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Regionalsprachen im französischen Bildungssystem. Bedeutung der Loi Molac

Titel: Regionalsprachen im französischen Bildungssystem. Bedeutung der Loi Molac

Masterarbeit , 2022 , 66 Seiten , Note: 1.7

Autor:in: Sophia Linten (Autor:in)

Didaktik für das Fach Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Aufgrund der Aktualität der Loi Molac ist diese Arbeit auf den regionalsprachlichen Unterricht in Frankreich fokussiert. Das Thema lässt sich innerhalb der angewandten Linguistik dem Bereich der Sprachpolitik zuordnen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es einerseits die quantitative Präsenz des regionalsprachlichen Unterrichtsangebotes anhand zweier ausgewählter Regionen darzustellen. Weiterhin soll ein breites Reaktionsbild der beteiligten Akteur:innen rund um die Entscheidung des Conseil Constitutionnel bezüglich der Loi Molac aufgezeigt werden.

Ein kleiner bretonischer Junge namens Fañch brachte es im zarten Kindesalter bereits zu einer nationalen Affäre in Frankreich: Die Affaire Fañch. Die Eltern von Fañch wollten seinen bretonischen Vornamen im Jahr 2017 in die Geburtsurkunde eintragen lassen. Ein Behördenmitarbeiter weigerte sich jedoch dies zu tun. Der Grund: Die Tilde auf dem Buchstaben n existiert nicht in der französischen Sprache. Die Eltern von Fañch mussten zwei Jahre für den Vornamen ihres Sohns kämpfen, bis sie schließlich im Jahr 2019 gegenüber dem französischen Staat Recht bekamen und der Junge seinen Vornamen behalten durfte. Dieses prominente Beispiel verdeutlicht bereits die Tatsache, dass die Regionalsprachen in Frankreich nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zur französischen Sprache einnehmen.

Spätestens seit dem 20. Jahrhundert setzen sich die Anhänger*innen der Regionalsprachen für die offizielle Anerkennung ihrer Sprachen ein. Im Jahr 2021 bekamen sie hierfür erneut politische Unterstützung von dem bretonischen Abgeordneten Paul Molac. Dieser brachte ein Gesetz, die Loi Molac, durch die Assemblée Nationale , welches unter anderem den immersiven Unterricht in einer Regionalsprache im französischen Bildungsgesetzbuch verankern sollte. Auf der Zielgeraden, in letzter Instanz, wurde diese Unterrichtsform jedoch vom Conseil Constitutionnel als verfassungswidrig erklärt. Ein erneuter Schlag gegen die Regionalsprachen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen

2.1 Amtssprache

2.2 Sprachliche Vielfalt

2.3 Regionalsprache – Minderheitensprache

2.4 Regionalsprache – Dialekt

2.5 Sprachpolitik - Sprachenpolitik - Bildungspolitik

3 Historische Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich seit 1789

3.1 Die Französische Revolution

3.2 Jules Ferrys Bildungsgesetz 1882

3.3 Die Loi Deixonne 1951

3.4 Die französische Verfassung

3.5 Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen

4 Aktuelle Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich

4.1 Der Code de l’éducation

4.2 Die Loi Molac 2021

5 Das regionalsprachliche Unterrichtsangebot in der Bretagne und Grand-Est

5.1 Unterricht der Regionalsprache Bretonisch

5.2 Bilingualer und immersiver Unterricht in der Bretagne

5.3 Unterricht der deutschen Sprache im Elsass

5.4 Bilingualer und immersiver Unterricht im Elsass und Moselle

6 Reaktionsbild beteiligter Akteur*innen rund um die Loi Molac

6.1 Politiker*innen

6.2 Vereinsschulen

6.3 Regionalbevölkerung

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Situation von Regionalsprachen im französischen Bildungssystem vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Auseinandersetzungen um die Loi Molac. Das Hauptziel besteht darin, die quantitative Präsenz regionalsprachlichen Unterrichts in zwei ausgewählten Regionen (Bretagne und Grand-Est) zu erfassen und das gesellschaftliche Reaktionsbild auf die Entscheidung des Conseil Constitutionnel zur Verfassungswidrigkeit des immersiven Unterrichts detailliert darzustellen.

