Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, Übung in Enthaltsamkeit ep. 18, 1-5 und 9-13


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Übersetzung mit Kommentar von ep
- 1-5
- 9-13

III. Interpretation der Textstellen 18, 1-5 und 9-13
- 1-5
- 9-13

IV. Schlusswort

Bibliographie

I. Einleitung:

In Epistel 18 greift Seneca mit der Kontrolle von Affekten einen bedeutenden Kernpunkt der stoischen Ethiklehre auf. Im Mittelpunkt dieses Briefes steht das Verhalten der Menschen gegenüber Reichtum, Üppigkeit, Vergnügungen und Lust. Daraus leitet Seneca Vorschriften für den Weisen ab, wie er sich gegenüber diesen Affekten im Leben verhalten soll. Möchte man den 18. Brief titulieren, könnte man neben der Überschrift in unserer Semestervorschau: „Übung in Enthaltsamkeit“ auch die Alternativen „Rehearsal of Poverty“ (Summers) oder „Ascese“ (Wagenvoort)[1] in Erwägung ziehen.

Zunächst werden die Abschnitte 1-5 und 9-13 des 18. Briefes gründlich übersetzt und mit einem Übersetzungskommentar versehen.

Anschließend erfolgt eine Interpretation eben jener Stellen, anhand welcher gezeigt werden soll, wie Seneca ethische Grundsätze der Stoa für den Menschen greifbar und praktisch anwendbar macht.

II. Übersetzung mit Kommentar von ep. 18, 1-5 und 9-13:

18, 1-5:

18 Seneca grüßt seinen Freund[2] Lucilius

1 Es ist der Monat Dezember: Die Stadt[3] müht sich besonders ab. Das Recht auf Genusssucht ist öffentlich gewährt[4]. Alles dröhnt von gewaltigen Vorbereitungen[5], als ob es irgendeinen Unterschied zwischen den Saturnalien und den Arbeitstagen gäbe; so wenig gibt es einen Unterschied, dass mir <nicht> scheint, dass derjenenige, der gesagt hat, dass einst der Dezember ein Monat war, nun aber[6] ein Jahr ist[7], sich geirrt hat.

2 Wenn ich Dich hier hätte, würde ich mich gerne mit Dir besprechen, was Deiner Meinung nach[8] getan werden müsse, nämlich[9] ob wir[10] nichts an der täglichen Gewohnheit verändern sollen, oder ob wir, damit wir nicht zu den öffentlichen Bräuchen im Widerspruch zu stehen scheinen, sowohl fröhlicher speisen als auch die Toga ablegen sollen. Denn wir haben das Gewand des Vergnügens und der Festtage wegen gewechselt, was nur bei Aufruhr und in finsteren Zeiten[11] des Staates zu geschehen pflegte.

3 Wenn ich Dich gut kenne, hättest Du in der Funktion des Schiedsrichters[12] gewollt, dass wir weder der Filzkappe tragenden Menge in allem ähnlich, noch in allem verschieden von ihr[13] sind; es müsste denn sein, dass man besonders an diesen Tagen dem Geist befehlen muss, sich dann als einziger der Vergnügungen zu enthalten, wenn sich jenen die ganze Menge zugeneigt hat; denn den sichersten Beweis seiner Standhaftigkeit erreicht er, wenn er den Verführungen[14] und den Dingen, die ihn zur Genusssucht hin ziehen, weder folgt, noch dorthin[15] weggeführt wird.

4 Dies ist viel tapferer, nämlich[16] wenn das Volk trunken ist und sich übergibt, trocken und enthaltsam zu sein, jenes ist mäßiger, nämlich sich weder herauszuhalten, noch sich[17] zu schmücken, noch sich allen anderen[18] beizumischen[19], und dasselbe, aber nicht auf dieselbe Weise zu tun; denn man kann einen Festtag auch[20] ohne Genusssucht begehen.

