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Das Motiv der Angst in Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"

Title: Das Motiv der Angst in Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"

Term Paper , 2008 , 39 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Karin Heiduck (Author)

Literature - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit Rilkes 1910 erschienenem Tagebuchroman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge". Im Zentrum von Maltes städtischen Aufzeichnungen steht seine Konfrontation mit der Metropole Paris, die er als „Angriff einer neuen, unbegreiflichen Wirklichkeit“ erlebt. Dieser „Angriff“ ist einerseits Ursache für seine Angst auf der Gegenwartsebene und andererseits Anlass für seine Flucht in Erinnerungen und die damit verbundene Auseinandersetzung mit den Ängsten seiner Kindheit. Durch Schreiben, d.h. durch das Verfassen der Aufzeichnungen, versucht Malte, seiner Ängste Herr zu werden. Angst wird im Roman immer wieder thematisiert. Malte kann Angst nicht nur spüren, sondern in einer Gasse auch riechen. Er beobachtet ein schlafendes Kind, das Angst atmet (MLB, 7). Vor einer Abrissmauer sieht er „die Materialisierung von Lebensgefühlen, vor allem von Ekel und Angst“ (MLB, 42). Malte vergegenwärtigt sich die Ängste seiner Kindheit und verwendet in einem einzigen Satz das Wort „Angst“ zehn Mal (MLB, 57).
Angst als Motiv wird auch in der mir vorliegenden Forschungsliteratur sehr häufig erwähnt, jedoch nur in einem Aufsatz in den Fokus einer Untersuchung gerückt. Hans Schwerte legt in Maltes Angst den Schwerpunkt allerdings nicht auf die Verbindung von Großstadt und Angst, sodass ich mich in meiner Hausarbeit mit diesem Aspekt befassen möchte.
Das Ziel meiner Arbeit ist, den Einfluss der Großstadt nicht nur auf den Inhalt von Maltes Aufzeichnungen, sondern auch auf deren Form und Sprache zu untersuchen und dabei Angst als Wirkung der Großstadt in den Fokus zu nehmen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Motiv der Angst

2.1. Begriffsdefinition „Motiv“

2.2. Begriffsdefinitionen „Angst“ und „Furcht“

2.3. Das Motiv der Angst als Zusammenhang stiftendes Element zur Verbindung disparater Stoffbereiche

3. Angst als Wirkung der Großstadt

3.1. Maltes urbane Wahrnehmung

3.2. Narratologische Aspekte in der Darstellung von Maltes Wahrnehmung

3.3. Begünstigende Faktoren für Maltes Angst

3.4. Maltes Angst als Wirkung der Großstadt

4. Die wieder auferstandenen Ängste der Kindheit

4.1. Angst als Maltes Begleiter seit seiner Kindheit

4.2. Die „Wiederbelebung“ der Kindheitsängste durch die Erfahrungen der Großstadt

5. Schreiben als Mittel gegen die Angst

5.1. Sehen als Voraussetzung für Schreiben

5.2. Alleinsein als Voraussetzung für Schreiben

5.3. Schreiben als Versuch der Bewältigung der Angst

6. Der Einfluss der Großstadt auf die Darstellung der Angst bzw. der Angst machenden Umstände

6.1. Narratologische Aspekte

6.2. Die Form der Aufzeichnungen

6.3. Die Sprache der Aufzeichnungen

7. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einfluss der Metropole Paris als Großstadt auf die inhaltliche, formale und sprachliche Gestaltung der Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rainer Maria Rilke, wobei Angst als eine direkte Wirkung der großstädtischen Erfahrung im Fokus steht.

  • Analyse des Motivs der Angst in Rilkes Roman.
  • Untersuchung der Wechselwirkung zwischen urbaner Reizüberflutung und Maltes Wahrnehmung.
  • Erforschung der Verbindung zwischen Kindheitsängsten und großstädtischen Erlebnissen.
  • Diskussion von Schreiben als Mittel der Angstbewältigung.
  • Betrachtung narratologischer Aspekte und sprachlicher Innovationen zur Darstellung von Angst.

Auszug aus dem Buch

3.1. Maltes urbane Wahrnehmung

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge beginnen in medias res. Malte, der Ich-Erzähler und Protagonist, ist in Paris angekommen und wird von einer Fülle neuer Erfahrungen überwältigt. Er ist unfähig, etwas anderes zu tun als zu perzipieren. Mit Augen, Ohren und Nase nimmt er die auf ihn einstürzenden Großstadteindrücke wahr. Malte „registriert und setzt das Gesehene unmittelbar mit Paris gleich. [...] An keiner Stelle bemüht sich Malte darum, die Stadt selber und seine eigene Position darin mit Hilfe historischer, politischer oder kultureller Parameter zu begreifen. Paris ist für ihn, was er davon erfährt und wahrnimmt, und das wiederum setzt er mit der Wirklichkeit gleich“.

