Regenbogenfamilien. Die psychische Entwicklung von Kindern homosexueller Eltern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Familienbegriff

3 Erklärungsansätze zur Homosexualität
3.1 Vorwort
3.2 Grundorientierung aus christlich-anthropologischer Sicht
3.3 Die psychologisch orientierte Ebene
3.4 Die naturwissenschaftlich orientierte Ebene

4 Die Lebenssituation von Lesben und Schwulen mit Kindern
4.1 Formen homosexueller Elternschaft
4.1.1 Die Insemination
4.1.2 Das Lebenspartnerschaftsgesetzt (LPG)
4.1.3 Die Adoption
4.1.4 Diskriminierungen

5 Entwicklung der Kinder von homosexuellen Eltern – Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen
5.1 Vorurteile
5.2 Darstellung und Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse von Susan Golombok, Ann Spencer und Michael Rutter
5.2.1 Die Methode
5.2.2 Eigenschaften der Mütter
5.2.3 Die Entwicklung der Kinder - Ergebnisse
5.3 Darstellung und Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse von Jerry J. Bigner und R. Brooke Jacobsen
5.4 Zusammenfassung und Kritik

6 Perspektiven für Regenbogenfamilien

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bevor genauer auf Regenbogenfamilien[1] eingegangen wird, sollte an Hand einiger Zahlen deutlich gemacht werden, dass homosexuelle Partnerschaften, sowohl mit als auch ohne Kindern, eine Minderheit innerhalb einer Minderheit sind, denn die Mehrheit der Homosexuellen wohnt nicht mit einem Partner zusammen (vgl. Nave-Herz, 2007). Die Autorin Nave-Herz stützt sich hierbei auf eine relativ aktuelle Mikro-Zensus-Auszählung von Schneider et al. (2000), deren Ergebnis besagt, dass von allen Partnerschaften, gemeint sind homosexuelle sowie heterosexuelle sind weniger als 0,5% gleichgeschlechtliche Partnerschaften, dabei liegt der Anteil von Männern zu Frauen bei 56:44% (vgl. Nave-Herz, 2007). Dennoch leben in der Bundesrepublik Deutschland mindestens eine Million homosexuelle Eltern. Leider gibt es keine genaueren Angaben, da aufgrund des Datenschutzes die sexuelle Orientierung nicht erfasst werden kann (vgl. Lähnemann, 1997). Leider gibt es aber keine genauen Angaben darüber, wie viel homosexuelle Paare in Deutschland mit Kindern leben (vgl. Gosemärker & Körner, 2008). Jedoch gehen Experten davon aus, dass ca. 33% der Lesben und ca. 20% der Schwulen Kinder haben (vgl. Lähnemann, 1997). Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland geht nach Schätzungen davon aus, dass sich jede zweite Lesbe und jeder dritte Schwule Kinder wünschen. Der Wunsch von homosexuellen Paaren nach einem Kind bzw. Kindern verursacht bei einem Großteil der heterosexuell orientierten Unverständnis, Missbilligung und Abwehr.

An diesem Punkt sollte jedoch die Frage gestellt werden, was eine Familie ausmacht, und ob Regenbogenfamilien nicht eine von vielen Formen der sogenannten Patchworkfamilien[2] ist. Denn die klassische Konstellation von einem (heterosexuellen) Ehepaar mit leiblichen Kindern (= Kernfamilie) wird zunehmend durch andere Familienkonstellationen abgelöst, bzw. ergänzt (vgl. Schöttler, 2002). So gibt es neben der Adoption, den Geschiedenen, den Alleinerziehenden, die wechselnden Partnerschaften der Eltern und noch etliche mehr. Fasst man alle theoretisch möglichen Familientypen zusammen, so ergeben sich 16 verschiedene Familientypen (vgl. Nave-Herz, 2007). Worunter die gleichgeschlechtliche Partnerschaft und in diesem Fall Elternschaft für besonders großen Wirbel sorgt. Denn es herrscht die vehemente Vorstellung:

„so etwas gibt es nicht“oder

„so etwas darf es nicht geben“ (Lähnemann, 1997, S. 7)

