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Konstruktion von Gesundheitskompetenz. Rolle von Krankenkassen

Titel: Konstruktion von Gesundheitskompetenz. Rolle von Krankenkassen

Bachelorarbeit , 2015 , 64 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Julia Wolf (Autor:in)

Soziologie - Medizin und Gesundheit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Welche Rolle spielt die Organisation Krankenkasse bei der Konstruktion von Gesundheitskompetenz? Für die präzise Beantwortung der Fragestellung erfolgt in dieser Arbeit zunächst die Beschreibung des empirischen Gegenstandes, in dem das theoretische Verständnis und die gesellschaftliche Bedeutung von Gesundheit geklärt wird. Daran anschließend wird im theoretischen Hintergrund anhand ausgewählter Literatur das Vorverständnis und der Nutzen der Differenzierungstheorie dargelegt und auf die Funktion von Organisationen im allgemeinen und von Krankenkassen im besonderen eingegangen.

Um dann die Bedeutung der Krankenkassenrolle empirisch zu erfassen, wurden im Rahmen der Forschung drei offene Leitfadengespräche mit Krankenkassenmitarbeitern geführt, welche anschließend anhand der dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack ausgewertet wurden. Diese Methode stellt eine Beobachtung zweiter Ordnung in den Mittelpunkt und kann entsprechend Aufschluss über die Fragestellung geben.

Das methodische Vorgehen wird in einem eigenen Kapitel näher erklärt und auf die vorliegende Forschung bezogen. Daran anschließend werden Fragen an das empirische Material formuliert, mit deren Hilfe die Transkripte ausgewertet werden. Die darauf aufbauende soziologische Analyse bildet damit den Kern der Arbeit. Abschließend werden im Fazit die Ergebnisse der Forschung zusammengefasst und die Forschungsfrage beantwortet und sich daraus ergebende Anreize aufgezeigt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesundheit als soziales Konstrukt

3 Theoretischer Hintergrund

3.1 Differenzierungstheoretische Beobachtung von Gesundheit

3.2 Organisationen innerhalb der Differenzierungstheorie

4 Krankenkassen als Leitorganisation für den Funktionsbereich Gesundheitsförderung

5 Fragestellung an das empirische Material

6 Methodisches Vorgehen

6.1 Erhebung

6.2 Auswertung

7 Analyse

7.1 Formale Interpretation

7.2 Reflektierende Interpretation

8 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die soziologische Rolle von Krankenkassen bei der Konstruktion von Gesundheitskompetenz in einer funktional differenzierten Gesellschaft. Sie analysiert, wie diese Organisationen durch Präventionsangebote Gesundheit als gesellschaftlich relevantes und bearbeitbares Problem etablieren und welche Einflussmöglichkeiten sowie Grenzen dabei bestehen.

  • Gesellschaftliche Konstruktion von Gesundheit und Gesundheitskompetenz
  • Die Organisation Krankenkasse als Leitorganisation im Gesundheitsförderungssystem
  • Wechselwirkungen zwischen Krankenkassen, politischer Umwelt und Wettbewerb
  • Herausforderungen der Prävention in verschiedenen Lebenswelten

Auszug aus dem Buch

3.1 Differenzierungstheoretische Beobachtung von Gesundheit

Wie kann die Beschreibung von Kickbusch soziologisch erklärt werden? Jürgen Pelikan (2009) kritisiert die einseitige Sichtweise einer "Gesundheitsgesellschaft", denn er geht von einer funktional differenzierten Gesellschaft aus, in der spezifische Systeme eine bestimmte gesellschaftliche Funktion erfüllen. Durch die zunehmenden Versuche positive Gesundheit gezielt zu produzieren spricht Pelikan von einem Gesundheitsförderungssystem als ein sich neu ausdifferenzierendes Funktionssystem (vgl. ebd.: 36). Die Organisationen innerhalb des Gesundheitsförderungssystems sehen suboptimale Gesundheit als ein bearbeitbares Problem. Pelikan beschreibt Gesundheit dabei als sozial bewertete und erwartete Qualität, die an Lebewesen beobachtet werden kann. Sie fungiert als Determinante, die das weitere Leben sowohl quantitativ (Lebenserwartung) als auch qualitativ (Lebensqualität) beeinflusst (vgl. ebd.: 31). Im Gegensatz dazu sieht er Krankheit als Ergebnis von verursachenden Faktoren, die die Lebensqualität und die quantitative Lebensdauer beeinträchtigen. Krankheit gilt als Abweichung von einem erwarteten Normalzustand und somit ist deren Entstehung gezielt präventiv vorzubeugen.

Nicht nur die Behandlung von Krankheit wird als machbar angesehen, sondern auch die Förderung von positiver Gesundheit (Pelikan 2009: 33f). Positive Gesundheit als Ergebnisqualität muss ständig reproduziert und beeinflusst werden. Sie entscheidet über die Funktionstüchtigkeit als Widerstandsfähigkeit gegenüber der Umwelt und über das subjektive Wohlbefinden bezogen auf Körper, Psyche und Sozialstatus. Pelikan geht von einer Bedeutungszunahme von Gesundheit in der gegenwärtigen Gesellschaft aus, die durch die funktionale Differenzierung erklärt werden kann. Diese Sichtweise beinhaltet die unterschiedliche Konstruktion von sozialer Realität und kann somit Hilfe bei der Beantwortung der Fragestellung leisten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Allgegenwärtigkeit von Gesundheit in der modernen Gesellschaft dar, definiert Gesundheitskompetenz und leitet daraus die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der Krankenkassen bei deren Konstruktion ab.

