Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, was es heißt, Bildzeitung zu verstehen, welches Kontextwissen für das Verstehen notwendig ist und wie Schüler/innen dazu angeregt werden können, die Kontexte in ihren Verstehensprozess einzubeziehen. Dafür betrachtet das erste Kapitel der Arbeit den Entstehungskontext des Gedichts, indem die Person Enzensberger näher beleuchtet und auf die sozialgeschichtlichen Entwicklungen der BRD in den 1950er Jahren sowie die Geschichte der BILD-Zeitung eingegangen wird. Der Abschnitt beschäftigt sich anschließend mit dem Essay Bewußtseins-Industrie, um Enzensbergers Medienverständnis darzulegen. Mit dem gewonnenen Hintergrundwissen wird im zweiten Kapitel Bildzeitung literaturwissenschaftlich analysiert. Darauf aufbauend zeigt der letzte Teil der Arbeit, welches Verständnis in Bezug auf das Gedicht von Lernenden erwart- bzw. erreichbar ist, welches Kontextwissen dafür benötigt wird und wie dieses vermittelt werden kann. Ziel ist es, Bildzeitung als Lerngegenstand aufzubereiten, indem didaktische und methodische Überlegungen für das Anregen von Verstehensprozessen erarbeitet werden
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Entstehungskontext von Bildzeitung
2.1 Hans Magnus Enzensberger
2.2 Die bundesdeutsche Gesellschaft der 50er und der Aufstieg der BILD
2.3 Die Bewußtseins-Industrie
3. Bildzeitung - Literaturwissenschaftliche Gedichtanalyse
4. Bildzeitung unterrichten - Didaktische und methodische Überlegungen zu notwendigem Kontextwissen und dem Anregen von Verstehensprozessen
5. Fazit
7. Anhang
7.1 Hans Magnus Enzensberger - Bildzeitung
7.2 Arbeitsblatt „Der Aufstieg der BILD-Zeitung“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Gedicht "Bildzeitung" von Hans Magnus Enzensberger, um aufzuzeigen, wie das Werk als medien- und gesellschaftskritisches Instrument fungiert. Ziel ist es, das für ein vertieftes Textverständnis notwendige Kontextwissen zu identifizieren und didaktische Ansätze zu entwickeln, um Lernende zur kritischen Auseinandersetzung mit Boulevardmedien zu befähigen.
- Analyse des Entstehungskontexts von Enzensbergers "Bildzeitung"
- Untersuchung der medienkritischen Theorie der „Bewußtseins-Industrie“
- Literaturwissenschaftliche Interpretation des Gedichts hinsichtlich sprachlicher Mittel und Motivik
- Didaktische Aufbereitung für den Unterricht in der zehnten Klasse
- Reflexion der Rolle der BILD-Zeitung in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft
Auszug aus dem Buch
3. Bildzeitung - Literaturwissenschaftliche Gedichtanalyse
Das Gedicht Bildzeitung wurde 1957, in der Zeit des sogenannten „Wirtschaftswunders“, veröffentlicht. Das zweite Kapitel zeigte bereits die sozialgeschichtlichen Veränderungen dieser Phase, wovon auch die erst fünf Jahre zuvor gegründete BILD-Zeitung stark profitierte. Für Enzensberger war dies Anlass genug, hinter die Erfolgsgeschichte des Boulevardblattes zu schauen und zu fragen, was BILD ausmachte, mit welchen Methoden die Zeitung arbeitete und vor allem, welche „Gefahren“ damit verbunden waren.
Bildzeitung entstammt dem Gedichtband verteidigung der wölfe, mit welchem Enzensberger erstmals öffentliches Aufsehen erregte. Die dreiteilige Untergliederung des Bandes in freundliche, traurige und böse Gedichte, wobei Bildzeitung letzterem zugeordnet ist, wurde in der Erstausgabe durch „eine Art Gebrauchsanweisung [...] ergänzt“:
„Hans Magnus Enzensberger will seine Gedichte verstanden wissen als Inschriften, Plakate, Flugblätter, in eine Mauer geritzt, auf eine Mauer geklebt, vor einer Mauer verteilt; nicht im Raum sollen sie verklingen, in den Ohren des einen, geduldigen Lesers, sondern vor den Augen vieler, und gerade der Ungeduldigen, sollen sie stehen und leben, sollen auf sie wirken wie das Inserat in der Zeitung, das Plakat auf der Litfaßsäule, die Schrift am Himmel. Sie sollen Mitteilungen sein, hier und jetzt, an uns alle.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die medienkritische Problematik der BILD-Zeitung ein und formuliert das Ziel, die Vermittlung des Gedichts "Bildzeitung" im Unterricht durch die Aufarbeitung von historischem Kontextwissen zu legitimieren.
