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Die Katastrophe von Fukushima aus systemtheoretischer Perspektive

Titel: Die Katastrophe von Fukushima aus systemtheoretischer Perspektive

Seminararbeit , 2021 , 16 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nicht nur die großen Unfälle wie der Absturz eines Flugzeugs oder ein Unfall in einer chemischen Großanlage, sondern auch kleinere Unfälle sind laut dem Organisationssoziologen Charles Perrow nicht zu verhindern. Ungeachtet all unserer Bemühungen sind einige der von uns entwickelten Systeme mit unvermeidlichen Risiken behaftet, sodass es bei ihnen zwangsläufig zu größeren Unfällen kommt. Dabei verweist Perrow darauf, dass es nicht nur die inneren systemischen Kausalitäten sind, die einen Unfall langfristig unvermeidbar machen. Unabhängig von den Verbesserungen, die ein System erfährt, um seine Sicherheit zu steigern, sind die "normalen" Katastrophen in besonders komplexen Systemen nicht zu verhindern.

Im Rahmen dieser Arbeit soll daher ein solches komplexes sozio-technisches System stehen, das von Perrow bereits ausführlich betrachtet wurde: Seit dem Unfall im US-amerikanischen Kernkraftwerk "Three Mile Islands" im Bundesstaat Pennsylvania, aber ganz besonders seit dem „Super-GAU“ im japanischen Kraftwerk "Fukushima-Daiichi" im Zusammenhang mit dem Tsunami, der am 11. März 2011 auf die japanische Küste traf, ist die Kernkraft ein Parabeispiel für komplexe Systeme, von denen das Potential eines "normalen" Unglücks ausgeht.

Um den Bezug auf das japanische Kraftwerk besser beleuchten zu können, werden auf den nächsten Seiten die Geschehnisse rund um die Kernschmelze näher beleuchtet um anschließend auf die Ausführungen Perrows zu den unterschiedlichen Arten von "Unfällen", Opfern und den verschiedenen Interaktions-Typen in sozio-technischen Systemen zurückzukommen. Ausgehend von den Theorien Perrows zu Komplexität, Kopplung und der Risikoanalyse von komplexen Systemen sowie der Systemtheorie nach Niklas Luhmann soll hierbei der Frage nachgegangen werden, wie gesellschaftliche Systeme auf die Implikationen solcher Risikosysteme reagieren. Die Ereignisse des nuklearen Super-GAUs sollen kurz skizziert und anschließend theoretisch eingebettet werden.

Anschließend wird der Unfall im Kontext anderer relevanter gesellschaftlicher Subsysteme –den Medien, der Politik, sozialen Bewegungen und der Wirtschaft – analysiert, um den "Fall Fukushima" aus einer erweiterten systemtheoretischen Perspektive betrachten zu können.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was geschah in Fukushima?

3. Theoretische Einbettung: Komplexität, Kopplung und die „normale Katastrophe“

4. Die Systemtheorie nach Luhmann

5. Die Reaktionen japanischer und europäischer Massenmedien

6. Das System der Massenmedien in der Systemtheorie

7. Soziale Bewegungen, Politik und Wirtschaft

8. Conclusio

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die nukleare Katastrophe von Fukushima aus einer systemtheoretischen Perspektive, wobei insbesondere das Zusammenspiel von technologischen Hochrisikosystemen und gesellschaftlichen Funktionssystemen analysiert wird.

  • Analyse der Katastrophe von Fukushima als sozio-technisches Versagen.
  • Anwendung der Theorie der „normalen Katastrophen“ nach Charles Perrow.
  • Erweiterung der Perspektive durch die Systemtheorie nach Niklas Luhmann.
  • Untersuchung der Rolle der Massenmedien als Instrument der Komplexitätsreduktion.
  • Reflektion über die Interaktion zwischen Politik, Wirtschaft und sozialen Bewegungen.

Auszug aus dem Buch

3. Theoretische Einbettung: Komplexität, Kopplung und die „normale Katastrophe“

Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi kam es sowohl zu menschlichem als auch zu technischem Versagen: Der ehemalige Ministerpräsident Kan sagte später, dass besonders die Konstruktionsfehler der Entwickler und die Bedienungsfehler des Personals für die Katastrophe verantwortlich wären – offensichtlich war man bei dem Entwerfen der Anlage nicht auf einen derartig großen Tsunami vorbereitet: Anstatt die Reaktoren 35 Meter über dem Meeresspiegel zu bauen, entschied man sich damals für eine Bauhöhe von lediglich zehn Metern, auch hätten die MitarbeiterInnen im Kraftwerk nicht genug Fachwissen über „innere Strukturen und Details der Reaktoren“ (welt.de) gehabt, weil diese bereits schlüsselfertig vom US-amerikanischen Konzern General Electrics übernommen worden wären – zudem gab es in Japan den gesellschaftlichen Konsens, dass die japanischen Reaktoren völlig unfall- und risikofrei zu betreiben wären (ebd.).

