Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit einer knapp vierminütigen Sequenz (im Folgenden auch „Kirchensequenz“ genannt) gegen Ende des Gangsterfilms „The Godfather“ (Der Pate) von Francis Ford Coppola. Sie wurde von Coppola persönlich als auch von vielen Kritikern als Höhepunkt des Films bezeichnet. Sie folgt auf die Beerdigung des Vaters Don Vito Corleone und darin ist die Taufe von Michael Corleones Neffen, Michael Francis Rizzi, zu sehen. Michael Corleone, durch Al Pacino verkörpert und im Folgenden nur „Michael“ genannt, schwört als Taufpate stellvertretend dem Teufel ab und bekennt sich zu Gott, während gleichzeitig in seinem Namen die Morde an den fünf größten Gegnern der Corleone-Familie durch seine Handlanger geschehen. Damit verschafft sich die Familie wieder den höchsten Status.
Dem offenkundigen Konflikt widmet sich diese Arbeit. Zunächst wird die formale Gliederung des Aufbaus der Sequenz analysiert, danach die inhaltliche. Das vorrangige Ziel ist dabei, neben der Untersuchung der Handlung auch ihr Zusammenspiel mit der filmischen Darbietung und der Inszenierung genauer zu betrachten, um somit die Wirkung beim Rezipienten besser erklären zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Formale Gliederung
2.1 Die Taufzeremonie
2.2 Die Ermordung der Gegner
2.3 Die Rangordnung der Sequenz
2.4 Die Verständlichkeit der Sequenz
2.4.1 Durch das Bild
2.4.2 Durch den Ton
2.4.3 Abweichungen
3. Inhaltliche Gliederung
3.1 Die Wandlung Michaels…
3.2 … zum Lügner und zum Paten
3.3 Der Zusammenhang mit der Taufzeremonie
3.4 Die Lüge als Distanz schaffendes Element
4. Die strittigen Stellen der Sequenz
5. Coppola und die Familie
6.Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die berühmte „Kirchensequenz“ aus dem Film „Der Pate“ von Francis Ford Coppola. Das primäre Ziel ist es, die formale und inhaltliche Struktur dieser Sequenz zu untersuchen und zu erläutern, wie das Zusammenspiel von Montage, Inszenierung und Handlung die Wirkung beim Rezipienten erzeugt.
- Analyse der formalen Gliederung durch Parallelmontage von Taufe und Mord.
- Untersuchung der inhaltlichen Wandlung der Hauptfigur Michael Corleone.
- Betrachtung der Funktion von Lüge und Distanz im Kontext familiärer und religiöser Pflichten.
- Bewertung des Einflusses der Inszenierung auf die Wahrnehmung des Zuschauers.
- Diskussion der Bedeutung von Familienbanden und religiösen Symbolen im Mafia-Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Durch das Bild
Doch durch diese beiden stilistischen Elemente entsteht das Problem, die Sequenz verständlich erscheinen zu lassen. Coppola löst dies auf verschiedene Weise: Zunächst wird die Sequenz gegenüber dem Rest des Films ‚räumlich‘ getrennt, da die Szenen vorher und nachher im Freien spielen. Zwar werden die Einstellungen mit harten Schnitten voneinander getrennt, doch erzeugen Wiederholungen von Vorangegangenem eindeutige Assoziationen. Als Beispiele lassen sich die Handführung des Priesters zum Täufling und die des Barbiers zum Handlanger Michael Rizzis nennen, Barzini im Gericht, dessen Bau an ein Kirchenschiff erinnert, oder die Fortführung des Treppenaufsteigens, durch Clemenza und zuvor erwähnten Handlanger. Dabei handelt es sich aber nie um echte Match Cuts, sondern meistens um Wiederholungen oder nur sehr entfernt Assoziation erzeugendes Aufgreifen des Vorangegangenen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Arbeit stellt die „Kirchensequenz“ als Höhepunkt des Films „Der Pate“ vor und benennt das Ziel, ihre filmische Inszenierung und Wirkung zu untersuchen.
2. Formale Gliederung: Dieser Abschnitt analysiert die parallele Montage der Taufzeremonie und der Morde sowie die methodische Gestaltung der Sequenz.
2.1 Die Taufzeremonie: Hier wird die Inszenierung der Taufszene in der St. Patrick’s Cathedral und ihre Einbettung in das filmische Gesamtgefüge beschrieben.