2. Der Entstehungskontext von Bildzeitung: Dieses Kapitel beleuchtet die Biografie von Enzensberger, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der 50er Jahre in der BRD sowie Enzensbergers Medientheorie der „Bewußtseins-Industrie“ als theoretische Basis.
3. Bildzeitung - Literaturwissenschaftliche Gedichtanalyse: Hier erfolgt eine detaillierte textimmanente Analyse des Gedichts, wobei insbesondere auf rhetorische Mittel, die Montage-Technik und die Dekonstruktion der von der Zeitung versprochenen Scheinwelt eingegangen wird.
4. Bildzeitung unterrichten - Didaktische und methodische Überlegungen zu notwendigem Kontextwissen und dem Anregen von Verstehensprozessen: Dieses Kapitel transferiert die Analyseergebnisse in ein Unterrichtsmodell für die zehnte Klasse, inklusive Medieneinsatz und Arbeitsblättern.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Relevanz des Gedichts als aktuelles Instrument zur Schulung der ästhetischen Urteilsfähigkeit und Medienkritik.
7. Anhang: Der Anhang enthält ergänzende Materialien, darunter eine Übersicht zum Text und ein exemplarisches Arbeitsblatt für den Unterricht.
Schlüsselwörter
Hans Magnus Enzensberger, Bildzeitung, Medienkritik, Bewußtseins-Industrie, Gedichtanalyse, Wirtschaftswunder, Boulevardpresse, Literaturdidaktik, Nachkriegsgesellschaft, Manipulation, Medienkonsum, gesellschaftskritische Lyrik, Rhetorik, Massenmedien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Gedicht "Bildzeitung" von Hans Magnus Enzensberger unter literaturwissenschaftlichen Aspekten und entwickelt didaktische Methoden, um die medienkritische Botschaft des Werks im Schulunterricht zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Medienkritik der 1950er Jahre, der Analyse von Boulevardjournalismus sowie der literaturwissenschaftlichen Untersuchung von Enzensbergers Lyrik im Kontext der Theorie der „Bewußtseins-Industrie“.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie das Gedicht "Bildzeitung" verstanden werden kann, welches Kontextwissen dafür erforderlich ist und wie Schüler durch gezielte methodische Ansätze dazu angeregt werden können, die gesellschaftskritischen Dimensionen des Textes zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Gedichts in Kombination mit einer fachdidaktischen Aufbereitung für den Unterricht angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kontextualisierung (Biografie, Gesellschaft, Medientheorie), eine tiefgehende Analyse der sprachlichen und rhetorischen Mittel des Gedichts sowie die Entwicklung eines Unterrichtskonzepts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hans Magnus Enzensberger, Medienkritik, Bewußtseins-Industrie, Boulevardpresse, Literaturdidaktik und gesellschaftskritische Lyrik.
Wie spielt die Theorie der „Bewußtseins-Industrie“ in die Analyse hinein?
Enzensbergers Essay dient als theoretischer Rahmen, um zu erklären, wie Massenmedien durch Suggestion und Scheinwelten die kritische Reflexion der Leser unterbinden, was Enzensberger in seinem Gedicht thematisiert.
Warum wird gerade das Gedicht "Bildzeitung" für den Unterricht gewählt?
Das Gedicht eignet sich laut der Arbeit besonders gut, um Schülern die Manipulationsmechanismen von Boulevardmedien aufzuzeigen und die ästhetische Urteilsfähigkeit gegenüber massenmedialen Inhalten zu schulen.
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- Felix Hutschenreuter (Author), 2020, Hans Magnus Enzensberger - Bildzeitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184303