Techniken des Einfühlenden Verstehens einschließlich Aktives Zuhören und Paraphrasieren in den Konzepten von N. Feil und C. Rogers


Seminararbeit, 2005

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1. Einleitung

Von anderen verstanden zu werden, wünschen sich die meisten. Doch wie funktioniert das? Kann man die Emotionen des Gegenüber erfühlen oder gar erraten? Hilfreiche Gespräche hat jeder von Zeit zu Zeit und auch ich habe festgestellt, dass man mit seinen Problemen zu demjenigen geht, wo man glaubt, dass dieser einen am besten versteht. Doch was macht das einfache Zuhören zum empathischen Kommunizieren? Und kann man diese Eigenschaft auch durch intensives Training erwerben?

Rogers beantwortete die letzte Frage mit Ja, als er sein Konzept der Klientenzentrierten Beratung bzw. Psychotherapie publizierte. Darin formulierte er das Einfühlende Verstehen als eine der Grundanforderungen an einen nondirektiven Berater und er beschrieb lernbare Techniken zur Umsetzung seiner Vorgaben. Rogers gilt in dieser Hinsicht als Vorreiter, doch viele Autoren entwickelten sein Konzept weiter, so dass es bis heute aktuell geblieben ist.

Im Seminar Methoden der Sozialen Einzelhilfe habe ich Rogers kennen gelernt und mich in der Anwendung seiner Ratschläge geübt. Gleichzeitig dazu erhielt ich im Einführungspraktikum im Seniorenzentrum an der Weißen Elster durch meine Anleiterin theoretisches Wissen zur Validation, einem speziellen aus den USA stammenden Konzept im Umgang mit hochbetagten Senioren. Dazu habe ich Bücher gelesen, Videos geschaut und die Sozialarbeiterin bei der Anwendung genau studiert. Später probierte ich es selbst aus und spürte relativ schnelle Erfolge in der Kommunikation mit dementiell erkrankten Bewohnern.

Ich sah viele Parallelen zu Rogers und das weckte das Interesse zu einem Vergleich beider Ansätze. Dabei kann ich sowohl mein Wissen aus dem Seminar, als auch praktische Erfahrungen mit einbeziehen. Meine Informationen zur Validation beziehe ich aus einem Lernkatalog der Validation, den mir meine Praxisanleiterin freundlicherweise als Kopie zur Verfügung gestellt hat. Da ein gesamter Vergleich zu umfangreich wäre, möchte ich mich ganz konkret auf die Techniken des Einfühlendes Verstehens konzentrierten und theoretische Grundlagen dabei vernachlässigen.

2. Das Klientenzentrierte Konzept nach C. Rogers

Bei diesem Konzept handelt es sich um „eine bestimmte Art der sozialen und verbalen Interaktion, für die ein einfühlendes, wertschätzendes und aufrichtiges Therapeutenverhalten kennzeichnend ist“ ( Alterhoff 1994, S.80). Durch diese Art der Kommunikation zwischen Sozialarbeiter und Klient wird eine hohe Veränderungsbereitschaft erzielt. Eine der „drei Bedingungen“ die seitens des Beraters erfüllt sein muss, „damit ein wachstumsförderndes Klima entsteht“ ( Rogers in: Alterhoff 1994, S.82) ist das Einfühlende Verstehen oder auch kurz Empathie. Was Rogers im Einzelnen darunter versteht soll im folgendes näher erläutert werden.

2.1 Einfühlendes Verstehen

Wie Alterhoff (vgl. 1994, S.83f.) ausführlich erörtert, besteht in der einschlägigen Fachliteratur große Uneinigkeit über den korrekten Ausdruck für dieses Beratermerkmal. Die einen betonen eher das „einfühlende, mitoder nachempfindende, verstehende oder empathische Element“ (a. a. O., S.83), während andere Autoren Bezeichnungen bevorzugen, die das Element der Mitteilung, Kommunikation, des Aussprechens oder Verbalisierens des Verstandenen betonen (vgl. Ebd.). Nach Alterhoff darf keine der beiden Komponenten vernachlässigt werden, deshalb wählt er die Bezeichnung „präzises einfühlendes Verstehen und genaue Mitteilung des so verstandenen“ (1994, S.84). Rogers selber nannte es zunächst „reflecting of feeling“, was zu dem Missverständnis führte, es handle sich dabei um ein bloßes Wiederholen von emotionalen Klientenäußerungen. Er wandte sich jedoch relativ schnell gegen diese Missdeutung und distanzierte sich vom Begriff des Spiegelns und führte Benennungen ein, die den einfühlenden Part stärker betonen.