Tatsächlich ist es jedoch so, dass viele Lesben und Schwule Eltern sind. Schätzungen zufolge hat jede dritte Lesbe und jeder fünfte Schwule ein oder mehrere Kinder (vgl. Lähnemann, 1997). Somit stellen homosexuelle Eltern zunehmend keine Minderheit der Minderheit dar, sonder sind eine ernst zunehmende „neue“ Familienform. In den meisten Fällen stammte der Nachwuchs aus vorherergehenden heterosexuellen Partnerschaften. Mittlerweile verwirklichen viele Lesben und Schwule ihren Kinderwunsch, nachdem sie ihr Coming-out hatten. In Zuge dessen wird oft nach der Entwicklung von Kindern mit homosexuellen Eltern gefragt. Die folgende Arbeit beschränkt sich weitestgehend auf Regenbogenfamilien, die aus einer lesbischen Paarbeziehung bestehen. Grund dafür ist der Mangel an empirischen Untersuchungen. Dennoch wird immer wieder am Rande dieser Arbeit auf Regenbogenfamilien eingegangen, die aus einer schwulen Paarbeziehung bestehen, denn auch schwule Paare, wenn auch wenige, wollen Kindern eine Familie bieten. Die Frage nach der psychischen Entwicklung von Kindern, die homosexuelle Eltern haben war Ausgangspunkt für diese Arbeit und soll im Folgenden ausführlich erörtert werden.

2 Der Familienbegriff

Der Begriff Familie ist kein statischer, sondern stets einem Wandel unterworfen, da die Ehe und die Familie in der Vergangenheit stetig instabiler wird, und somit die Pluralität von Familienformen steigt (vgl. Nave-Herz, 2007). Dadurch lassen sich auch die diversen Definitionen des Begriffs Familie erklären, wie z.B. die des amerikanischen Hauswirtschaftsverbandes:

Zwei oder mehr Personen, die gemeinsam wirtschaften, gemeinsam Entscheidungen treffen, gemeinsame Wert- und Zielvorstellungen haben und einander über einen bestimmten Zeitraum hinweg verpflichtet sind. Die Familie ist die Atmosphäre, in der man heimisch ist; und es ist dieses Geflecht von Teilen und Einander-verpflichtet-sein, das den Familienverband am besten beschreibt, ungeachtet von Blutsbanden, rechtlichen Aspekten oder Adoption oder Heirat. (Vorwort des Report on Families in Minneapolis, 1992, zitiert nach Lähnemann, 1997, S. 9)

Die Autorin Nave-Herz erachtet es als unerlässlich den Familienbegriff aufgrund der Pluralität von Familienformen und dem familialen Wandel so abstrakt wie möglich zu formulieren. Ein wesentlicher Aspekt definiert Familie wie folgt:

… ein besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis; denn über die üblichen Gruppenmerkmale hinaus (wie z.B. gemeinsames Ziel, begrenzte Zahl, Struktur, Wir-Gefühl) wird in allen Gesellschaften der Familie eine ganz spezifische Rollenstruktur mit nur für sie geltenden Rollendefinitionen und Bezeichnungen (z.B. Vater/Mutter/Tochter/Sohn/Schwester usw.) zugwiesen; (die Anzahl der Rollen und Definitionen der Rollenerwartungen sind kulturabhängig), …. . Damit bilden alleinerziehende Mütter und Väter sowie Nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern auch Familiensysteme. (Nave-Herz, 2007, S.15)

Unabhängig davon wie Familie definiert wird, sollte deutlich geworden sein, dass die Familie zweifelsohne der richtige Ort für Kinder ist, um aufzuwachsen. Im Vordergrund sollte immer das Wohl des Kindes stehen. Wer diesen Aspekt im Hinterkopf behält, wird eine Familie nach der Qualität beurteilen und nicht nach der Art der Familie (vgl. Schöttler, 2002). Überall dort, wo sich Bezugspersonen der Kinder bereit erklären sich den Bedürfnissen der Kinder zuzuwenden, ihnen Sicherheit und Beständigkeit zu geben ist Familie: „Familie ist da, wo Kinder sind“ (Schöttler, 2002, S.13).

