Zertifizierungen sind ein in der Medizin in der letzten Dekade zunehmend eingesetztes Instrument des Qualitätsmanagements. Sie dienen dem Nachweis der Erfüllung eines definierten Kriterienkatalogs und über die Standardisierung der Behandlungsabläufe der Verbesserung der Behandlungsqualität als primärem Ziel. Inwiefern sich dies im Einzelnen auf medizinische und gesundheitsökonomische Kennzahlen auswirkt, ist nicht hinreichend bekannt. Ziel der Arbeit ist die Überprüfung möglicher Effekte der Zertifizierung zum Referenzzentrum für Hernienchirurgie auf die unterschiedlichen Dimensionen der Behandlungsqualität und den Erlös.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Fragestellungen und Zielsetzung
1.3 Übersicht über die Arbeit
2. THEORETISCHER TEIL
2.1 Allgemeiner Teil
2.1.1 Qualitätsbegriff im Krankenhaus
2.1.2 Qualitätsmanagement in Gesundheitseinrichtungen
2.1.3 Qualitätsindikatoren
2.1.4 Zertifizierungen und Zentrumsbildung in Krankenhäusern
2.2 Spezieller Teil
2.2.1 Hernienchirurgie
2.2.2 Externe Qualitätssicherung in der Hernienchirurgie
2.2.3 Zertifizierung zum Hernienzentrum
3. METHODE
3.1 Das BundeswehrZentralkrankenhaus
3.2. Qualitätsmanagement am BWZK
3.2.1 Leitbild und Leitsatz
3.2.2 Zertifizierungen
3.3 Die Klinik für Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie am BWZK
3.3.1 Hernienzentrum am Bundeswehrzentralkrankenhaus
3.4 Ein- und Ausschlusskriterien
3.5 Datenakquise und Datenaggregation
3.6 Datenauswertung
3.7 Statistik
4. ERGEBNISSE
4.1 Strukturvergleich
4.2 Beschreibung der Kollektive vor und nach Zertifizierung
4.3 Veränderungen bei der Anzahl und Schwere der Fälle
4.4 Auswirkungen der Zertifizierung auf die Prozess- und Ergebnisqualität
4.4.1 Prozessqualität
4.4.2 Ergebnissqualität der chirurgischen Behandlung
4.5 Controllingdaten
4.6 Zusammenfassung der Ergebnisse
5. DISKUSSION
5.1 Interpretation der eigenen Ergebnisse
5.2 Beurteilung des eigenen Vorgehens
5.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Zertifizierung des Hernienzentrums am Bundeswehrzentralkrankenhaus (BWZK) auf die medizinische Behandlungsqualität, die Behandlungskomplexität und die Erlössituation. Ziel ist es, durch einen Vergleich von Patientenkollektiven vor und nach der Zertifizierung zu evaluieren, ob sich diese Qualitätsmanagementmaßnahme messbar positiv auf patientenrelevante Parameter und wirtschaftliche Kennzahlen auswirkt.
- Evaluierung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nach der Zertifizierung.
- Analyse der Veränderungen im Patientenkollektiv (Schweregrad, Komorbiditäten) im Zeitverlauf.
- Untersuchung von Kennzahlen zur Behandlungsqualität (Komplikationsraten, Schmerzniveau, Liegedauer).
- Betrachtung der ökonomischen Effekte anhand von Case-Mix-Index und Erlösdaten.
- Evaluation der wissenschaftlichen Aktivitäten als Indikator für Qualitätsmanagement und Prozessoptimierung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Mit jährlich 25 Millionen Operationen weltweit und allein 350.000 Operationen pro Jahr in Deutschland stellt die Hernienchirurgie den quantitativ bedeutsamsten Anteil der Eingriffe in allgemein- und viszeralchirurgischen Kliniken dar (Kockerling and Simons 2018; Langer, Becker and Liersch 2007; Stechemesser et al. 2012; Türler and Klozoris 2008). Hernienchirurgie wird in unterschiedlicher Komplexität in nahezu allen allgemein- und viszeralchirurgischen Abteilungen in Deutschland betrieben (Kockerling et al. 2019b). Damit besitzt sie eine bedeutsame medizinische, aber auch sozioökonomische Relevanz (Aydin et al. 2021; Palmqvist et al. 2013).