Für Rogers bedeutet Empathie, den inneren Bezugsrahmen des anderen mit all seinen emotionalen Kompetenzen und Bedeutungen möglichst exakt wahrzunehmen, als ob man die andere Person wäre, ohne jedoch jemals die eigentliche Distanz aufzugeben. Dabei soll der Berater den Appellcharakter einer Nachricht vernachlässigen und vordergründig auf die Emotionen des Klienten achten. Dies funktioniert umso besser, je bewusster der Anwender seine eigene Befindlichkeiten wahrnimmt. (Vgl. Ebd.)

Als Gegenstand des einfühlenden Bemühens gilt nur die persönliche innere Welt des Klienten, der Berater muss versuchen alles das nachzuempfinden, was sich in seinem Gesprächspartner erlebnismäßig abspielt. Das Nachempfundene teilt er seinem Gegenüber so mit, dass dieses es ohne Probleme annehmen und verstehen kann (vgl. Alterhoff 1994, S. 85). Formen einer verständlichen und differenzierten Mitteilung sollen in dem nächsten Kapitel noch erläutert werden.

Alterhoff (vgl. 1994, S.88-92) formuliert einige Hinweise, die beim Versuch einer optimalen Umsetzung des Einfühlenden Verstehens seitens des Gesprächsführers beachtet werden sollten: Er bekräftigt erneut die ausschließliche Konzentration des Beraters auf die Gefühle des Klienten und die Vernachlässigung der sachlichen Gesprächsinhalte. Gerade für Anfänger sei dies besonders schwer. (vgl. a. a. O. S.89) Weiterhin müssen die Formulierungen des klientenzentrierten Ratgebers möglichst konkret und anschaulich, sowie kurz und exakt sein, damit sie den Gesprächspartner nicht überfordern oder als Zeichen mangelnden Einfühlungsvermögens interpretiert werden (vgl. Ebd.). Aber dennoch muss dem Berater stets klar sein, dass seine „Verbalisierungen nur Hypothesen oder Annäherungen an das Gefühl des Klienten sein können“ (Ebd.). Das heißt aber keinesfalls, dass die Formulierungen der Wahrnehmungen etwa unsicher oder zaghaft zum Ausdruck gebracht werden sollten. Stattdessen legt der Gesprächsführer sie sicher und überzeugt in einem leichten fragenden Ton dem Klienten dar. Das tut er nach Alterhoff (vgl. 1994, S.91) so oft wie möglich, um zu zeigen, dass er am gemeinsamen Prozess intensivst interessiert ist und in direkter Form, d. h. dass er umständliche Umschreibungen von Gefühlen vermeidet und wahrgenommene Emotionen geradlinig vermittelt. Dabei muss der Zeitraum, der zwischen der Wahrnehmung der Klientenempfindung und der Verbalisierung durch den Berater möglichst gering sein (vgl. Ebd.).

2.2 Hilfreiche Techniken zur Verwirklichung

Zur idealen Umsetzung der vorgegeben Maßstäbe gibt es einige spezielle Techniken, die es dem Berater vereinfachen, einerseits die Komponente des Verstehens und andererseits auch die richtige Formulierung dessen zu verwirklichen um die hilfreichen Möglichkeiten des einfühlenden Verstehens voll auszuschöpfen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Techniken des Einfühlenden Verstehens einschließlich Aktives Zuhören und Paraphrasieren in den Konzepten von N. Feil und C. Rogers
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (FB Sozialwesen)
Veranstaltung
Methoden der Sozialen Arbeit: Klientenzentr. Gesprächsführung
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
11
Katalognummer
V118398
ISBN (eBook)
9783640216048
ISBN (Buch)
9783640216109
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vergleich technischer Aspekte der Konzepte der Klientenzentrierten Gesprächsführung und der Validation, wobei sich auf den Aspekt des Einfühlenden Verstehens beschränkt wird.
Schlagworte
Techniken, Einfühlenden, Verstehens, Aktives, Zuhören, Paraphrasieren, Konzepten, Feil, Rogers, Methoden, Sozialen, Arbeit, Klientenzentr, Gesprächsführung
Arbeit zitieren
Dipl. Sozpäd./Sozarb. (FH) Rene Böhme (Autor), 2005, Techniken des Einfühlenden Verstehens einschließlich Aktives Zuhören und Paraphrasieren in den Konzepten von N. Feil und C. Rogers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118398

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