunicación, in: Linguistik online 12, 3/02, unter: http://www.linguistik-online.de/12_02/lopez.html (vom 5.6.06).

[5] vgl. http://traduccion.rediris.es/4/elena.htm (vom 5.6.06).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Mediensprache: Einfluss des US-Spanischen in Lateinamerika
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Neueste Entwicklungen des lateinamerikanischen Spanisch
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V118389
ISBN (eBook)
9783640210305
ISBN (Buch)
9783640210374
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediensprache, Einfluss, US-Spanischen, Lateinamerika, Neueste, Entwicklungen, Spanisch
Arbeit zitieren
Daniela Höchtl (Autor), 2006, Mediensprache: Einfluss des US-Spanischen in Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118389

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