Insbesondere in den letzten beiden Dekaden hat ein bemerkenswerter Innovationsdrang in der Hernienchirurgie seinen Weg in die praktische Anwendung gefunden (Douissard et al. 2020; Kockerling et al. 2019a). Es kam zur Entwicklung zahlreicher minimalinvasiver Verfahren oder Hybridverfahren z.B. MILOS, VAMOS, eTEP, TAPP, IPOM, etc. (Reinpold et al. 2019; Schwab, Sahm and Willms 2018). Übergeordnetes Entwicklungsziel dieser Prozessmodifikation stellt die Verbesserung der Leistungserbringung am Patienten mit Reduktion der verfahrensassoziierten Morbidität als höchstem Gut der Ergebnisqualität dar (Behar and al. 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die medizinische und sozioökonomische Bedeutung der Hernienchirurgie und definiert die Zielsetzung der Studie bezüglich der Effekte einer Zertifizierung.
2. THEORETISCHER TEIL: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Qualitätsmanagements im Krankenhaus sowie die spezifischen Anforderungen und Prozesse für die Zertifizierung von Hernienzentren.
3. METHODE: Es werden das BWZK als Untersuchungsumfeld, die Definition der Patientenkollektive sowie die angewandten Erhebungs- und Auswertungsverfahren für die Datenanalyse beschrieben.
4. ERGEBNISSE: Hier erfolgt die detaillierte Darstellung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisdaten sowie der Erlössituation im Vergleich der beiden Beobachtungszeiträume.
5. DISKUSSION: Das letzte Kapitel interpretiert die erhobenen Daten, reflektiert das eigene Vorgehen kritisch und gibt einen Ausblick auf die Bedeutung zukünftiger Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Zertifizierung, Hernienchirurgie, Qualitätsmanagement, Outcome, Hernienzentrum, Krankenhaus, Chirurgie, Strukturqualität, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Case Mix Index, BWZK, Patientensicherheit, medizinische Behandlung, Benchmarking
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterthesis untersucht die Effekte der Zertifizierung eines Hernienzentrums am Bundeswehrzentralkrankenhaus (BWZK) auf die Qualität der medizinischen Behandlung, die Erlössituation und die Prozessabläufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen, der Hernienchirurgie als chirurgische Disziplin sowie der Implementierung von Zentrumsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, ob die Zertifizierung zum Referenzzentrum messbare positive Auswirkungen auf die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität sowie auf die Erlöse des Hernienzentrums hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse zweier Patientenkollektive (vor und nach Zertifizierung) unter Anwendung multidimensionaler Datenerfassung und statistischer Auswertung via SPSS.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die detaillierte Methodik der Datenerhebung sowie eine umfangreiche Ergebnisdarstellung und deren kritische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich insbesondere auf Qualitätsmanagement, Hernienchirurgie, Outcome-Messung und die Auswirkungen von Zertifizierungen auf verschiedene Stakeholder.
Welche Auswirkung hatte die Zertifizierung auf die Liegedauer?
Insbesondere bei Patienten mit Narbenhernien konnte eine signifikante Verkürzung der Krankenhausverweildauer nach der Zertifizierung festgestellt werden.
Wie hat sich die Erlössituation verändert?
Die Erlöse des Hernienzentrums sind nach der Zertifizierung um 27,58 % bzw. knapp 444.000 Euro pro Jahr gestiegen.
Welchen Einfluss hatte die Zertifizierung auf die Patientenqualität?
Trotz eines älteren und kränkeren Patientenkollektivs konnten signifikante Verbesserungen in der Ergebnisqualität erzielt werden, beispielsweise durch reduzierte postoperative Komplikationsraten bei Leistenhernien.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Zertifizierung in der Hernienchirurgie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184364