Für den amerikanischen Soziologen Charles Perrow handelt es sich bei Kernkraftwerken um besonders komplexe Systeme: Ähnlich wie großchemische Anlagen und Flugzeuge funktionieren solche Kraftwerke aus einer engen Nachbarschaft „von Teilen oder Einheiten, die nicht linear durch den Produktionsprozess miteinander verknüpft sind“ (Perrow 1987a, S. 115). Anders als bei den linear verknüpften Teilen und Einheiten, bei der die Interaktionen anhand definierter Schritte ablaufen, weisen die komplexen Systeme viele verschiedene multifunktionelle Verknüpfungen zwischen den Systembestandteilen auf.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik komplexer sozio-technischer Systeme ein und stellt die Relevanz der systemtheoretischen Untersuchung des Unfalls von Fukushima heraus.

2. Was geschah in Fukushima?: Dieses Kapitel skizziert den zeitlichen Ablauf der Ereignisse rund um das Erdbeben, den Tsunami und die anschließende Kernschmelze im Kraftwerk Fukushima-Daiichi.

3. Theoretische Einbettung: Komplexität, Kopplung und die „normale Katastrophe“: Es werden die Konzepte von Charles Perrow zu Komplexität und Kopplung dargelegt, um das unvermeidbare Risiko in Hochrisikosystemen zu verdeutlichen.

4. Die Systemtheorie nach Luhmann: Dieses Kapitel erläutert die Grundbegriffe der Luhmannschen Systemtheorie, wie Autopoiesis, strukturelle Kopplung und Differenzierung von System und Umwelt.

5. Die Reaktionen japanischer und europäischer Massenmedien: Die mediale Berichterstattung wird verglichen, wobei der Fokus auf der unterschiedlichen Wahrnehmung und Skandalisierung der Nuklearkatastrophe liegt.

6. Das System der Massenmedien in der Systemtheorie: Hier wird das Mediensystem als autopoietisches System analysiert, das Realität konstruiert und zur Komplexitätsreduktion in der Gesellschaft beiträgt.

7. Soziale Bewegungen, Politik und Wirtschaft: Dieses Kapitel beleuchtet das wechselseitige Irritationsverhältnis zwischen sozialen Protesten, staatlicher Energiepolitik und ökonomischen Interessen.

8. Conclusio: Die Zusammenfassung führt die Analysestränge zusammen und bewertet die Risikogeschichte von Fukushima vor dem Hintergrund der systemtheoretischen Erkenntnisse.

Schlüsselwörter

Fukushima, Systemtheorie, Charles Perrow, Niklas Luhmann, Sozio-technische Systeme, Normale Katastrophe, Massenmedien, Autopoiesis, Kernkraft, Komplexität, Kopplung, Risikomanagement, Soziale Bewegungen, Politik, Wirtschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die nukleare Katastrophe von Fukushima im März 2011 unter Anwendung systemtheoretischer Konzepte, insbesondere der Theorien von Charles Perrow und Niklas Luhmann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die systemische Komplexität von Kernkraftwerken, die Rolle der Massenmedien bei der Konstruktion von Realität sowie die Interaktion zwischen Politik, Wirtschaft und sozialen Bewegungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den „Fall Fukushima“ als Beispiel für das Versagen komplexer sozio-technischer Systeme zu begreifen und zu untersuchen, wie gesellschaftliche Teilsysteme auf solche Risikoeignisse reagieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretisch fundierte Analyse durchgeführt, die primär auf der Systemtheorie von Niklas Luhmann und den organisationssoziologischen Ansätzen von Charles Perrow zu Hochrisikosystemen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen Abläufe, die theoretische Fundierung durch Perrow und Luhmann, sowie eine detaillierte Analyse der medialen Berichterstattung und des Einflusses sozialer Bewegungen auf die Politik.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „normale Katastrophe“, „Autopoiesis“, „strukturelle Kopplung“, „Komplexitätsreduktion“ und „Risikosysteme“ charakterisiert.

Inwiefern spielt der Begriff der „normalen Katastrophe“ eine Rolle für das Verständnis von Fukushima?

Der Begriff verdeutlicht, dass in hochkomplexen, eng gekoppelten Systemen wie Kernkraftwerken Unfälle aufgrund systemischer Fehler unvermeidbar sind, unabhängig von der Qualität der Sicherheitsvorkehrungen.

Welche Bedeutung kommt den Massenmedien im Kontext der Katastrophe zu?

Medien dienen laut der Analyse als Instrument zur Verringerung gesellschaftlicher Komplexität, indem sie das Ereignis interpretieren, Realität konstruieren und dadurch andere gesellschaftliche Systeme wie Politik oder Wirtschaft irritieren.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Katastrophe von Fukushima aus systemtheoretischer Perspektive
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien
Note
2,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1184162
ISBN (PDF)
9783346610645
ISBN (Buch)
9783346610652
Sprache
Deutsch
Schlagworte
katastrophe fukushima perspektive
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2021, Die Katastrophe von Fukushima aus systemtheoretischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184162
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Leseprobe aus  16  Seiten
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