2 Gesundheit als soziales Konstrukt: Dieses Kapitel erläutert, wie Gesundheit soziologisch als gesellschaftlich konstruierte Ressource und als Ziel der Gesundheitsgesellschaft verstanden wird.

3 Theoretischer Hintergrund: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Differenzierungstheorie von Luhmann und Pelikan sowie organisationstheoretische Ansätze, insbesondere von Hiller, Weick und Bode, aufgespannt.

4 Krankenkassen als Leitorganisation für den Funktionsbereich Gesundheitsförderung: Das Kapitel beschreibt Krankenkassen als hybride Organisationen, die im Kontext des Präventionsgesetzes und des Wettbewerbs eine zentrale Rolle in der Gesundheitsförderung einnehmen.

5 Fragestellung an das empirische Material: Dieses Kapitel leitet aus der Literatur konkrete Untersuchungsfragen ab, um die Rolle der Krankenkassen bei der Wirklichkeitskonstruktion im Bereich Gesundheit empirisch zu erfassen.

6 Methodisches Vorgehen: Die Arbeit nutzt eine qualitative Forschungsmethode, bei der drei offene Leitfadeninterviews mit Krankenkassenmitarbeitern mittels der dokumentarischen Methode nach Bohnsack analysiert werden.

7 Analyse: Der Kern der Arbeit unterteilt sich in die formale Interpretation der Interviewinhalte und die reflektierende Interpretation zur Rekonstruktion latenter Orientierungsmuster der Akteure.

8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird beantwortet, wie Krankenkassen durch Sinnerzeugungsprozesse Gesundheit als gesellschaftlich relevant etablieren und dabei das Dilemma zwischen gesetzlichem Auftrag, Wettbewerbsdruck und dem Präventionsdilemma navigieren.

Schlüsselwörter

Gesundheitskompetenz, Krankenkassen, Systemtheorie, soziale Konstruktion, Prävention, Gesundheitsförderung, Differenzierungstheorie, organisationale Entscheidung, Leitfadengespräche, dokumentarische Methode, Gesundheitsgesellschaft, Lebenswelten, Wettbewerb, Eigenverantwortung, Gesundheitsmanagement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welche soziologische Bedeutung die Organisation "Krankenkasse" im Prozess der gesellschaftlichen Konstruktion von Gesundheit und Gesundheitskompetenz einnimmt.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Im Fokus stehen die systemtheoretische Betrachtung von Gesundheit als Code, die Rolle von Organisationen in funktional differenzierten Gesellschaften sowie die praktische Umsetzung von Gesundheitsförderung und Prävention durch Krankenkassen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Rolle der Krankenkasse als Akteur zu analysieren, der durch Kommunikation und Angebote ein spezifisches Verständnis von "Gesundheit" in der Gesellschaft institutionalisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Untersuchung verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Forschungsstrategie, konkret auf drei offenen Leitfadengesprächen mit Mitarbeitern von Krankenkassen, die im Anschluss mittels der dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack ausgewertet wurden.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Hintergrund, die Darstellung der Krankenkasse als Leitorganisation sowie eine empirische Analyse, die formale und reflektierende Interpretationsschritte umfasst.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gesundheitskompetenz, Sozialkonstruktivismus, Systemtheorie nach Luhmann und das Konzept der "Gesundheitsgesellschaft" nach Kickbusch bestimmt.

Wie gehen Krankenkassen mit dem Dilemma zwischen gesetzlichem Auftrag und Wettbewerb um?

Das Dokument zeigt, dass Krankenkassen versuchen, Präventionsangebote als Wettbewerbsvorteil zu nutzen, während sie gleichzeitig durch den Wettbewerbsdruck die Verbindlichkeit dieser Angebote für Versicherte nur schwer einfordern können.

Warum wird die Lebenswelt Schule als besonders wichtig erachtet?

In den Interviews wird die Schule als zentrales Setting identifiziert, da hier durch frühzeitige Sensibilisierung von Schülern nachhaltige Gesundheitsstrukturen geschaffen werden können, bevor eine "fehlende Kompetenz" verfestigt ist.

Wie bewerten die befragten Mitarbeiter die Wirksamkeit von Prävention?

Obwohl die Mitarbeiter von der Notwendigkeit überzeugt sind, räumen sie ein, dass eine datengetriebene Evaluation der Wirksamkeit schwierig ist, weshalb Prävention primär über die Sinnhaftigkeit und langfristige Bedeutung legitimiert wird.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Konstruktion von Gesundheitskompetenz. Rolle von Krankenkassen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Autor
Julia Wolf (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
64
Katalognummer
V1184368
ISBN (PDF)
9783346612649
ISBN (Buch)
9783346612656
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitskompetenz Krankenkassen Differenzierungstheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia Wolf (Autor:in), 2015, Konstruktion von Gesundheitskompetenz. Rolle von Krankenkassen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1184368
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Leseprobe aus  64  Seiten
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