  • Historische Entwicklung der französischen Sprach- und Bildungspolitik seit 1789.
  • Analyse der aktuellen Rechtslage durch den Code de l’éducation und die Loi Molac.
  • Vergleichende quantitative Erhebung des Unterrichtsangebots in der Bretagne und im Elsass.
  • Untersuchung des Reaktionen von Politik, Bildungseinrichtungen und Regionalbevölkerung.
  • Kritische Reflexion des Spannungsfeldes zwischen staatlicher Einheit und sprachlicher Vielfalt.

Auszug aus dem Buch

3.2 Jules Ferrys Bildungsgesetz 1882

Nachdem die Etablierung der französischen Sprache in der Schule während der Revolution gescheitert war, konnte sie schließlich im 19. Jahrhundert realisiert werden. Der Ministerpräsident Jules Ferry führte in den Jahren 1881/1882 die allgemeine Schulpflicht ein und integrierte damit das Monopol des Französischen in der Schule und damit in der Gesellschaft.

Ferry etablierte ein laizistisches, kostenloses sowie verpflichtendes Schulsystem, welches von der Vorschule bis zur Hochschule reichte. Ziel dieses Schulsystems war die Vermittlung bzw. Beherrschung des Französischen. Dies führte zu einer konsequenten Ausgrenzung der Regionalsprachen und Dialekte im Unterricht sowie in den privaten Konversationen der Schüler*innen auf dem Schulgelände.

Anfänglich mussten die Lehrer*innen vereinzelt andere Sprachen als das Französische verwenden und lehren, um von ihren Schüler*innen, welche häufig kein Wort Französisch beherrschten, verstanden zu werden. Besonders Schüler*innen, welche als Primärsprache eine Regionalsprache wie beispielsweise Bretonisch oder Baskisch hatten, waren im Gegensatz zu den Schüler*innen mit Französisch als Muttersprache im Nachteil.

Die systematische Ausgrenzung der Regionalsprachen und Dialekte begann bereits an den Wänden der Klassenräume. Die Schulräume der Bretagne wurden beispielsweise mit der Inschrift Interdit de cracher sur terre et de parler breton plakatiert. Dadurch wurde das Sprechen der bretonischen Regionalsprache mit schlechten Manieren gleichgesetzt. Zudem wurden Schüler*innen, welche beim Gebrauch eines patois erwischt wurden, bestraft. Die Strafe war, dass sie ein signe um den Hals tragen mussten, welches sie als Sprecher*in der Mundart bloßstellte. Diesen Gegenstand konnten sie nur loswerden, indem sie andere Schüler*innen bei dem Gebrauch einer Regionalsprache oder eines Dialektes erwischten und verrieten. Diese radikale Maßnahme führte vor allem dazu, dass den regionalsprachlichen Schüler*innen ihre Muttersprachen ausgetrieben wurden. Sie wurde bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges fortgeführt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Problematik anhand der „Affaire Fañch“ und Definition der Forschungsziele bezüglich der Loi Molac.

2 Definitionen: Begriffliche Abgrenzung von Schlüsseltermini wie Amtssprache, Regionalsprache, Dialekt sowie sprach- und bildungspolitischen Feldern.

3 Historische Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich seit 1789: Überblick über die historische Entwicklung von der Französischen Revolution bis zur Europäischen Charta und deren Auswirkungen auf Regionalsprachen.

4 Aktuelle Sprach- und Bildungspolitik in Frankreich: Analyse des Bildungsgesetzbuchs und des Gesetzgebungsverfahrens sowie der gerichtlichen Entscheidung zur Loi Molac.