3 Erklärungsansätze zur Homosexualität

3.1 Vorwort

Homosexualität gibt es wohl schon seit der Frühe der Menschheit. Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass Sexualität anthropologisch angelegt ist (vgl. Hofsäss, 1995). Jedoch herrscht keine einheitliche Meinung darüber, ob alle Formen von Sexualität und der daraus resultierenden Verhaltensweise anthropologisch angelegt sind (vgl. Hofsäss, 1995). Sollte dies der Fall sein, sollte auch jede Form von Sexualität als gleichwertig mit der am häufigsten vorkommenden Erscheinungsform von Sexualität sein, der Heterosexualität (vgl. ebd.). Es scheint so, als ob es der Heterosexualität keiner Erklärung bedarf, da sie die normale mehrheitlich vorkommende Erscheinungsform von Sexualität ist. Heterosexualität wird somit als natürlich angesehen. Dies impliziert jedoch, dass alle anderen sexuellen Verhaltensweisen wider der Natur sind. Welche sexuelle Verhaltensweise jedoch nicht dem Natürlichen entspricht, ist von Land zu Land unterschiedlich. Dies hängt von den jeweiligen kulturellen Normen und Werten ab. „Insofern ist eine Aussage darüber, welches Verhalten als mehr oder weniger natürlich gilt, welches Verhalten angeboren, vererbt oder durch Sozialisation erworben ist, letztlich unwesentlich“ (Hofsäss, 1995, S.30). Somit müsste sich eigentlich die Frage nach der Ursache von Homosexualität erübrigt haben. Dennoch gibt es immer mehr Untersuchungen und Forschung rund um Homosexualität. Gründe dafür sind die ablehnende Haltung der Gesellschaft, die Unwissenheit warum manche Menschen im sexuellen Verhalten von der Norm abweichen und nicht zuletzt die steigende Anzahl der Coming-Outs von Homosexuellen. Letztendlich gibt es viele verschiedene Blickwinkel, aus denen Homosexualität betrachtet und begründet werden kann. Kentler (1985) hat dazu einen treffenden Satz formuliert: „Es gibt so viele Entstehungstheorien der Homosexualität, wie es Forscher gibt, die sich mit diese [sic] Frage beschäftigt haben“ (Kentler, 1985, zitiert nach Hofsäss, 1995). In der vorliegenden Arbeit wird sich jedoch auf zwei maßgebende Entstehungstheorien beschränkt. Zuerst soll jedoch eine Grundorientierung aus christlich-anthropologischer Sicht gegeben werden, nicht zuletzt weil die Kirche, und somit der christliche Glaube in vielen Schichten v.a. in der bayerischen Bevölkerung und somit auch in Deutschland für viele Menschen die moralische Instanz darstellt und somit zum Großteil die gesellschaftlichen Normen und Werte bestimmt (vgl. Pingel & Trautvetter, 1987).

3.2 Grundorientierung aus christlich-anthropologischer Sicht

Aus schöpfungstheologisch-anthropologischer Sicht gehören nach dem Bild Gottes zu einem kompletten Menschen zwei Geschlechter, nämlich das weibliche und das männliche. Der Mensch wird erst durch die Gemeinschaft des männlichen und des weiblichen ein „ganzer“ Mensch (vgl. Vonholdt, 2006). Mann und Frau sind einzigartig aufeinander angewiesen.

Es ist wie bei den beiden Seiten einer Münze: Zwar ist auch der einzelne Mann und die einzelne Frau Träger der Ebenbildlichkeit Gottes, doch gleichzeitig ist der ganze Mensch nach dem Bild Gottes erst die einmalige dialogische Gemeinschaft von Mann und Frau. Wenn diese Einzigartigkeit der Zusammengehörigkeit und Aufeinanderverwiesenheit von männlich und weiblich in unserer Welt nicht mehr sichtbar wird, z.B. indem wir homosexuelle Lebensweisen der Ehe gleich oder ähnlich stellen, verletzen wir das geschöpfliche Bild des Menschen und verdunkeln das Bild Gottes auf unserer Erde. (Vonholdt, 2006, S.1f)

[...]


[1] Das Symbol des Regenbogens hat einen traditionellen Ursprung. Der Regenbogen steht für politische Kämpfe und für eine Mannigfaltigkeit menschlicher Lebensentwürfe (vgl. Schöttler, 2002). In diesem Fall ist die Regenbogenfahne ein Symbol der lesbisch-schwulen Emanzipationsbewegung (vgl. Ebel, 2002).

[2] Der Begriff Patchworkfamilie wird hier im soziologischen Kontext verwendet und meint Familien, die immer seltener die klassische Konstellation eines Ehepaares mit leiblichen Kindern darstellen (vgl. Schöttler, 2002).

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Regenbogenfamilien. Die psychische Entwicklung von Kindern homosexueller Eltern
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Pädagogik, Bildungs- und Sozialisationsforschung)
Veranstaltung
Sexualität im Diskurs
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
31
Katalognummer
V118411
ISBN (eBook)
9783640216444
ISBN (Buch)
9783640216505
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regenbogenfamilien, Entwicklung, Kindern, Eltern, Sexualität, Diskurs
Arbeit zitieren
Sabine Sacher (Autor), 2008, Regenbogenfamilien. Die psychische Entwicklung von Kindern homosexueller Eltern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118411

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