Paris, der Ort, an den „die Leute [kommen], um zu leben“ (MLB, 7), ist für Malte ein beklemmender Ort der Krankheit, des Elends und des Todes, den er „mit dem erschütterten Blick eines Mit-Leidenden“ wahrnimmt. In der ersten Aufzeichnung begegnen wir Malte mit einem Stadtplan, Gebäude in französischer Sprache benennend (MLB, 7). Die gezielt eingesetzten französischen Bezeichnungen sind ein poetisches Mittel zur „Entfaltung der für den Roman zentralen Fremdheitsthematik im Sinne einer existentiellen Desintegration“. Malte registriert die ihn umgebenden Fakten, ohne deren Bedeutung aufzudecken. Er schafft es nicht, die diskontinuierlichen und isolierten Einzeleindrücke zu ordnen und als Einheit zu konzipieren. Seine Beschreibungen bleiben an der Oberfläche und signalisieren „die Verständnislosigkeit des Beobachters“, die sich auch in seiner Sprache ausdrückt: in kurzen und teilweise inkompletten Sätzen, dem Verzicht auf (bestimmte) Artikel und dem bevorzugten Einsatz des Indefinitivpronomens werden Maltes Angst und Fremdheit in der ihm unverständlichen Welt sprachlich umgesetzt.

„Ich habe gesehen: Hospitäler“, notiert Malte (MLB, 7). Rhetorisch setzt er ein Hyperbaton ein, um das Sehen syntaktisch zu exponieren und eine scharfe Trennung zwischen ihm und den von ihm wahrgenommenen Objekten zu markieren – eine Grenzlinie, die im Laufe der Aufzeichnungen immer diffuser werden wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Gegenstand der Arbeit vor und definiert das Ziel, den Einfluss der Großstadt Paris auf Rilkes Roman sowie die Rolle der Angst in Form und Sprache zu untersuchen.

2. Das Motiv der Angst: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Motiv, Angst und Furcht und etabliert das Angst-Motiv als einigendes Element innerhalb der disparaten Fragmente des Romans.

3. Angst als Wirkung der Großstadt: Hier wird Maltes überwältigende Wahrnehmung von Paris, narratologische Aspekte seiner Schilderungen sowie begünstigende Faktoren für sein Angstempfinden analysiert.

4. Die wieder auferstandenen Ängste der Kindheit: Das Kapitel beleuchtet, wie die Großstadterfahrung Maltes frühere Kindheitsängste reaktiviert und warum die Flucht in die Erinnerung keine Entlastung bietet.

5. Schreiben als Mittel gegen die Angst: Im Fokus stehen die Voraussetzungen des Sehens und Alleinseins für Maltes Schreibprozess, der als Versuch der Angstbewältigung interpretiert wird.

6. Der Einfluss der Großstadt auf die Darstellung der Angst bzw. der Angst machenden Umstände: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der narratologischen Besonderheiten, der Mosaikform der Aufzeichnungen sowie der sprachlichen Stilmittel bei der Schilderung der angstbesetzten urbanen Lebenswelt.

7. Schluss: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung der Großstadt als Auslöser für Angst sowie deren Spiegelung in der ästhetischen Form des Romans.

Schlüsselwörter

Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Angst, Großstadt, Paris, Literaturwissenschaft, Narratologie, Schreibprozess, Kindheitsängste, Moderne, Ästhetik des Hässlichen, Wahrnehmung, Identität, Fremdheit, Groteskpoetik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie die Großstadt (insbesondere Paris) als zentraler Raum das Angstempfinden des Protagonisten Malte in Rilkes Tagebuchroman beeinflusst und welche literarischen Mittel Rilke einsetzt, um diese Angst darzustellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Angst-Motiv, die moderne Großstadtwahrnehmung, die Verbindung von Kindheitserinnerungen mit aktuellen Ängsten sowie das Schreiben als Bewältigungsstrategie des Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Einfluss der Großstadt nicht nur den Inhalt der Aufzeichnungen bestimmt, sondern maßgeblich die Form und die Sprache des Romans prägt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die narratologische Aspekte, poetologische Innovationen und eine Untersuchung der sprachlichen Gestaltung (z.B. Reihungsstil, Metaphorik) einbezieht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Maltes urbaner Wahrnehmung, die Bedeutung der Kindheitsängste, die Analyse des Schreibens als Strategie gegen die Angst sowie die detaillierte Analyse der sprachlichen und formalen Mittel, mit denen die Angst machenden Umstände kodiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rilke, Angst, Großstadt, Moderne, Erzählstruktur, Wahrnehmung, Identitätsverlust und literarische Innovationen charakterisiert.

Wie beeinflusst die Großstadt laut der Autorin Maltes Schreibweise?

Die Großstadt führt zu einer Überlast an Eindrücken und einer Fragmentierung der Erfahrung, was Rilke in einer montageartigen, mosaikhaften Form und einer sprachlichen Reduktion bzw. Entgrenzung widerspiegelt.

Welche Funktion hat die Kindheit für Malte in der Großstadt?

Obwohl die Kindheit als Fluchtort dienen soll, stellt sich heraus, dass die Erinnerungen mit dem gleichen Schrecken wie die Pariser Gegenwart belastet sind, was die ausweglose Situation des Protagonisten unterstreicht.

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Details

Title
Das Motiv der Angst in Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
College
University of Hagen  (LG Europäische Literatur und Mediengeschichte)
Course
Modul 10 - B.A. Kulturwissenschaften
Grade
1,7
Author
Karin Heiduck (Author)
Publication Year
2008
Pages
39
Catalog Number
V118392
ISBN (eBook)
9783640210329
ISBN (Book)
9783640210404
Language
German
Tags
Motiv Angst Rilkes Aufzeichnungen Malte Laurids Brigge Modul Kulturwissenschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karin Heiduck (Author), 2008, Das Motiv der Angst in Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118392
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