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Das Verhältnis von Tod und Geschlecht in Max Frischs Roman -Homo faber-

Titel: Das Verhältnis von Tod und Geschlecht in Max Frischs Roman -Homo faber-

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 27 Seiten , Note: sehr gut (1.0)

Autor:in: M.A. Mario Paulus (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Max Frischs Roman „Homo faber” gilt in der Forschung als eines der bestuntersuchten Werke der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Wenn man zudem der Tatsache Rechnung trägt, dass die Anzahl neuer wissenschaftlicher Publikationen zu diesem Roman seit den frühen 1980er Jahren relativ gering ist, so wird der Eindruck erweckt, es gebe keine neuen Perspektiven, unter denen man den Text analysieren könnte.
Die vorliegende Arbeit ist unter der Prämisse verfasst worden, dass dieser Eindruck täuscht.
Dabei wird neben der Geschlechterproblematik der Tod als ein zentrales Motiv des Romans behandelt. Drei Fragen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Gefragt wird nämlich erstens nach der Bedeutung, die dem Tod in der Romanhandlung zukommt, zweitens nach dem Verhältnis zwischen Tod und Geschlecht und drittens nach einer Bewertung der Antworten, die auf die beiden ersten Fragen gegeben werden können.
Zudem ist der Verlauf der Interpretation geprägt von einer Perspektivenerweiterung. Ausgehend von Untersuchungen konkreter Textpassagen werden – jeweils unter dem Gesichtspunkt der Gender-Thematik – Beobachtungen zur Erzählstruktur des gesamten Romans sowie zu Frischs Gesamtwerk getroffen, bevor der Roman „Homo faber” skizzenhaft in den Kontext von Moderne und Postmoderne gestellt wird. Auf diese Weise werden zugleich Ansichten, die in der Forschungsliteratur anzutreffen sind, hinterfragt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der „weibliche” Tod: Die Dichotomien des Romans

2.1 Die Zwischenlandung in Houston

2.2 Der Selbstmord Joachims

3. Die tote Frau: Sabeth als „Schöne Leiche”

3.1 Sabeths Tod und die Erzählstruktur des Romans

3.2 Sabeths Tod und die Entwicklung der Hauptfigur Walter Faber

4. Der sterbende Mann: Umkehrung der Dichotomien

4.1 Der Aufenthalt in Habana

4.2 Zur Frage nach einer Wandlung der Hauptfigur

5. „Homo faber” – ein Roman zwischen Moderne und Postmoderne ?

5.1 „Homo faber” und der Feminismus der Simone de Beauvoir

5.2 „Homo faber” aus der Perspektive der Gender–Forschung

5.3 „Homo faber” und die Diskurse der Postmoderne

6. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert Max Frischs Roman "Homo faber" unter dem zentralen Aspekt der Geschlechterproblematik in Verbindung mit dem Motiv des Todes. Ziel ist es, die Konstruiertheit männlicher und weiblicher Rollenbilder im Kontext des technokratischen Weltbildes der Hauptfigur kritisch zu hinterfragen.

  • Analyse der dualistischen Weltanschauung von Walter Faber.
  • Untersuchung der Bedeutung des Todes als zentrales Motiv in der Romanhandlung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Frauenbild im Roman aus der Perspektive der Gender-Forschung.
  • Einordnung des Romans in das Spannungsfeld zwischen Moderne und Postmoderne.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die Zwischenlandung in Houston

Anspielungen auf den Tod ziehen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Dabei ist es aufschlußreich für die Analyse, wenn man einmal untersucht, wie die Bilder, die vom Tod gezeichnet werden, jeweils beschaffen sind.

Ein erstes Mal taucht dieses Motiv bei der Zwischenlandung in Houston auf. Faber, unterwegs von New York nach Caracas, ist froh um die Pause, da ihm sein Nachbar, der Düsseldorfer Herbert Hencke, auf die Nerven gegangen ist. Aus diesem Grund verzichtet Faber darauf, in der Bar etwas zu trinken, denn der Düsseldorfer sitzt dort bereits: Faber weicht ihm aus. Dieses Ausweichen ist durchaus von tieferer Bedeutung, weil es einem Fluchtversuch vor der eigenen Vergangenheit gleichkommt. Denn Herberts Gesicht erinnert ihn an seinen Jugendfreund Joachim. Wenn Faber auch zum Zeitpunkt der Zwischenlandung noch nicht weiß, daß Herbert tatsächlich Joachims Bruder ist, so wird an dieser Stelle zum ersten Mal ein Zusammenhang hergestellt zwischen Fabers Vergangenheit und seiner gegenwärtigen Situation als Techniker. Diesen Zusammenhang will Faber zunächst nicht wahrhaben, was in dem Bericht mit dem knappen Satz „Ich vergaß es wieder“ (IV 10) zum Ausdruck kommt. Das Verb „vergessen“ ist jedoch nicht ganz angemessen für Fabers Umgang mit seiner Erinnerung; es deutet einiges darauf hin, daß hier ein Verdrängungsmechanismus greift: Faber hatte vor dem Krieg seine Freundschaft mit Joachim - genauso wie seine Beziehung zu Hanna - abrupt abgebrochen, um als Techniker durch die Welt zu reisen. Zurückgeblieben ist offenbar ein Gefühl des Unbehagens, wenn er an seine Vergangenheit erinnert wird, die sich nicht ohne weiteres mit seinem stark von Rationalität geprägten Leben als Techniker vereinbaren läßt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt das Forschungsinteresse an Frischs Roman dar, wobei insbesondere der Fokus auf die Gender-Perspektive und die Verknüpfung von Geschlecht und Tod im Vordergrund steht.