5 Das regionalsprachliche Unterrichtsangebot in der Bretagne und Grand-Est: Empirische Darstellung der schulsprachlichen Situation, differenziert nach Unterrichtsformen und Regionen.

6 Reaktionsbild beteiligter Akteur*innen rund um die Loi Molac: Untersuchung der gesellschaftlichen und politischen Reaktionen von Politik, Vereinen und Bevölkerung auf das Urteil des Verfassungsgerichts.

7 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Zukunft der Mehrsprachigkeit in Frankreich.

Schlüsselwörter

Regionalsprachen, Frankreich, Loi Molac, Sprachpolitik, Bildungspolitik, Conseil Constitutionnel, Immersion, Bilingualer Unterricht, Bretagne, Elsass, Sprachliche Vielfalt, Sprachwahrung, Minderheitensprachen, Jakobinismus, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Stellung und Förderung von Regionalsprachen im zentralistischen französischen Bildungssystem sowie die politischen Kontroversen, die durch den Gesetzesentwurf der Loi Molac und dessen gerichtliche Ablehnung entstanden sind.

Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die quantitative Darstellung des regionalsprachlichen Unterrichts in der Bretagne und dem Elsass sowie die Analyse des Reaktionsbildes verschiedener Akteure auf die Entscheidung des Verfassungsgerichts.

Welche Regionen stehen im Fokus der Analyse?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Region Bretagne, aufgrund der bretonischen Sprache, und die Region Grand-Est, aufgrund des Deutschunterrichts im Elsass.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf Auswertungen von Bildungsstatistiken, offiziellen Gesetzesentwürfen, Berichten und einer breiten Analyse von Pressemitteilungen sowie politischen Stellungnahmen basiert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themen umfassen historische sprachpolitische Einflüsse, die aktuelle Rechtslage durch den „Code de l’éducation“, verschiedene Formen des bilingualen und immersiven Unterrichts sowie die öffentliche Debatte über sprachliche Identität und staatliche Einheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen: Regionalsprachen, Loi Molac, Sprachpolitik, Immersion, Bildungssystem und kulturelle Identität.

Welche Rolle spielt der "Conseil Constitutionnel" für die Argumentation des Autors?

Das Gericht fungiert als Gegenspieler zur sprachlichen Vielfalt, da es durch seine Entscheidungen den immersiven Unterricht als verfassungswidrig einstuft und somit die staatliche Einheit (jakobinische Tradition) über die Förderung regionaler Sprachen stellt.

Warum wird der Begriff "Jakobinismus" in den Reaktionen der Akteure häufig verwendet?

Der Begriff dient als Kritik an einer zentralistischen Sprachpolitik, die keine Abweichungen vom Französischen duldet und somit als Unterdrückung regionaler kultureller Identitäten wahrgenommen wird.

Was hat das "Rundschreiben" vom Dezember 2021 bewirkt?

Es stellte einen Teilsieg für Befürworter des immersiven Unterrichts dar, da es diesen an öffentlichen Schulen unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichte, auch wenn eine umfassende verfassungsrechtliche Änderung weiterhin aussteht.

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Details

Titel
Regionalsprachen im französischen Bildungssystem. Bedeutung der Loi Molac
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Romanische Sprachen und Literaturen)
Note
1.7
Autor
Sophia Linten (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2022
Seiten
66
Katalognummer
V1184276
ISBN (PDF)
9783346614766
ISBN (Buch)
9783346614773
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungspolitik Sprachpolitik Frankreich Französisches Bildungssystem Regionalsprachen Regionalsprachlicher Unterricht Unterricht der Regionalsprachen in Frankreich Elsass Bretagne Bretonisch Bretonischunterricht Loi Molac Conseil Constitutionnel Immersiver Unterricht Bilingualer Unterricht
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sophia Linten (Autor:in), 2022, Regionalsprachen im französischen Bildungssystem. Bedeutung der Loi Molac, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184276
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Leseprobe aus  66  Seiten
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