2.2 Die Ermordung der Gegner: Dieses Kapitel behandelt die filmische Darstellung der fünf Morde und wie diese mit den Ereignissen in der Kirche verknüpft werden.
2.3 Die Rangordnung der Sequenz: Es wird erörtert, warum die Kirchenszene als Leitszene fungiert und wie Coppola die Zeitstruktur der Romanvorlage verdichtet.
2.4 Die Verständlichkeit der Sequenz: Der Fokus liegt auf der Frage, wie der Zuschauer trotz der schnellen Schnitte die Handlung nachvollziehen kann.
2.4.1 Durch das Bild: Analyse der visuellen Assoziationsketten, die durch Schnitte und Bildwiederholungen erzeugt werden.
2.4.2 Durch den Ton: Untersuchung der Bedeutung der Orgelmusik und der auditiven Elemente für die Kohärenz der Sequenz.
2.4.3 Abweichungen: Diskussion darüber, wie inhaltliche Unklarheiten den Zuschauer bewusst von der Figur Michael distanzieren könnten.
3. Inhaltliche Gliederung: Dieses Kapitel beleuchtet den inhaltlichen Kern der Wandlung Michaels vom rechtschaffenen Bürger zum Paten.
3.1 Die Wandlung Michaels…: Beschreibung des Ausgangszustands Michaels und der Veränderung seiner moralischen Einstellung durch das Attentat auf seinen Vater.
3.2 … zum Lügner und zum Paten: Analyse, wie Michaels Lügen und sein Verhalten während der Taufe seine zunehmende Identifikation mit dem Mafia-Geschäft symbolisieren.
3.3 Der Zusammenhang mit der Taufzeremonie: Betrachtung der religiösen Dimension der Lüge im Gotteshaus und der Rolle des „Todesengels“.
3.4 Die Lüge als Distanz schaffendes Element: Untersuchung, wie die Gefühllosigkeit Michaels in dieser Sequenz den Zuschauer aus dem Vertrauensverhältnis ausschließt.
4. Die strittigen Stellen der Sequenz: Erörterung von Ungereimtheiten in der Handlung und der Frage, ob Michael bereits zu einem frühen Zeitpunkt „lügt“.
5. Coppola und die Familie: Analyse des Einflusses von Coppolas Herkunft auf die Darstellung der Familie und die „romantische Wahrnehmung der Mafia“.
6.Schlusswort: Zusammenfassung der Ergebnisse mit dem Fazit, dass die Sequenz die Immoralität der amerikanischen Mentalität im Kontext von Macht und Geschäft widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Der Pate, Francis Ford Coppola, Kirchensequenz, Michael Corleone, Parallelmontage, Filmanalyse, Mafia, Taufe, Inszenierung, Lüge, Identifikation, Filmtheorie, Macht, moralische Wandlung, Filmgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die berühmte Kirchensequenz aus dem Film „Der Pate“ und analysiert deren formale und inhaltliche Bedeutung für den Film.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die filmische Inszenierung (Montage), die moralische Wandlung der Hauptfigur Michael Corleone sowie die Verknüpfung von Religion und Verbrechen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach dem Zusammenspiel von filmischer Darbietung und Handlung, um die Wirkung dieser zentralen Sequenz auf den Zuschauer zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die formale Aspekte der Montagetechnik mit einer inhaltlichen Interpretation der Charakterentwicklung verbindet.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der formalen Struktur (Montage, Ton, Bild) und eine inhaltliche Untersuchung der Figur Michaels sowie der Darstellung der Mafia.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Parallelmontage, moralische Wandlung, „Der Pate“, Kirchensequenz und die Ambivalenz zwischen Gut und Böse.
Warum ist die Orgelmusik für die Sequenz so wichtig?
Laut Coppola fungiert die Musik als emotionales Bindeglied; sie verbindet die verschiedenen Schauplätze zu einem Ganzen und unterstreicht die dramatische Wirkung der Handlung.
Inwiefern symbolisiert Michael die Lüge in der Taufszene?
Michael schwört als Pate stellvertretend dem Teufel ab, während er in Wahrheit selbst zum „Paten“ des Verbrechens wird, was einen tiefgreifenden moralischen Widerspruch darstellt.
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- Mattias Wohlleben (Author), 2008, Der Pate - Zur Sequenz der "Taufe Michael Francis Rizzis", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118427