5 Übrigens beliebt es mir so sehr, die Standhaftigkeit Deines Geistes zu prüfen, dass ich gemäß der Lehre der großen Männer auch Dir rate: Schiebe ein paar Tage ein, an denen Du mit sehr[21] wenig und sehr[22] einfacher Kost, mit harter und rauher Kleidung zufrieden[23] zu Dir sagen sollst[24]: „Ist es das, wovor man sich fürchtete?“

. . .

18, 9-13:

9 Epikur, jener Lehrmeister der Lust, hatte bestimmte Tage, an denen er den Hunger ärmlich stillte[25], um zu sehen, ob dem Genuss in höchster Vollendung[26] irgendetwas fehle, oder wieviel ihm[27] fehle, und ob es wert sei[28], dass[29] irgendeiner es mit großer Mühe erkaufe. Dies sagt er zumindest in den Briefen, die er unter dem Archontat des Charinos an Polyainos geschrieben hat; und zwar rühmt er sich dessen, dass er sich nicht für ein ganzes As ernähre, Metrodoros jedoch[30], der[31] noch nicht so weit fortgeschritten ist, für ein ganzes.

10 Meinst Du, dass in dieser Kost Sättigung steckt[32] ? Es steckt sogar[33] Genuss darin; aber nicht jener Genuss, der leicht und flüchtig ist und gleich darauf wiederhergestellt werden muss, sondern ein beständiger und sicherer. Denn Wasser und Gerstenbrei oder ein Bissen Gerstenbrot sind keine angenehme Sache, aber es ist der höchste Genuss, auch darin Genuss empfinden zu können, und sich auf das beschränkt zu haben, was[34] keine Ungerechtigkeit des Schicksals entreißen kann.

[...]


[1] in: G. Maurach, Der Bau von Senecas epistulae morales, Heidelberg, 1970, 81.

[2] ergänzt.

[3] wörtl.: die Bürgerschaft.

[4] wörtl.: …ist öffentlich gegeben worden.

[5] als Pl. übersetzt.

[6] ergänzt.

[7] ergänzt.

[8] wörtl.: … was du denkst, dass getan werden müsse.

[9] ergänzt.

[10] zu den Gerundiv-Formen jeweils nobis ergänzt.

[11] als Pl. übersetzt.

[12] wörtl.: als einer, der die Rolle des Schiedsrichters inne hat.

[13] ergänzt.

[14] als Substantiv übersetzt.

[15] ergänzt.

[16] ergänzt.

[17] se ergänzt.

[18] ergänzt.

[19] reflexiv aufgefasst und übersetzt.

[20] ergänzt.

[21] Superlativ elativisch übersetzt.

[22] Superlativ elativisch übersetzt.

[23] als Adverb übersetzt.

[24] als Iussiv übersetzt.

[25] Konjunktiv deutet auf einen finalen Nebensinn hin.

[26] plena et consummata voluptate als Hendiadyoin aufgefasst und mit einem Ausdruck übersetzt.

[27] ergänzt.

[28] esset ergänzt.

[29] quod ist Relativpronomen und bezieht sich auf ein zu ergänzendes id; der Konjunktiv im Relativsatz steht, weil dignus mit einem konjunktivischen Relativsatz konstruiert wird.

[30] ergänzt.

[31] Konjunktiv steht wegen attractio modi.

[32] freier: Meinst du, dass du durch diese Kost nur gesättigt wirst?

[33] et = etiam

[34] Konjunktiv steht wegen attractio modi.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, Übung in Enthaltsamkeit ep. 18, 1-5 und 9-13
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Seneca, Epistulae morales ad Lucilium
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V118443
ISBN (eBook)
9783640216871
ISBN (Buch)
9783640217168
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seneca, Epistulae, Lucilium, Enthaltsamkeit, Seneca, Epistulae, Lucilium
Arbeit zitieren
Andreas Keilbach (Autor), 2006, Seneca, Epistulae morales ad Lucilium, Übung in Enthaltsamkeit ep. 18, 1-5 und 9-13, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118443

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