Buchrezension zu "Anthrax. Bioterror als Phantasma" von Philipp Sarasin


Rezension / Literaturbericht, 2006

4 Seiten, Note: 1,0


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Ein verheerendes Virus, das von Menschen verachtenden Terroristen auf den Westen losgelassen wurde, um dessen Bevölkerung ein für allemal auszulöschen. Leise, tödlich und vor allem unter dem Begriff Anthrax und in weiterer Folge als Bioterror medienwirksam und prägnant zusammengefasst. Handelt es sich bei diesem Szenario schon längst um Realität oder um einen verschwommenen Albtraum, der von findigen Machthabern – verstärkt durch die Ereignisse rund um den 11. September 2001 - in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerückt wurde, um die Bevölkerung in eine steten Angstzustand zu versetzen und sie auf diese Weise gefügig für die eigenen Interessen zu machen? Dieser Frage versucht der Autor in Anthrax. Bioterror als Phantasma., Prof. Dr. Philipp Sarasin, der 1956 in Basel geboren wurde und derzeit als Professor für Neuere Geschichte an der Züricher Universität tätig ist, anhand der kurz nach 9/11 aufgetauchten Anthrax-Briefe nachzugehen. Dabei betritt er keineswegs Neuland, denn mit Publikationen im Bereich der Geschichtswissenschaften[1], als auch der Bakteriologie und Körpergeschichte[2], setzte er sich schon zuvor intensiv mit verwandten Themen auseinander, die in diesem Werk immer wieder zur Sprache kommen.

Bereits im Vorwort stellt der Autor klar, in welche Richtung sein Werk gehen wird. Es soll sich demnach um keine historische Darstellung rund um die Angst vor scheinbar allgegenwärtigen Bioterror handeln. Stattdessen soll es der Versuch sein, die Ereignisse rund um die Anschläge des 9.Septembers 2001 unter einem kulturwissenschaftlichen Blickwinkel zu betrachten. Treffend für das gesamte Werk sind meines Erachtens die einleitenden Worte Sarasins, wonach „Bilder und Fiktionen, Phantasmen und Träume“ einen nicht zu verachtenden Teil dazu beitragen, wie wir die Welt sehen (S. 9). Für Sarasin ist der Grund, weshalb nach den Anschlägen auf das World Trade Center nicht die Air-Force, sondern die Nationalgarde eingeschaltet wurde, klar: Das Bild vom böswilligen Eindringling, beziehungsweise des Terroristen, der einen Menschen, eine Stadt, ein Land zu infizieren oder auszulöschen droht, ist in der amerikanischen Gesellschaft derartig stark manifestiert, dass es aufgrund dessen mehr als logisch war, sofort anzunehmen, dass zusätzlich zu den Flugzeugentführung noch Biowaffen mit im Spiel sein müssen.

Die Ursachen für diese Annahmen ortet Philipp Sarasin in der Übersensibilisierung durch Romane wie etwa Cobra von Richard Preston (S.71), diversen dystopischen Songtexten (S. 185), Videospielen (S. 187) und allen voran natürlich unzähligen Filmen wie Twelve Monkeys oder 28 Days Later (S. 188), die mit der Angst vor Bioterror und Viren gezielt spielen. So verwischte das Reale und die Fiktion in der amerikanischen Gesellschaft zunehmend zu etwas Neuem – einer neuen Realität, so Sarasin.

[...]


[1] Sarasin, Philipp (2003). Geschichtswissenschaft und Diskursanalyse, Frankfurt am Main.

[2] Sarasin, Philipp (2001). Reizbare Maschinen. Eine Geschichte des Körpers 1765-1914, Frankfurt am Main.

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Details

Titel
Buchrezension zu "Anthrax. Bioterror als Phantasma" von Philipp Sarasin
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
UE: Techniken des politikwissenschaftlichen Arbeitens
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
4
Katalognummer
V118422
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buchrezension, Anthrax, Bioterror, Phantasma, Philipp, Sarasin, Techniken, Arbeitens
Arbeit zitieren
Raphael Schön (Autor), 2006, Buchrezension zu "Anthrax. Bioterror als Phantasma" von Philipp Sarasin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118422

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