2. Der „weibliche” Tod: Die Dichotomien des Romans: Dieses Kapitel analysiert das dualistische Weltbild Fabers, in dem Technik und Rationalität männlich, Natur und Tod hingegen weiblich konnotiert sind.

3. Die tote Frau: Sabeth als „Schöne Leiche”: Hier wird untersucht, wie der Tod Sabeths als zentraler Angelpunkt des Romans fungiert und das patriarchale Frauenbild innerhalb der Erzählstruktur verfestigt.

4. Der sterbende Mann: Umkehrung der Dichotomien: Das Kapitel beleuchtet den Aufenthalt in Kuba und hinterfragt, ob Faber tatsächlich eine Wandlung erfährt oder lediglich innerhalb seiner bestehenden dichotomen Weltsicht verharrt.

5. „Homo faber” – ein Roman zwischen Moderne und Postmoderne ?: Die Arbeit setzt sich hier mit dem Einfluss von Simone de Beauvoir auseinander und prüft die Anschlussfähigkeit des Romans an postmoderne Diskurse.

6. Zusammenfassung: Die Ergebnisse werden resümiert: Faber bleibt in seinem dualistischen Weltbild gefangen, und der Roman erweist sich als kritische Auseinandersetzung mit der Moderne, jedoch unter Beibehaltung tradierter Geschlechterhierarchien.

Schlüsselwörter

Max Frisch, Homo faber, Gender-Forschung, Tod, Weiblichkeit, Männlichkeit, Dichotomien, Technik, Natur, Simone de Beauvoir, Postmoderne, patriarchaler Diskurs, Identität, Literaturwissenschaft, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Max Frischs Roman "Homo faber" unter besonderer Berücksichtigung der Verbindung von Geschlechterrollen und dem Motiv des Todes in der Erzählung.

Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?

Zentrale Themen sind die polare Weltsicht des Protagonisten Walter Faber, die Bedeutung des Todes als "weiblich" konnotiertes Element sowie die kritische Reflexion des Frauenbildes im Roman aus heutiger Perspektive.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und inwiefern der Roman tradierte Geschlechtervorstellungen hinterfragt oder durch seine Erzählstruktur selbst bestätigt und wie dies im Kontext von Moderne und Postmoderne zu bewerten ist.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Untersuchung nutzt Ansätze der Literaturwissenschaft, insbesondere der Gender-Forschung, der psychoanalytischen Literaturinterpretation sowie der Diskursanalyse, um die erzählerische Tiefenstruktur des Romans zu ergründen.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Im Hauptteil werden zentrale Passagen wie die Zwischenlandung in Houston, Joachims Suizid und Sabeths Tod analysiert, um die Dichotomisierungen im Weltbild der Hauptfigur und deren Wandel bzw. Beharrung zu verdeutlichen.

Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem "Homo faber", "Dichotomien", "Gender", "Patriarchat", "Technik versus Natur" sowie "Postmoderne".

Wie bewertet der Autor den angeblichen "Wandel" von Walter Faber?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein wirklicher Wandel fragwürdig bleibt, da Faber lediglich zwischen Extremen schwankt, anstatt seine tief verankerten, binären Rollenvorstellungen zu überwinden.

Welche Rolle spielt Simone de Beauvoir in der Analyse?

Simone de Beauvoirs "Das andere Geschlecht" wird als wichtiger Einflussfaktor identifiziert, wobei die Arbeit die Parallelen und Unterschiede zwischen dem damaligen feministischen Verständnis und heutigen gender-theoretischen Perspektiven aufzeigt.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Verhältnis von Tod und Geschlecht in Max Frischs Roman -Homo faber-
Hochschule
Universität Trier  (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar Der Tod in der Literatur
Note
sehr gut (1.0)
Autor
M.A. Mario Paulus (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
27
Katalognummer
V11841
ISBN (eBook)
9783638178907
ISBN (Buch)
9783638642118
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verhältnis Geschlecht Frischs Roman Seminar Literatur Thema Homo Faber
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Mario Paulus (Autor:in), 2002, Das Verhältnis von Tod und Geschlecht in Max Frischs Roman -Homo faber-, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11841
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Leseprobe aus  27  Seiten
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